Der große Öl-Aktien Vergleich Teil 1 – BP und TotalEnergies Aktienanalyse

Hallo und herzlich willkommen auf dem Finanzplaneten! Mein Name ist Kai und heute gibt es wie angekündigt den Anfang des großen Öl-Aktien Vergleichs. In dieser Reihe werde ich analog zum Tabak-Aktien Vergleich vor einiger Zeit einige Öl-Aktien miteinander vergleichen. Ich teile den Vergleich in insgesamt zwei Teile auf. So behalte ich trotzdem die Möglichkeit möglichst genau auf die Unternehmen einzugehen und trotzdem in nur zwei Analysen fünf, statt zwei Aktien, miteinander zu vergleichen. Den Anfang beim Öl-Aktien Vergleich machen die Europäer BP und Total. Wenn euch die Branche interessiert und ihr hier einen günstigen Einstieg sucht, dann lasst mir am besten direkt ein Abo da, um auch den zweiten Teil nicht zu verpassen. In diesem Sinne viel Spaß mit dem ersten Teil des großen Öl-Aktien Vergleich!

Grundlagen

Ganz grundlegend soll es in diesem Aktienvergleich natürlich um Öl-Aktien gehen. In ihrem genauen Geschäftsmodell und auch im historischen Werdegang unterscheiden sich die Unternehmen allerdings stark. Darauf möchte ich jetzt im Folgenden erstmal eingehen.

Geschäftsmodell

Sowohl BP als auch TotalEnergies fördert Öl und verarbeitet es auch weiter. Das ist bei beiden Unternehmen das klassische Geschäftsmodell. Dadurch, dass Total sich in TotalEnergies umbenannt hat, lässt sich allerdings schon vermuten, dass hier einige weitere Geschäftsfelder neben der Raffinierung von Öl hinzugekommen sind. Zum einen raffiniert man das Rohöl nicht nur zu Treibstoff, sondern auch zu anderen Industrierohstoffen und geht auch in den Bereich Gas. Beide Unternehmen haben ein Netz an Tankstellen, um ihren Treibstoff zu vertreiben. Total-Tankstellen kennt man ja aus Deutschland. BP gibt es hier eher seltener, dafür gehört seit Anfang der 2000er Aral zum BP-Konzern. Während BP so ein Netz von ca. 20.000 Tankstellen weltweit sein Eigen nennt, so sind es bei TotalEnergies Ende 2020 ca. 15.600.

Historische Eckdaten

BP, bzw. sein Vorgänger, wurde 1909 gegründet, nachdem man im Nahen Osten das erste Mal Öl gefunden hatte. Zwischen den Weltkriegen baute man sich zum einen ein Vertriebsnetz auf und akquirierte auch eigene Raffinerien. Insgesamt stützte man sich ziemlich auf den Nahen Osten, was dem Unternehmen noch schaden sollte. Nach und nach wurden die Ölproduktionen der einzelnen Länder nämlich verstaatlicht und sie fanden sich zur OPEC zusammen. Das beraubte BP 40% seines Zugangs zu Öl. Im Laufe der 90er konnte man aber zum Beispiel in Kuwait wieder Zugang zu Öl und Gas erwerben. Auch die bestehenden Strukturen zwecks Raffinierung und Vertrieb wurden durch Unternehmenszukäufe immer mehr erweitert. In den letzten Jahren hat man sich zudem immer mehr auch auf erneuerbare Energien eingelassen. So wurde 2017 43% eines Solarenergieproduzenten und 2018 ein System an E-Auto-Ladestationen erworben. In 2020 wurde dann auch bekannt gegeben, dass sich BP an einem Joint Venture zwecks Off-Shore Windanlagen beteiligt.

Jetzt zu TotalEnergies. Das Unternehmen wurde 1924 nach dem ersten Weltkrieg gegründet. Der französische Präsident wollte gern ein Gegengewicht zur Royal Dutch Shell haben. Da die Eintrittsbarrieren in der Branche sehr hoch sind, brauchte es die Unterstützung von 90 Banken und Unternehmen, um die French Petroleum Company aus dem Boden zu stampfen. Auch bei TotalEnergies starte man zunächst mit der Ölförderung im Nahen Osten und baute in Frankreich eine erste Raffinerie, sodass man 1954 seine erste eigene Benzinmarke Total auf den Markt bringen konnte. Durch die Popularität der Marke nannte man sich dann auch 1985 um. Weiter baute man auch seinen Einfluss in Nordamerika aus, sogar mit Einzelhandelsläden, verkaufte die Sparte aber wieder gesammelt Ende der 90er Jahre. In den letzten Jahren ist Total deutlich grüner geworden, sodass man sich 2021 in TotalEnergies umbenannte. Zuletzt investierte man nämlich unter anderem in Stromerzeuger aus Gas- und erneuerbaren Energien sowie in die Batterieherstellung und verkaufte teilweise Ölfelder im Nahen Osten. In 2021 verließ man außerdem die amerikanische Öl-Lobby aufgrund von Differenzen bei Ansichten zum Klimawandel.

