Hallo und herzlich willkommen auf dem Finanzplaneten! Mein Name ist Kai und heute betrachten wir mit Maersk ein Unternehmen, das aktuell ziemlich im Trend liegt. In Zeiten immer stärkerer wirtschaftlicher Vernetzung auf der Welt, sollte ein globales Transportunternehmen ziemlich mitverdienen. Oder macht Corona hier gerade einen Strich durch die Rechnung? Könnte die Angst vor internationalen Konflikten vielleicht berechtigt sein? Das alles betrachten wir in der Maersk Aktienanalyse, viel Spaß!

Grundlagen

Als erstes betrachten wir bei Maersk das Geschäftsmodell und die Entstehungsgeschichte des Unternehmens. Wenn wir sehen, wo Maersk heute steht und wie es dort hingekommen ist, kann man vielleicht schon erahnen, wo es in Zukunft hingeht.

Geschäftsmodell

Gerade habe ich schon vorweggenommen, dass Maersk ein Logistikunternehmen ist. Man hat sich hier außerdem sehr deutlich auf die Containerschifffahrt und angrenzende Bereiche konzentriert.

Historische Eckdaten

1904 wurde Möller-Maersk von dem namensgebenden Vater und Sohn gegründet. Nachdem das Geschäft eingangs mit nur einem Schiff betrieben wurde, baute man schnell auch die erste Werft und kaufte und baute weitere Schiffe. Neben dem reinen Frachtverkehr begann man auch mit Tankeraktivitäten. So macht es nur Sinn, dass man 1962 auch mit Öl- und Gasabbau im dänischen Hoheitsgebiet begann. Ende der 90er Jahre wurden weitere Reedereien in verschiedenen Teilen der Welt erworben. Mit dem Kauf der Royal P&O Nedllyod NV aus den Niederlanden für 2,3 Mrd. Euro wurde man 2005 schließlich zum größten Schiffsfrachtunternehmen der Welt.

Mit der Finanzkrise schrieb das Unternehmen aufgrund der damit einhergehenden Rezession erstmals rote Zahlen. In den nächsten Jahre konnten allerdings bereits wieder Gewinne in Milliardenhöhe verzeichnet werden. Anfang der 2010-Jahre wurden so auch direkt weitere Schiffe bestellt und 2017 wurde eine weitere Reederei zugekauft. Um in Asien konkurrenzfähig zu sein, kooperiert man auch mit europäischen Konkurrenten. So kann man im entfernteren Asien zusammenarbeiten um Synergien schaffen. Die chinesische Wettbewerbsbehörde untersagte hier 2014 allerdings die Zusammenarbeit der Unternehmen. Um trotzdem weiter in Asien Fuß zu fassen, hat Maersk in 2021 für 3,6 Mrd. USD LF Logistics gekauft. Hierbei handelt es sich um ein Logistikunternehmen mit Sitz in Hongkong.

Produktanalyse

Nun wollen wir uns mal anschauen woher genau die Gewinne bei Möller-Maersk kommen. In welchen Geschäftsbereichen wären wir als Maersk Aktionäre also beteiligt.

Geschäftsgebiete

Im Segment Ocean werden 73% der Umsatzerlöse eingespielt. Dieser Bereich umfasst die weltweite Containerschifffahrt einschließlich strategischer Umschlagplätze. Das Segment Logistics & Services umfasst die Logistik im Binnenmarkt und zugehörige Dienstleistungen und Managementhilfen. Hier werden noch 18% umgesetzt. Mit 10% vom Umsatz konzentriert sich das Segment Terminals & Towage auf Gateway-Terminal-Aktivitäten, Schleppdienste und damit verbundene maritime Dienstleistungen. Das Segment Manufacturing & Others umfasst die Produktion von Containern, weiteren Lieferdiensten zur See sowie weitere kleinere Dienstleistungen und sorgt damit noch für 3% Umsatz. Der Großteil kommt also wirklich aus der reinen Containerschifffahrt.

Maersk Aktienanalyse
Quelle: Marketscreener.com

Absatzmärkte

Wie ihr auf der Grafik vom Marketscreener sehen könnt, ist Maersk unfassbar global. Der einzige für sich allein nennenswerte Markt sind mit 26% die USA. Ansonsten sind wirklich alle Märkte nur sehr kleinteilig und ganze 44% werden deswegen sogar unter „Other“ zusammengefasst.

