CTS Eventim Aktienanalyse – Wie der Phönix aus der Asche?

Hallo und herzlich willkommen auf dem Finanzplaneten! Mein Name ist Kai und heute haben wir eine ganz spezielle Aktie in der Analyse. Ich dachte mir schon, dass meine Vorabanalysen, die einfach stumpf Kurs und diskontierten Cash Flow vergleichen, ohne dabei Risiken einzupreisen, irgendwann ein Unternehmen hervorbringen, das so richtig stark von Corona gebeutelt ist. Mit Eventim haben wir nun eines dieser Unternehmen. Hinzu kommt, dass hier zu dem der Jahresabschluss 2020 noch nicht testiert ist und in der 5-Jahres-Analyse der Einbruch durch Corona noch nicht inkludiert ist. Ich probiere auch hier nach dem üblichen Schema vorzugehen und das Unternehmen und seine Branche zu analysieren, als ob es Corona nicht gegeben hätte oder der Virus überstanden ist. Anschließend werde ich die Pandemie aber in den Finanzen und natürlich auch im Sicherheitsabschlag einpreisen. Ansonsten viel Spaß mit der CTS Eventim Aktienanalyse, los geht’s!

Grundlagen

Auch hier wollen wir uns zuerst einmal die Grundlagen des Unternehmens anschauen. Auf dem Finanzplaneten bedeutet das, dass wir uns erstmal das Geschäftsmodell begreiflich machen und danach gucken wie sich das Unternehmen gegründet hat und was seitdem alles passiert ist.

Geschäftsmodell

Jeder von uns kennt Eventim sicher und die meisten werden hier schonmal eine Karte für ein Konzert oder ein Kabarett gekauft haben. Das ist aber nur der eine, und zwar kleinere Teil des Geschäfts. Eventim hilft auch noch als Organisator bei Veranstaltungen oder organisiert eigene Veranstaltungen.

Historische Eckdaten

Das Unternehmen gründete sich 1989 als CTS Computer Ticket Service. Damals innovativ, mussten Tickets nun nicht mehr physisch vorrätig sein, um verkauft werden zu können. Damals konnte es sein, dass man an Verkaufsstelle A keine Tickets mehr erhält, obwohl Verkaufsstelle B auf den Tickets sitzen bleibt. Die Digitalisierung machte den Prozess hier deutlich effizienter. Nach finanziellen Schwierigkeiten wurde das Unternehmen 1996 von Klaus-Peter Schulenberg übernommen. Dieser sanierte das Unternehmen und führte 1998 auch direkt eine Akquisition im Bereich Fußballtickets durch.

2000 ging das Unternehmen unter dem heutigen Namen an die Börse und 2002 wurde CTS Eventim mit dem Erwerb von getgo.de das größte Ticketportal in Europa. Zusätzlich ergab sich ab ca. diesem Zeitpunkt auch der schon beschriebene zweite Bereich des Unternehmens, der heute sogar mehr Umsatz bringt als die Ticketverkäufe. In diesem Bereich fällt auch der Betrieb der Kölner Lanxess Arena und der Berliner Waldbühne. Insbesondere durch Großereignisse wuchs man schließlich auf die heutige Größe. 2017 wurde der Umsatz von einer Milliarde Euro geknackt.

Produktanalyse

Jetzt wollen wir nochmal etwas genauer auf die einzelnen Produkte bzw. Dienstleistungen eingehen, die das Unternehmen vertreibt, um zu sehen wie gut man diversifiziert ist. Natürlich ist das rückwärts betrachtet jetzt etwas makaber, allerdings gibt es ja auch noch andere Krisen, die zum Beispiel nicht alle Regionen oder Dienstleistungen gleich stark treffen würden.

Geschäftsgebiete

Auch, wenn Eventim an sich nur zwei Geschäftsgebiete hat, ist hier eigentlich alles zu finden. So gibt es Ticket fürs kleine Poetry Slams, Karten für sportliche Großveranstaltungen und man organisiert selbst noch Veranstaltungen. 68% der Umsätze machte man in 2019 noch mit Live Entertainment und 32% mit den Ticketverkäufen. Somit ist man vom Genre und von aktuellen Trends eigentlich ziemlich unberührt. Wäre Corona nicht gewesen, würde ich hier nichts negativ anmerken. Aus diesem Grund möchte ich das auch weiterhin nicht tun.

