Hallo und herzlich willkommen auf dem Finanzplaneten! Mein Name ist Kai und heute komme ich einem weiteren Wunsch der Community nach. Mit Covestro schauen wir uns erneut ein deutsches Unternehmen an. Covestro zeigt aktuell niedrige Kursverhältnisse und scheint deswegen sehr günstig zu sein. In der Covestro Aktienanalyse schauen wir uns an welchen Geschäftszweck das Unternehmen hat und, ob esder aktuelle Kurs eine Kaufgelegenheit darstellt. Viel Spaß!

Grundlagen

Zuerst schauen wir uns jetzt aber an womit Covestro sein Geld verdient und wie das Unternehmen entstanden ist. Insbesondere letzteres ist in diesem Fall besonders interessant.

Geschäftsmodell

Covestro ist ein Kunststoffhersteller. Es produziert verschiedene Kunststoffe und Plastiksorten sowie Lacke und Beschichtungen.

Historische Eckdaten

Covestro hat seinen Unternehmenssitz in Leverkusen. Wartet mal, Chemie und Leverkusen? Ja richtig, das erinnert an Bayer und das ist kein Zufall. Ab 2004 hat Bayer seine Kunststoffsparte neu strukturiert. Das endete in dem Unternehmen Lanxess auf der einen Seite und Covestro auf er anderen. Covestro wurde schließlich 2015 an die Börse gebracht. Für Bayer hat der Börsengang 1,5 Mrd. Euro eigenspielt. Covestro wird seit 2015 im MDAX geführt und stieg 2018 in den DAX auf.

Bei einer solch kurzen Unternehmensgeschichte ist noch nicht allzu viel zu berichten. Über die letzten Jahre konnte man aber bereits eine gesunde Entwicklung erkennen. Das Unternehmen etabliert sich. Um sich breiter aufzustellen hat Covestro außerdem im April 2021 den Resins & Functional Materials Bereich vom holländischen Unternehmen Royal DSM übernommen. Die Übernahme kostete Covestro 1,6 Milliarden Euro und steigert künftig den jährlichen Umsatz um 1 Milliarden Euro und das EBITDA um 141 Millionen Euro. Das Synergiepotenzial soll künftig Aufwendungen von 120 Millionen Euro im Jahr einsparen. Das erworbene Teilunternehmen wird künftig in der Beschichtungssparte von Covestro geführt und soll für gleichgroße Geschäftsbereiche im Unternehmen sorgen.

Produktanalyse

Apropos Geschäftsbereiche, genau diese schauen wir uns nun näher an. Zusätzlich gehen wir darauf in welchen Regionen Covestro tätig ist.

Geschäftsgebiete

Covestro teilte sein Geschäft bisher in drei Segmente auf. Der größte Bereich sind dabei Polyurethane mit 47%. Hier werden weiche und harte Schaumstoffe hergestellt, die in Matratzen, Autositzen oder auch zur Dämmung von Gebäuden eingesetzt werden können. Der nächstgroße Bereich sind Polycarbonate, der sich um die Herstellung und teilweise Weiterverarbeitung von Plastikstoffen kümmert, die ebenfalls breite Anwendungsmöglichkeiten haben. Hier werden zuletzt 28% der Umsatzerlöse eingespielt. Weiter kommen in 2020 19% bzw. 2 Mrd. € aus der Beschichtungssparte, die sich durch den gerade genannten Kauf aber um die Hälfte vergrößert hat.

Covestro Aktienanalyse
Quelle: Marketscreener.com

Absatzmärkte

Covestro agiert weltweit. In Nordamerika werden 24% umgesetzt, im Asien-Pazifik-Raum 33% und die übrigen 43% insbesondere in der EMEA-Region sowie Lateinamerika. Hier kann man nicht viel mehr und viel gleichmäßiger diversifizieren.

Covestro Aktie Analyse
Quelle: Marketscreener.com

Auswertung

Die Produkte von Covestro finden in allen möglichen Branchen Anwendung. Dadurch ist man breit aufgestellt. Aber auch regional konnten wir sehen, dass man wirklich überall auf der Welt seine Finger im Spiel hat. So hat sich Covestro auf jeden Fall zwei von zwei Punkten in der Produktanalyse verdient.

