Church & Dwight Aktienanalyse – Starke Expansion durch Unternehmenszukäufe

Hallo und herzlich willkommen auf dem Finanzplaneten! Mein Name ist Kai und heute kümmern wir uns erstmal um den Gewinner der letzten Abstimmung Church & Dwight. Wir schauen uns an was das Unternehmen macht, um Geld zu verdienen, entdecken die Branche des Unternehmens und wie gut es sich in dieser positioniert hat. Anschließend beurteile ich die Finanzlage und berechne den Fair Value. Über einen Sicherheitsabschlag komme ich dann zu meinem persönlichen Kauflimit. Wenn dich das interessiert, dann bleib dran. Viel Spaß mit der Church & Dwight Aktienanalyse!

Grundlagen

Zuerst wollen wir uns jetzt wieder grob anschauen, was für einen Geschäftszweck das Unternehmen hat. Danach schauen wir uns den Werdegang von Church & Dwight an. So bekommen wir dann direkt ein gutes Feeling für das Unternehmen.

Geschäftsmodell

Mit Church & Dwight haben wir mal wieder einen richtig schönen Konsumgüterhersteller in der Aktienanalyse. Ähnlich wie Procter & Gamble ist man hier insbesondere auf Körperpflege- und Reinigungsmittel spezialisiert. Das Unternehmen ist der größte Hersteller von Backpulver in den USA.

Historische Eckdaten

Und genau mit diesem Backpulver begann die Geschichte von Church & Dwight. 1846 fingen die namensgebenden Gründer an es zu portionieren und weiterzuverkaufen. Bereits früh kristallisierte sich ein Talent für Marketing heraus. Nachdem man zuerst Minikochbücher, in denen für das Backpulver geworben wurde, per Post im ganzen Land an Haushalte verschickte, ging man später dazu über Sammelkarten mit den Produkten zu verkaufen. Damit wuchs man dann im 19. Jahrhundert zunächst zu einer großen Firma heran, bevor man im 20. Jahrhundert das Produktportfolio weiter ausweitete. 1970 brachte man dann z.B. das erste phosphatfreie Waschmittel unter der Marke Arm & Hammer auf den Markt. In den 80ern und 90ern brachte man dann eine ganze Produktlinie mit Waschmittel auf den Markt.

Anfang der 2000er ging es dann richtig los mit Akquisitionen. Nach Waschmittel investierte man noch in andere Haushaltswaren wie Zahnpasta, Beauty-Produkte und auch Tiernahrung. Hier gab es nach und nach immer mehr Produkte in diesen Bereichen. Zuletzt investierte man neben Konsumprodukten auch noch in die passende Hardware wie Mundspülungen und Haarutensilien wie Bürsten und Epiliergeräte. Wer weiß was da noch so folgt.

Produktanalyse

In der Produktanalyse schauen wir uns jetzt erstmal in welche Verteilung der Umsätze die Akquisitionen gemündet sind. Dabei unterscheiden wir einmal nach den Produkten und einmal nach Regionen, in denen der Umsatz erwirtschaftet wird.

Geschäftsgebiete

Leider teilt das Unternehmen seine Umsätze nicht schön auf. Man teilt lediglich in drei Bereiche auf. Zum einen Consumer Domestic und Consumer International sowie Specialty Products. Während in Consumer Domestics 77% eingespielt werden, kommen aus Consumer international 17% der Umsätze. Das ist es was ich mit nicht schön meine. Beide Bereiche stellen nämlich die komplette Produktpalette dar, eben nur einmal in den USA und einmal außerhalb. In dem mit 6% relativ unbedeutenden Segment Specialty Products werden gewerbliche Verkäufe zusammengefasst, die im Bereich Tiernahrung, Spezialchemikalien oder Spezialreiniger fallen.

Church & Dwight Aktienanalyse
Quelle: Marketscreener.com

Absatzmärkte

Wie gerade schon angedeutet entfällt mit 83% der Großteil der Umsätze auf die USA und nur 17% kommen aus dem internationalen Umfeld.

Church & Dwight Aktie Analyse
Quelle: Marketscreener.com

Auswertung

Aufgrund der vielen Marken durch die Akquisitionen ab den 2000er Jahren kann man hier auch ohne detaillierte Aufgliederung den Punkt geben. Bei der regionalen Diversität schaut das anders aus. Man ist hier komplett von den USA abhängig, auch, wenn man seine Fühler bereits ausgestreckt hat. Insgesamt gibt es hier also einen von zwei möglichen Punkten.

Branchenanalyse

Die Branche der Konsumgüterhersteller habe ich ja schon öfters betrachtet. Diese Branche ist relativ alt und gesetzt. Große Überraschungen sind hier nicht zu erwarten. Deswegen werde ich hier wieder auf meine Branchenanalyse aus der Unilever Aktienanalyse zurückgreifen.

