China-Aktien – Chancen, Risiken und warum ich bisher nicht investiert habe

Hallo und herzlich willkommen auf dem Finanzplaneten! Mein Name ist Kai und heute kümmern wir uns statt um ein Unternehmen um eine Frage, die mir in letzter Zeit häufiger aus der Community gestellt wurde. Nachdem ich ein- oder zweimal sofort darauf eingegangen bin, dachte ich mir, dass meine Antwort noch mehr von euch interessieren könnte. Die Frage war, wie ich zu chinesischen Aktien stehe und, ob ich hier investiert bin. Heute möchte ich mal erläutern, welche Chancen und Risiken ich im Reich der Mitte sehe und warum ich bisher nicht in China-Aktien investiert habe. Wenn dich das interessiert, dann viel Spaß beim Video!

Chancen

Zunächst möchte ich mal positiv starten und die Chancen von chinesischen Aktien nennen. Grundlegend bietet das Land an sich für einheimische Unternehmen einige große Vorteile, die einen deutlichen Wettbewerbsvorteil gegenüber anderen globalen Unternehmen bewirken.

Großer Markt

China ist ein riesiger Markt. Wo deutsche Unternehmen im Heimatmarkt Deutschland ca. 83 Mio. potenzielle Kunden vorfinden oder in der gesamten EU als Binnenmarkt ca. 450 Mio. Einwohner und damit mögliche Kunden, da hat ein chinesisches Unternehmen nur im eigenen Land bereits 1,4 Mrd. potenzielle Kunden. China ist also ein gewaltiger Markt und aus Sicht chinesischer Unternehmen gibt es keine rechtlichen Hürden durch ausländische Behörden.

Protektionismus

Ein weiterer großer Vorteil ist der Protektionismus in China. Zwar ist das chinesische Regime in vielerlei Hinsicht protektionistisch, insbesondere aber im Wirtschaftsbereich. Am chinesischen Markt darf man in vielen Branchen entweder gar nicht oder nur als Joint Venture mit einem chinesischen Unternehmen tätig sein. Für chinesische Unternehmen bedeutet das, dass sie viel weniger ausländischer Konkurrenz gegenüberstehen als ein westliches Unternehmen. Das bietet natürlich weitaus bessere Verdienst- und Wachstumschancen.

China-Aktien
Der chinesische Protektionismus

Aufstrebende Wirtschaftsmacht

Bei alledem ist China einfach eine aufstrebende Wirtschaftsmacht. Seit der Abkehr von der Planwirtschaft durch kapitalistische Reform, geht es im Land wirtschaftliche einfach nur noch bergauf. Regelmäßig konnte das Bruttoinlandsprodukt Chinas in den vergangenen Jahrzehnten im zweistelligen Prozentbereich steigen. Und auch heute, über 40 Jahre nach Einführung des Kapitalismus und abflauenden Boom, wächst die Wirtschaft jährlich immer noch zwischen 5% und 6%. Davon können wir in Europa ja nur träumen. Selbst im Coronajahr 2020 wuchs die chinesische Wirtschaft um über 2%.

Die kapitalistischen Reformen in Kombination mit einem großen und attraktiven Markt für ausländische Investoren, deren Tätigkeit allerdings stark eingeschränkt ist, scheint eine gute Kombination für Wachstum zu sein. Zusätzlich waren die westlichen Länder bereits vollständig industrialisiert und man konnte sich hier leicht Techniken abschauen und musste nicht selbst den Reifeprozess in ganzer Länge durchleben.

Steigende Qualität

Das Kopieren der ausländischen Errungenschaften ist ein grundlegender Pfeiler des wirtschaftlichen Aufstiegs Chinas. Schnell wurden deutsche Zulieferer mit Billigprodukten aus der Volksrepublik China ausgestochen. Man konnte sich allerdings immer gut auf die deutsche Qualität berufen. Das ist „Made in China“ wurde zu einer Umschreibung für mindere Qualität. Doch das wandelt sich gerade. Nachdem man zwar noch schnell, aber nicht mehr zu schnell wächst, können sich die Unternehmen auf ihre Qualität besinnen und Produkte verbessern. Niemand konnte von heute auf morgen erwarten, dass ein aufstrebendes Entwicklungsland die gleiche Qualität liefert wie ein westliches Industrieland. Chinesische Unternehmen werden aber immer besser, was zusätzlich zum Heimatmarkt die Internationalisierung fördert.

