Cardinal Health Aktienanalyse – Günstiger Einstieg durch Opioid-Rechtsstreit?

Hallo und herzlich willkommen auf dem Finanzplaneten. Mein Name ist Kai und heute gibt es mal wieder eine Analyse genau nach meinem Geschmack. Zum einen ist auch diese Analyse wieder ein Zuschauerwunsch, denen ich immer gerne nachkommen möchte. Zum anderen gibt es hier Einmaleffekte, die stark den Preis drücken. Hier kann man also mutmaßlich günstig einsteigen. Schauen wir uns in dieser Analyse mal Cardinal Health etwas genauer an. Ich werde darauf eingehen was den Aktienkurs aktuell negativ beeinflusst und, ob der Kurs gerechtfertigt oder doch sehr günstig ist. Wenn dich das auch interessiert, dann bleib dran und viel Spaß mit der Cardinal Health Aktienanalyse!

Grundlagen

Zuerst wollen wir uns erstmal wieder damit beschäftigen was das Unternehmen genau macht. Dafür ist das Geschäftsmodell interessant und auch wie sich das Unternehmen zum heutigen Stand entwickelt hat.

Geschäftsmodell

Cardinal Health ist ein Großhändler. Dabei hat das Unternehmen sich speziell auf die Pharmabranche spezialisiert und beliefert insbesondere Krankenhäuser, Apotheken und Praxen.

Historische Eckdaten

Gegründet wurde das Unternehmen 1971 als Kardinal Foods und handelte zuerst mit den namensgebenden Lebensmitteln. 1979 begann man dann ebenfalls mit dem Vertrieb von Arzneimitteln, was im nachfolgenden Jahrzehnt immer mehr Gewicht bekam. Das endete dann im Verkauf der Lebensmittelsparte in 1988. In der ersten Hälfte der 90er konnte man den Umsatz dann anschließend als Pharmagroßhändler in 5 Jahren mehr als versiebenfachen. 1994 änderte man den Namen auch schließlich zu Cardinal Health.

Die wichtigsten jüngsten Ereignisse sind Akquisitionen. In 2015 erfolgten gleich zwei Zukäufe. Zum einen wurde eine Kardiologiesparte von Johnson & Johnson erworben und zum anderen ein US-amerikanischer Großhandel für medizinische Handschuhe. In 2017 gab es dann nochmal einen recht großen Zukauf für 6,1 Mrd. USD. Hierbei handelte es sich um ein Produktportfolio von Medtronic.

Produktanalyse

Apropos Produktportfolio. Wie ist es denn insgesamt um die Verteilung der Umsätze von Cardinal Health bestellt? Hierbei ist insbesondere interessant womit sie ihr Geld verdienen und auch wo in der Welt die Umsätze generiert werden.

Geschäftsgebiete

Die Umsätze werden bei Cardinal Health in zwei Gruppen unterteilt. Die erste und sehr viel größere Gruppe ist Pharmaceutical. Aus diesem Bereich fließen 90% der Umsätze zum Unternehmen. Die anderen 10% kommen aus dem Bereich Medical. Während in Pharmaceutical Medikamente vertrieben werden, handelt es sich bei Medical eher um medizinische Zusatzartikel für die Pflege oder Labore. Hier ist zum Beispiel die Akquisition aus 2015 angesiedelt.

Cardinal Health Aktienanalyse

Absatzmärkte

Der Vertrieb findet allerdings fast zur Gänze in den USA statt. Nur 3% kommen aus dem Rest der Welt, was wirklich keine ausreichende Diversifikation bedeutet.

Cardinal Health Aktie Analyse

Auswertung

Aufgrund der fehlenden regionalen Diversifikation ziehe ich auch einen Punkt in der Produktanalyse ab und lande somit bei einem von zwei möglichen Punkten.

Branchenanalyse

Nun wollen wir uns erstmal den Pharmagroßhandel als Branche anschauen. Diese Branchenanalyse hier ist also ein Zwitter aus der Pharmabranche an sich und zum anderen auch dem generellen Großhandel, der für sich Vor- und Nachteile bietet.

Attraktivität der Branche

Die Attraktivität einer Branche macht für mich erstmal grundsätzlich das Wachstum aus. Wachstum allein auf Grundlage der Branche ist bei Großhändlern immer auf die dahinterliegende Branche zurückzuführen. In diesem Fall ist das die Pharmabranche. Bereits in Aktienanalysen wie der von AbbVie konnten wir auf dem Finanzplaneten herausfinden, dass die Pharmabranche gutes Wachstum vorweist. In 2019 waren es repräsentative 5-6%. Den Unterschied nach Generika oder Biosimilar muss man bei einem Großhändler natürlich nicht machen.