Produktanalyse

So weit, so gut. Die Geschichte der beiden Unternehmen im Vergleich, fand ich jetzt schon mal sehr interessant. Schauen wir doch mal wie sich bei beiden die Verteilung der Umsätze auf Produkte und Regionen darstellt.

Geschäftsgebiete

Bei BP dreht sich alles um Upstream und Downstream. Upstream meint quasi die Rohstoffe aus dem Boden zu fördern und Downstream sie zu raffinieren, damit zu handeln oder Strom zu erzeugen. Bei BP geht es hier insbesondere um Öl und Erdgas. Während man mit dem Upstream 10% des Umsatzes generierte, kamen die restlichen 90% bereits aus dem zweiten Bereich, da hier nicht weiter unterschieden wird. Leider kann ich nicht sehen wie viel Umsatz von Öl und wie viel aus Erdgas kommt.

BP Aktienanalyse
Quelle: Marketscreener.com

Auch trotz Trendwende kommt bei TotalEnergies immer noch der Löwenanteil aus fossilen Brennstoffen. 45% spielen beim Unternehmen die Raffinerien ein. Dabei muss man sagen, dass hier nicht nur Treibstoff produziert wird, sondern insbesondere auch Chemikalien. 4% kommen dabei aus dem Upstream-Geschäft von Öl. Über das eigene Vertriebsnetz von Tankstellen wurden weitere 38% der Umsätze eingespielt. Der relativ neue und grüne Bereich macht im Unternehmen immer noch nur 13% aus, wobei es fortschrittlich ist, dass dieser überhaupt existiert.

TotalEnergies Aktienanalyse
Quelle: Marketscreener.com

Absatzmärkte

BP ist ein Global Player. Als einzelne Länder zählt man lediglich die USA mit 31% und das Vereinigte Königreich mit 24% auf. Die restlichen 45% sind so diversifiziert, dass man hier nicht genauer darauf eingeht.

BP Aktie Analyse
Quelle: Marketscreener.com

Auch beim Konkurrenten TotalEnergies sieht es ähnlich aus, nur, dass hier noch mehr einzelne Märkte genannt werden. Auch hier ist der Heimatmarkt einer der stärksten Märkte. 23% kommen aus Frankreich. In Afrika, wo Frankreich noch lange Kolonien hatte, werden 11% umgesetzt sowie 10% in Nordamerika. In den USA hatte man sich ja schon Ende der 90er zurückgezogen. Die restlichen Prozente sind nicht genauer definiert wobei 48% auf Europa entfallen und 8% auf den Rest der Welt. Seid hier übrigens nicht wegen der Prozente in der Tabelle von Marketscreener irritiert. Ich habe unternehmensinterne Umsätze noch rausgerechnet.

TotalEnergies Aktie Analyse
Quelle: Marketscreener.com

Auswertung

Bei beiden Unternehmen für sich sehe ich ausreichende Diversifikation. Sowohl BP als auch TotalEnergies sind in ihren Produkten und Tätigkeitsbereichen sowie in ihren Absatzgebieten gut verteilt. Im direkten Vergleich würde ich allerdings hier TotalEnergies weiter vorn sehen, da hier die Umsätze auch schon auf einem guten Weg Richtung Zukunft sind. Bei den Franzosen gibt es neben Öl und Erdgas auch noch erneuerbare Energien, womit man auch schon einiges an Innovationsdruck rausnimmt. Für beide Unternehmen gibt es hier zwei von zwei Punkten.

Branchenanalyse

Die Branchenanalyse ist jetzt besonders wichtig, da allen 5 Unternehmen in dieser Analyse die gleiche Branche zugrunde liegt. Schauen wir uns doch mal an inwieweit sich der Bedarf an Öl und auch Erdgas in den nächsten Jahren entwickeln wird.

Attraktivität der Branche

Insgesamt steigt der Verbrauch der Weltbevölkerung. Die aufstrebenden Emerging Markets, ganz zu schweigen von den Entwicklungsländern in Afrika, die noch gar nicht ins Gewicht fallen, werden einen unstillbaren Energiehunger haben. Davon partizipiert auch der Ölverbrauch, wie man in dieser Prognose sieht. Der tägliche Bedarf erhöht sich immer weiter bis 2050. Die hier angegeben Zahlen entsprechen einem realen jährlichen Wachstum von ca. 0,35%. Nominal an Umsatz Wachstum könnte es mit Inflation also ca. 2% bis 2,5% bedeuten.

