Broadcom Aktienanalyse – Steigender Kurs beim jungen Halbleiterhersteller gerechtfertigt?

Hallo und herzlich willkommen auf dem Finanzplaneten! Mein Name ist Kai und heute geht es weiter mit der Reihe zu Technikunternehmen, die bereits Dividende ausschütten. Innerhalb dieser Analysereihe sind wir mittlerweile bei der Halbleiterindustrie angekommen. Nachdem wir in der letzten Analyse einen Zulieferer der Branche genauer angesehen haben, schauen wir uns heute mit Broadcom wieder einen richtigen Halbleiterhersteller an. Hier sehen wir nun, dass die Kennzahlen innerhalb der letzten Jahre aufgrund von diversen Zukäufen extrem gestiegen sind. Werfen wir im Rahmen der Fundamentalanalyse einen genaueren Blick auf die Bewertung und, ob diese fair sein kann. Viel Spaß mit der Broadcom Aktienanalyse!

Grundlagen

Auch, wenn wir schon einige Halbleiterhersteller in den Analysen hatten, hier erstmal wieder der grundlegende Aufbau des Unternehmens.

Geschäftsmodell

Broadcom ist ein Halbleiterhersteller. Zudem stellt das Unternehmen Software zur Nutzung seiner Hardware bereit. Ganz grob gesehen war es das auch bereits bei Broadcom. Sie sind ebenfalls in verschiedenen Bereichen der Halbleiterbranche beheimatet aber dazu gleich mehr.

Historische Eckdaten

Das Unternehmen wurde 2005 gegründet. Vorab bestand das Unternehmen seit 1961 als Avago. Als ehemalige Abteilung von HP war man zunächst im optischen Elektronikbereich tätig. HP gliederte 1999 einige Bereiche aus, so auch den Halbleiterbereich. Dieser Halbleiterbereich wurde dann 2005 als Avago einzeln verkauft und 2009 an die Börse gebracht. Nach der Übernahme des Konkurrenten Broadcom in 2016 benannte man das Unternehmen kurzer Hand in Broadcom um. Der Sitz ist mittlerweile in den USA, nachdem der anfängliche Sitz in Singapur weitere Übernahmen in den USA erschwerte. Heute ist Broadcom der sechstgrößte Hersteller von Halbleitern auf der Welt.

Produktanalyse

In der Produktanalyse wollen wir jetzt einmal einen genaueren Blick darauf werfen, in welchen Sparten und welchen Ländern die Halbleiter von Broadcom verkauft werden.

Geschäftsfelder Broadcom

Geschäftsgebiete

Wirkliche Daten zur Aufteilung des Umsatzes findet man nur bezüglich der Aufteilung zwischen Hardware und Software. Während man mit der Hardware, also den Halbleiterlösungen 72% des Umsatzes generiert, entfallen die übrigen 28% auf die Software. Innerhalb dieser Umsätze verstecken sich diverse Nischen. Darunter sind insbesondere Bereiche der Kommunikation wie Wi-Fi oder sonstiger Funk. Die Kunden von Broadcom sind dabei branchenübergreifend.

Umsatz Broadcom

Absatzmärkte

Auch Broadcom ist relativ asienlastig. Wie wir mittlerweile wissen, ist das aber normal für Halbleiterhersteller. Mit 33% in China und 32% im übrigen Asien-Pazifik-Raum werden über die Hälfte der Umsätze in Asien gemacht. Weitere 20% werden in den USA umgesetzt, sowie 11% im EMEA-Bereich und 4% auf den übrigen amerikanischen Kontinenten.

Auswertung

Broadcom stellt Halbleiter für diverse Branchen und Zwecke her und vertreibt seine Halbleiter auf der ganzen Welt. Aus diesem Grund sind 2 von 2 Punkten in der Produktanalyse gerechtfertigt.

Branchenanalyse

Da Broadcom bei weitem nicht die erste Analyse im Halbleiterbereich ist und ich auch prozentual nicht sagen kann auf welche Branche man am ehesten abstellen kann, kann ich ruhigen Gewissens auf die Intel Aktienanalyse verweisen. In dieser habe ich letzte Woche bereits die Branche analysiert.

Nichtsdestotrotz möchte ich die wichtigsten Punkte hier einmal zusammenfassen. Positiv zu nennen sind nämlich die durchschnittlich 5% Wachstum der Halbleiterbranche, die reichhaltigen Rohstoffe und Lieferanten, fehlende Substitute für Halbleiter und große Markteintrittsbarrieren. Negativ hingegen sind die zahlreichen großen Konkurrenten sowie die gewerblichen Kunden, die Preisverhandlungen schwieriger machen. Die Halbleiterbranche hat 4 von 6 möglichen Punkten erhalten.

Marktstellung

Nach der sehr generellen Analyse der Branche der Halbleiter, kümmern wir uns jetzt aber im Details um Broadcom.

Produktentwicklung

Dass ein Unternehmen in der Halbleiterbranche technologischen Fortschritt liefern muss, sollte klar sein. Auch Broadcom ist hier unter Druck und forscht fleißig. Kürzlich machte man hier neue Markteinführungen im Bereich 5nm die besonders für schnell wachsende Branchen wie KI, Server und 5G interessant sind.

