Bechtle Aktie in der Analyse – Hat Deutschland hier ausnahmsweise eine IT-Perle vorzuweisen?

Hallo und herzlich willkommen auf dem Finanzplaneten. Mein Name ist Kai und heute nehmen wir uns mal wieder einem deutschen Unternehmen an. Ich weiß, dass viele unter euch gerne auch im heimischen Markt investiert sein wollen und deswegen ist Bechtle eins von zwei Tech-Unternehmen aus dieser Reihe, die aus Deutschland kommen. Bechtle schüttet außerdem bereits eine Dividende aus und passt deswegen perfekt in unser Suchschema für diese Analysereihe. Wenn du wissen willst was Bechtle genau macht und ob die Bechtle Aktie ihren Preis auch wert ist, dann wünsche ich dir viel Spaß bei der Bechtle Aktienanalyse.

Grundlagen

Zuerst schauen wir uns wieder einmal an womit Bechtle sein Geld verdient und wie das Unternehmen entstanden ist. So können wir die aktuelle Entwicklung der Zahlen des Unternehmens viel besser in einen Zusammenhang bringen.

Geschäftsmodell

Bechtle ist ein IT-Systemhaus und betreibt zusätzlich einen reinen IT-Webshop. IT-Systemhaus meint, dass Bechtle Unternehmen bei der Ausstattung ihres Unternehmens als ganzheitlicher Berater zur Seite steht.

Historische Eckdaten

Gegründet wurde Bechtle 1983. Neben Klaus von Jan und Ralf Klenk, damals Professor und Student der Hochschule Heilbronn, war ebenfalls der Unternehmer Gerhard Schick ein Gründungsmitglied. Frau Karin Schick-Krief ist heute immer noch Großaktionärin mit 35% der Bechtle Aktien und damit eine deutsche Milliardärin. Mittlerweile ist der Sitz des Unternehmens allerdings in Neckarsulm in Baden-Württemberg, wo auch die Lidl und Kaufland Gruppe ihren Sitz hat. 1985 wird das Unternehmen Vertragspartner vom damaligen PC-Marktführer IBM. 1996 wurde mit der Schweiz das erste Ausland in Angriff genommen. Bechtle wuchs schnell und ging dann im Jahre 2000 an die Börse. Die Bechtle AG wird heute im TecDAX und im MDAX gelistet. Über die Jahre gab es bei Bechtle einige Akquisitionen und Joint Ventures. Das schnelle Wachstum des Unternehmens nahm mit der Übernahme vom französischen Konkurrenten Inmac Wstore in 2018 aber noch eine neue Dimension an.

Produktanalyse

Nachdem wir uns nun einen groben Überblick über das Unternehmen gemacht haben und wissen was es so treibt, wollen wir jetzt harte Zahlen sprechen lassen. Wie verteilt sich der Umsatz von Bechtle denn genau?

Geschäftsgebiete

Die Bechtle AG unterteilt ihre Umsätze in zwei Bereiche. Zum einen haben wir da den Bereich Information Technology System House & Managed Services. In dieser Sparte werden nicht nur Hard- und Software verkauft, sondern es geht zusätzlich um ganzheitliche Betreuung. Unternehmen arbeiten mit Bechtle zusammen, um Arbeitsplätze oder Büros auszustatten und werden bezüglich ihrer Anforderungen beraten. In diesem Bereich werden 65% der Umsätze generiert. Die anderen 35% kommen aus dem reinen Onlineshop von Bechtle, in dem über 70.000 Produkte gelistet sind.

Bechtle Aktie in der Analyse

Absatzmärkte

Jetzt geht es darum wo die Umsätze erwirtschaftet werden. Auch, wenn Bechtle stark expandiert, ist man dem Heimatmarkt Deutschland geschweige denn Europa noch nicht entwachsen. Der Löwenanteil der Umsätze geschieht mit 62% in Deutschland. Weitere 13% kommen aus Frankreich, 7% aus der Schweiz und weitere 7% aus den Niederlanden. Die restlichen 11% kommen Großteils aus dem übrigen Europa und mittlerweile muss man Großbritannien getrennt erwähnen.