Öl-Aktien Vergleich
Quelle: Statista.com

Allerdings verschiebt sich wie man in dieser weiteren Grafik sieht auch der Energiemix. Während Öl und Kohle prozentual deutlich abnehmen, gewinnen natürlich insbesondere erneuerbare Energien an Aufschwung. Gas partizipiert hier auch vom grünen Gedanken, weil es wesentlich weniger CO2 ausstößt als Öl oder Kohle. Wer hier also viel auf Gas oder am besten auf erneuerbare Energien setzt, der dürfte die 2-2,5% Wachstum noch übertreffen.

Weltweiter Energiemix

Wettbewerber

Wenn man sich diese Grafik vom Handelsblatt anschaut, sieht man sehr schön, welche Unternehmen die größten Player der Branche sind. Insbesondere da hier nach Umsatz sortiert wurde, sieht man sehr schön wie groß die Unternehmen sind und wie viele große Unternehmen es gibt. Da ist die Konkurrenz enorm. Das sieht man auch, wenn man bei sich vor der Haustür schaut wie viele Tankstellen mit ähnlich hohen Spritpreisen vorhanden sind. An dieser Stelle kann ich auch schon mal spoilern, dass alle 5 Unternehmen in diesem zweiteiligen Öl-Aktien Vergleich auch in dieser Übersicht vorhanden sind.

Öl-Aktien Vergleich

Kunden

Die Kunden von Öl- und Gasunternehmen sind zum Teil gewerblich und zum Teil privat. Die Privatkunden sind die Menschen, die an den Tankstellen der jeweiligen Gesellschaft ihr Auto tanken oder ihr Heizöl oder Gas bestellen. Insbesondere, wenn Unternehmen der Branche ihre Fühler aber auch in die Industrie austrecken, werden die Kunden auch gewerblich. Hier werden ebenfalls Energie aber auch chemische Rohstoffe geliefert. So gestaltet sich die Preisverhandlung ganz unterschiedlich, je nachdem in welchem Bereich man sich gerade befindet.

Zulieferer

Hat man einmal eine Reihe von Ölvorkommen erschlossen, seine Raffinerien in Betrieb genommen und zudem noch ein gutes Vertriebsnetz aus gewerblichen Kunden und einem Tankstellennetz, so ist man im laufenden Geschäft relativ unabhängig von weiteren Zulieferern.

Ersatzprodukte

Die meisten großen Ölkonzerne haben sich mit Gasvorkommen bereits ein zweites Standbein aufgebaut. Aus dem Punkt „Attraktivität der Branche“ wissen wir, dass genau dieses Gas eine aktuell beliebte Substitution zu Öl als Energielieferant ist. Daneben bieten auch erneuerbare Energien einen guten und nachhaltigen Ersatz. Da der Energiehunger der Welt aber zu groß für die dankbar angenommen Alternativen ist, steigt der Ölverbrauch aber trotzdem noch leicht.

Markteintrittsbarrieren

Genau wegen der anfänglichen Anstrengungen, die ich beim Punkt „Zulieferer“ genannt habe, hat die Branche einen großen Burggraben. Eigentlich schaffen es regelmäßig nur erdölfördernde Nationen einen Öl- und Gaskonzern auf die Beine zu stellen. Selbst bei TotalEnergies war es ja nach dem ersten Weltkrieg so, dass ein Konglomerat aus Banken und Unternehmen zusammenarbeiten musste, um die anfänglichen Hürden zu stemmen.

Auswertung

In der Branchenanalyse gibt es an dieser Stelle 2,5 Punkte Abzug. Jeweils einen Punkt ziehe ich für den starken Wettbewerb in der Branche und die vielen Ersatzprodukte ab. Daneben gibt es einen halben Punkt weniger für die teils gewerblichen Kunden. Wir landen insgesamt also bei 3,5 von 6 Punkten für die Branche.

Marktstellung

Nachdem wir die Branche jetzt schon mal für alle Aktien im großen Öl-Aktien Vergleich analysiert haben, gehen wir nachfolgend erstmal auf die Marktstellung der ersten beiden Titel ein. Bei jedem Punkt gehe ich wieder erstmal auf BP und dann auf TotalEnergies ein.

Produktentwicklung

Produktentwicklung heißt für mich bei Öl- und Gaskonzernen, dass entweder viel aus dem Rohstoff Öl gemacht wird oder, dass unabhängig davon dauerhaft versucht weitere Standbeine aufzubauen. BP tut das meiner Meinung nach nur bedingt. Zwar ist man neben Öl auch auf Gas spezialisiert, das ist aber in der Branche eher die Regel statt der Ausnahme.