Eventim Aktie

Absatzmärkte

Was aber in die gleiche Kerbe schlägt und wo ich auch ohne Corona etwas auszusetzen hätte, ist die regionale Verteilung. Der Großteil des Umsatzes wird mit 61% in Deutschland eingespielt und noch 19% kommen aus Italien. Die übrigen 20% kommen aus den restlichen europäischen Ländern. Man ist hier also komplett abhängig von Europa. Zum einen kritisch, weil Europa jetzt nicht der Wachstumsmarkt der Welt ist und zum anderen sieht man in der Krise, dass hier relativ einheitliche Politik gefahren wird und man so fast gar nicht diversifiziert ist. Ein Standbein in den USA oder einem sonstigen Land, dass teilweise auf Kontaktbeschränkung pfeift, hätte ich hier in dieser schwierigen Zeit durchaus noch etwas Umsatz bringen können. Ethisch ist das natürlich wieder eine andere Sache.

CTS Eventim Aktienanalyse

Auswertung

Man konnte es ja jetzt schon herauslesen. Ich gebe den Punkt für Diversifikation, weil sonst müsste man allen Tech-Riesen an dieser Stelle auch einen Punkt abziehen, weil sie alles nur online machen und deren Geschäftsmodell einem Computervirus machtlos ausgeliefert wäre. Die fehlende regionale Diversifikation ist allerdings wirklich kritisch. Also in Summe einer von zwei möglichen Punkten.

Branchenanalyse

Auch bei der Branche wollen wir jetzt neben Corona ein bisschen langfristiger denken. Dass Kontaktverbote für Veranstalter und Ticketverkäufer eher kontraproduktiv sind, kann man sich ja denken. Wir wollen aber ja langfristig denken und investieren und über Jahrzehnte hinweg, wird diese Branche genauso wenig wie alle anderen von der Corona-Pandemie betroffen sein.

Attraktivität der Branche

Wenn nicht gerade eine weltweite Pandemie samt Kontaktbeschränkung vorherrscht ist das Show Business eigentlich eine sichere Sache. Die Branche gab es schon im alten Rom im Kolosseum und wird es wahrscheinlich auch immer geben. Aktuell geht der Trend zwar Richtung Digitalisierung aber der zwischenmenschliche Kontakt wird immer ein wichtiger Faktor sein. Diese Grafik der Ticketverkäufe vor, während und nach Corona bestätigt das. Das Wachstum hier ist hier aber moderat.

Eventim Ticketverkäufe

Wettbewerber

Ich kenn mich unter den Anbietern jetzt nicht so aus, allerdings konnte ich nach kurzer Recherche insbesondere Ticketmaster als Konkurrent für Eventim ausmachen. Die kleinere Konkurrenz ist dann eher spezialisiert. Während Eventim das größte Ticketportal in Europa ist, kommt Ticketmaster aus den USA. Dahinter steht der Konzern Live Nation Entertainment. Wo CTS 2017 an der 1 Mrd. Euro Umsatz-Grenze rumkrebste, ist man bei Live Nation Entertainment vor Corona bei sage und schreibe knapp 10 Mrd. USD angelangt. Im Annual Report von Live Nation Entertainment sind wiederum viele weitere Konkurrent und auch viele mit ähnlichen Geschäftsmodell zu CTS genannt.

Kunden

Die Kundschaft dürfte hälftig privat und gewerblich sein. Bei Ticketverkäufen hat man ausschließlich private Kunden und veranstaltet man selbst Konzerte ebenfalls. Organisiert man Veranstaltungen für andere Künstler ist dieser aber sozusagen ein gewerblicher Kunde. Wie viel jetzt woher kommt ist schwer zu sagen, da die Differenzierung der Umsätze zu gering ist.

Zulieferer

Da Konzerte eher eine Dienstleistung sind, spielen Zulieferer eine untergeordnete Rolle. Man braucht zwar viel Personal für alles und auch Bühnenbilder, im Vergleich zu einer produzierenden Fabrik ist man aber weniger abhängig von Lieferanten. Sieht man die Veranstalter als Ticket-„Zulieferer“ sind auch diese ziemlich breit gestreut.

Ersatzprodukte

Da man selbst für Streaming- und Sportevents online Tickets verkaufen kann, fällt mir in der Tat keine alternative Möglichkeit ein. Der aktuelle Rückgang ist ja kein langfristiger Trend wie Home-Office, sondern aus der Not heraus entstanden.