Ähnlich sah es aus als in England die Dampfmaschine erfunden wurde und im 18. Jahrhundert die erste industrielle Revolution auslöste. Irgendwann schwappte die Technik auch nach Deutschland und man verpönte die deutschen Produkte aus England heraus als Müll. Das Siegel „Made in Germany“ war ursprüngliche kein Gütesiegel, sondern kam aus dieser Zeit und sollte ein Warnhinweis für englische Verbraucher sein.

Risken

Ein Investment in China-Aktien scheint mit zunehmender Internationalisierung und somit steigenden Umsätzen also eine super Idee zu sein, oder? Naja, wie immer gibt es mögliche Rendite nur gegen mögliches Risiko. Deswegen gehen wir nachfolgend mal auf die Risiken von China-Aktien ein.

China Aktien
Rendite gibt es nur für Risiko

Sozialistische Diktatur

So entfesselt die chinesische Wirtschaft auch zu sein scheint, die chinesische Regierung ist und bleibt eine sozialistische Diktatur. Natürlich wird China als Alternative zur westlichen Demokratie von den hiesigen Medien auch regelmäßig in die Pfanne gehauen, allerdings kann man nicht abschlagen, dass es sich schlicht um eine Diktatur handelt. Dadurch, dass die meisten Chinesen durch den stark gestiegenen Wohlstand aber ein angenehmes Leben führen können und so nicht auf die Barrikaden gehen, vergessen wir das oft. An sich gibt es von der absolutistischen Autokratie her aber keinen Unterschied zu Nordkorea. China war nur so klug die Planwirtschaft wegzulassen und so das Volk nicht gegen sich aufzubringen. Versteht mich aber nicht falsch. Je nach Ethnie oder CEO sind dem Regime die Menschenrechte der UN oder die Rechte von Unternehmen im Land herzlich egal.

Und was heißt das jetzt für dich und deine Investments? Unwillkommene Bevölkerungsgruppen wie die Uiguren werden in China schnell mal in Arbeitslager gesteckt und Menschen verschwinden über Nacht in Gefängnissen. Das ist ethisch absolut nicht zu vertreten und ich finde es seltsam, dass Nachhaltigkeit bei Investments mittlerweile so unfassbar wichtig geworden ist, chinesische Unternehmen, die offen das Regime unterstützen aber komplett gehyped werden. Aber das ist nur die ethische Frage. Viel wichtiger für das Investment ist das politische Risiko. So wurde die Attraktivität eines gesamten Sektors kürzlich beispielsweise durch Reformen zerstört. Die E-Learning-Industrie war eine der vielversprechenden Branchen im Land und wurde durch die Reformen quasi unattraktiv. Das hatte den drastischen Einbruch der Aktien zur Folge.

Fehlende rechtliche Handhabe

Das wäre schon ziemlich ärgerlich, wenn man aufgrund irgendeines politischen Manövers einen Großteil seiner Investments verliert. In westlichen Ländern kann man dann immerhin noch gerichtlich gegen den Verursacher des Wertverlusts vorgehen. Auch, wenn der Vorstand schuld am Wertverlust ist, kann man klagen. Schon im westlichen Ausland zu klagen ist durch juristische Hürden für Privatpersonen schwierig. In China ist es aber auch für Unternehmen nicht wirklich möglich. In China gibt es nämlich keinen Einspruch, denn hier gibt es auch keine Gewaltenteilung. Die kommunistische Partei ist allumfassend. Was die kommunistische Partei bestimmt, das wird auch so gemacht. Größere chinesische Unternehmen müssen beispielsweise eine extra Abteilung im Unternehmen haben, in der Mitglieder der Partei das Unternehmen überwachen können.

chinesische Aktien
Klagen in China ist schwierig

Es ist für Unternehmen in China viel schwerwiegender die Regierung gegen sich aufzubringen als ein paar ausländische Investoren. Alibaba ist mit seinem Gründer Jack Ma beispielsweise ein relativ rebellisches Unternehmen. Nach seiner Kritik an der Obrigkeit wurde so beispielsweise ein geplanter Börsengang einer Tochter unterbunden und Medien berichten auch immer wieder von einer geplanten Zerschlagung seines Konzerns.

