Aktienanalyse Teil 3 – Finanzzahlen analysieren

Im ersten Teil der Reihe habe ich dir erzählt, warum ich gerne die Aktienanalyse erlernen möchte. Nachfolgend habe ich im zweiten Teil geschrieben, wie man ein Unternehmen und dessen Marktlage als ersten Schritt gut analysieren kann. Heute möchte ich dir eine tiefergehende Analyse der Finanzzahlen eines Unternehmen näherbringen. Ohne jegliches wirtschaftliches Vorwissen wird es an der ein oder anderen Stelle schwer den Ausführungen zu folgen. Lass dich aber nicht abschrecken. Wenn du etwas nicht weißt, so kannst du es sicher schnell googlen.

Relevante Wertschöpfung – Daten richtig filtern

Wenn man in einen Jahresabschluss eines Unternehmens sieht, so wird man mit Zahlen und Informationen erschlagen. Hier gilt es zunächst die relevanten Daten herauszufiltern. Denn nicht einfach der zu versteuernde Gewinn des Unternehmens ist , sondern es interessiert uns mehr welches Ergebnis das Unternehmen einfährt, nachdem wir es wie in den folgenden Absätzen beschrieben sondiert haben.

Filter nach operativen Geschäft

Das erste was man tun sollte ist den Jahresabschluss danach zu filtern, was für die Kerntätigkeit des Unternehmens wirklich relevant ist. Alles andere fliegt erstmal aus der Betrachtung raus, da es keine Wert schafft. Als Unternehmen bspw. selbst Anleihen zu kaufen bringt zwar entsprechende Rendite, hebt das Unternehmen allerdings für Investoren nicht vorteilhaft davon ab direkt diese Anleihe zu kaufen.

Bilanz

Die Vermögenswerte sind auf der Aktiva ja ursprünglich nach Bindung an das Unternehmen sortiert. Auf der Passiva, also der Mittelherkunft, sind Eigenkapital und Verbindlichkeiten nach Fälligkeit sortiert. Diese Sortierung müsst ihr nun aufbrechen. Sortiert die Bilanz nicht zeitlich, sondern sortiert sie danach, ob der Vermögensgegenstand oder die Verbindlichkeit dem Unternehmenszweck dienen.

Gewinn- und Verlustrechnung

Ähnlich verfahrt ihr bei der Gewinn- und Verlustrechnung. Hier schmeißt ihr auch alles raus was nicht aus laufender Geschäftstätigkeit entsteht. Glücklicher Weise sind die GuVs meist fast passend sortiert. Nehmt das Betriebsergebnis vor Zinsen und Steuern (EBIT). Hier ist das operative Ergebnis noch frei vom Finanzergebnis und der Steuerlast.

Kapitalflussrechnung

Die Kapitalflussrechnung zeigt die Zahlungsströme des Unternehmens. Sie eliminiert alle nicht zahlungswirksamen Erträge und Aufwendungen. Auch hier sind die Zahlungsströme rauszufilter, welche aus Betriebs- und Investitionstätigkeit entstehen, da nur diese dem Unternehmenszweck dienen.

Filter nach dauerhaften Geschäft

Wenn man darauf abzielt die Gewinne zu prognostizieren, welche ein Unternehmen in Zukunft erwirtschaftet, so muss man natürlich auch Einmaleffekte aus der GuV herausrechnen. Beispiele hierfür sind außerplanmäßige Abschreibungen und eventuell zugehörige Versicherungszahlungen, Wechselkurseffekte, Veräußerungen von Anlagevermögen oder Markteinführungen.

Filter nach relevanten Kennzahlen

Auch Kennzahlen sind unter Umständen bereits in den Investor Relations vorhanden oder man findet sie zu hauf im Netz bzw. kann sie sich selbst errechnen. Hier nun nachfolgend wirklich wichtige Kennzahlen, um langfristigen Erfolg eines Unternehmens verfolgen zu können.

Rendite des operativen Nettovermögens

Diese Kennzahl ist das Verhältnis von operativem Gewinn nach Steuern und dem operativen Nettobetriebsvermögen. Sie gibt also die „Verzinsung“ des operativen Betriebsvermögens nach Abzug aller zum betriebsnotwendigen Schulden wieder. Ein langfristig sehr profitables Kerngeschäft spricht natürlich auch für langfristig erfolgreiche Unternehmen.

Marge und Kapitalumschlagshäufigkeit

Die Marge zeigt wie viel vom Umsatz nach den Kosten als Gewinn übrig bleibt. Auch hier sollte man wieder nur die Nachhaltigkeit zu achten und darauf, dass nur der operative Bereich als Datengrundlage herangezogen wird.

Die Kapitalumschlagshäufigkeit gibt an wie viel Umsatz mit einem Euro Nettovermögen erwirtschaftet werden kann. Anders könnte man auch sagen, wie häufig wurde das eingesetzte Kapital wieder erwirtschaftet. Eine hohe Kapitalumschlagshäufigkeit lässt also ebenfalls auf ein rentables Unternehmen schließen.

Mehrjährige Beobachtung

Natürlich werden diese Zahlen umso aussagekräftiger, desto länger sie beobachtet werden können. Ausreißer nach oben und unten können so besser ausgemacht werden. Außerdem sollte man eine langfristige Verbesserung in allen Bereich sehen.

Aktienanalyse
Gute Aktienanalysen helfen bei der Kaufentscheidung!

Wachstumsanalyse

Nachhaltig steigende Gewinne zu erwirtschaften bedingt neben steigender Effizienz natürlich auch Wachstums des Absatzes.

Wachstum des Übergewinns

Wirklicher Wert wird über den Übergewinn geschaffen. Dieser ist der Gewinn, der nach Befriedigung der Kapitalgeber übrig bleibt. Dieser kann dann für die Folgejahre investiert werden und die Mehrwert schaffen.

Umsatzwachstum

Wo Gewinne steigen sollen müssen zumeist auch die Umsätze steigen. Steigende Umsätze können auf viele Dinge zurückzuführen sein. Uns ist hier der organische Wachstum wichtig. Dieser entsteht aus dem Unternehmen heraus und zeigt, dass dessen Bemühungen Früchte tragen, wobei andere Möglichkeiten, die wir eher außer Acht lassen sollten, einmalige Aufträge und Wachstums durch schwankende Wechselkurse sind.

Fazit zur Finanzzahlanalyse

Hier haben wir nun viele Finanzdaten aufgelistet, die uns wirklich bei der Fundamentalanalyse weiterhelfen. Manche sind schwerer zu finden als andere und manche werdet ihr zumindest bei bekannten Aktiengesellschaften wahrscheinlich schon vorgefertigt im Internet finden.

Im nächsten Teil werde ich noch darauf eingehen wie man die weitere Wertsteigerung eines Unternehmens prognostiziert und wie man diese Prognose mittels wirtschaftlichen Modellen zu einem Unternehmenswert bzw. einer Kaufentscheidung führt.

Ich freue mich darauf, bis bald!

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