Bechtle Aktienanalyse

Auswertung

Die Digitalisierung trifft jeden und da man mit der Beratung ganz individuell auf Kunden zugehen kann und im Onlineshop ein riesiges Angebot führt, sehe ich die Diversifikation unter den Produkten als gegeben an. Anders sieht es regional aus. Der Großteil der Umsätze wird im Inland gemacht und aus Europa, das ohnehin wirtschaftlich eng zusammenhängt, kommt man fast gar nicht hinaus. So gibt es hier leider keinen Punkt und für die Produktanalyse insgesamt nur einen von zwei möglichen Punkten.

Branchenanalyse

Die Diversifikation über die Produkte hinweg haben wir ja jetzt geprüft. Als nächstes möchte ich auf die Branche der IT-Systemhäuser eingehen. Interessant ist dabei insbesondere der europäische Markt.

Attraktivität der Branche

Bezüglich der Attraktivität der Branche der IT-Häuser, kann man gut auf die allgemeine Nachfrage am IT-Markt abstellen. Anders könnte man sagen, dass es für IT-Systemhäuser wichtig ist, wie schnell die Digitalisierung voranschreitet. Nach 2,9% in 2018, wächst der IT-Markt in Europa in 2019 leider nur mit 2,4%. Besonders interessant für diese Analyse ist das Wachstum in Deutschland. Dieses soll nach einem starken Jahr 2020 in 2021 um weitere 2,7% steigen.

Wettbewerber

In diesem Bereich gibt es enorm viele Konkurrenten. Die größten sind in Deutschland in dieser Reihenfolge Bechtle, Computacenter, Softwareone, T-Systems und Cancom.

Kunden

Der Großteil des Umsatzes wird im gewerblichen Bereich gemacht. Im Onlineshop wird es zwar mitunter auch private Kunden geben, wenn ihr allerdings selbst als Privatkunde überlegt, wo ich als erstes, zweites und drittes nach einem neuen Laptop, Headset oder Router nachsehen würdet, wäre es sicher nicht Bechtle.

Zulieferer

Da je nach Kundenbedürfnis verschiedene Artikel und Lösungen verwendet werden und im Onlineshop alles Mögliche angeboten wird, ist man hier nicht auf einzelne Hersteller angewiesen und ist somit breit diversifiziert.

Ersatzprodukte

Ab einer gewissen Größe und bis zu einer gewissen Größe kommen Unternehmen wohl nicht drum rum sich Unterstützung zu suchen, wenn sie neue Standorte einrichten wollen. Aber selbst, wenn man die Planung in die eigene Hand nimmt, wird man den Großauftrag zur Lieferung sicher über einen Zwischenhändler machen, statt mit jedem Hersteller der IT-Produkte separate Verhandlungen aufzunehmen. Technische Neuerungen sind hier kein Schreckgespenst, da diese dann ebenfalls in die Beratung aufgenommen und gehandelt werden können.

Markteintrittsbarrieren

Bei Händlern ist der Burggraben leider nicht so groß wie bei Produzenten. Man muss hier keine großen Produktionsanlagen aufbauen und Forschung und Entwicklung muss man auch nicht betreiben. Dropshipping zeigt, dass man in Nischen sogar fast ohne Kapital anfangen kann zu handeln. Die daraus resultierende Konkurrenz sorgt dafür allerdings für einen harten Preiskampf und lässt die Marge schmelzen. Dazu aber bei den Finanzkennzahlen mehr.

Auswertung

Aufgrund der großen Konkurrenz, der hauptsächlich gewerblichen Kunden sowie den geringen Markteintrittsbarrieren gibt es leider nur 3 von 6 möglichen Punkten.

Marktstellung

Nachdem die Branche jetzt an einigen Stellen zu wünschen übriglässt, müssen wir uns genauer damit beschäftigen wie gut sich Bechtle selbst innerhalb dieser Branche positioniert hat.