Möglichkeit einzukaufen

Analog zu den diversen Lieferanten sind Einkaufsmöglichkeiten sehr gut, insbesondere bei einer Größe von Broadcom.

Einflüsse auf das Geschäft

Auch bei Broadcom ist der technologische Wandel der größte Einfluss. Chipsätze, die genutzt werden, um zu kommunizieren, sollten in Zukunft immer mehr genutzt werden, wenn ich an Internet of Things oder NFC denke. Allerdings muss man auf dem Laufenden bleiben.

Marketing

Die beste Werbung ist auch hier wieder die technologisch fortschrittlichsten Schaltkreise zu bauen. Dann werden diese auch angefragt werden. Ansonsten hat Broadcom viele Abnehmer, sodass vertrieblich viele Kunden betreut werden müssen. Als sechstgrößter Hersteller ist man nicht mehr zwingend bei eingeholten Angeboten der Kunden dabei.

Wachstumsmöglichkeiten

Die Wachstumsmöglichkeiten sind beim jungen Halberleiterhersteller Broadcom ebenfalls sehr gut. Die Halbleiterbranche wächst und von diesem Wachstum kann man partizipieren. Zudem wird auch eine Automotivesparte unterhalten, welche in Bereich Halbleiter doppelt so schnell wächst wie der Durchschnitt der Sparten.

Unternehmensführung

Der CEO des Unternehmens ist seit dem Kauf von Broadcom in 2006 Hock Tan. Er ist also schon lange 14 Jahre im Amt. Tan kommt aus dem Technikbereich. Er hat dort einen Bachelor und Master am MIT erworben. Später absolvierte er noch den MBA in Harvard. Vor seiner stetigen Tätigkeit bei Broadcom war er schon in vielen leitenden Positionen. Er war im Investbanking tätig, danach bei Pepsi und fand danach zur Halbleiterbranche. Er selbst besitzt verhältnismäßig viele Aktien von Broadcom. Stand heute hält er Aktien im Wert über 94 Mio. USD.

CEO Broadcom Aktie Analyse

Gesetzliche Rahmenbedingungen

Besonders der Bereich von Mobilfunk und Wi-Fi ist für den Staat natürlich ein sensibles Thema. Nicht ohne Grund wurde eine Übernahme von Qualcomm 2018 durch Trump untersagt, da Broadcom damals seinen Sitz noch Singapur hatte. Ähnliche Spekulation dürfte man bei Huawei gehabt haben, die ebenfalls Geräte zur Kommunikation bereitstellen. Nun da der Sitz in den USA ist, könnte es schon sein, dass der Staat mehr oder weniger verfolgt an welchen Projekten man forscht. Ansonsten ist hier Datensicherheit das A und O der Branche.

Auswertung

Aufgrund der gesetzlich zu beachtenden Vorschriften zur Datensicherheit, des stetigen technologischen Fortschritts mit dem mitgehalten werden muss sowie des vergleichsweise größeren  Marketingaufwands als „nur“ sechstgrößter Hersteller, gibt es für die Marktstellung von Broadcom nur 4 von 7 Punkten.

Newsletter

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Unternehmensbewertung

Jetzt wollen wir aber mal sehen, wie attraktiv die Zahlen des Unternehmens sind, wenn die Marktstellung schon nur durchschnittlich war.

Finanzkennzahlen 5-Jahres-Durchschnitt

  • Operative Nettobetriebsvermögen +147,7%
  • Umsatz +50,0%
  • Operativer Gewinn +27,1%
  • Operative Marge 18,6%
  • Free Cash Flow +143,1%
  • Operativer FCF +105,1%
  • Eigenkapitalquote 40,2%
  • Fremdkapitalkosten +166,1%
  • Dividendenwachstum +231,3% (+147,7% je Aktie)
  • Dividendenrendite 2,6% (aktuell 3,1%)
  • Ausschüttung des FCF 40,6%
  • Übergewinn negativ
Finanzen Broadcast Aktienanalyse

Erläuterung der Zahlen

Ich hoffe eurem Puls geht es gut. Die Wachstumswerte von Broadcom sind natürlich schon Hausnummern, allerdings muss man sie auch ins richtige Verhältnis setzen. Innerhalb der letzten 5 Jahre gab es nämlich diverse strukturelle Veränderungen in Form von Zukäufen. Da wären zum einen der größte Kauf, nämlich der von Broadcom in 2016. Zudem wurde 2018 CA Technologies und 2019 Symantec übernommen. Die Wachstumswerte muss man eigentlich im Verhältnis zu dem gestiegenen operativen Nettobetriebsvermögen sehen. Hier sieht man um wie viel der Bestand des Unternehmens gewachsen ist. Das im Hinterkopf sehen die Werte schon weniger krass aus.