Maersk Aktie Analyse
Quelle: Marketscreener.com

Auswertung

Da der Transport über See nicht von einer einzelnen Branche abhängig ist, kann man darüber hinwegsehen, dass beinahe der gesamte Umsatz aus dieser Tätigkeit kommt.  Daneben ist das Unternehmen bis zum Maximum regional aufteilt, sodass auch hier kein Risiko besteht. Für mich glatte zwei von zwei Punkten in der Produktanalyse.

Branchenanalyse

Als nächsten betrachten wir die Branche der internationalen Containerschifffahrt.

Attraktivität der Branche

Bezüglich des Wachstums der Branche hängt viel von der Weltwirtschaft ab. Wenn mehr gehandelt wird, dann muss auch mehr über die Weltmeere transportiert werden. So wurden wegen der Covid-19 Pandemie zunächst sehr viel weniger Container nachgefragt. Nun wendet sich allerdings das Blatt und die Container sind Mangelware. Nach meiner Recherche habe ich Prognosen gefunden, die gut 4% jährliches Branchenwachstum vorhersagen.

Wettbewerber

Der Markt ist deutlich weniger fragmentiert als so manch anderer Markt. Die ganz großen Unternehmen kommen hier insbesondere aus Asien und hier besonders aus China. Aktuell drängt wohl auch Indien auf den Markt, sodass es künftig vielleicht doch mehr Konkurrenz gibt. Maersk ist mit 734 Schiffen in 2020 aktuell die größte Reederei der Welt.

Kunden

Die Kunden sind hier ausschließlich gewerblich. Transportkosten machen je nach Produkt einiges an den Gesamtkosten aus, weswegen hier besonders stark verhandelt werden dürfte.

Zulieferer

Als Reederei braucht man insbesondere Schiffe, Treibstoff und Container. Während es bei Containern und Treibstoff noch relativ viele Anbieter und vor allem auch Nachschub gibt, wird die Auswahl bei Werften deutlich geringer. Zusätzlich dauert es recht lang ein Schiff zu bauen. Aber auch bei Treibstoff ist der Verhandlungsspielraum klein, da die Preise hier am Rohstoffmarkt gemacht werden.

Ersatzprodukte

Wie ihr auf der Grafik seht, ist das Schiff zusammen mit dem Zug der günstigste Transportweg. Da das eine auf dem Land und das andere auf dem Wasser stattfindet, kann keiner der beiden Transportwege den anderen übertrumpfen. Insofern gibt es keinen gleichwertigen Ersatz für die Schifffahrt, da diese viel günstiger ist als Luftfracht. Diese lohnt wiederum nur, wenn es schnell gehen muss.

Markteintrittsbarrieren

Die Bestellung von 20 Schiffen in 2013 hat Möller-Maersk damals je Schiff 190 Millionen Euro gekostet. Wenn wir uns nun ins Gedächtnis rufen, dass das Unternehmen über 700 Schiffe unterhält, so bedeutet dies eine riesige Erstinvestition, um hier in der oberen Liga mitspielen zu können. Allein dieser Punkt bedeutet schon einen enorm tiefen Burggraben für die Marktführer.

Auswertung

Die Preissetzung ist hier insbesondere gegenüber den gewerblichen Kunden und bei den Lieferanten eingeschränkt. Hierfür ziehe ich zwei Punkte ab. Insgesamt landen wir also bei 4 von 6 möglichen Punkten in der Produktanalyse.

Marktstellung

In der Branchenanalyse habe ich bereits erwähnt, dass Maersk der Marktführer unter den Container-Reedereien ist. Nun betrachten wir die Marktstellung aber noch etwas detaillierter.

Produktentwicklung

Als nächstes schauen wir uns an wie innovativ Möller-Maersk ist und wie stark es sich bemüht zu wachsen. Die Schifffahrt ist jedoch Jahrtausende alt und wir können hier keine Quantensprünge erwartet, insbesondere nicht bei den Reedereien. In der Historie des Unternehmens haben wir aber gesehen, dass das Unternehmen regelmäßig entweder Schiffe oder gesamte Reedereien und andere Unternehmen kauft. Der aktuelle Fokus auf Asien gefällt mir außerdem auch sehr gut.