Branchenanalyse

Als nächstes betrachten wir die Branche von Covestro. So können wir das Fundament besser beurteilen, auf dem Covestro sein Geschäft aufbaut.

Attraktivität der Branche

Aufgrund der schönen Aufgliederung von Covestros Geschäftsfelder, können wir aus den verschiedenen Marktprognosen für die Produkte ein durchschnittliches Wachstum für Covestro selbst ableiten. Die Segmente sind Polyurethane, Polycarbonate sowie Coating. In dieser Reihenfolge werden hier ca. 5%, 2% und 3,5% jährliches Wachstum erwartet. Dies ergibt ein gewichtetes Wachstum für Covestro von ca. 3,8% p.a.

Wettbewerber

Auch hier gibt es je nach Sparte verschiedene große Wettbewerber. Vor allem sind hier die Großkonzerne BASF, Mitsubishi und Evonik zu nennen. Für Unternehmen dieser Branche heißt es also viel Konkurrenz und damit auch mehr Preisdruck am Markt.

Kunden

Dieser Preisdruck wird noch verstärkt, weil die Kunden der Branche grundsätzlich gewerbliche Unternehmen sind. Bei gewerblichen Kunden sind Preise aufgrund des professionellen Einkaufs deutlich schwieriger durchzusetzen als gegen Privatkunden.

Zulieferer

Zur Herstellung von Plastik, Schaumstoff und Lacken benötigt man viele verschiedene chemische Rohstoffe. Diese werden auch bei vielen verschiedenen Lieferanten bestellt, wodurch man nicht in Abhängigkeit eines einzelnen Zulieferers geraten sollte.

Quelle: Pixabay.com

Ersatzprodukte

Als Verpackung ist Plastik regelmäßig in der Kritik. Dabei hat der Rohstoff viele Vorteile. So ist er leicht in Form zu bringen, robust und vor allem auch leicht. Als Schaumstoff isoliert er zudem zuverlässig. Hier wird aufgrund des schlechten Images von Plastik aktuell allerdings viel an Alternativen geforscht. Lacke und Beschichtungen sind da weniger Konkurrenz ausgesetzt. Sie sind notwendig und auch, wenn es hier mal Innovationen gibt, kann man diese leicht adaptieren, sofern sie nicht patentiert sind.

Markteintrittsbarrieren

Etablierte Chemieunternehmen haben zwei große Vorteile. Zum einen sind Chemiewerke riesige Komplexe, die vor allem in Deutschland auch hohe Sicherheitsstandards haben und somit sehr teuer zu bauen sind. Das erforderliche Anfangskapital kann nicht jeder aufbringen. Zudem braucht man viel und spezialisiertes Personal. Ebenfalls ein Punkt der heutzutage den Burggraben noch vertieft.

Auswertung

Die gewerblichen Kunden und die vielen großen Wettbewerber gestalten die Preissetzung relativ schwierig. Dafür ziehe ich jeweils einen Punkt ab. Daneben gibt es zusätzlich einen halben Minuspunkt für das starke öffentliche Interesse an Plastikersatzstoffen. Insgesamt erhält die Branche also noch 3,5 von 6 Punkte von mir.

Marktstellung

Als Nächstes betrachten wir die Marktstellung von Covestro innerhalb der Branche. Allzu lang existiert Covestro als einzelnes Unternehmen noch nicht aber wir versuchen hier bereits erste Aussagen zu treffen.

Produktentwicklung

Covestro konnte viele Patente und bekannte Herstellungsprozesse bei der Ausgliederung von Bayer mitnehmen. Zusätzlich wird seit dem Börsengang aber auch selbst weitergeforscht. Besonders eindrucksvoll ist die bereits genannte Akquisition als relativ junges Unternehmen. M&A-Prozesse werte ich ebenfalls als Pluspunkt in dieser Kategorie, da man hierüber ebenfalls weitere Patente erwirbt.

Möglichkeit einzukaufen

Aufgrund der Unternehmensgröße ist man stets ein wichtiger Kunde für Lieferanten und man hat eine adäquate Verhandlungsposition. Daneben gibt es auch genug Zulieferer, um bei Differenzen auszuweichen.