Attraktivität der Branche

Die Konsumgüterbranche ist sehr attraktiv, da für gewisse Produkte die Preiselastizität sehr hoch ist, weil sie Grundbedürfnisse decken. Hier breit diversifiziert vertreten zu sein, scheint zwar keine schnelle spannende Methode sein Geld zu verdienen, dafür aber eine langfristige und nachhaltige. Zudem wächst die Branche mit der Bevölkerung mit. So soll zwar ab 2064 die Weltbevölkerung wieder sinken, jedoch wird sie bis dahin ihren Höchststand von 9,7 Milliarden Menschen erreichen. Allein das wäre ein realer Umsatzwachstum von 0,5%. Mit Inflation wären wir dann bereits bei 2,5% nominalen Umsatzwachstums der Branche.

Wettbewerber

In der Branche gibt es einige große Player. Darunter Procter & Gamble, Unilever und Reckitt Benckiser. Darunter gibt es natürlich viele kleine Unternehmen mit Nischenprodukten. Die Frage ist inwieweit diese als große Gefahr für die Big Player zu sehen sind.

Kunden

Zwar sind die Produkte für Endverbraucher geschaffen, Absatz machen die Unternehmen aber über gewerbliche Partner. Entweder ist noch ein Großhandel zwischengeschalten oder es geht direkt in die Geschäfte, in jedem Fall aber gewerblich. Das mindert natürlich die Möglichkeiten bei der Preissetzung.

Zulieferer

So breit diversifiziert, wie die Produkte sind auch die Zulieferer. Zutaten reichen über natürliche Rohstoffe bis hin zu Nahrungsergänzungsmitteln und Chemikalien, sodass auch die Zulieferer von Landwirtschaftsbetrieben bis hin zu Chemieunternehmen reichen.

Ersatzprodukte

Produkte, die ein solch großes Produktportfolio aushebeln gibt es nicht. Dafür gibt es für jedes einzelne Produkt durchaus Substitute. Wenig im Supermarkt ist komplett ersatzlos. Das einzig Gute ist die grundsätzliche Notwendigkeit der Produkte. Es ist zwar für Unternehmen der Branche nicht gesagt, dass genau ihr Produkt gekauft wird, die generelle Nachfrage bleibt aber bestehen.

Markteintrittsbarrieren

Eine generelle Markteintrittsbarriere ist bei physischen Produkten ja immer erstmal Kapital zur Erbauung einer Produktionsanlage. Zusätzlich gibt es hier natürlich noch Vorlauf wegen der Schaffung der persönlichen Rezeptur. Bei den Big Playern der Branche kommt zudem noch der riesige Burggraben wegen der Marken hinzu. Wer bereits 100 Jahre zuverlässig Qualität liefert, hat mehr Vertrauen wie neue Startups.

Auswertung

Lediglich die gewerblichen Kunden und die Wettbewerber erschweren die Preisfindung. Der Rest ist positiv zu sehen und deswegen erhält die Branche 4 von 6 Punkten. Die Branche ist also durchaus attraktiv für große Hersteller.

Marktstellung

Nachdem wir uns den Urvater der Branchen mit seinen alten Unternehmen nochmal zu Gemüte geführt haben, möchte ich jetzt nochmal auf Church & Dwight eingehen. Wie kann das Unternehmen trotz seiner regionalen Bindung mit den großen Playern mithalten?

Produktentwicklung

Die ersten 100 Jahre Unternehmensgeschichte waren relativ ruhig. Danach ging es aber richtig rund. Insbesondere seit den 2000ern wurden diverse Akquisitionen getätigt und das Produktportfolio so deutlich vergrößert. Aktuell macht das Unternehmen keine Anstalten hiermit aufzuhören, sodass auch in den letzten Jahren noch weitere Marken hinzukamen. In dem gesättigten Markt, in dem sich Church & Dwight bewegt ist, ist es durch Akquisitionen meiner Meinung nach wesentlich leichter zu wachsen als durch neue Produkte. Man muss das Rad ja nicht neu erfinden.

Möglichkeit einzukaufen

Die Möglichkeiten einzukaufen sind sehr gut. Man braucht für die vielen Produkte verschiedenste Rohstoffe, weshalb man auch verschiedenste Lieferanten pflegt. Von einem einzelnen Zulieferer abhängig zu werden scheint hier unwahrscheinlich.

Einflüsse auf das Geschäft

Einflüsse gibt es bei diesem Geschäftsmodell kaum. Hin und wieder kann es zwar zu Klagen, wegen den Produkten kommen, solange sich diese im Rahmen bewegen (Stichwort Dieselgate und Monsanto), ist aber alles gut. Der größte externe Einfluss entsteht wohl aus dem Bevölkerungswachstum. Dieses spielt dem Unternehmen aber aktuell noch in die Karten.

