Aktienanalyse Teil 4 – Unternehmenswert und Kaufentscheidung

Heute gibt es den letzten Teil der Aktienanalysen-Blogreihe, indem es um die Prognose und Kaufentscheidung geht. Im letzten Teil habe ich dir bereits erläutert welche Finanzkennzahlen wirklich kriegsentscheidend sind. Nun erkläre ich dir wie man von den sondierten Finanzkennzahlen über eine Prognose für das Unternehmen hin zu einer fixen Bewertung inklusive Kaufentscheidung gelangt.

Prognose

Wenn man eine Bewertung eines Unternehmens erstellt, macht es natürlich nur Sinn diese auf Grundlage der künftigen Erwartungen zu erstellen. Da der künftige Verlauf ungewiss ist, wird die Bewertung umso präziser, desto eine genauere Prognose zugrunde liegt.

Detailierungsgrad

Natürlich gibt es unterschiedliche Ausprägungen in Komplexität. Möchte man nur als Privatinvestor moderate Summen investieren, so bietet sich sicher eine kürzere Prognose an. Erstellt man eine professionelle Analyse für einen Dritten zwecks Unternehmenskauf oder möchte man selbst größere Summen investieren lohnt sich der Aufwand einer umfangreicheren Prognose natürlich. Man muss das Preis-Leistungsverhältnis im Auge behalten. Prognostiziert werden sollten vor allem die Umsatzerlöse, Kapitalumschlagshäufigkeit und das Wachstum des operativen Nettobetriebsvermögens. Hieraus lassen sich nämlich die operative Rendite, Übergewinn und Free Cashflow (FCF) bestimmen.

Einfache Prognosen

Prognosen können in mehrerer Hinsicht simpel gehalten werden. So kann der Prognosehorizont sehr kurz, der Detailsgrad gering bzw. die zugrunde gelegten Informationen spärlich sein. Grundsätzlich wird hier häufig von vergangenen Werten auf künftige geschlossen. Hier werden oft nicht die Finanzkennzahlen prognostiziert, sondern direkt auf die Rendite oder den FCF geschlossen. Ist die vergangene Rendite repräsentativ für die Zukunft? Sehr gut, dann nimm diese. Ist sie es nicht, so kann du einen Durchschnitt ziehen oder Ausreißer nach oben und unten entfernen. Gleiches gilt für das Wachstum. Behalte dabei verschiedene Szenarien im Kopf. So eine einfache Prognose geht schnell, gehe deswegen vielleicht einmal vom Best- und einmal vom Worst-Case-Szenario aus.

Umfassende Prognosen

So einfach man eine Prognose gestalten kann, so aufwendig kann man sie natürlich auch durchführen. Anstatt hier lediglich aus vorangegangener die künftige Rendite zu prognostizieren, wird hier quasi eine zukünftige Bilanz, GuV und Kapitalflussrechnung für jedes Jahr aufgestellt. Daraus lassen sich die Finanzkennzahlen nach Belieben dann komplett bestimmen.

Aktienanalyse
Bei der Aktienanalyse spielt die Prognose eine zentrale Rolle.

Was wird ermittelt?

Welche Werte werden im Zuge einer umfassenden Prognose ermittelt? Nachfolgend habe ich die wichtigsten aufgeführt.

Ermittlung des Umsatzes

Grundsätzlich kann man sagen, dass die Umsatzerlöse mit am wichtigsten für die künftige Wertentwicklung sind. Diese lassen sich auf verschiedene Weise bestimmen und man sollte zusehen, dass man alle notwendigen Infos verarbeitet. Diese Infos können sein, wie sich die Bruttoinlandsprodukte der Länder entwickelten oder ob es neue Produkteinführungen gibt. Auch bezüglich des Prognosehorizonts kann man hier Erweiterungen vornehmen. Umso länger die Prognose geht, desto genauer wird die Wertermittlung natürlich.

Berechnung des Nettobetriebsvermögens

Sobald man die Umsatzerlöse prognostiziert hat, geht es danach recht schnell. Aus den Umsatzerlösen kann man das dafür notwendige Nettobetriebsvermögen ermitteln. Dies funktioniert am besten, wenn man bei der Ermittlung vom ursprünglichen Verzinsung des Betriebsvermögens ausgeht. Wie viel Vermögen brauch man also, um den prognostizierten Umsatz zu erzeugen.

Margenprognose

Der letzte schwierige Teil ist es nun die Kosten wie Personalaufwand und Materialaufwand als größte Blöcke zu bestimmen. Hat man hier Annahmen getroffen, so kann sich die Marge errechnen lassen.

Unternehmenswert berechnen

Vorgenannte mehr und weniger aufwendige Annahmen muss man treffen, um bestimmte Finanzkennzahlen errechnen zu können. Diese Finanzkennzahlen sind der FCF und der Übergewinn. Hat man diese Werte für die Zukunft ermittelt, so kann man hierüber über gewisse Modelle einen genauen Unternehmenswert bestimmen und ihn durch Division durch die Anzahl der Aktien auf einen genauen Aktienwert herunterbrechen.

Discounted-Cashflow-Verfahren (DCF) vs. Übergewinn-Modell

Diese beiden Modelle lassen dich den Unternehmenswert ermitteln, wobei die namensgebenden Finanzkennzahlen zugrunde gelegt werden. Grundsätzlich geht es hierbei darum, dass die in Zukunft erwirtschafteten FCFs oder Übergewinne abgezinst werden, um sie als Wert in unserer heutigen Zeit darzustellen. Kurzgesagt brauchst du ja 1.000€ nicht heute, wenn du 1.000€ in 10 Jahren haben möchtest, da du dein Geld verzinst anlegen kannst. An dieser Stelle muss ich das Rad allerdings nicht neu erfinden, Formeln und Erklärungen zu diesen beiden Modellen findet man en masse im Internet.

Kaufentscheidung treffen

Hat man einmal den Unternehmenswert und somit den für sich fairen Wert einer Aktie gefunden, so ist der Rest nicht weiter schwer. Ist der aktuelle Aktienkurs mit genügend Sicherheitsabschlag unter dem fairen Wert heißt es „KAUFEN“ und ist der aktuelle Kurs ungefähr bei dem errechnete fairen Wert, dann sollte man die Aktie „HALTEN“ sofern man sie besitzt. Wenn der Kurs über dem fairen Wert liegt sollte man „VERKAUFEN“, wenn man die Aktie hält und ansonsten auf keinen Fall kaufen.

Ausblick in die Zukunft

Dies war meine Reihe zur Aktienanalyse. Natürlich war sie sehr theoretisch. Wie ich im ersten Teil allerdings schon sagte, möchte ich das Wissen für Dividendentitel natürlich auch anwenden. Ich weiß noch nicht wann die erste Analyse kommen wird, da ich etwas mehr Zeit brauche, um mich dort erstmal einzufuchsen, allerdings wird sie kommen. Ich hoffe du bist darauf genau so gespannt wie ich und, dass du bis dahin das wissen aus dieser Blogreihe auch für dich anwenden kannst. Seiten wie der Aktienfinder helfen bei der Suche nach Kennzahlen.

Ansonsten bis bald und dir eine fröhliche Analyse!

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