Einflüsse auf das Geschäft

Als Zulieferer diverser Branchen ist man hauptsächlich von der Gesamtwirtschaft abhängig und hier zyklisch unterwegs. Ansonsten gibt es wenig kritische Einflüsse auf das Unternehmen.

Marketing

Covestro ist durch die lange Zugehörigkeit zu Bayer stark am Markt etabliert und die Produkte des Unternehmens haben sich lange Zeit bewährt. So wird man künftig kein sonderlich hohes Marketingbudget brauchen.

Wachstumsmöglichkeiten

Je nach Bereich hat Covestro einstellige bis niedrig zweistellige Prozentpunkte Marktanteil. Da ist auf jeden Fall noch Luft nach oben. Mit der Akquisition ist man letztlich stark gewachsen und hat auch mehr Marktanteil gewonnen. Daneben wächst aber auch die Branche, sodass man auch bei konstanten Marktanteilen wächst.

Unternehmensführung

Seit 2018 ist Dr. Markus Steilemann CEO des Unternehmens. Mit einer Kombination aus Chemie und BWL im Studium ist er fachlich für diesen Posten gut geeignet. Seit 1999 war er im Bayer-Konzern tätig und leitete schon ab 2008 den Polycarbonates Geschäftsbereich. Ab 2013 war leitete er das China-Geschäfts und kam in 2015 zurück, um dem Vorstand der neuen Covestro AG beizutreten. Bis zur Wahl zum CEO war er verantwortlich für Innovation und später für Marketing. Er engagiert sich neben dem CEO-Posten noch in verschiedenen Berufsverbänden der Chemiebranche und wurde hier auch bereits ausgezeichnet. Für die Zukunft hat er weitere Übernahmen und Investitionen angekündigt.

Quelle: Covestro.com

Gesetzliche Rahmenbedingungen

Bis auf die Sicherheitsvorschriften bei Herstellung und Transport gibt es für Covestro wenig Vorschriften. Kleine Unternehmen schränkt dies wohl ein, für ein Unternehmen der Größe von Covestro sind die Sicherheitsvorschriften aber finanzierbar und sichern ab.

Auswertung

Insgesamt ziehe ich für die Marktstellung einen Punkt ab. Dieser setzt sich aus einem halben Minuspunkt für das zyklische Geschäftsmodell und einen halben Minuspunkt für die strengen Vorschriften in den Werken zusammen. Es bleiben trotzdem starke 6 von 7 Punkte in der Marktstellungsanalyse.

Unternehmensbewertung

Nach der Begutachtung von Covestro schauen wir uns nun an welche Finanzkennzahlen hinter der Covestro Aktie stehen. Hier untersuchen wir bestimmte Finanzwerte, die ich danach auch in meine Bewertungsmodelle einspiele. Der Betrachtungszeitraum sind wie immer die letzten 5 Jahre.

Finanzkennzahlen 5-Jahres-Durchschnitt

  • Operative Nettobetriebsvermögen +1,4%
  • Umsatz -2,0%
  • Operativer Gewinn -5,6%
  • Operative Marge 11,4%
  • Free Cashflow -9,4%
  • Operativer CF -2,5%
  • Eigenkapitalquote 42,2%
  • Fremdkapitalkosten -6,0%
  • Dividendenwachstum +14,2% (+10,9% je Aktie)
  • Dividendenrendite 3,0% (aktuell 2,4%)
  • Ausschüttung des FCF 26,8%
  • Übergewinn -10,7%
Covestro Cashflow
Quelle: Aktienfinder.net

Erläuterung der Zahlen

Die Finanzen von Covestro sehen auf den ersten Blick gar nicht mal so gut aus. Besonders auf den Übersichten vom Aktienfinder seht ihr das momentane Umsatztief, dem die anderen Ertragswerte folgen. Das war es was ich mit Zykliker meinte. Als Zulieferer ist man stark von der Performance der Kundenbranchen abhängig. 2019 ging es schon beim Schaumstoff runter, vermutlich, weil die Autoindustrie schon vor Corona geschwächelt hat. 2020 haben sich die Umsatzerlöse dann durch die Pandemie noch weiter reduziert. Das wirkt sich auch auf alle anderen Ertragswerte aus.