Marketing

In Deutschland sind die Marken von Church & Dwight eher unbekannt. In den USA hingegen ist man eine richtige Marke. Das Backpulver gilt als eines der besten und auch die anderen Produkte konnten sich etablieren. Man muss allerdings sagen, dass Church & Dwight den Nachteil hat, dass man erst noch in andere Länder expandieren muss. Im Konsumgüterbereich findet eine regelrechte Marketingschlacht statt. Ist man hier weltweit bekannt, hat man auf jeden Fall eine Position, die nur aufwendig einzuholen ist. Demnach ist das Unternehmen hier im Nachteil.

Wachstumsmöglichkeiten

Da die Branche an sich wächst, ist bei gleichen Marktanteilen ein jährliches nominales Wachstum von ca. 2% auf jeden Fall drin. Aufgrund der aggressiven Expansionsstrategie des Unternehmens und den Zukäufen in allen möglichen angrenzenden Produktbereichen, sehe ich hier allerdings zusätzliches Potenzial.

Unternehmensführung

CEO von Church & Dwight ist aktuell Matthew Farrell. Seinen Bachelor hat er am Manhattan College gemacht und war dann auch in der Wirtschaftsprüfung bei KPMG tätig und stieg dort zum Partner auf. Danach wechselte er in die Industrie. Zunächst war er im Investor Relations Segment tätig und später bis zum Schluss im Finanzbereich. So war er auch bei Church & Dwight zuletzt CFO, bevor er 2016 zum CEO berufen wurde. Er hatte einige berufliche Stationen und auch heute ist er neben seiner Tätigkeit als CEO auch noch in anderen Aufsichtsräten tätig. Mittlerweile kann Matthew Farrell außerdem schon Aktien des Arbeitgebers im Wert von über 12 Mio. USD sein Eigen nennen.

Quelle: churchdwight.com

Gesetzliche Rahmenbedingungen

Neue Lebensmittel und Hygieneprodukte müssen vor dem Vertrieb geprüft und von den jeweiligen Behörden der Länder genehmigt werden. Dies ist zwar ein zusätzlicher Aufwandsposten, fällt allerdings bei ohnehin qualitativ hochwertigen Produkten nicht weiter ins Gewicht. Zudem handelt es sich bei Produktportfolio von Church & Dwight nicht um hochkomplexe Produkte. So dürften die Abnahmen eher pro forma und routinemäßig sein.

Auswertung

Wirklich negativ sehe ich hier nur das aufwendige Marketing. Bei den Global Playern kann man über diesen Punkt noch hinwegsehen. Bei einem Unternehmen, das seine Umsätze beinahe ausschließlich in den USA erzielt allerdings nicht. Will man hier noch weiter expandieren und neben Akquisitionen auch den Weg in andere Länder gehen, so muss man ein großes Marketingbudget einplanen. Insgesamt aber starke 6 von 7 Punkten für die Marktstellung.

Unternehmensbewertung

Nun brennt uns natürlich unter den Nägeln was die nackten Zahlen denn zum Unternehmen sagen. Lasst uns hier erstmal einen Blick auf die Wachstumswerte aus den letzten Jahren werfen, um dann Prognosen für das Discounted Cash Flow- und Übergewinnmodell zu machen. Daraus leiten wir dann am Ende unser Kauflimit ab.

Finanzkennzahlen 5-Jahres-Durchschnitt

  • Operative Nettobetriebsvermögen +11,2%
  • Umsatz +6,3%
  • Operativer Gewinn +5,7%
  • Operative Marge 19,7%
  • Free Cash Flow +8,5%
  • Operativer CF +8,5%
  • Eigenkapitalquote 41,8%
  • Fremdkapitalkosten +11,9%
  • Dividendenwachstum +5,2% (+6,2% je Aktie)
  • Dividendenrendite 1,5% (aktuell 1,2%)
  • Ausschüttung des FCF 29,9%
  • Übergewinn +5,5%
  • Kurs-Buchwert-Verhältnis 7,28x
Church & Dwight Umsatz
Quelle: Aktienfinder.net

Erläuterung der Zahlen

Man sieht hier ganz deutlich das für einen Konsumgüterhersteller starke Wachstum. Eigentlich wachsen die Unternehmen nur noch beschwerlich. Durch die regelmäßigen Akquisitionen des Unternehmens kann es aber schneller wachsen. Aber nicht nur der Umsatz wächst. Man schafft es trotz der Akquisitionskosten auch weiter den Gewinn zu steigern und die Marge auf gutem Niveau zu halten. Ebenfalls auf gutem Niveau ist das Eigenkapital, das trotz neuer Schulden aufgrund der Zukäufe komfortabel ist.

