Colgate-Palmolive Aktienanalyse – Günstiges Schnäppchen oder billiger Fehlkauf?

Hallo und herzlich willkommen auf dem Finanzplaneten! Nach der Aktienanalyse von Hormel Foods, möchte ich mich heute wieder um einen etwas bekannteren Titel kümmern. Zudem möchte ich einen weiteren Dividenden Aristokraten begutachten. Seit 57 Jahren wird bei Colgate-Palmolive nämlich die Dividende gesteigert und das aktuell auch moderat mit zwischen 3 und 5 Prozent. In dieser Analyse möchte ich darauf eingehen wie spannend dieser doch eher langweilige Konsumgüterriese aufgrund seiner Finanzen und seiner Bewertung denn überhaupt sein kann. Viel Spaß bei der Colgate-Palmolive Aktienanalyse!

Grundlagen

Zuallererst die Grundlagen des Konzerns. Wo kommt das Unternehmen her und wie verdient es Geld? Das sind bei meinen Analysen immer die zwei ersten Fragen, die es zu klären gilt. Danach kann ich mich dann besser in die Struktur des Konzern reindenken und die Zahlen besser interpretieren.

Geschäftsmodell

Colgate-Palmolive ist ein Konsumgüterkonzern. Ähnliche Unternehmen, die ich ebenfalls schon analysiert habe, sind Unilever und Procter & Gamble. Bei Unilever bin ich nach der Aktienanalyse sogar selbst eingestiegen. Neben Pflegeprodukten hat Colgate-Palmolive insbesondere Tiernahrung im Angebot, allerdings keine Nahrungsmittel.

Historische Eckdaten

Ich habe einen neuen Spitzenreiter der ältesten Unternehmen in meinen Analysen. Mit einem Gründungsjahr von 1806 wurde Colgate-Palmolive nur 17 Jahre nach der französischen Revolution gegründet. Das Unternehmen stammt aus New York. Dort startete William Colgate mit einer Seifenfabrik. Gut 100 Jahre später wurde dann auch die erste Tube Zahnpasta verkauft. An der Westküste der USA hingegen gründete sich Palmolive. Über mehrere Fusionen wurde aus den Unternehmen schließlich in 1928 die bis heute bewährte Kombination und trug aber 1953 auch den Namen Colgate-Palmolive. Der letzte große Schritt erfolgte in 2004 als die Marken Aronal, Elmex und Meridol aufgekauft wurden.

Produktanalyse

Man kann sich schon denken, dass Colgate-Palmolive ein relativ diversifiziertes Produktportfolio hat, wenn das Unternehmen in einem Atemzug mit Unilever und Procter & Gamble genannt wird. Schauen wir uns mal an wonach man die Umsätze genau aufteilen kann und, ob neben verschiedenen Marken auch verschiedene Bereiche abgedeckt werden.

Geschäftsgebiete

Grundsätzlich werden die Umsätze erstmal in Pflegeprodukte und Tiernahrung aufgeteilt. Pflegeprodukte machen hier den Großteil des Umsatzes mit 84% aus. Tiernahrung im Umkehrschluss nur 16%. Die 84% teilen sich zudem auf dann weiter auf 46% Mundpflegeprodukte, 20% Pflegeprodukte und 18% Waschmittel auf. Innerhalb der Sparten gibt es jeweils diverse Marken.

Umsatzverteilung Clgate-Palmolive

Absatzmärkte

Räumlich ist das Unternehmen ebenfalls sehr diversifiziert. Auch wenn im Heimatmarkt USA noch 29% der Umsätze gemacht werden, ist der restliche Umsatz sehr gut auf der ganzen Welt verteilt. So werden in Lateinamerika 23% erwirtschaftet, im Asien-Pazifik-Raum 17%, in Europa 16%, in Afrika/Eurasien 6% und im übrigen Nordamerika 2%. Die übrigen 7% werden in den übrigen Regionen erwirtschaftet.

COlgate-Palmolive Umsatz Länderverteilung

Auswertung

Colgate-Palmolive ist über Produkte und Regionen top diversifiziert. Auch ohne, dass die Produkte Grundbedürfnisse abdecken, müsste man sich hierüber keine Sorgen machen. Hier gibt es also volle Punktzahl, sprich 2 von 2 möglichen Punkten.