Entwicklung

An dieser Stelle sollte man auf die diversen Akquisitionen eingehen, da Bechtle selbst keine Produkte entwickelt und seit Gründung auch keine grundlegenden Änderungen am Geschäftsmodell vorgenommen hat. Bei den Akquisitionen allerdings ist man sehr fleißig. Sie schlagen insbesondere in zwei Kerben. Zum einen wird versucht regional zu expandieren, indem man Konkurrenten in anderen Ländern aufkauft. Beispiel hierfür ist die Akquisition vom französischen Konkurrenten Inmac Wstore aus 2018. Zum anderen kauft man nischigere Unternehmen, um ein breiteres Spektrum in der Beratung anbieten zu können und mehr Teile der Wertschöpfungskette mitzunehmen. So wurde bereits in 2014 mit der Amaras AG ein Spezialist für Onsiteoptimierung erworben. So kann man Aufträge im Konzern ausführen, ohne sie outzusourcen.

Möglichkeit einzukaufen

Da man wie gesagt nicht von einem einzelnen Hersteller abhängig ist, ist man gut diversifiziert. Zudem hat man aus zwei Gründen ein gutes Standing in Verhandlung. Zum einen hat man als Marktführer in Deutschland eine sehr große Abnahmemenge und ist somit sehr attraktiv für die Hersteller und zum anderen ist es gut, dass man nicht darauf angewiesen ist, alle Produkte zu führen. Man muss also nicht jeden „letzten Preis“ der Hersteller akzeptieren.

Einflüsse auf das Geschäft

Der größte Wachstumstreiber ohne Zutun von Bechtle, ist die Digitalisierung. Gerade in Deutschland verläuft diese leider schleppend. Schulen und Unternehmen haben erst in der Coronakrise richtig angefangen sich hiermit zu beschäftigen. Dazu aber bei den Wachstumsmöglichkeiten mehr.

Marketing

Während man bei Privatkunden gut über SEO gehen kann, sprich dafür sorgen kann, dass man bei Onlinesuchen weit vorn in der Google-Suche gefunden wird, so ist es bei den hauptsächlich gewerblichen Kunden etwas schwieriger. Hier müssen Vertriebsteam arbeiten, um die großen Aufträge für Beratung und Ausrüstung von Büros an Land zu ziehen. Glücklicherweise kann man die Beratung ja extra abrechnen bzw. mit auf den Preis aufschlagen.

Wachstumsmöglichkeiten

Im internationalen Vergleich sieht man die Nachfrage nach IT-System in anderen Ländern der Welt deutlich stärker wachsen als in Deutschland und Europa. An sich natürlich erstmal nicht so gut für ein Unternehmen, welches den Umsatz hauptsächlich in Deutschland macht. Allerdings ist bei der Digitalisierung ja aufgeschoben nicht aufgehoben. Deswegen sehe ich hier auch große Wachstumsmöglichkeiten für Bechtle. In der Vision 2030 gibt Bechtle an, dass es bis 2030 10 Mrd. € Umsatz machen möchte, was Ende 2019 jährlich ca. 4% Wachstum jedes Jahr wären.

Unternehmensführung

Nachdem er bereits ab 2007 Finanzvorstand war, steigt Dr. Thomas Olemotz in 2010 in die Position des CEOs auf. Sein Weg dahin war sehr gestreut und er konnte viel Erfahrung sammeln. So ist er eigentlich Bankkaufmann, studiert dann Wirtschaft und macht an der Uni Gießen als wissenschaftlicher Mitarbeiter seinen Doktor. Über die Vorstandsassistenz bei der WestLB und als Leitung der M&A-Abteilung einer mittelständischen Unternehmensberatung gelang ihm ein guter Einstieg ins Berufsleben. 1999 ging er dann zum Delton Konzern, einer Beteiligungsgruppe, wo er Leiter für Unternehmensentwicklung wurde, um anschließend bei einer Tochtergesellschaft des Konzerns Finanzvorstand zu werden. Danach kam er zu Bechtle. Bechtle Aktien hat er scheinbar keine vom eigenen Arbeitgeber, allerdings hat er sich ja schon 10 Jahre lang als CEO bewiesen.