Markteintrittsbarrieren

Für mich als Laien hat Eventim einen ähnlichen Status wie Amazon. Wenn ich ein Ticket für eine Veranstaltung haben wollen würde, würde ich immer zuerst bei Eventim schauen. Solch einen Status haben andere Portale wahrscheinlich auch für andere Menschen. Das ist es denke ich, worauf es in dieser Branche ankommt. Zudem sind exklusive Events wichtig. Beides ist schwer von null auf hundert zu erreichen. Insbesondere Veranstaltungen auf die Beine zu stellen ist außerdem auch ein logistischer und finanzieller Kraftakt. Gerade in der momentanen Zeit wird denke ich außerdem noch die Herde stark ausgedünnt. Wer jetzt schon vor der Pandemie ungesunde Finanzen gehabt hat, wird wohl die Flinte ins Korn werfen müssen.

Auswertung

Aufgrund der nur hälftig gewerblichen Kunden sowie der zahlreichen Konkurrenz gibt es in der Branchenanalyse 4,5 von 6 möglichen Punkten.

Marktstellung

Nachdem wir nun die Veranstalter- bzw. Ticketverkäuferbranche kennengelernt haben, wollen wir uns anschauen wie CTS Eventim hier seine Stellung festigen konnte.

Produktentwicklung

Anfänglich gab es nur das Geschäftsmodell der Ticketverkäufe über Telefon und Computer. Mittlerweile ist man auch selbst Veranstalter und Organisator. Durch regelmäßige Akquisition kann der Einflussbereich immer weiter ausgebaut werden. Zudem ist CTS augenscheinlich relativ erfolgreich darin Großveranstaltungen vertreiben zu dürfen.

Möglichkeit einzukaufen

Da die Lieferanten hier weniger ins Gewicht fallen, ist dieser Punkt ein Pluspunkt. Eine teure Abhängigkeit zu Zulieferern kann so gar nicht entstehen. Bei Veranstaltern hat man gute Verhandlungsmöglichkeiten aufgrund der eigenen Reichweite und somit auch Absatzmöglichkeiten für die Tickets.

Einflüsse auf das Geschäft

Nach aktuellen Erfahrungen kann man hier alles nennen was das öffentliche Leben weitestgehend einschränkt. Neben einem Virus können das auch andere Naturkatastrophen sein. Ohne Corona wäre mir an dieser Stelle aber wahrscheinlich gar nichts eingefallen. Wahrscheinlichere und weit häufigere Einflüsse auf das Geschäft könnte der digitale Wandel sein, auch, wenn ich denke, dass Streaming etc. kein Ersatz für Großveranstaltungen ist. Nichtsdestotrotz ein weiteres Standbein, das man sich aufbauen könnte. Bei anderen Streamingdiensten kann man beispielsweise ohne Abo auch direkt Tickets für einzelne Sportstreams kaufen.

Marketing

Für wenig Dinge sieht man so viel Werbung wie für Veranstaltungen. Der Marketingaufwand ist hier enorm. An dieser Stelle wollen wir Eventim ja aber auch mit der Konkurrenz vergleichen. Hier muss man sagen, dass auch von alleine wahrscheinlich sehr viele Kunden durch die Seite stöbern und sich inspirieren lassen. Bei kleineren Seiten ist das wahrscheinlich seltener der Fall.

Wachstumsmöglichkeiten

Seit Börsengang sieht man im Umsatz rasantes Wachstum. Auch, wenn die Ticketverkäufe insgesamt vielleicht nur moderates Wachstum vorweisen, werden durchschnittlich allerdings nur ein Drittel der Ticketverkäufe online getätigt. Hier birgt sich großes Potenzial. Zudem sind den eigenen Veranstaltungen ja so gut wie keine Grenzen gesetzt. Bisher hat man lediglich zwei Veranstaltungsareale im Portfolio und kann dieses somit noch deutlich erweitern. Auch Expansion ins Ausland wäre möglich.

