Altria Aktienanalyse – Zuverlässige Dividende?

Heute gibt es eine neue Aktienanalyse. Diesmal geht es um das Unternehmen Altria. Altria ist ein Tabakkonzern aus den USA und mit seiner 50 Jahre lang steigenden Dividende ein Top Dividendenaristokrat. Ein passender Kandidat für meine Dividendenstrategie. Aber ist die Aktie fair bewertet?

Warum Altria?

Altria ist perfekt für meine Dividendenstrategie. Sie erhöht seit 50 Jahren die Dividende, hat 10% Dividendenwachstum im Durchschnitt der letzten 5 Jahre und eine Dividendenrendite von 8%. Das alles bringt natürlich nur etwas, wenn die Fundamentalanalyse grünes Licht gibt.

Grundlagen

Erstmal wieder grundlegende Infos, um Altria besser einordnen zu können.

Geschäftsmodell

Altria ist ein US-amerikanischer Tabakkonzern. Der Umsatz wird großteils in zu rauchenden Tabakwaren sowie in den USA erzielt, auch wenn der Konzern weltweit tätig ist. Aktuell hat Altria 7.300 Mitarbeiter. Als Holding haben Sie weitere Geschäftsbeteiligungen. Hierunter fallen insbesondere der E-Zigaretten-Hersteller Juul und das Cannabis-Unternehmen Cronos.

Historie

Das Unternehmen wurde 1847 von Philip Morris gegründet. Seit 2003 gibt es es in der heutigen Form der Altria Group, Inc. Zu Altria gehört zwar auch Philip Morris, allerdings nur der US-Ableger. Philip Morris International ist weiterhin eigenständig, auch wenn es vor kurzem Fusionsgespräche gab, welche allerdings scheiterten.

Produktanalyse

Der erste Teil der Altria Aktienanalyse soll wieder die Produktanalyse sein inkl. abschließender Bewertung. Der Umsatz setzt sich aus 88% Tabakwaren zusammen, welche geraucht werden, und 8% rauchfreie Tabakwaren. Zu letzteren gehören zum Beispiel Kau- und Schnupftabak. Zusätzlich entfällt mit 4% ein kleiner Anteil des Umsatzes auf Wein. Die USA sind der wichtigste Absatzmarkt für das Unternehmen, auch wenn es insgesamt auch weltweit tätig ist. Wegen fehlender Diversifikation bei den Produktarten bewerte ich die Produktanalyse mit 1/2 Punkten.

Branchenanalyse

Als nächstes kommt bei der Altria Aktienanalyse die Branchenanalyse an die Reihe. Hier betrachte ich die Tabakbranche erstmal als Ganzes.

Attraktivität

In einer Studie der WHO habe ich herausgefunden, dass die Anzahl der Raucher weltweit zurückgeht. Gerade in entwickelten Industrieländern wird dieser Trend immer weiter forciert, da hier enorme Gesundheitspolitik betrieben wird. Das ist natürlich schlecht für einen Tabakkonzern, der in den USA sitzt und dort seinen Hauptumsatz macht.

Wettbewerber

Für die Altria gibt es viele andere große Wettbewerber. Darunter sind vor allem British American Tabacco, Philip Morris International, Japan Tabacco und Imperial Brands zu nennen. Schwellenländer werden auch oft durch regional spezialisierte Unternehmen versorgt. Die Wettbewerber laufen aktuell etwas besser, da insbesondere außergewöhnliche Aufwendungen das Ergebnis belasten.

Kunden

Positiv zu nennen ist der Kundenstamm. So besteht dieser aus Privatkunden, was zum einen positiv ist wegen der fehlenden Verhandlungsmacht beim Preis. Zum anderen sind die Kunden süchtig nach dem Produkt, was sie ähnlich wie bei wichtigen Medikamenten unempfinglicher gegen Preiserhöhungen macht.