CEO Vorstand Dr. Olemotz

Gesetzliche Rahmenbedingungen

Da es sich beim Geschäftsmodell von Bechtle um Handel dreht und nicht um die Herstellung, ergeben sich für das Unternehmen keine wirklich rechtlichen Herausforderungen.

Auswertung

Aufgrund des relativ aufwendigen Marketing mit Vertriebsteams und des Beratungsbedarfs der Kunden, erhält Bechtle von mir 6 von 7 möglichen Punkten in der Marktstellungsanalyse.

Newsletter

An dieser Stelle möchte ich mal wieder auf meinen Newsletter hinweisen. Wenn du regelmäßig über neue Aktienanalysen informiert werden möchtest, ist dieser perfekt für dich. Wenn du dich angemeldet hast, bekommst du monatlich die neusten Analysen nochmal auf einen Blick. Zusätzlich setze ich dir alle meine bisherigen Kauflimits ins Verhältnis zum aktuellen Kurs und zeige dir somit auf meinem Einkaufszettel, welche Aktien ganz aktuell meiner Meinung nach am günstigsten bewertet sind. On Top erhältst du als Abonnent meines Newsletter auch noch exklusiven Einblick in mein eigenes Depot. Bei Interesse trage dich doch einfach über die Sidebar auf dem Blog dafür ein. Der Link ist in der Videobeschreibung. Ansonsten jetzt wieder zurück zur Bechtle Aktienanalyse!

Unternehmensbewertung

Das starke Wachstum seit der Gründung von Bechtle möchten wir jetzt bezogen auf die letzten 5 Jahre mal genauer betrachten. Dafür zeige ich verschiedene Finanzkennzahlen im 5-Jahres-Durchschnitt auf, erläutere sie und nutze sie dann innerhalb mehr Bewertungsmodelle, um zu einen Fair Value zu gelangen.

Finanzkennzahlen 5-Jahres-Durchschnitt

  • Operative Nettobetriebsvermögen +26,9%
  • Umsatz +21,7%
  • Operativer Gewinn +26,0%
  • Operative Marge 4,0%
  • Free Cash Flow +65,7%
  • Operativer FCF +46,1%
  • Eigenkapitalquote 49,8%
  • Fremdkapitalkosten +15,3%
  • Dividendenwachstum +20,0%
  • Dividendenrendite 1,4% (aktuell 0,7%)
  • Ausschüttung des FCF 64,3%
  • Übergewinn +36,0%
Bechtle Finanzen

Erläuterung der Zahlen

Bechtle weist starkes Wachstum auf und das seit Gründung. Alle zehn Jahre setzt das Unternehmen ein groben Plan bezüglich des angestrebten Wachstums, der mit diesen Zahlen deutlich übertroffen werden würde, wenn sie weiterhin anhalten. Besonders zu erwähnen ist aber die Marge, denn diese ist sehr gering. Mit steigender Unternehmensgröße könnte diese zwar steigen, hier besteht allerdings wirklich verbesserungsbedarf. Große Kostensteigerungen aus irgendeinem Grund könnten mit solch einer geringen Marge kritisch werden. Gerade in Europa sehe ich hier Lohnsteigerungen als Problem an. Ansonsten sehen aber alle Werte mehr als einwandfrei aus und deswegen gibt es auch 2 von 2 möglichen Punkten in der Finanzanalyse.

