AbbVie Aktienanalyse – Hat man das Patent auf Rendite?

Hallo und herzlich willkommen auf dem Finanzplaneten! Mein Name ist Kai und heute sind wir wieder im Pharmabereich unterwegs. AbbVie ist viel diskutierte Aktie. Vor allem eine recht hohe Dividendenrendite in Verbindung mit Wachstum im Unternehmen, findet man ja sonst eher selten. Deswegen wundert es mich nicht, dass hier viele Leser und Zuschauer interessiert sind. In meiner Vorabanalyse sah AbbVie aus wie ein vielversprechender Kandidat für eine Unterbewertung. Schauen wir mal, ob der überschlagene Fair Value sich in der Analyse mit einem niedrigen Kauflimit bestätigt. Viel Spaß mit der AbbVie Aktienanalyse.

Grundlagen

Zuallererst wollen wir uns mal wieder die Grundlagen des Unternehmens anschauen. So können wir die weitere Analyse dann viel besser einordnen und auch die Zahlen später ins rechte Licht rücken.

Geschäftsmodell

AbbVie ist ein Biotech- und Pharmaunternehmen. Besonderen Schwerpunkt legt das Unternehmen dabei auf die Forschung in den Bereichen Immunologie, Onkologie und Virologie. Das Unternehmen forscht also auch selbst und stellt nicht nur Nachahmerpräparate her.

Historische Eckdaten

AbbVie entstand erst 2013 als Abspaltung der Abbott Laboratories und wurde sogleich an die Börse gebracht. Abbott Laboratories ist ein US-amerikanischer Pharmakonzern. Beide Unternehmen haben ihren Sitz in Chicago. Während Abbott sich nun insbesondere um Produktion und Vertrieb von etablierten Medikamenten kümmert, entspricht AbbVie vor allem dem forschenden Part.

Der ursprüngliche Konzern wurde in 1888 gegründet. Damals erfand der Gründer eine Möglichkeit über ein Granulat Medikamente zu verabreichen, wodurch viel genauere Dosierungen möglich waren. Nach diesem Erfolg wurde das Unternehmen mit Sitz in Chicago 1900 offiziell eingetragen. Über die erste Hälfte des 20. Jahrhundert fing man an in immer weitere Richtungen zu forschen. Ertragreich waren auch die Weltkriege, da man hier ein Antiseptikum und eine Tablette zur Wasseraufbereitung auf den Markt brachte. Die zweite Hälfte des Jahrhundert war dann insbesondere von der weltweiten Expansion und Unternehmenskäufen geprägt. Insbesondere stieg man in den Bereich von HIV sowie Krebs ein und brachte 2003 den Verkaufsschlager Humira auf den Markt. 2013 gab es dann die Aufspaltung.

Produktanalyse

Jetzt kehren wir mal wieder zu AbbVie im Speziellen zurück. Womit verdient das Unternehmen denn sein Geld?

Geschäftsgebiete

Ohne jetzt genau auf die einzelnen Medikamente einzugehen, kann man durch den Jahresbericht von AbbVie den Umsatz wie folgt auf folgende Geschäftsbereiche aufteilen: 48% der Umsatzerlöse kommen aus dem Bereich der Immunologie. Hier muss man zusätzlich noch erwähnen, dass allein das umsatzstärkste Medikament Humira 43% des gesamten Umsatzes ausmacht. Onkologische Präparate erwirtschaften hingegen insgesamt schon nur noch 15% der Umsätze. Mit Produkten für Ästhetik wie z.B. Botox werden 6% umgesetzt und 8% mit neuronal wirkenden Präparaten. Letztlich kommen noch 5% aus dem Bereich „Eye Care“ und 1% aus „Women’s Health“. Der Rest wir zusammengefasst und ergibt dann die restlichen 17%.

AbbVie Aktienanalyse

Absatzmärkte

AbbVie hat einen äußerst starken Heimatmarkt. So werden 76% der Umsatzerlöse in den USA gemacht. Das nächstkleinere Land nach Umsatz ist Japan mit 3%, weswegen es nicht lohnt hier die Länder aufzuschlüsseln.

AbbVie Aktie in der Analyse

Auswertung

AbbVie bekommt einen der zu vergebenen Punkte in der Produktanalyse. 76% der Umsätze in den USA ist mir einfach zu viel. Gerade wegen des klagefreudigen Heimatmarkts sollte mehr Augenmerk auf Diversifikation gelegt werden.

Branchenanalyse

Aufgrund der Diversifikation von AbbVie kann man hier getrost auf die ganze Pharmabranche abstellen. Die einzelnen Bereiche ähneln sich ja auch ohnehin in den meisten Aspekten.