Branchenanalyse

Nennenswerte Konkurrenten des Unternehmens sind beispielsweise wie bereits gesagt Unilever, Procter & Gamble und zum Beispiel auch Henkel. Da bei allen die Branche gleich oder ähnlich ist, kann ich hier gut auf die Branchenanalyse aus der Unilever Aktienanalyse zurückgreifen. Ich werde diese deswegen etwas gröber zusammenfassen. Falls du die detailliertere Branchenanalyse sehen möchtest, dann verweise ich an der Stelle auf die Unilever Aktienanalyse.

Die negativen Punkte zuerst. Die gewerblichen Kunden, also der Groß- und Einzelhandel, und die großen Wettbewerber der Branche, machen es Unternehmen in der Branche der Konsumgüterhersteller schwieriger. Positiv hingegen ist das relativ sichere zu erwartende Wachstum der Branche von 2,5%, da die Produkte Grundbedürfnisse decken. Zudem ist man bei den Zulieferern breit diversifiziert. Außerdem gibt es Ersatzprodukte nur von anderen Marken aber kein Substitut an sich. Man brauch halt einfach Seife in irgendeiner Weise, um zu waschen. Letztlich kommt noch positiv hinzu, dass man viel Kapital brauch, um über Marketing und Produktionsstätten eine Marke aufzubauen und diese auch ausreichend herstellen zu können. Der Burggraben der etablierten Unternehmen ist also relativ hoch. Zusammenfassend habe ich der Branche 4 von 6 möglichen Punkten gegeben.

Marktstellung

Jetzt geht es aber wieder spezifisch um Colgate-Palmolive. Wie schlägt sich das Unternehmen in der Branche? Kann es aufgrund der individuellen Voraussetzungen ganz oben mitspielen? Oder ist zu erwarten, dass es langfristig den Kürzeren zieht?

Produktentwicklung

Die meisten Marken und Produkte des Unternehmen sind eher alte Hüte. Marken wie Colgate, Palmolive, Ajax oder Elmex und Aronal kennt man schon aus Kindheitstagen. Auch Akquisitionen werden seltener durchgeführt als bei anderen Unternehmen.

Colgate-Palmolive Elmex Aronal
Der Kauf aus 2004

Möglichkeit einzukaufen

Aufgrund der Größe des Unternehmens und der breiten Produktpalette hat das Unternehmen zum einen viele verschiedene Zulieferer und bei diesen noch zusätzlich eine gute Verhandlungsposition.

Einflüsse auf das Geschäft

Die Produkte des Unternehmens sind sehr grundlegend bzw. decken sie Grundbedürfnisse. Deswegen ist das Unternehmen auch sehr unzyklisch. Egal wie die wirtschaftliche Lage ist oder was gerade im Trend ist, Hygiene ist notwendig. Aktuell sieht man ja auch, dass zum Beispiel in Lockdowns die Supermärkte geöffnet bleiben. Man kann also in aktuellen Worten sagen, dass die Produkte von Colgate-Palmolive systemrelevant sind.

Marketing

Wie die meisten Big Player der Branche hat das Unternehmen eine starke Markenstellung. Auch, wenn seltener neue Produkte eingeführt werden, so sind die, die schon am Markt sind, sehr etabliert. Das und die Tatsache, dass seltener neue Produkte eingeführt werden senkt den Marketingaufwand. Negative Nachrichten findet man auf den ersten Schlag bei einer Google-Recherche auch nicht.

Wachstumsmöglichkeiten

Wachstum ist bis auf das relativ kleine Branchenwachstum nur drin, wenn den anderen Unternehmen Marktanteile abgeluchst werden. Aufgrund relativ weniger Neueinführungen und Innovationen sehe ich das allerdings kritisch.

Unternehmensführung

Bereits vor über 30 Jahren ist Noel Wallace zu Colgate-Palmolive gestoßen. Zuletzt war er Chief Operating Officer bevor er 2019 dann CEO wurde. Neben seiner Tätigkeit bei Colgate-Palmolive war er zudem noch im Vorstand von Kellogg tätig und ist so nicht nur mit einem Wasser gewaschen. Allerdings ist er natürlich auch innerhalb des Unternehmens ziemlich rumgekommen. In der Tat ist aber der erste CEO in meinen Analysen der bereits nach dem Bachelorabschluss die akademische Laufbahn beendet hat. Mit gut 250.000 eigenen Aktien des Unternehmens im Wert von über 20 Mio. USD ist er selbst am Unternehmen beteiligt und damit sicher selbst an dessen Erfolg interessiert.