Covestro Umsatz
Quelle: Aktienfinder.net

Zumindest die Eigenkapitalausstattung ist durchaus solide. Besonders attraktiv ist die Covestro Aktie allerdings aufgrund ihrer Dividende, denn diese ist wirklich stark. Mit 2,4% ist die Dividendenrendite ohnehin schon attraktiv. Wenn ihr euch das zugehörige Wachstum und die Ausschüttungsquote anschaut, dann seht ihr wie stark die Dividende wirklich ist. Die Dividende wuchs über die letzten Jahre je Aktie um 10% und trotzdem schüttete Covestro lediglich ein Viertel seines Free Cashflows aus. Aufgrund des zyklischen Geschäftsmodells und der starken Dividende drücke ich hier ein Auge zu und vergebe 1 von 2 Punkten in der Finanzanalyse.

Covestro Rating
Quelle: stox-box.de

Fair Value

Für mein Discounted Cashflow- und Übergewinnmodell benötige ich jetzt noch ein langfristiges prognostiziertes Wachstum. Ich setze hier 3% an. Das ist leicht weniger als der Branchendurchschnitt, weil Covestro zuletzt nicht so gut performt hat. Mein über die Aktie eingesetztes Eigenkapital möchte ich wie immer mit 10% verzinst haben, weshalb ich Eigenkapitalkosten von 10% ansetze. Aufgrund der Anleihen von Covestro habe ich langfristig 2% Fremdkapitalkosten veranschlagt. Die Ergebnisse habe ich nun wieder mit dem aktuellen Kursziel der Analysten sowie mit dem Fair Value, gemessen an den historischen Kursverhältnissen der Covestro Aktie auf der einen und der Peergroup der anderen Seite, geglättet. Im Ergebnis erhalte ich einen fairen Wert von 125,42€

Investmententscheidung

Covestro hat in dieser Analyse nicht viele Minuspunkte erhalten, sodass ich auch nur einen relativ geringen Sicherheitsabschlag fordere. Bei den 4,5 Minuspunkten möchte auf den Fair Value eine Sicherheitsmarge von 22,5% abziehen, um auf mein Kauflimit zu kommen. Dieses liegt somit bei 97,20€. Für die Verkaufsschwelle gehe ich genauso vor, starte allerdings bei 150% des fairen Wertes. Verkaufen würde ich Covestro Aktien also ab 159,92€, sofern ich welche besitzen würde.

Aktuell befindet sich der Kurs für eine Covestro Aktie bei lediglich 54,74€, was heißt, dass wir hier heute erneut eine meiner Meinung nach sehr günstige Aktie gefunden haben. An dieser Stelle vielen Dank an den Tippgeber, der aus der Community kam.

Covestro Logo

Fazit

Covestro ist durch sein Geschäftsmodell ein Zykliker. Insbesondere in den letzten beiden Jahren hat das Unternehmen deutlich unter der abflauenden Wirtschaft gelitten. Grundlegend sind die Finanzen aber grundsolide und man hat aktuell auch bereits 5 Jahre nach Börsengang einen Konkurrenten aufgekauft. Das sichert künftiges Wachstum. Als besonderes Schmankerl sehen wir hier außerdem eine sehr starke Dividende, die in den letzten Jahren deutlich gewachsen ist. Zusätzlich kann Covestro sich die Dividende aber auch leisten. Durch das aktuelle Umsatztief und die frische Übernahme scheint aber etwas Unsicherheit bei den Anlegern aufgekommen zu sein, sodass der aktuelle Kurs im historischen Vergleich und im Vergleich zur Peergroup sehr günstig scheint.

Habt ihr euch die Covestro Aktie schon mal näher angesehen? Haltet ihr das Unternehmen ebenfalls für unterbewertet? Dann würde mich auch eure Meinung zum Unternehmen sehr interessieren. Besonders der Tippgeber darf sich gern in den Kommentaren zur Analyse äußern und seine Gedanken mit uns teilen. Ansonsten bedanke ich mich recht herzlich fürs Reinschauen und sage bis bald!

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