Der Übergewinn ist über die Jahre sogar negativ, was darauf hindeutet, dass dem Unternehmen Wert verloren geht. In Summe möchte ich dem Unternehmen für seine Finanzwerte nur einen von zwei Punkten geben. Mir ist das Unternehmen aktuell zu sehr im Wandel als, dass ich verlässlich beurteilen könnte wie gut die Finanzlage wirklich ist. Hier muss über die nächsten Jahre erst Erfahrung gesammelt werden und die akquirierten Unternehmen müssen Synergien schaffen, um die Marge zu steigern.

Fair Value

Als langfristiges Wachstum in meinem DCF- und Übergewinnmodell habe ich statt dem bisherigen Umsatzwachstum von 50% das prognostizierte Wachstum von 7,3% angesetzt. Dabei wollte ich mein Eigenkapital mit 10% verzinst haben. Fremdkapital kostet das Unternehmen satte 4,5%. Das ist in der Tat etwas höher als üblich aber auch das Rating durch die Ratingagenturen ist bei Broadcom nur mittelmäßig. Geglättet mit dem aktuellen durchschnittlichen Kursziel ergibt sich so ein fairer Wert von 336,46$ bzw. 275,90€. An dieser Stelle muss ich aber erwähnen, dass das Übergewinn-Modell aufgrund des negativen Übergewinns einen gravierend niedrigeren Unternehmenswert ausgibt als der Discounted Cash Flow. Während man über den Übergewinn bei 121,70$ als fairen Wert landet, kommt man mit dem DCF-Modell auf 433,19$. Ich finde es aber richtig abstrafend mit einzubringen, dass der Übergewinn negativ ist.

Chancen und Risiken

Bei den Chancen und Risiken ist auf beiden Seiten das aktuelle starke Wachstum, durch die Zukäufe anzumerken. Auf der einen Seite spricht es natürlich für das Unternehmen, dass es aggressiv expandiert und so Umsatz und Cash Flow stetig wächst. Allerdings darf man nicht außer Acht lassen, dass die Strukturen hinter den Akquisitionen auch regelmäßig gestrafft und konsolidiert werden müssen, um rentabel zu bleiben und noch rentabler zu werden. Ansonsten ist auch hier wieder bei allen Halbleitern der technologische Wandel ebenfalls Chance und Risiko zugleich. Broadcom sehe ich hier aber kritischer als beispielsweise Intel, aufgrund der Größe. Während Intel als Marktführer ein festes Standing hat, ist Broadcom wesentlich vergänglicher.

Investmententscheidung

Aufgrund der Punktevergabe in dieser Analyse ziehe ich vom fairen Wert 30% Sicherheitsmarge ab und komme somit auf ein Kauflimit von 193€. Verkaufen würde ich bei 331€, was dann 120% des Fair Values ausmacht. Beim aktuellen Kurs von 354€ würde ich genau wie bei ASML meine Anteile verkaufen. Überhaupt weist der Aktienkurs von Broadcom gewisse Parallelen zu ASML auf. Es ist hier ebenfalls so, dass die Aktie während des Coronaausbruchs extrem gefallen und unterbewertet war, sich seitdem aber fast verdreifacht hat. Insofern wieder sehr schade, dass ich Broadcom nicht bereits eher analysiert habe. Es bleibt abzuwarten, ob das aktuell sehr hohe Niveau des Kurses auf Dauer gehalten werden kann oder, ob es hier Rücksetzer geben wird.

Broadcom Analyse

Fazit

In dieser Aktienanalyse haben wir wieder einen Halbleitertitel analysiert. Diesmal war es sogar wieder ein richtiger Halbleiterhersteller, nachdem wir ja nach ASML auch einen Zulieferer der Branche in der Analyse hatten. Leider ereilt einen hier als interessierter Investor das gleiche Schicksal wie bei ASML. Bestimmt man bei Broadcom nämlich heute einen Fair Value, stellt man leider fest, dass man seine Chance in der Coronakrise verpasst hat. Hier war sowohl Broadcom als auch ASML unterbewertet, um kurz danach ihren Wert zu verdoppeln und zu verdreifachen. Sehr Schade, dass ich hier keinen Einstieg gefunden hatte. Ich hoffe für euch als Zuschauer, dass ihr euch jetzt stolz auf die Schultern klopfen könnt, weil ihr bereits beim Börseneinbruch im Februar wusstet, dass die Unternehmen günstig zu haben sind.

Wie ist denn eure Meinung zu Broadcom? Habt ihr den Titel im Depot? Vielleicht auch schon etwas länger und vor den letzten Akquisitionen? Dann dürftet ihr hier ja schon eine starke Rendite auf der Position verbuchen! Ansonsten hoffe ich, dass unter den nächsten Titeln noch unterbewertete Tech-Unternehmen zu finden sind, sodass wir von dieser Analysereihe noch mehr profitieren können. Wenn euch die Broadcom Aktienanalyse gefallen hat, dann erstellt euch doch gern ein Lesezeichen für den Blog und schaut künftig regelmäßig vorbei. So stellt ihr auch sicher, dass ihr keine der restliche Analysen zu den Tech-Unternehmen mehr verpasst. Bis dahin bedanke ich mich fürs Reinschauen und sage bis bald!

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