Unternehmensführung

CEO des Unternehmens ist Klaus-Peter Schulenberg. Diesen Namen hatten wir eingangs bereits gehört, da er Mitte der 90er das kränkelnde Unternehmen gekauft hatte. Seitdem führt er es und das sehr erfolgreich. Auch heute hält er noch 38,8% der Aktien. Er ist ein ziemliches Urgestein der deutschen Veranstaltungsbranche und gründete bereits zur Studienzeit erste Agenturen. Neben ihm ist in der aktuellen Krise der CFO erwähnenswert. Um die Finanzen des Unternehmens kümmert sich seit 2020 Andreas Grandiger. Der Diplom-Kaufmann war vorher bei Douglas und zooplus tätig. Durch letztere Tätigkeit kennt er den Finanzierungsbedarf im E-Commerce-Bereich.

Gesetzliche Rahmenbedingungen

Aktuell ist CTS natürlich genau wie die gesamte Branche durch die Kontaktbeschränkungen getroffen. Daneben gibt es, wenn überhaupt als Veranstalter rechtliche Hürden. Hier sind besonders Sicherheitsmaßnahmen zu nennen, die nach der Loveparade verschärft wurden. Alles in allem aber keine zu stark regulierte Branche.

Auswertung

Aufgrund des hohen Marketingaufwands ziehen wir hier einen Punkt ab und landen somit bei 6 von 7 möglichen Punkten.

Newsletter

An dieser Stelle möchte ich mal wieder auf meinen Newsletter hinweisen. Wenn du regelmäßig über neue Aktienanalysen informiert werden möchtest, ist dieser perfekt für dich. Wenn du dich angemeldet hast, bekommst du monatlich die neusten Analysen nochmal auf einen Blick. Zusätzlich setze ich dir alle meine bisherigen Kauflimits ins Verhältnis zum aktuellen Kurs und zeige dir somit auf meinem Einkaufszettel, welche Aktien ganz aktuell meiner Meinung nach am günstigsten bewertet sind. On Top erhältst du als Abonnent meines Newsletters auch noch exklusiven Einblick in mein eigenes Depot. Bei Interesse trage dich doch einfach auf dem Blog dafür ein. Der Link ist in der Videobeschreibung. Ansonsten jetzt wieder zurück zur CTS Eventim Aktienanalyse!

Unternehmensbewertung

Ja und jetzt kommen wir zum spannenden Teil dieser Analyse. Ich werde nun insbesondere, weil auch noch kein testierter Jahresabschluss für 2020 vorliegt zunächst die Zahlen bis um 31.12.2019 darlegen. Dort sieht man dann die grundsätzliche Entwicklung des Unternehmens. Die Zahlen bezogen auf Ausgangs- und Wachstumswerte werde ich in den Berechnungsmodellen dann händisch an den aktuellen Einbruch anpassen.

CTS Eventim ist allerdings das erste Unternehmen in meinen Analysen, das wirklich existenziell bedroht ist. Um dieser Situation gerecht zu werden habe ich den neuen Punkt „Going Concern“ eingeführt. Dieser Fachbegriff bedeutet sinngemäß, ob davon ausgegangen werden kann, dass das Unternehmen sich wieder erholt und seine Geschäfte weiterführt. Ist die Going Concern-Prämisse nicht gegeben bedeutet das, dass das Unternehmens Insolvenz anmelden muss. Negative Aussichten an dieser Stelle bedeuten natürlich, dass ein Investment in dieses Unternehmen nicht zielführend ist. Auch bei anderen Unternehmen, die ähnlich stark gebeutelt sind, werde ich diese zusätzliche Analyse durchführen. Aktuelle Beispiele wären Fluglinien und Kreuzfahrtunternehmen.

Jetzt aber erstmal die Finanzkennzahlen im 5-Jahres-Durchschnitt bis zum 31.12.2019. Das sind ja schließlich auch die Werte, die CTS Eventim in der Vorabanalyse eine so günstige Bewertung einbrachten.

Finanzkennzahlen 5-Jahres-Durchschnitt

  • Operative Nettobetriebsvermögen -3,7%
  • Umsatz +13,1%
  • Operativer Gewinn +11,3%
  • Operative Marge 15,8%
  • Free Cash Flow -9,4%
  • Operativer CF -7,6%
  • Eigenkapitalquote 27,3%
  • Fremdkapitalkosten +2,3%
  • Dividendenwachstum -100% (-100% je Aktie)
  • Dividendenrendite 1,6% (aktuell 0,0%)
  • Ausschüttung des FCF 26,1%
  • Übergewinn +20,3%
Finanzen CTS Eventim