Wettbewerber

Cardinal Health ist in 2018 der fünftgrößte Pharmagroßhändler in den USA gewesen. Die Plätze 1 bis 4 gehen der Reihe nach an die UnitedHealth Group, McKesson, CVS Health und AmerisourceBergen.

Kunden

Die Kunden eines Großhändlers sind naturgemäß ausschließlich gewerblich. Ansonsten wäre man ja kein Großhändler, sondern Einzelhändler. Eine Retailsparte wie bei Walgreens oder CVS Health hat Cardinal Health nicht.

Zulieferer

Die Zulieferer eines Großhändlers sind die verschiedenen Hersteller der Produkte. Aufgrund der Vielzahl an Produkten und der leichten Änderung des angebotenen Produktportfolios, sehe ich hier keine Gefahr, dass die Großhändler in eine Abhängigkeit geraten. Das ist zumindest bei den Größten der Branche ausgeschlossenen, die eine entsprechende Vielzahl an Produkten anbieten.

Ersatzprodukte

Da die großen Hersteller meist kein ausreichendes Vertriebsnetz besitzen, um die Produkte wirklich an jede kleine Apotheke oder Praxis zu versenden, geht eigentlich kein Weg an den Großhändlern vorbei. Diese stellen den Vertrieb und die Kontakte zur Verfügung und nehmen dafür einen kleinen Teil der Marge beim Weiterverkauf.

Markteintrittsbarrieren

Die Markteintrittsbarrieren sind leider sehr niedrig. Selbst eine einzelne Person kann als Großhändler fungieren. Das ist dann der klassische Handelsvertreter. Gerade bei neuen Produkten kann man als Klinkenputzer gut einsteigen. Noch leichter hat man es als Außendienstler, der sich selbstständig macht und seine Kontakte einfach mitnimmt. Natürlich dauert es ansonsten aber etwas, bis man Kontakte und vor allem eine Größe wie von einem der gerade genannten Unternehmen aufgebaut hat.

Auswertung

Für die gewerblichen Kunden, die vielen großen Wettbewerber und die geringen Markteintrittsbarrieren, die möglicherweise noch mehr Konkurrenten auf den Plan rufen, gibt es jeweils einen Punkt Abzug. In der Branchenanalyse landen wir somit insgesamt noch bei 3 von 6 möglichen Punkten.

Marktstellung

Nachdem wir jetzt erstmal insgesamt die Branche betrachtet haben, probieren wir jetzt, wo es geht, genauer auf Cardinal Health einzugehen. Dabei liegt der Fokus darauf abzugrenzen, wie sich das Unternehmen im Vergleich zur Konkurrenz aufgestellt hat.

Produktentwicklung

Ein großer Vorteil von Großhändlern ist der ausbleibende Zwang neue Produkte zu entwickeln. Alternativ kann man bei Cardinal Health beispielsweise die Ausweitung des Produktportfolios oder auch Unternehmensakquisitionen betrachten. Diese beiden Punkte sind durchaus positiv zu sehen.

Möglichkeit einzukaufen

Analog zu den vielen Herstellern der vertriebenen Produkte hat das Unternehmen ein großes Netz an Lieferanten. Diese Diversifikation an dieser Stelle verhindert bei Cardinal Health, dass man sich von einem einzelnen Lieferanten oder Hersteller abhängig macht.

Einflüsse auf das Geschäft

Einem Wandel, wie von Generika hin zu Biosimilar, kann man als Großhändler leicht adaptieren. Das ist also bei Cardinal Health kein Problem. An dieser Stelle müssen wir allerdings das erste Mal auf das aktuelle große Manko beim Unternehmen eingehen. Schon durch Bayer wissen wir wie langwierig und teuer Gerichtsprozesse in den USA werden können und leider hat auch Cardinal eines am Bein. Genauer gehe ich darauf gleich bei den rechtlichen Rahmenbedingungen darauf ein.

Marketing

Im Pharmabereich übernehmen das Marketing zum Endkunden ja eigentlich die Krankenhäuser und Praxen. Um die Produkte dort aber unterzubringen, bedarf eines Außendienstes und eines guten Vertriebsnetzes. Cardinal Health als fünftgrößter Pharmagroßhändler der USA kann man ein solches Netz nicht absprechen.

Wachstumsmöglichkeiten

Grundsätzlich kann Cardinal Health als Pharmagroßhändler 1 zu 1 von der Pharmabranche partizipieren. Speziell für das Unternehmen kommt jetzt noch hinzu, dass es traditionell viele Akquisitionen durchführt und investiert. Somit wächst es dann noch stärker als ohnehin schon.