Fair Value der Bechtle Aktie

Als langfristiges Wachstum für die Bechtle AG setze ich 10% an. Das ist ein Mittelwert aus dem tatsächlichen, dem angestrebten und dem Branchenwachstum. Mein Eigenkapital möchte ich wie immer mit 10% verzinst haben und setze deshalb entsprechende Eigenkapitalkosten an. Daneben setze ich außerdem Fremdkapitalkosten von 2,5% an. Bechtle hat eine super Bonität und Kreditrating. Dieses habe ich für die Schätzung herangezogen, weil es aktuell keine Anleihen des Unternehmens gibt. Um auf einen fairen Wert je Bechtle Aktie zu kommen, trage ich die Wachstumswerte und die Zahlen der letzten 5 Jahre, die dahinterliegen, in mein Discounted Cash Flow- und Übergewinn-Bewertungsmodell ein, teile das Ergebnis durch die Anzahl der ausgegebenen Aktien und glätte den daraus resultierenden Wert mit dem durchschnittlichen Kursziel der Analysten. Als Ergebnis haben wir einen fairen Wert von 111,27€ je Bechtle Aktie.

Chancen und Risiken

Bevor wir zum Sicherheitsabschlag kommen, um zu einem Kauflimit und einer Verkaufsschwelle zu gelangen, sollten wir nochmal das Chancen-Risiko-Profil Revue passieren lassen. Auf der einen Seite haben wir ein wachsendes Unternehmen, welches sich in einer wachsenden Branche befindet. Auch, wenn die Digitalisierung in Deutschland und Europa langsamer Fahrt aufnimmt, heißt das nur, dass der Großteil der Investitionen noch gemacht wird. Zudem ist man ziemlich frei in der Gestaltung seines Handels und der Beratung.

Auf der anderen Seite wollen natürlich viele Unternehmen etwas vom Kuchen abhaben. Deswegen ist der Konkurrenzdruck ziemlich groß. Das macht sich in der Marge bemerkbar. Die Marge ist mit 4% so gering, dass sie keine großen Veränderungen in den Kosten erlaubt. Insbesondere durch die geringe Markteintrittsbarriere ist man auch in Zukunft nicht vor aufkeimender Konkurrenz sicher.

Investmententscheidung

Das Chancen-Risiko-Profil im Hinterkopf habe ich aufgrund der 5 Punkte, die ich in der bisherigen Analyse abgezogen habe, einen Sicherheitsabschlag von 25% ausgemacht. Diese 25% ziehe ich jetzt zum einen vom Fair Value ab, um auf ein Kauflimit zu kommen, und zum anderen subtrahiere ich diesen Prozentsatz von 150% des fairen Wertes, um auf eine Verkaufsschwelle zu kommen.

Im Falle von Bechtle bedeutet das, dass ich auf ein Kauflimit von 75% des fairen Wertes komme, was nominal rund 83€ entspricht. Außerdem liegt die Verkaufsschwelle bei ca. 139€, was dann 125% des fairen Preises entspricht. Bei einem aktuellen Kurs von sogar gut 170€ werde ich also nicht nur in nächster Zeit kein Bechtle-Aktionär werden, sondern wäre ich bereits Aktionär würde ich persönlich diesen Gewinn sogar realisieren und mir andere Investments suchen.

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Fazit

So langsam überkommt mich das Gefühl, dass die Tech-Unternehmen momentan am Markt maßlos überbewertet sind. Bisher hatte ich ja immer ältere und beständige Value-Werte analysiert. Hier gab es auch immer mal wieder unterbewertete Titel. In dieser Reihe der Tech-Unternehmen, die bereits Dividende ausschütten, gibt es aber eine riesige Überbewertung nach der anderen. Bechtle ist hier prozentual mit an der Spitze, was die Überbewertung angeht. Interessant ist, dass sowohl Bechtle als auch diverse andere Tech-Unternehmen in meinen Analysen bis kurz vor Corona noch sehr kaufenswert waren und vor allem beim Ausbruch der Pandemie. Wer dort schnell reagiert hat, also gesehen hat, dass Corona maximal einen positiven Einfluss auf Technik hat, und nun erneut verkauft, da die Kurse so explodiert sind, konnte schnelles Geld machen. Natürlich konnte das in dieser Form niemand kommen sehen.