Erläuterung der Zahlen

So erstmal grundsätzlich zu den Zahlen. Man sieht das leicht sinkende operative Nettobetriebsvermögen, was allerdings mit steigenden Einnahmen einhergeht und deswegen in Ordnung ist, da es insbesondere aus hohen betrieblichen Verbindlichkeiten resultiert. Das Kernvermögen als Gegenpart zu den Verbindlichkeiten ist allerdings trotzdem stark im 5-Jahres-Zeitraum gestiegen. Die Cash Flows sind gesunken, da es am Anfang des Betrachtungszeitraum in 2014 einen starken Peek gab. Da diese alle 4 Jahre auftreten, dürfte es sich dabei um sportliche Großveranstaltungen insbesondere der Fußball-WM handeln. Eigenkapitalquote und Fremdkapitalkosten haben sich gut entwickelt. Bevor die Dividende für 2019 gestrichen wurde, war das Unternehmen allerdings ein interessanter Dividendenwachstumswert. Dank der ausbleibenden Dividende beträgt die Ausschüttung im Schnitt nur noch 26,1% und der Übergewinn konnte deutlich gesteigert werden.

An dieser Stelle würde ich dem Unternehmen zwei von zwei möglichen Punkten geben. Ganz anders sieht das natürlich aus, wenn man den Blick nach 2020 wirft. Hier ist der Umsatz voraussichtlich um 80% eingebrochen. Es werden außerdem Jahresfehlbeträge ausgewiesen und der Cash Flow ist ebenfalls negativ. Um das aktuelle Risiko an dieser Stelle vernünftig mit einzupreisen, bekommt CTS Eventim an dieser Stelle keine Punkte. Es ist komplett fraglich wann und wie stark sich das Unternehmen von Corona erholt. Perspektivisch sieht man durch den 5-Jahres-Zeitraum allerdings sehr schön was für das Unternehmen ohne weiteres möglich ist.

Going Concern

Ebenfalls fraglich ist allerdings der Fortbestand des Unternehmens. Durch Corona wurde das Geschäftsmodell zum Glück nicht disruptiv verworfen, sondern nur auf Eis gelegt. Aktuell ist es nicht möglich Konzerte und Großveranstaltungen durchzuführen. Hier sehe ich allerdings keinen Trend. Anders wäre es zum Beispiel bei Messebauern, denen hier zusätzlich die Digitalisierung auch künftig den Wind aus den Segeln nimmt. Bei CTS Eventim muss man sich eigentlich nur die Liquidität anschauen und, ob das Unternehmen solange liquide bleibt bis es wieder aus eigener Kraft Cash generiert.

Dazu habe ich jetzt folgende Überlegung angestellt. Zum einen möchte ich den Nettoverschuldungsgrad von CTS ermitteln. Dieser berechnet sich durch die Schulden abzüglich des Cashs und dieses Ergebnis ins Verhältnis gesetzt zum EBITDA. So sieht man in wie vielen Jahren das Unternehmen seine Schulden aus dem operativen Geschäft zurückgezahlt haben sollte. Zum 30.09.2020 hat das Unternehmen allerdings mit 802 Mio. € wesentlich mehr Cash als sie zum Tilgen der 422 Mio. € Schulden benötigen. An dieser Stelle also aktuell Entwarnung.

Zum anderen möchte ich mir anschauen, wie viel schwere Jahre das Unternehmen noch durchstehen kann. Ich denke wir sind uns einig, dass 2020 das schwerste Jahr der Corona-Pandemie gewesen sein wird. Dennoch möchte ich sicherheitshalber den Verlust aus diesem Jahr heranziehen. In diesem Jahr lag der operative Cash Flow bei -90 Mio. €. Wenn wir auf 100 Mio. € Cash-Abfluss aufrunden, könnte Eventim mit den 800 Mio. € Cash also 8 Jahre lang überstehen, bevor sie die Cash-Reserven aufgebraucht haben. Bei aktueller positiver Nettoverschuldung sollte man allerdings auch zusätzlich noch frisches Geld erhalten. Auch dieser Punkt gibt also Entwarnung, sodass ich insgesamt sagen würde, dass man hier schon investieren kann.