Möglichkeit einzukaufen

Es gibt zwar nicht unendlich viele Werften aber durch die eigene Größe und auch die Abnahmemengen von sofort mehreren Schiffen, sollte man hier ein vergleichsweise gutes Standing in den Verhandlungen haben. Der Einkauf von Treibstoff erfolgt allerdings für alle gleich am Weltmarkt. Hier wird man immer Nachschub erhalten, ist aber ebenfalls von Preisschwankungen getroffen.

Einflüsse auf das Geschäft

Der Rohölpreis und die weltweite Konjunktur sind die größten Einflussfaktoren auf die Schifffahrt. Das eine betrifft dabei die Aufwands- und das andere die Ertragsseite. So steigen aktuell gerade die Preise für Container und Treibstoff stark an. Grundsätzlich sollte die Globalisierung auch ein Pluspunkt sein, hiervon war über die letzten Jahre allerdings beim Unternehmen nicht viel zu spüren.

Marketing

Maersk ist selbst in der breiten Bevölkerung bekannt. Als größte Reederei der Welt, insbesondere in Europa und den USA, wird man hier stets einer der ersten Ansprechpartner für Unternehmen sein. Das Unternehmen ist schon über 100 Jahre alt und fest am Markt etabliert. Besondere Marketingausgaben muss man deshalb nicht fürchten.

Wachstumsmöglichkeiten

Durch die massiven Investitionskosten ist es schwer seine Flotte auszubauen und durch diese ist man in seinen Kapazitäten beschränkt. Das Geschäftsmodell ist nicht so leicht skalierbar, auch wenn der Markt wächst und man sich an seiner Spitze befindet.

Unternehmensführung

Lange war das Unternehmen familiengeführt. Mittlerweile ist Sören Skou CEO von A. P. Möller-Maersk. Er hatte zunächst in Kopenhagen BWL studiert und dann einen MBA in der Schweiz absolviert. 1983 kam er dann zu Maersk. Bis 1994 hatte er verschiedene Posten in Kopenhagen und New York und entschied sich dann als Betriebsleiter nach China zu gehen. Seit 2001 wurde er dann schon CEO von Maersk Tankers. Mit der Erfahrung in China und als CEO von Maersk Tankers ist er eine Top Besetzung als CEO für das Gesamtunternehmen. Dieses Amt bekleidet er mittlerweile seit 2016.

Maersk CEO
Quelle: Maersk

Gesetzliche Rahmenbedingungen

Die Schifffahrt hat bis auf Zölle und internationale Abkommen eher weniger gesetzliche Rahmenbedingungen. Da man so stark auf die Schifffahrt als solche konzentriert ist, sollte man in angrenzenden Geschäftsbereichen zudem auch weiter kartellrechtlich keinen Beschränkungen ausgesetzt sein.

Auswertung

Bei Möller-Maersk ziehe ich Punkte für die starken externen Einflüsse auf den Ertrag und den Aufwand sowie für den schwierigen Einkauf und die hohen Investitionskosten beim Wachstum ab. Insgesamt kommen wir also noch auf 4 von 7 möglichen Punkten.

Unternehmensbewertung

Jetzt sind wir wieder beim finanziellen Teil der Analyse angekommen. Bevor wir uns aber an die Unternehmensbewertung begeben, schauen wir uns erstmal grundsätzlich die Finanzlage von Möller-Maersk an und beurteilen diese. Hierfür betrachten wir wie immer den Durchschnitt und die Veränderung der letzten fünf Jahre.

Finanzkennzahlen 5-Jahres-Durchschnitt

  • Operative Nettobetriebsvermögen -3,3%
  • Umsatz -0,7%
  • Operativer Gewinn -3,5%
  • Operative Marge 5,3%
  • Free Cashflow +39,7%
  • Operativer CF -1,0%
  • Eigenkapitalquote 53,2%
  • Fremdkapitalkosten +12,0%
  • Dividendenwachstum -12,3% (-10,9% je Aktie)
  • Dividendenrendite 2,0% (aktuell 1,4%)
  • Ausschüttung des FCF 38,4%
  • Übergewinn -4,6%
Maersk Umsatz
Quelle: Aktienfinder.net

Erläuterung der Zahlen

Die Entwicklung über die letzten Jahre gefällt mir bei Möller-Maersk nicht sonderlich gut. Hier machte sich die Flaute über die letzten Jahre bemerkbar. Die Ertragswerte sind deutlich gesunken. Im Moment explodieren die Preise für Container zwar enorm aufgrund der gestauchten Lieferketten, allerdings sehe ich in dieser Preisexplosion keinen nachhaltigen Effekt. Sobald wieder genügend Angebot die Nachfrage bedient, dürften sich die Preise normalisieren. Zusätzlich ist ja auch der Treibstoff aktuell sehr teuer. Ich halte dann doch eher das Branchenwachstum künftig für realistisch.