Um vielleicht doch noch unterbewertete Titel für diese Reihe zu finden, habe ich für die kommenden zwei letzten Analysen Titel ausgesucht, die aktuell etwas in Verruf geraten sind. Seid also gespannt, was euch die nächste Woche auf dem Finanzplaneten erwartet. Wenn ihr das nicht verpassen wollt, dann schaut auch gern nächstes mal wieder rein. Ansonsten freue ich mich immer über eure Kommentare und Meinung zu den Unternehmen in der Analyse. Wie schätzt ihr aktuell Tech-Werte ein? Habt ihr Ideen für Unterbewertungen? Was meint ihr welche Titel ich euch nächste Woche vorstelle? Ich bin gespannt auf eure Meinung, bedanke mich wie immer fürs fließiges Lesen und sage bis bald!

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4 Antworten auf „Bechtle Aktie in der Analyse – Hat Deutschland hier ausnahmsweise eine IT-Perle vorzuweisen?“

  1. Hallo Kai,

    Ganz herzlichen Dank, dass du deine Bewertung und vor allem den Weg zum „Fair Value“ für die Bechtle mit uns teilst.

    Ich befasse mich aktuell sehr intensiv mit dem Thema Aktienbewertungen, da ich mich vor Kurzem entschieden habe, zukünftig in Aktien zu investieren. Da ich bis vor rund 7 Jahren für den Bechtle-Konzern gearbeitet habe, spielte ich tatsächlich auch mit dem Gedanken, Bechtle-Aktien zu kaufen. Wie du aber bereits festgehalten hast, sind diese auch in meinen Augen stark überbewertet, weshalb ich aktuell die Finger davon lasse.

    Ich habe aber nun eine konkrete Frage bezüglich deiner Bewertung. Was verwendest du für ein Tool für deine Bewertungen? Machst du das alles in Excel? Denn ich bin aktuell gerade dabei, mir selber ein Excel-Tool zu erarbeiten, mit welchem ich durch die Eingabe von ein paar wenigen Werten automatisiert den Fair Value errechnen möchte. Bisher bin ich aber noch arg am zweifeln, ob meine Berechnungen denn wirklich stimmen. Ich habe das Ganze auf Basis der DCF-Methode aufgebaut. Für den Diskontierungssatz nehme ich den berechneten WACC und für die zukünftigen Free Cashflows (5 Jahre in die Zukunft), ziehe ich zum Einen Analystenbewertungen hinzu und zum Anderen berechne ich aufgrund der vergangenen 8 Jahre (2013-2020) die Zukunftswerte der kommenden 5 Jahre (2021-2025). Dies mache ich auf zwei unterschiedliche Arten (mathematische Trendanalyse und Zeitreihenanalyse) in Excel. Zusammen mit den Analystenbewertungen, erhalte ich dann also drei Berechnungen für die Free Cashflows der kommenden 5 Jahre. Für jede dieser drei FCF-Berechnungen kalkuliere ich dann die CAGR (compound annual growth rate) über den gesamten Auswertungszeitraum (2013-2025). Aus diesen drei schlussendlichen Prozentwerten nehme ich dann den Mittelwert als Basis für die weiteren Rechenschritte.

    Im Fall von Bechtle ergibt diese Berechnung ein durchschnittliches jährliches Wachstum des Free Cashflow von 2013-2025 von 11.21%. Diese 11.21% rechne ich nun konstant jährlich zum Basis-FCF-Wert aus dem Jahr 2013 auf (bis und mit 2025). Anschliessend kombiniere ich die historischen Werte aus den Jahren 2013-2020 mit den neu auf Basis des FCF-Wertes aus dem Jahr 2013 inkl. konstanten 11.21% Wachstum berechneten kalkulierten FCF-Werten der Jahre 2021-2025. Abschliessend erstelle ich dann wieder eine CAGR über die nun finalen Prognose-FCF’s der Jahre 2021-2025, welche meinem errechneten Wachstum des Free Cashflows entsprechen. Im konkreten Fall von Bechtle ergibt sich bei dieser Berechnung nun ein Negativ-Wachstums-Forecast von -5.34% des Free Cashflows pro Jahr (2021-2025).