Attraktivität der Branche

Zuletzt konnte die Pharmabranche stark wachsen. In 2019 waren es zum Beispiel 5-6% Wachstum. Ein aktueller Trend, der Biosimiliar, also Nachahmerprodukte, im Aufwind sieht, geht natürlich auf Kosten der ursprünglichen Entwickler. Insbesondere im Heimatmarkt von AbbVie, in den USA, geht das starke Wachstum zu großen Teilen auf Biosimiliar Präparate zurück.

Wettbewerber

Die größten Pharmaunternehmen der Welt sind nach Umsatz gesehen dicht gedrängt. Hier gibt es regen Wettbewerb. Ihr könnt die gesamte Übersicht dieser Grafik entnehmen.:

Größte Pharmakonzerne der Welt

AbbVie ist Ende 2019 auf Platz 8. Nachdem nun im Mai 2020 allerdings Allergan von Platz 18 aufgekauft wurde, wächst AbbVie nach damaligen Verhältnissen kumuliert zum zweitgrößten Konzern an.

Kunden

Die Kunden sind in den meisten Fällen gewerblich. Die Medikamente werden zwar letztlich vom Patienten eingenommen und auch in der Apotheke abgeholt aber die wirklich teuren medikamentösen Behandlungen zahlt die Krankenversicherung.

Zulieferer

Genauso divers wie die Produktpalette eines der großen Pharmakonzerne sind die benötigten Rohstoffe und damit auch die Zulieferer. Man ist hier also nicht von einzelnen Zulieferern abhängig.

Ersatzprodukte

Da die größten Konzerne nicht nur ein Produkt im Portfolio haben, ist diese Frage schwer zu beantworten. Bei schweren Erkrankungen geht allerdings kein ernsthafter Weg an Medikamenten vorbei. Die einzige Frage kann sein, welches Medikamente die größte Chance auf Heilung verspricht oder am günstigsten ist. Das ist beim breiten Produktportfolio allerdings nicht zu beantworten.

Markteintrittsbarrieren

Insgesamt braucht man viel Geld, um Produktionsstätten und Fachpersonal aufzubauen. Forscht man an Generika und produziert nicht nur Biosimilar, so kommt noch ein erheblicher Forschungs- und Entwicklungsaufwand auf einen zu.

Auswertung

Die starke Konkurrenz und der Preiskampf mit den gewerblichen Kunden kosten zwei Punkte in der Branchenanalyse. Wir landen also bei 4 von 6 möglichen Punkten.

Marktstellung

Nachdem wir die Branche aufs Korn genommen haben, wollen wir uns nun um die Positionierung von AbbVie am Markt kümmern.

Produktentwicklung

AbbVie forscht ständig an neuen Produkten und das mit Erfolg. 2019 brachten sie mit dem Medikament Skyrizi beispielsweise ein neues Mittel gegen Schuppenflechte auf den Markt. Auch der aktuelle Verkaufsschlager Humira war Ergebnis eigener Forschungsarbeit.

Möglichkeit einzukaufen

Aufgrund der Größe hat AbbVie eine gute Verhandlungsposition mit den Lieferanten. Aufgrund der vielen Produkte und deren vieler Rohstoffe, sind die Lieferanten ja wie bereits erwähnt ebenfalls ziemlich breit gestreut. So verhindert man auch hier abhängig von nur einem Zulieferer zu sein.

Einflüsse auf das Geschäft

AbbVie forscht an Generika, also eigenen neuen Wirkstoffen und Medikamenten. Hat man ein neues Produkt entwickelt, wie beispielsweise Humira, so ist es zunächst durch ein Patent geschützt. Nach einer Zeit läuft dieses jedoch aus und der Markt kann von Nachahmerpräparaten geflutet werden. So geschah es auch 2018 als das Patent für Humira auslief. Hier musste man dann teilweise 80% im Preis runtergehen, um öffentliche Ausschreibungen noch zu gewinnen. In den USA kann man sein Patent durch Tricks noch behaupten aber im letzten Jahresbericht hat man bereits gesehen, dass der Umsatz mit Humira außerhalb der USA um 9% eingebrochen ist.

Marketing

Viel Werbung muss man eigentlich nicht machen und eine gute Wirkung und Studien sind der beste Weg Ärzte zu überzeugen die Medikamente zu verschreiben. Diese Studien muss man aber ja ohnehin in Auftrag geben, um seine Medikamente zuzulassen.