Church & Dwight Cash Flow
Quelle: Aktienfinder.net

Die Dividende ist in letzter Zeit konstant gewachsen. Mit über 5% ist das Wachstum zudem auch echt in Ordnung. Die Dividendenrendite ist mit 1,5% zwar ausbaufähig, allerdings hätte man auch genug Cashflow, um hier mehr auszuschütten. Der Übergewinn konnte ebenfalls steigen, was die Sache abrundet. Leider weist das KBV aktuell auf eine Überbewertung der Vermögenswerte hin. Aber schauen wir mal was die künftige Ertragskraft dazu sagt. Für die Finanzlage gibt es auf jeden Fall 2 von 2 Punkten.

Fair Value

Nun setzen wir die Werte in die Berechnungsmodelle für den Fair Value ein. Als langfristiges Wachstum nehme ich als Mischung aus dem Branchenwachstum und dem was Church & Dwight in der Vergangenheit gezeigt hat 5% an. Als Eigenkapitalkosten setze ich wie immer meine 10% Zielrendite an und als Fremdkapitalkosten konnte ich für das Unternehmen 2,5% ausmachen. In Summe ergibt das geglättet um das aktuelle Kursziel der Analysten einen fairen Wert von 75,61€ je Aktie.

Chancen und Risiken

Ich sehe bei diesem Unternehmen nicht allzu große Risiken. Es entwickelt sich langfristig sehr gut und solide. Die Branche wird langfristig weiter bestehen, da sie Grundbedürfnisse der Menschen deckt. Hier hat Church & Dwight außerdem ein gutes Standing unter seinen Mitbewerbern. Das Eigenkapital ist zudem ausreichend. Das einzige Manko des Unternehmens ist der aktuelle Fokus auf die USA. Vielleicht schafft man es hier mit viel Marketingbudget den Sprung über den großen Teich zu schaffen. Bisher ist die Ausbeute diesseits des Atlantiks eher mau. Mit dem nötigen Engagement könnte man das nächste Unilever, P&G oder mit Ausweitung auf die Lebensmittelsparte auch Danone oder Nestlé sein.

Investmententscheidung

Bisher habe ich 4 Punkte in der Analyse abgezogen. Für jeden Punktabzug gibt es jetzt wie immer 5% Abschlag auf den Fair Value, um auf das Kauflimit zu kommen. Mit diesen insgesamt also 20% lande ich bei einem Kauflimit von 60,49€. Für die Verkaufsschwelle starte ich statt beim Fair Value bei 150% des fairen Wertes und ziehe dann die 20% ab. Als Ergebnis haben wir einen Wert von 98,30€, ab dem ich verkaufen würde. Dazwischen würde ich Aktien von Church & Dwight halten, wenn ich denn welche hätte.

Aktuell liegt der Kurs mit 70,60€ allerdings leider über dem Kauflimit, sodass ich die Aktie für mich als fair bewertet ansehe. Kaufen werde ich dann aber nicht, da ich ja immer einen Rabatt auf den Kauf haben möchte.

Church & Dwight Logo

Fazit

Auch, wenn der Preis nicht so drastisch überteuert ist, wie das KBV es angedeutet hat, ist die Aktie also leider doch auch kein Schnäppchen. Auch der relativ geringe Sicherheitsabschlag konnte hieran nichts ändern. Wenn ihr die Wachstumschancen für das Unternehmen aber höher seht, dann könnte der Titel durchaus etwas für euch sein. Weit entfernt ist Church & Dwight ja nicht von meinem Kauflimit. Der Kurs wird zwar nicht so viel nachgeben aber über diesen Weg ermittelt ihr vielleicht ein für euch höheres Kauflimit.

Deswegen lasst mich doch gern mal in den Kommentaren wissen was ihr dazu denkt. Kann das Unternehmen durch seine ganzen Akquisitionen vielleicht etwas mehr rausholen als die 5% Wachstum, die ich angesetzt habe? Oder findet ihr 5% für einen Konsumgüterhersteller sogar utopisch? Schreibt es gern mit Begründung in die Kommentare und lasst uns diskutieren. Zuletzt kommen vermehrt Kommentare, denen es an jeglicher Begründung fehlt. Denkt bitte dran, dass die anderen Zuschauer nur was von eurer Meinung haben, wenn sie diese auch nachvollziehen können. Ansonsten wünscht euch auch gerne mal wieder neue Titel, die ich in der Vorabanalyse prüfen soll. Wenn diese dann vielversprechend sind, kommen sie in die wöchentliche Abstimmung im Community-Tab auf YouTube. Ansonsten bedanke ich mich wie immer fürs Reinschauen und sage bis bald!

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2 Antworten auf „Church & Dwight Aktienanalyse – Starke Expansion durch Unternehmenszukäufe“

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