Ersatzprodukte

Wie in der oben erwähnten Studie der WHO nachzulesen, schwenken die Menschen weltweit um. Rauchen wird zunehmend unattraktiver. Als geruchsneutrale und günstigere Variante erscheint nun die E-Zigarette. An sich eine Bedrohung ist Altria allerdings ebenfalls bemüht in dieser Branche Fuß zu fassen. Hierfür haben sie den entsprechenden Hersteller Juul investiert. Leider erwies sich dieses Investment Stand heute als wenig gewinnbringend. Juul wurde in den USA schon häufig verklagt, da Menschen einen Zusammenhang zwischen Gesundheitsschäden und E-Zigaretten sehen (Überraschung). Zudem hält das amerikanische Kartellamt den Zusammenschluss für unrechtmäßig, da Juul vorher ein großer Konkurrent für die eigenen E-Zigaretten-Marken war. Bis heute wurden ca. 8,5 Mrd. $ auf die Beteiligung abgeschrieben, was ca. 2/3 des Gesamtinvestments entspricht. Dies sind auch die vorab genannten außergewöhnlichen Aufwendungen.

Sonstiges

Ansonsten lässt sich zur Branche sagen, dass hier keinen besonderen Zulieferer gebraucht werden, zumindest nicht, wenn man selbst Tabak anbaut. Leider gibt auch keine sonstigen wirklich Markteintrittbarrieren. Gerade im Bereich E-Zigaretten tummeln sich allein in Deutschland schon unfassbar viele kleine Hersteller. So hat Altria als einzigen Burggraben seine Marken wie Malboro, Chesterfield und L&M, welche bezogen auf Qualität einiges an Vertrauen genießen. Dafür gibt es insgesamt 2/6 Punkte in der Branchenanalyse.

Altria Aktienanalyse
Altria ist einer der größten Tabakkonzerne der Welt

Marktstellung

Bei einer Altria Akienanalyse muss man natürlich auch noch die Marktstellung von Altria innerhalb der Branche analysieren. Altria ist einer größten Tabakkonzerne weltweit und versucht ständig die eigene Produktpalette zu erweitern, um auch bei sinkenden Tabakkonsum weiter Umsätze zu generieren. Das Unternehmen ist relativ autark durch die komplette Produktionskette bei Tabak und Wein. Hier gibt es außerdem kaum Einflüsse auf die Produktion, bis auf klimatische Bedingungen. Das Marketing wäre zwar bitter nötig, da Rauchen aufgrund seiner gesundheitlichen Schäden immer uncooler wird, gestaltet sich allerdings schwierig. Oft schiebt der Staat im Rahmen der Gesundheitspolitik einen Riegel vor Werbemaßnahmen und die Hersteller werden sogar zu abschreckenden Warnbildern verpflichtet. So gibt es durch die abnehmende Zahl der Raucher natürlich begrenzten Absatz in der Zukunft. Somit bekommt die Altria 3/7 Punkte bezüglich der Marktstellung.

Kennzahlen (31.12.19)

Bei den Finanzkennzahlen sieht man, dass im operativen Bereich alle Werte einen soliden Eindruck machen:

  • Operatives Nettovermögen Ø-5J. +34,96% p.a.
  • Umsatz Ø-5J. +2,06% p.a.
  • Operativer Gewinn Ø-5J. 7,1% p.a.
  • Rendite oper. Nettovermögen Ø-5J. 38,2% p.a.
  • Operative Marge Ø-5J. +46,7% p.a.
  • Kapitalumschlagshäufigkeit Ø-5J. 0,82

Wachstumsanalyse (31.12.19)

Bis auf den Übergewinn macht auch die Wachstumsanalyse von Altria einen guten Eindruck. Eben dieser zeigt allerdings die tatsächliche Wertschöpfung, weswegen aktuell im zu sehen ist, dass Altria im letzten 5-Jahres-Zeitraum jedes Jahr weniger Wert erwirtschaftet. Besonders im Verhältnis zum Free Cash Flow ist der Übergewinn geradezu mickrig.

  • FCF Ø-5J. 9.246 Mio. $ (+13,7% p.a.)
  • Ausschüttung von FCF Ø-5J. 88,2%
  • Dividendenwachstum Ø-5J. 10,5% p.a.
  • OCF Ø-5J. 29.644 Mio. $ (+7,0% p.a.)
  • Übergewinn Ø-5J. 121 Mio. $ (-4,6% p.a.)