Außenpolitik

Ein schwieriges Thema ist auch die Außenpolitik. Was auch immer China-Aktien im Land zu erwarten haben, genauso kritisch kann das Exportgeschäft verlaufen. China exportiert mit Abstand am meisten Waren in der Welt. Da kann es durchaus problematisch sein, wenn die Exporte einbrechen. Aufgrund von Menschenrechtsverletzung sowie dem Diebstahl geistigen Eigentums aus dem Westen, gehen westliche Regierung aber oft den Weg von Strafzöllen. Weitergehend ist aber auch ein Verbot chinesischer Waren möglich. Sollte das aus einem Grund flächendeckend passieren, könnte es das mit dem Export-Weltmeister gewesen sein. China-Aktien, die auf Export angewiesen sind, würden darunter natürlich leiden.

Nur die nächste Sau

Nach nachhaltigen ETFs, Gaming-Aktien sowie Tech-Aktien insgesamt, habe ich das Gefühl China-Aktien sind einfach die nächste Sau, die durchs Dorf getrieben wird. Bei allen diesen Trends schlägt immer FOMO zu. Das ist die „fear of missing out“. Die Menschen sehen die Kurse immer weiter steigen und steigen deswegen selbst immer weiter ein. Man fühlt sich einfach schlecht, wenn man mit seinen Konsumgüterriesen dasitzt und sich mit stagnierenden Kursen und 3% Dividende abfinden muss und die China-Aktien durch die Decke gehen. Solche Hype-getriebenen Investments sind aber nie rational. Deswegen kann der Hype auch genauso schnell wieder einbrechen. An so einer Stelle sollte man sich nochmal ein paar Berichte zur Dotcom-Blase Anfang der 2000er durchlesen und mal kritisch hinterfragen, ob die künftige Ertragskraft wirklich die aktuellen Kurse rechtfertigen.

Warum ich nicht investiert habe

Als ich den bullischen Aktienmarkt in China betrachte habe, habe ich mir auch überlegt, ob ich mir hier nicht mal Aktien in der Analyse auf dem Finanzplaneten anschauen sollte. Ich war mir allerdings immer auch bewusst in was für einem Land die China-Aktien zu Hause sind. Daraus ergaben sich für mich unter Anbetracht meiner Bewertungsmethode allerdings immer wieder Probleme.

China-Aktien
Für mich sind China-Aktien kein passendes Investment

Meine Art Aktien zu analysieren

Ich probiere in meinen Analysen Hypes immer außer Acht zu lassen. Ich probiere anhand von fachlich geeigneten Branchenprognosen und dem historischen Wachstum von Unternehmen immer ein künftiges wahrscheinlich Wachstum zu prognostizieren. Dieses setze ich dann für das Unternehmen in der jeweiligen Aktienanalyse an und bestimmte einen fairen Wert über die diskontierte Ertragskraft.

Sicherheitsabschlag durch Risikoeinschätzung

Zum fairen Wert möchte ich aber nicht investieren. Dazu wie man reich wird, sagt Warren Buffett: „Kaufe einen Dollar und zahle nicht mehr als 50 Cent dafür.“ Das ist es was ich machen möchte. Ich möchte meinen Gewinn beim Kauf und nicht beim Verkauf machen. Deswegen probiere ich emotionslos über ein entwickeltes Punktesystem ganz objektiv einen Sicherheitsabschlag auf Grundlage der Marktsituation des Unternehmens zu berechnen. Damit bestimme ich dann mein Kauflimit. So kaufe ich jeden Monat die meiner Meinung nach günstigsten 5 Aktien.

Aktien einfach zu Kaufen und zu hoffen, dass sie steigen, ist für mich keine Investition, sondern eine Spekulation. Gleiches gilt übrigens bei Immobilien, Kryptowährungen und allen anderen Investments, bei denen man hoffen muss.

„Normale Risiken“ sind abschätzbar

Die normalen Marktrisiken, die für Unternehmen bestehen, und die meist absehbaren rechtlichen Risiken kann man gut einwerten. Über das Punktesystem in meinen Analysen probiere ich hier ein objektives Bild des Chancen-Risiko-Profils zu erhalten und es in einen entsprechenden Sicherheitsabschlag umzumünzen.