Unternehmensführung

Die Speerspitze des Managements bildet als CEO seit 2018 Michael Kaufmann. Seine berufliche Vorbildung hörte bereits nach einem Bachelor an der Ohio Northern University auf. Seine Kenntnisse erwarb er anschließend in 30 Jahren bei Cardinal Health. Er ist also ein echtes Urgestein des Unternehmens. Berufserfahrung konnte er daneben aber noch durch seine Tätigkeit in branchenfremden Aufsichtsräten erwerben. Durch seine langjährige Tätigkeit ist er zudem mit 27 Mio. USD selbst am Arbeitgeber beteiligt, sodass man sich seinem persönlichen Interesse am Unternehmenserfolg sicher sein kann.

Gesetzliche Rahmenbedingungen

Das Risiko für die Zulassung neuer Medikamente und die Vorleistung bei der Forschung liegt bei den Herstellern der Produkte. Durch falsche Versprechen oder Deklarierung kann es aber auch beim Großhandel zu Gerichtsprozessen kommen. So ist es aktuell auch unter anderem bei Cardinal Health geschehen.

Bei Cardinal Health geht es um abhängig machende Opioide. Scheinbar wurde hier nicht genug darauf hingewiesen, dass diese abhängig machen, oder sie machen stärker abhängig als kommuniziert. Ein echter Klassiker in Amerika, wo auch Tabakkonzerne verklagt werden, weil Zigaretten Krebs verursachen. Dass Opioide abhängig machen, egal wie stark, sollte eigentlich jedem klar sein. Dennoch sind Gerichtsprozesse in den USA ein Fass ohne Boden.

Auswertung

Aufgrund des aktuellen Gerichtsprozesses und den dadurch offensichtlich gewordenen rechtlichen Risiken ziehe ich zwei Punkte in der Marktstellungsanalyse ab. Insgesamt gibt es hier also noch 5 von 7 möglichen Punkten.

Newsletter

An dieser Stelle möchte ich mal wieder auf meinen Newsletter hinweisen. Wenn du regelmäßig über neue Aktienanalysen informiert werden möchtest, ist dieser perfekt für dich. Wenn du dich angemeldet hast, bekommst du monatlich die neusten Analysen nochmal auf einen Blick. Zusätzlich setze ich dir alle meine bisherigen Kauflimits ins Verhältnis zum aktuellen Kurs und zeige dir somit auf meinem Einkaufszettel, welche Aktien ganz aktuell meiner Meinung nach am günstigsten bewertet sind. On Top erhältst du als Abonnent meines Newsletters auch noch exklusiven Einblick in mein eigenes Depot. Bei Interesse trage dich doch einfach auf dem Blog dafür ein. Der Link ist in der Videobeschreibung. Ansonsten jetzt wieder zurück zur Cardinal Health Aktienanalyse!

Unternehmensbewertung

Aktuell ist der Nettogewinn also extrem durch die Gerichtsprozesse und ersten Einigungen dort gedrückt. Für die Unternehmensbewertung sind aber insbesondere die nachfolgenden Wachstumswerte interessant und die Prognose wie sich das Unternehmen weiterentwickeln wird. Die notwendigen Werte für meine Berechnungsmodelle, die den fairen Wert je Aktie ausspucken, habe ich wie immer über die letzten 5 Jahre berechnet.

Operatives Nettobetriebsvermögen
Operatives Nettobetriebsvermögen

Finanzkennzahlen 5-Jahres-Durchschnitt

  • Operative Nettobetriebsvermögen -2,2%
  • Umsatz +6,9%
  • Operativer Gewinn -4,7%
  • Operative Marge 1,2%
  • Free Cash Flow -5,6%
  • Operativer CF -4,2%
  • Eigenkapitalquote 15,3%
  • Fremdkapitalkosten +8,9%
  • Dividendenwachstum +3,0% (+5,3% je Aktie)
  • Dividendenrendite 2,8% (aktuell 3,5%)
  • Ausschüttung des FCF 27,8%
  • Übergewinn -9,4%
Cash Flow
Cash Flow