Wachstumsmöglichkeiten

Der Markt für Medikamente wächst stetig und in nicht kleinen Wachstumsraten. Das Wachstum wird allerdings, wie eingangs erwähnt, insbesondere durch Biosimilar angetrieben. Diese Hersteller haben den klaren Vorteil nicht 10 Jahre lang zu forschen, um dann nur eventuell ein funktionierendes Medikament auf den Markt bringen zu können. Auch die Zulassung ist bei enormer Ähnlichkeit zum nachgeahmten Präparat erleichtert. Mittlerweile hat AbbVie aber eine Größe erreicht, bei der sie insbesondere auch durch Unternehmenszukäufe wachsen können. Im speziellen Fall von AbbVie ist das Problem, dass deren Haupteinnahmequelle den Patentschutz verloren hat. So sind die Einnahmen bei Humira bereits rückläufig.

Unternehmensführung

CEO ist seit der Aufspaltung in 2013 Richard Gonzales. Er hat sich aber bereits seit seinem Masterstudium an der Miami University hochgearbeitet. Er durchlief dabei diverse leitende Positionen in verschiedenen Tochtergesellschaften des Konzerns. Erfahrung von außerhalb konnte ich keine ausmachen. Mittlerweile hat er Aktien von AbbVie im Wert von rd. 50 Mio. Dollar. Er sollte also insbesondere im Angesicht seines Alters auch am Werterhalt und Wertausbau des Unternehmens interessiert sein.

CEO Richard Gonzales

Gesetzliche Rahmenbedingungen

Wie bereits mehrfach angesprochen ist die gesamte Branche rechtlich relativ eng eingebunden. Durch feste Zulassungsverfahren muss man nach langer Forschung auch regelmäßig Studien liefern, die die Wirksamkeit neuer Medikamente beweisen und dabei schwere Nebenwirkungen ausschließen. Selbst als Biosimilar-Hersteller muss man seine Produkte zulassen. Hier kommen wir zum zweiten Punkt, von dem man abhängig ist. Viel der künftigen Ertragskraft hängt davon ab wie das Patentrecht von Ländern gestaltet ist und wie am Ende Gerichte entscheiden.

Auswertung

Der auslaufende Patentschutz von Humira ist ein großer Störfaktor für die Zukunft. Deswegen sehen die Wachstumschancen für die Zukunft auch nicht mehr ganz so rosig aus, wie für die gesamte Branche. Der strenge gesetzliche Rahmen macht die Sache nicht besser. Insgesamt sehe ich hier in der Marktstellung 3 Punkte eher negativ, sodass wir bei 4 von 7 möglichen Punkten landen.

Newsletter

An dieser Stelle möchte ich mal wieder auf meinen Newsletter hinweisen. Wenn du regelmäßig über neue Aktienanalysen informiert werden möchtest, ist dieser perfekt für dich. Wenn du dich angemeldet hast, bekommst du monatlich die neusten Analysen nochmal auf einen Blick. Zusätzlich setze ich dir alle meine bisherigen Kauflimits ins Verhältnis zum aktuellen Kurs und zeige dir somit auf meinem Einkaufszettel, welche Aktien ganz aktuell meiner Meinung nach am günstigsten bewertet sind. On Top erhältst du als Abonnent meines Newsletter auch noch exklusiven Einblick in mein eigenes Depot. Bei Interesse trage dich doch einfach auf dem Blog dafür ein. Der Link ist in der Videobeschreibung. Ansonsten jetzt wieder zurück zur AbbVie Aktienanalyse!

Unternehmensbewertung

Hier kommt jetzt wieder der Part aus meiner Vorabanalyse. Ich habe mir im Vorfeld die Entwicklung des Unternehmens angesehen, einen fairen Wert überschlagen und daraus abgeleitet, dass AbbVie eine Analyse wert ist. Ich stelle euch jetzt erstmal die Wachstumsraten der wichtigsten Kennzahlen vor und danach schauen wir mal, ob wir für den Fair Value vielleicht noch etwas anpassen müssen. Hier also die Finanzkennzahlen im 5-Jahres-Durchschnitt.

Finanzkennzahlen 5-Jahres-Durchschnitt

  • Operative Nettobetriebsvermögen +22,4%
  • Umsatz +12,3%
  • Operativer Gewinn +10,8%
  • Operative Marge 37,6%
  • Free Cash Flow +15,7%
  • Operativer FCF +15,2%
  • Eigenkapitalquote 3,3%
  • Fremdkapitalkosten +23,2%
  • Dividendenwachstum +15,3% (+14,9% je Aktie)
  • Dividendenrendite 4,1% (aktuell 4,5%)
  • Ausschüttung des FCF 49,3%
  • Übergewinn +2,7%
Finanzkennzahlen