Politisches Risiko in China willkürlich

Ich bin kein China-Profi und selbst kein Chinese, weder war ich dort während meines Studiums oder kenne Chinesen, die mir regelmäßig aus ihrer Heimat berichten. Aus dieser Position heraus scheint mir alles was politisch in diesem Land geschieht komplett wahllos und willkürlich zu sein. Es geschehen einfach die Dinge, die die kommunistische Partei für richtig hält. Das kann auch sein, dass Gesetze erlassen werden, Börsengänge verhindert werden oder Unternehmen zerschlagen werden. Gefällt mir das nicht oder ist es auch einfach nicht rechtens, dann kann ich vor Ort nicht mal meine Aktionärsrechte einklagen. Wie gehe ich also mit einem politischen Risiko wie in China um, das den Wert einer Aktie von heute auf morgen halbieren kann, ohne, dass ich das kommen sehen kann? Gar nicht. Ich investiere einfach nicht in China. Es ist nicht so, dass mir das Chancen-Risiko-Profil hier nicht gefällt, sondern ich kann es gar nicht erst einschätzen. Deswegen investiere ich nicht in China-Aktien und deswegen kamen bisher auch keine Analysen zu China-Aktien auf meinem Kanal. Die Analysen auf dem Finanzplaneten spiegeln schließlich meine eigene Investmentrecherche wider.

Wann würde ich in China investieren?

Aktuell sind China-Aktien für mich persönlich also nicht als Investment geeignet. Es wäre bei mir keine Investition, sondern Spekulation, da ich die künftigen Erträge und insbesondere den Sicherheitsabschlag nicht zuverlässig bewerten kann. Wenn China sich zusätzlich zur Wirtschaft auch noch politisch reformieren würde, dann wäre ich geneigt hier eben falls zu investieren, da das Land unabhängig von der Politik riesige Aufstiegschancen hat. Ein Sprung von der totalitären Diktatur hin zum Rechtsstaat erwarte ich allerdings in China in nächster Zeit nicht. China hat eine Sache im Vergleich zu anderen kommunistischen Regimen nämlich clever gemacht. Durch die Öffnung der Wirtschaft und den damit steigenden Wohlstand hält man das Volk trotz eingeschränkter Bürgerrechte bei Laune. Und das Volk war es, dass die meisten sozialistischen Diktaturen zu Fall gebracht hat.

chinesische Investments
Ziehen wir ein Fazit

Fazit

Fassen wir nochmal alles zusammen. Meiner Meinung ist China ein Markt mit Zukunft. Künftig wird Europa denke ich der Spielball und die Pufferzone zwischen den beiden Großmächten USA und China sein. Hier über Anteile an den dortigen Unternehmen am Wachstum zu partizipieren, scheint verlockend. Allerdings ist China wirtschaftlich zwar noch relativ frei, bezogen auf die Menschen und die Justiz sieht man allerdings, dass das Land nach wie vor lediglich eine sozialistische Diktatur ohne Gewaltenteilung ist. Investments können sich von heute auf morgen in Rauch auflösen. Da ich absolut kein Fernost- oder China-Experte bin, ist dieses politische Risiko für auf gar keinen Fall zuverlässig zu bewerten. Da ich Risiken aber bewerten können muss, um sie richtig einzupreisen, investiere ich bisher nicht in chinesische Aktien. Das wird sich für mich nur ändern, wenn sich das Land nicht nur wirtschaftlich, sondern auch gesellschaftlich und rechtsstaatlich neu erfindet. Schauen wir mal, wann das passiert.

Jetzt würde mich noch interessieren wie ihr darüber denkt. Wie schätzt ihr das Risiko im Reich der Mitte ein? Seid ihr hier investiert? Ich bin wirklich offen für andere Ansichten, auch, wenn ich hier selbst nicht investiert bin. Wenn ihr Favoriten unter den chinesischen Aktien habt, dann lasst mich und die Community doch auch gern daran teilhaben. Am Sonntag kommt statt Greenbrier Moderna in der Analyse, da die Wirtschaftsdaten von Greenbrier doch recht aufwendig zusammenzusuchen gewesen wären. Moderna war in der Abstimmung knapp hinter Greenbrier und kommt deswegen stattdessen. Ansonsten bedanke ich mich aber wie immer fürs Reinschauen und sage bis bald!

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