Colgate Palmolive CEO

Gesetzliche Rahmenbedingungen

Neue Produkte müssen getestet werden. Bei Pflegeprodukten und Reinigungsmitteln ist das alles etwas kritischer als in anderen Bereichen. Hier geht es um Hautverträglichkeit etc. Gerade in den USA kann es einem Unternehmen teuer zu stehen kommen, wenn man hier fuscht und Menschen krank werden. Das macht Neuzulassungen schwieriger. Für das laufende Geschäft gibt es aber moderate Auflagen.

Auswertung

Für die Marktstellung gibt es von mir 5 von 7 Punkten. Das Unternehmen sollte hier mehr für das Wachstum tun, da das Branchenwachstum an sich nicht sonderlich groß ist.

Newsletter

An dieser Stelle möchte ich nochmal kurz auf meinen neuen Newsletter hinweisen. Hier gibt es monatlich die aktuellen Analysen zusammengefasst, meinen aktuellen Aktien-Einkaufszettel und meine Portfolioübersicht. Wenn dich das interessiert, dann abonniere den Newsletter doch gern über die Sidebar hier auf dem Blog. Jetzt aber weiter mit der Analyse.

Unternehmensbewertung

Bevor wir zum fairen Wert von Colgate-Palmolive kommen, schauen wir uns erstmal wieder die 5-Jahres-Durchschnitte an. So sehen wir die Richtung, in die das Unternehmen geht. Danach können wir mit diesen Werten arbeiten und den weiteren Geschäftsverlauf besser einschätzen, um daraus einen Fair Value abzuleiten.

Finanzkennzahlen 5-Jahres-Durchschnitt

  • Operative Nettobetriebsvermögen +5,8%
  • Umsatz negativ
  • Operativer Gewinn negativ
  • Operative Marge 24,9%
  • Free Cash Flow +2,5%
  • Operativer FCF negativ
  • Eigenkapitalquote 1,4%
  • Fremdkapitalkosten +8,9%
  • Dividendenwachstum +2,4% (je Aktie 4,1%)
  • Dividendenrendite 2,3% (aktuell 2,1%)
  • Ausschüttung des FCF 55,0%
  • Übergewinn negativ
Ertragszahlen Colgate-Palmolive

Erläuterung der Zahlen

Man sieht hier eher durchwachsene Werte. Die wesentlichen Ertragszahlen sind gesunken oder stagnieren. Je Aktie sieht aber alles sehr viel besser aus, deswegen seid nicht verwirrt. Ähnlich zu McDonald’s wurden hier nämlich massiv Aktien zurückgekauft. Leider wurde das auf Pump gemacht, sodass das Eigenkapital jetzt negativ ist. Ich bin kein Freund davon. Ich hätte lieber gesehen, dass das Unternehmen fremde Mittel aufnimmt, um neue Produkte auf den Markt zu bringen oder neue Märkte zu erobern. Mit diesen Mehrerträgen kann man dann ja auch Aktien zurückkaufen. Ist für mich ein wesentlich gesünderer Weg. Da die Zahlen mich absolut nicht überzeugen und mir negatives Eigenkapital so gar nicht schmeckt, bekommt Colgate-Palmolive hier keinen Punkt.

Fair Value

Das Umsatzwachstum habe ich in meinen Modellen mit 2% angesetzt. Das entspricht einem leichten Abschlag zur Branche, da das Wachstum bei Colgate-Palmolive in letzter Zeit stagniert. Als Eigenkapitalkosten, die hier weniger ins Gewicht fallen, habe ich 10% veranschlagt. Als Fremdkapitalkosten konnte ich über langfristige Anleihen einen Zins von 4% ausmachen. Nachdem ich alle Daten in das Discounted Cash Flow- und Übergewinn-Modell eingepflegt habe, komme ich somit auf einen fairen Wert je Aktie von satten 136,85$ oder 114,95€. Noch sollten wir uns aber nicht zu früh freuen, denn hiervon ziehen wir ja noch die Sicherheitsmarge ab.