Erläuterung der Zahlen

An sich sehen die Wachstumswerte ja bombastisch aus, allerdings wissen wir ja bereits, dass AbbVie im letzten Jahr des Betrachtungszeitraums Allergan erworben hat. Das Unternehmen hatte selbst einen sehr großen Umsatz, sodass allein von 2019 auf 2020 die Umsatzerlöse nach Konsolidierung um 38% gestiegen sind. Das zieht natürlich alle anderen Werte mit nach oben. Beim Übergewinn sieht man allerdings schon, dass die Steigerung nicht so groß ist. Das EBIT abzüglich der gestiegenen Kapitalkosten ist also geschrumpft. Langfristig wird dieses Wachstum insgesamt wohl nicht gehalten werden können. Bis zum Patentauslauf stieg der Umsatz jedes Jahr im zweistelligen Bereich. Von 2018 auf 2019 nach Patent nur noch um 2%. Nichtsdestotrotz ergibt sich hier ein gesundes Bild, das wiederum 2 von 2 Punkten rechtfertigt.

Fair Value

In Verbindung mit der Branchenauswertung und angesichts vom neuen Skyrizi Medikament möchte ich das durchschnittliche historische Wachstum, das ich in der Vorabanalyse angesetzt habe, reduzieren. Statt von den durchschnittlichen 12,3% möchte ich nur von 3% langfristigen Wachstum ausgehen. Mein eingesetztes Eigenkapital möchte ich wieder mit 10% verzinst haben und konnte durch Anleihen des Unternehmens Fremdkapitalkosten von 4,5% ausmachen. Geglättet mit dem aktuellen durchschnittlichen Kursziel der institutionellen Anleger komme ich durch meine Berechnungsmodelle auf einen Fair Value von 172,56$ bzw. 143,23€.

Chancen und Risiken

Die Chancen und Risiken rühren bei AbbVie vom gleichen Aspekt her. Eigentlich dreht sich insbesondere alles um das Patentrecht. Als forschender Pharmakonzern geht man mit jedem neuen Medikament eine kleine Wette ein. Man hat deutlich mehr Aufwand durch die Forschungs- und Entwicklungszeit bis zur Marktreife des Produkts. Die Biosimilar Konkurrenz hat diesen Aufwand nicht. Im Gegenzug für diesen Aufwand erhält man ein Patent und hat je nach Medikament danach ein Quasimonopol auf dieses Produkt. Jetzt gilt es den ausbleibenden Preiskampf soweit zu nutzen, dass sich die Arbeit auch gelohnt hat.

AbbVie steht nun leider nicht an der Schwelle gerade vor ein paar Jahren eine neue Cashcow entdeckt zu haben, sondern gerade lief das Patent für den Bestseller Humira aus. Das muss man im Hinterkopf behalten. Ob demnächst ein ähnlich lukratives Medikament entwickelt werden wird ist offen.

Investmententscheidung

Durch die bisherigen Punktabzüge habe ich für AbbVie einen Sicherheitsabschlag von 30% ermittelt. Diesen ziehe ich jetzt vom Fair Value ab, um auf ein Kauflimit zu kommen. Wir landen dabei bei ca. 100€. Bis 100€ würde ich also maximal kaufen. Zu einer Verkaufsschwelle kommen wir indem wir die 30% Marge von einer maximalen Verkaufsschwelle von 150% abziehen. 120% des fairen Wertes sind also die Verkaufsschwelle, was ca. 172€ entspricht. Ab diesem Kurs würde ich AbbVie Aktien verkaufen, wenn ich welche hätte.

Beim aktuellen Kurs von ca. 90€ ist AbbVie für mich ein Kauf. Auch nach Einbezug aller Risiken finde ich die Aktie so auf jeden Fall noch unterbewertet.

AbbVie Logo

Fazit

AbbVie war ein vielversprechender Kandidat aus meinen Vorabanalyse. Hier zeigte sich großes Wachstum für die Zukunft und somit auch hoher prognostizierter Cash Flow. Das ergab dann einen relativ hohen Fair Value. Anders als bei der letzten Analyse von Facebook ergab sich bei AbbVie leider zum einen, dass das historische Wachstum durch eine Akquisition und dem auslaufenden Patent nicht repräsentativ ist, und zum anderen, dass die Sicherheitsmarge relativ hoch ist. So ist der Titel meiner Meinung nach zwar immer noch unterbewertet, allerdings nicht annähernd so hoch wie erwartet.

Was ist denn eure Meinung von AbbVie? Habt ihr den Titel im Depot oder auf Watchlist? Falls ja, welcher Aspekt gefällt euch besonders gut? Ich bin mal gespannt auf eure Meinung. Ich persönlich war ziemlich erstaunt wie viel Umsatz wirklich an einem Produkt hängt. Naja, lasst mich eure Meinung einfach mal in den Kommentaren wissen und ansonsten bedanke ich mich wie immer fürs Reinschauen und sage bis bald!

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