Prognosen

Um auf einen Unternehmenswert der Altria zu kommen, müssen wir nun Annahmen über die Zukunft treffen, um damit unser DCF- und Übergewinn-Modell zu füttern.

Szenario 1 – Best Case ohne Corona

Hier gehe ich davon aus, dass Corona gar keine Auswirkungen hat und die Zahlen im 5 Jahresdurchschnitt weiterwachsen. Für den Restwert oder auch die ewige Rente im Modell setze ich jedoch ein dauerhaftes Wachstum von -3% an. Ich denke nämlich, dass Tabakkonzern nicht bis in alle Ewigkeit in Umsätze so weiter fahren können. Hier komme ich auf einen Unternehmenswert von 63,59$ je Aktie.

Szenario 2 – Worst Case mit Corona

An den aktuellen Quartalszahlen sieht man allerdings, dass Corona Auswirkungen hat, wenn auch nicht so extrem. Ich gehe von geminderten Cash Flows und Übergewinnen bis 2025 aus sowie wieder von einem langfristigen „Wachstum“ von -3%. Dies führt in diesem Szenario zu einem Fair Value von 61,09$ je Aktie.

Fazit

Als Fazit zur Altria Aktienanalyse möchte ich die Zahlen jetzt gerne nochmal in eine kleine SWOT-Analyse einordnen.

Chancen

Die Chancen des Unternehmen sehe ich klar in der Preiselastizität der Raucher. Man kann einfach überdurchschnittlich die Preise erhöhen und erhält dafür unterdurchschnittlich weniger Absatz. Die Menschen werden trotz aller Kampagnen auch weiterhin noch etliche Jahre rauchen. So kann den sinkenden Raucherzahlen durch Preissteigerungen entgegnet werden. Absolute Verbote wie von Alkohol in arabischen Ländern halte ich für unrealistisch. Außerdem sorgen E-Zigaretten und Cannabis (insbesondere bei weiterer Legalisierung) für mögliche Substitute und Komplementäre in der Produktpalette, sodass hier der Umsatz wieder gesteigert werden kann. Hier wird bereis probiert sich zu positionieren.

Risiken

Risiken sind insbesondere die schon mehrfach erwähnten rückläufigen Raucherzahlen. Zudem stehen Altria als auch Juul mehrfach und häufig vor Gericht wegen Gesundheitsschäden, die durch den Konsum der Produkte entstanden sein sollen. Kurzfristig halte ich Juul für ein Risiko, welches, wenn es einmal abgeschrieben ist, künftig aber meiner Meinung nach nur noch durch weniger liquide Mittel eine Auswirkung auf das Unternehmen haben wird. Diese hätte man gut einbringen können, um sich für die Zukunft umzurüsten. Bleibt abzuwarten wie gut das Unternehmen den Rückschlag auffängt.

Investmententscheidung

Aufgrund des Fair Value und der SWOT-Analyse denke ich, dass ein Kauf mit 25% Sicherheitsabschlag bis 45,82$ (38,49€) erfolgen sollte und ein Verkauf ab 20% über dem Unternehmenswert also bei 73,31$. Dazwischen sollte man meiner Meinung nach halten oder per Sparplan kaufen, wenn zwingend die Aktie besitzen möchte. Heute, während ich diesen Post schreibe, ist der Kurs bei knapp 37€. Zur Transparenz möchte ich also mitteilen, dass ich, wenn die Altria Aktienanalyse online geht, bereits Altria Aktionär sein werde, was ich vorher nicht war.

Disclaimer

Natürlich ist diese ganze Analyse nur meine persönliche Meinung und jeder von euch ist für seine Investments allein verantwortlich. Ich habe nach besten Wissen und Gewissen recherchiert, allerdings sind alle Angaben ohne Gewähr und können theoretisch komplett falsch sein. Dadurch, dass ich selbst Aktionär bin, kann außerdem ein Interessenkonflikt bestehen.

Ansonsten hoffe ich, dass euch die Analyse gefallen hat und freue über regen Austausch dazu auf Social Media! Hier findet ihr noch die Artikel wie ich mein Vorgehen bei der Analyse beschreibe.

Bis bald, euer Kai!

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