Erläuterung der Zahlen

Das Einzige was bei Cardinal wirklich wächst wie ein Uhrwerk ist der Umsatz. Das ist natürlich auch wichtig, da er den ganzen Karren zieht, allerdings darf man dabei nicht die anderen Bereiche außer Acht lassen. Durchschnittlich liegt das Eigenkapital zwar noch bei 15,3% allerdings war es im letzten Jahr in 2020 mit 4,4% durch die Rückstellung fast aufgebraucht. Diese soll dann auch alle künftigen Strafzahlungen abdecken, aber wer weiß das in den USA schon genau. Hinzu kommt, dass mir für solche Risiken auch einfach die operative Marge von gerade mal 1,2% zu gering ist. Hier muss ja nur noch ein wenig schief gehen oder sich andere Kosten erhöhen und man ist im negativen EBIT. Ob in einem solchen Fall die Dividende weitergezahlt wird, ist dann auch nochmal eine ganz andere Sache, nur für alle unter euch, die genau darauf spekulieren. Von mir gibt es an der Stelle aber keine Punkte in der Finanzanalyse für Cardinal Health.

Umsatz
Umsatz

Fair Value

Betrachtet man das Branchenwachstum, stellt man fest, dass das historische Umsatzwachstum des Unternehmens schon recht repräsentativ ist. Als langfristiges Wachstum behalte ich die 6,9% also bei. Aufgrund meiner angestrebten Kapitalverzinsung setze ich Eigenkapitalkosten von 10% an und durch langfristige Anleihen des Unternehmens konnte ich Fremdkapitalzinsen von 4% ausmachen. Die Ergebnisse im Discounted Cash Flow- und Übergewinnverfahren glätte ich jetzt noch mit dem aktuellen Kursziel der Analysten und komme somit auf einen fairen Wert je Aktie von 224$ oder 184€.

Chancen und Risiken

Cardinal Health ist als fünftgrößter Pharmagroßhändler in den USA sehr etabliert. Es hat gute Connections und ein gutes Vertriebsnetz. Das Wachstum der zugrundeliegenden Pharmabranche ist außerdem recht ansehnlich.

Aktuell hat Cardinal allerdings Probleme die PS auf die Straße zu bringen. Natürlich sind die aktuellen Gerichtsprozesse ein absoluter Störfaktor allerdings sehen die Zahlen auch sonst eher nicht so toll aus. Besonders sauer stößt bei mir die niedrige operative Marge auf. Hier muss nicht mehr viel passieren und man ist im negativen Bereich. Mit einem guten Prozent ist die Marge hier auch niedriger als bei vielen anderen Großhändlern.

Investmententscheidung

Aufgrund der bisher 8 abgezogenen Punkte ziehe ich nun 40% Sicherheitsmarge vom fairen Wert ab. Jeder Punktabzug in meiner Fundamentalanalyse entspricht somit 5% Sicherheitsmarge. Diesen Puffer ziehe ich jetzt zum einen von meinem Fair Value ab, um auf ein Kauflimit für die Cardinal Health Aktie zu kommen, und zum anderen ziehe ich ihn von einer maximalen Verkaufsschwelle von 150% des fairen Wertes ab, um auf die richtige Verkaufsschwelle zu kommen. Beim Kauflimit lande ich nach dieser Strategie bei 110€ und bei der Verkaufsschwelle kommen wir auf einen Wert von 202€.

Bei einem aktuellen Aktienkurs von gerade mal rund 46€ ist auch diese Aktie wieder sehr günstig zu haben. Man muss allerdings genau wie bei Bayer damit leben, dass man gerade die rechtliche Zukunft und zugehörige Strafzahlungen nur bedingt abschätzen kann.

Cardinal Health Logo

Fazit

Wieder ein neues Unternehmen und wieder ist es stark unterbewertet. Danke auch dieses Mal an den Zuschauer, der sich diese Aktienanalyse gewünscht. Das Unternehmen war mir nicht bekannt und gerade solch ein Rechtsstreit ist ja eine Möglichkeit günstig einzusteigen, wenn die Panik am Markt das kalkulierte Risiko übersteigt. Genau das ist hier meiner Meinung nach der Fall, auch, wenn man die rechtlichen Risiken in den USA nie so richtig absehen kann. Aktuell sieht es etwas danach aus, dass die Talsohle der Aktie auch schon erreicht worden war, da es in letzter Zeit wieder etwas bergauf ging. Man kann als Investor also nur hoffen, dass auch in der Tat keine weiteren Rückstellungen gebildet werden müssen.

Was denkt ihr denn über das Unternehmen? Kanntet ihr es bereits? Ansonsten könnt ihr mich ja auch gern mal in den Kommentaren wissen lassen, was ihr generell davon haltet, wenn eure Investments vor Gericht stehen? Würdet ihr in einem solchen Fall überhaupt noch einsteigen? Ich bin gespannt auf eure Meinung! Ansonsten bedanke ich mich wie immer fürs Reinschauen und sage bis bald!

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