Fair Value

Um auf einen fairen Wert zu kommen, habe ich die historischen Werte jetzt noch an zwei Stellen abgeändert. Zum einen habe ich als Ausgangspunkt nicht wie sonst den Durchschnitt der letzten 5 Jahre, sondern die aktuellen Werte genommen. Zum anderen habe ich das Wachstum für die nächsten Jahre von den durchschnittlichen 13,1% auf 5% reduziert bzw. den Cash Flow händisch prognostiziert. Mein Eigenkapital will ich wie immer mit 10% verzinst haben und Fremdkapitalkosten sind aufgrund der geringen Verschuldung mit 1,5% anzusetzen. Diese ganzen Korrekturen durchgeführt spucken mein DCF- und Übergewinnmodell geglättet mit den aktuellen Kurszielen der Analysten einen schon deutlich reduzierten fairen Wert von noch 87,82€ aus. Zum Vergleich, in der Vorabanalyse waren es noch 123€.

Chancen und Risiken

Das Chancen-Risiko-Profil ist ziemlich simpel. Wir haben einen aufstrebenden Marktführer im Bereich Ticketing und Live Entertainment. Dieser entflieht so langsam seinem Heimatmarkt und macht aktuell bereits ganz Europa unsicher. Hier konnte man jüngst einige Großveranstaltung als Ticketverkäufer betreuen. Die Finanzen bis 2019 waren sehr gut und die Zukunft sah rosig aus.

Dem allen versetzte Corona einen starken Dämpfer. Jetzt geht es eher darum sich irgendwie über Wasser zu halten. Auch, wenn dies aktuell und auch in naher Zukunft wohl klappen wird, ist die aktuelle Krise ein absolut großes Risiko.

Investmententscheidung

Die aktuelle Pandemie haben wir über die Berechnungsmodelle ja bereits mit einbezogen und diesbezüglich auch Going Concern überprüft. Aufgrund der vorherigen Analyseschritte habe ich für CTS Eventim 5,5 Punkte abgezogen, die in Summe 27,5% Sicherheitsmarge bedeuten. Diese ziehe ich vom Fair Value ab, um auf mein Kauflimit zu kommen. Das Kauflimit beträgt somit 64€. Ziehe ich die Sicherheitsmarge wiederum von einer maximalen Verkaufsschwelle von 150% ab, so lande ich bei 108€.

Beim aktuellen Kurs von knapp 55€ sehe ich das Unternehmen trotz aller Risiken zwar als unterbewertet an, mit einem Discount von rund 14% ist von den ursprünglichen 54% in der Vorabanalyse aber nicht mehr viel übriggeblieben. Wer hier also bald starke Erholung oder weniger Risiko sieht, kann hier aktuell günstig einsteigen.

Eventim Logo

Fazit

Puh, das war mal eine lange Analyse. Entschuldigt, dass ich so ausgeschweift bin. Ich denke man sollte aber gerade, wenn ein Unternehmen mehr Risiko birgt auch genauer hinschauen. Die CTS Eventim Aktienanalyse hat deutlich gemacht, dass die Abstrafung im Zuge der Coronakrise absolut gerechtfertigt ist. Nichtsdestotrotz schätze ich die Angst am Markt etwas zu groß ein. Wahrscheinlich sehen viele Anleger nur die aktuelle Situation und sehen nicht die Perspektive. Perspektivisch kann man aktuell nämlich zu einem sehr geringen Kurs ins Unternehmen einsteigen und nach weiteren zwei bis drei mauen Jahren umso mehr am künftigen Gewinn partizipieren.

Ich persönlich halte den Rabatt zum Kauflimit allerdings für zu klein. Hier gibt es komplett gesunde oder nur leicht angeschlagene Unternehmen, die hier deutlich mehr Discount bieten. Mit den 14% Rabatt wird CTS Eventim zumindest bei mir zum aktuellen Kurs nicht ins Depot wandern. Hier müsste der Kurs nochmal deutlich nach unten schwanken. Aber wer weiß, ob das nicht passiert, wenn die Anleger ungeduldig werden.

Aber wie ist denn eure Meinung zu Eventim? Wie schätzt ihr die Zukunft der Branche und des Unternehmens ein? Nutzt ihr überhaupt Corona, um aktuell günstig in schwächelnde Branchen einzusteigen oder flüchtet ihr eher in von der Krise unberührte Tech-Werte? Lasst es mich gern in den Kommentaren wissen. Wenn euch diese erste Analyse mit über 3.000 Wörtern gefallen hat, dann lasst mir doch außerdem gern einen Daumen nach oben und ein Abo da. Ansonsten bedanke ich mich wie immer für’s Reinschauen und sage bis bald!

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