Maersk Cashflow
Quelle: Aktienfinder.net

Insgesamt hat man aber immerhin ein gutes Polster an Eigenkapital aufgebaut. Genauso solide ist die Dividende. Mit 1,4% ist sie aktuell zwar nicht sonderlich hoch, allerdings wurden in den letzten Jahren auch nur 38% des Free Cashflows ausgeschüttet. Für den Abstieg der letzten Jahre vergebe ich hier allerdings keine Punkte. Das Wachstum muss sich hier erstmal wieder einstellen.

Fair Value

Wie gerade bereits erwähnt halte ich das recherchierte Branchenwachstum langfristig für realistischer als die aktuelle Preisexplosion aufgrund der angespannten Lieferketten. Dieses lag bei 4%. Ich ziehe aufgrund der Underperformance von Maersk in den letzten Jahren noch 1%-Punkt ab. Weiter möchte ich mein Eigenkapital wieder mit 10% verzinst haben und konnte aufgrund langfristiger Anleihen Fremdkapitalkosten von 4% ausmachen. Diese Werte und die übrigen Finanzkennzahlen spiele ich dann erstmal in mein Discounted Cashflow- und Übergewinnmodell ein, um meinen Fair Value zu ermitteln. Den fairen Wert aus den Modellen glätte ich mit dem aktuellen durchschnittlichen Kursziel der Analysten sowie mit dem Fair Value aus dem Peergroup-Vergleich und den historischen Kursverhältnissen. Insgesamt komme ich so auf einen fairen Wert von 4.602,58€ je Möller-Maersk Aktie.

Investmententscheidung

Von diesem fairen Wert möchte ich jetzt noch einen Sicherheitsabschlag nehmen. Hier setze ich immer für jeden Minuspunkt der Analyse 5% Sicherheitsmarge an. In dem Fall von Maersk sind es also 35% für 7 Minuspunkte. Diese 35% ziehe ich nun von meinem Fair Value ab und komme somit auf mein Kauflimit von 2.991,68€. Verkaufen würde ich ab 150% des fairen Wertes abzgl. der Sicherheitsmarge. Dies entspricht einem Kurs von 5.292,97€.

Aktuell befindet sich der Kurs mit 3.189,22€ also knapp über dem Kauflimit. Ich persönlich würde hier jetzt noch nicht kaufen. Aber, wenn wir mal ehrlich sind, Möller-Maersk werden die meisten von uns wohl, wenn überhaupt, im Sparplan kaufen. Dafür ist der Kurs meiner Meinung nach in Ordnung.

Maersk Logo
Quelle: Maersk

Fazit

Die A. P. Möller-Maersk ist der Weltmarktführer in der Containerschifffahrt. Die hohen Investitionskosten für die Schiffe und den Treibstoff liefern für die großen Unternehmen der Branche einen sehr tiefen Burggraben. Allerdings ist die gesamte Branche über die letzten Jahre deutlich unter die Räder gekommen. Momentan steigt der Umsatz aufgrund der teuren Container wieder stark an, genauso stark steigt allerdings der Ölpreis und somit die Kosten für das Unternehmen. Beide Effekte aber insbesondere den Containerpreisanstieg sehe ich als nicht nachhaltig an. Bei sich entspannenden Lieferketten wird man auch dem Preisdruck wieder erliegen und seine Preise reduzieren müssen. Trotz aller Risiken oder vielleicht gerade deswegen, ist die Möller-Maersk Aktie meiner persönlichen Meinung nach aber aktuell relativ günstig.

Was haltet ihr denn von Möller-Maersk und der Branche insgesamt? Eisenbahnunternehmen sind ja immer hoch im Kurs bei Investoren. Wie schaut es aber mit der Schifffahrt aus? Meint ihr hier könnte man vielleicht noch günstig einsteigen? Langfristig notwendig sollte die Branche ja schon sein. Lasst mir eure Gedanken hierzu doch gern mal in den Kommentaren. Ansonsten bedanke ich mich wie immer fürs Reinschauen und sage bis bald!

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