    Sämtliche errechneten Endwerte trage ich nun in mein DCF-Sheet ein und erhalte somit unter Berücksichtigung eines Langzeit-Wachstums von 3% und einem WACC bzw. einer Discount-Rate von 5.32% einen Fair Value von Euro 100.96. Wenn ich dann noch 10% Margin of Savety einrechne, bin ich bei einem Kaufpreis von Euro 90.86 bzw. einem Verkaufspreis von Euro 111.05 , was doch ziemlich von deinen Werten abweicht.

    Hier wird der Fair Value sogar mit Euro 125.40 angegeben, was ja nochmals höher ist als meine Berechnung: https://simplywall.st/stocks/de/software/etr-bc8/bechtle-shares?l=0&t=qrog_zp_lnubb&s=1&id=447197&utm_source=yahoo&utm_medium=finance_user&lt=Conc_ticker&utm_campaign=Conc_ticker#value

    Nun frage ich mich echt, ob meine Überlegungen denn wirklich dermassen falsch sind, oder ob ich schlichtweg etwas übersehen habe. Wie eingangs erwähnt, bin ich erst seit kurzem in das Thema eingetaucht und würde mich natürlich über deine fachkundige Einschätzung bzw. einen allfälligen Tipp bezüglich einer Software-Lösung für die Fair-Value-Berechnung sehr freuen.

    Herzlichen Dank bereits im Voraus.

    Liebe Grüsse aus der Schweiz.

    Daniel

    1. Hallo Daniel,

      danke für deine ausführliche Frage und entschuldige die späte Antwort. Für eine passende Antwort musste ich doch nochmal an den Computer und in meine Berechnungsmodell reingehen 🙂 Also zwei Dinge beeinflussen den Aktienwert am Ende extrem. Das ist einmal das langfristige Wachstum und zum anderen die WACC. Ich habe mal soweit an meinen Excel-Tapeten rumgespielt, dass ich auf dein WACC komme und dann komme ich auch bei einem höheren FV raus als du, also eher wie dein Verkaufspreis. Ganz identisch sind die Rechnungen und Herangehensweisen ja nie aber du scheinst da eine sehr aufwendige und genaue Methode zu haben, weshalb das schon recht genau sein wird. Wegen den paar Euro Abweichung würde ich nicht an deiner Berechnung zweifeln. Wenn es nur einen richtigen Wert je Aktie gäbe, dann gäbe es ja auch keine Kursschwankungen und man bräuchte auch keine Sicherheitsmarge 🙂 Also alles gut und mach weiter so! LG Kai

      1. Hallo Kai

        Danke vielmals für deine Rückmeldung.
        Ja, ich habe da einiges an Berechnungen angestellt und in einem Excel-File zusammengetragen, so dass ich mit nur wenigen manuell einzutragenden Kennzahlen den Fair Value berechnen kann.

        Ich muss das Ganze aber noch finalisieren und dann werde ich mal ein paar deiner in jüngster Vergangenheit erstellten FV-Analysen mit meinem Analyse-Tool nachbilden. Mal schauen, auf was für Werte ich komme.

        Wenn du magst, kann ich dir das File dann mal senden, damit du einen Blick drauf werfen kannst. Deine fachkundige Einschätzung könnte sicher hilfreich sein.

        Falls du Interesse hast, lass es mich einfach wissen. Du kannst mich gerne per Mail kontaktieren.

        Liebe Grüsse Daniel

        1. Hallo Daniel,

          ich schaue mir gern dein Tool an und gebe dir dann Rückmeldung 🙂
          kann dir aktuell leider nur nicht sagen, wie schnell ich das schaffe aber bekommst sicher Rückmeldung!
          Schicke es am besten per Mail.

          LG Kai

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