Chancen und Risiken

Wollen wir einmal kurz Revue passieren lassen, welche Erkenntnisse wir gewinnen konnten. Colgate-Palmolive ist ein uraltes Unternehmen und deckt genauso uralte Grundbedürfnisse. Das Geschäftsmodell ist absolut unzyklisch und somit auch während Krisen eine Bank, was man auch aktuell in den Zwischenabschlüssen sieht. Die Produkte sind klasse und finden hohen Absatz. Leider stagniert allerdings das Wachstum. Das Unternehmen schafft es aktuell leider nicht die Umsätze entsprechend der Branche oder noch mehr zu steigern. Zudem wurde ein teurer Aktienrückkauf über Pump finanziert, sodass das Eigenkapital mittlerweile negativ ist. Kennen wir dies auch schon von anderen Unternehmen, so finde ich diese Ausschüttungspolitik, also die Steigerung von Dividendenrendite und des Aktienkurs um jeden Preis, nicht gut und sogar gefährlich, zumindest, wenn diese in Krisen beibehalten werden sollte.

Investmententscheidung

Vom Fair Value ziehe ich aufgrund von 6 nicht erhaltenen Punkten 30% ab und komme somit auf ein Kauflimit von 80€. Verkaufsschwelle liegt somit bei 120% und 138€. Schaut man sich den aktuellen Kurs an, sieht man, dass er mit ca. 69€ deutlich unter dem Kauflimit liegt. Auf meinem Einkaufszettel belegt Colgate-Palmolive bei den aktuellen Kursen Stand 8:13 Uhr am 15.12.2020 den fünften Platz und findet somit Stand heute mit der nächsten Sparrate Einzug in mein Depot.

Aktie Analyse Colgate Palmolive Logo

Fazit

Ich freue mich wirklich neben Unilever noch einen top Dividendentitel gefunden zu haben, der meiner Meinung nach unterbewertet ist. Es ist hier für mich zwar nicht alles perfekt aber trotz der Abschläge ist mein Kauflimit noch nicht erreicht. Bei so einem großen Abstand zum errechneten Fair Value kann ich ruhig zuschlagen. Ich denke dieser Titel wird mein Depot enorm weiter diversifizieren. Er wird zwar keine Kursrakete werden aber langfristig und zuverlässig mit seiner Dividende für regelmäßiges Einkommen sorgen. Das ist es was ich bei Dividendenaristokraten so toll finde.

Jetzt aber mal wieder zu euch. Habt ihr Colgate-Palmolive im Depot? Es ist an sich ja eher ein Titel, der relativ unsexy ist, zumindest, wenn man ihn neben die Community-Lieblinge Unilever und Procter & Gamble stellt. Genau bei solchen Titeln kann man aber auch die besten Deals machen, weil sie nicht heiß gelaufen sind. Wie seht ihr das? Schreibt es mir gern unten in die Kommentare! Ansonsten freue ich mich über jeden Leser, bedanke mich fürs Reinschauen und sage bis bald!

2 Antworten auf „Colgate-Palmolive Aktienanalyse – Günstiges Schnäppchen oder billiger Fehlkauf?“

  1. Wieso wird das oben erwähnte Risiko ignoriert? Insbesondere, weil die Investmententscheidung dividendengetrieben ist und, wie aufgezeigt, alles andere als sicher ist. Da bei dem Unternehmen wohl auch kein Wachstum zu erwarten ist, kann man hierbei nur Geld verlieren.

    Danke für die umfangreiche Analyse, aber für mich definitiv kein Investment.

    1. Wird es doch gar nicht. Ich habe den FV aufgrund des künftigen Cashflows und Übergewinn berechnet und einen Sicherheitsabschlag abgezogen. Ich habe also weder das Risiko ignoriert, noch war die Investmententscheidung dividendengetrieben. Meiner Meinung nach einfach günstig bewertet. Aber ich sage ja immer jeder soll für sich selbst analysieren und sich Gedanken machen, deswegen finde ich sehr gut, dass du das Investment trotzdem kritisch siehst, auch wenn ich zu einer Kaufempfehlung komme 🙂 LG

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