Anders sieht das bei TotalEnergies aus. Dieses Unternehmen hat sich auf die Fahne geschrieben künftig immer grüner zu werden. Diese Diversifikation ist äußerst begrüßenswert, da der Anteil der erneuerbaren Energien am Energiemix doch stark zunimmt. Außerdem macht man einen Teil des Umsatzes auch mit der Herstellung petrochemischer Rohstoffe. Hier stellt man sowohl grundlegende Rohstoffe wie Olefine und Polyolefine als auch schon weiterarbeitete Rohstoffe wie Gummi oder Plastik her.

Möglichkeit einzukaufen

Entsprechend der untergeordneten Rolle der Zulieferer in dieser Branche ist auch dieser Punkt positiv zu werten. Zusätzlich dazu, dass Zulieferern keine besondere Bedeutung zukommt, kann man aber selbst beim Bau neuer Tankstellen oder Raffinieren den Preis aufgrund der eigenen Größe drücken. Beide Unternehmen gehören schließlich zu den größten Ölkonzernen der Welt.

Einflüsse auf das Geschäft

Meiner Meinung nach gibt es zwei große Einflüsse auf das Geschäftsmodell eines Öl- und Gaslieferanten. Zum einen haben wir hier den Klimawandel. Es ist kein Geheimnis, dass international immer mehr auf die Reduktion des CO2-Ausstoßes geachtet wird. Natürlich ist man als Deutscher hier besonders stark in der Denke, dass es überall so ist. Auch, wenn dem nicht so ist, so ist der Trend doch erkennbar. Für ein Geschäftsmodell dessen Kern es ist fossile Brennstoffe zu fördern und zu verkaufen oder wohlmöglich noch selbst Strom daraus zu erzeugen, ist dieser Punkt natürlich extrem hemmend.

Der andere Punkt ist die Wirtschaft. Neben der OPEC (Organisation der erdölproduzierenden Staaten) ist die Wirtschaftsleistung und damit die Energienachfrage ein enormer Faktor für den Ölpreis. Dieser schwankt außerdem stark, da Kontrakte auf Öl an der Börse gehandelt werden können. Schwächelt die Konjunktur also, so sinkt zum einen der Absatz und zum anderen auch stark der Preis. Der Umsatz bricht damit gleich doppelt ein. Zusammen mit Spielchen der OPEC konnte man diesen Effekt auch während der Coronapandemie deutlich beobachten.

Marketing

Ölkonzerne haben in der breiten Bevölkerung seit geraumer Zeit einen wirklich schlechten Ruf. Die Frage ist jetzt, inwieweit das jetzt relevant für das Unternehmen ist. Das ganz saubere Image wird man wohl nie hinbekommen. Wichtiger ist, dass man im Vergleich zu den Konkurrenten glänzt. Dafür wird dann auch mal Greenwashing betrieben. Bei TotalEnergies muss man allerdings sagen, dass dieses Unternehmen scheinbar wirklich den Wandel vollziehen möchte. Nicht nur, dass man hier viel investiert. Mit 13% macht man im zumindest relativ sauberen Bereich schon einiges an Umsatz und kann sich somit im Vergleich zur Konkurrenz auch ein gewisses Marketingbudget sparen. BP hat es im Gegensatz dazu eher besonders schwer, da insbesondere das Unglück von Deepwater Horizon noch bei vielen frisch im Gedächtnis ist.

Wachstumsmöglichkeiten

Aufgrund des weltweit steigenden Energiebedarfs sehe ich die Chancen auf Wachstum sehr positiv. Zudem kann man zumindest bei BP und bei TotalEnergies sagen, dass sie als Weltkonzerne auch regelmäßige neue strategische Investments tätigen. Das befeuert das Wachstum dann noch mehr.

Unternehmensführung

Nun wollen wir uns mal die beiden CEOs der Unternehmen anschauen. Bei BP wird dieser Posten seit 2020 von Bernard Looney ausgefüllt. Er studierte zunächst in Dublin, da er aus Irland kommt. Dort machte er einen Bachelor of Engineering und begann sogleich für BP als Bohringenieur zu arbeiten. Mit dem Kerngeschäft ist er also durchaus vertraut. Als es dann an die Managerposten ging legte er noch einen Master in Management in Stanford drauf. Nach dem Unfall auf Deepwater Horizon war er einer der Ingenieure, die die Fehler untersuchten und für die Zukunft ausbesserten. 2010 stieg er dann in die Geschäftsleitung auf. Er kennt das Geschäft also sehr gut fachlich und konnte nun auch als Manager schon einige Berufserfahrung sammeln. Über verschiedene Organisationen ist er in der Branche gut vernetzt, eigene Aktien konnte ich allerdings nicht ausmachen.

Das Pendant zu Bernard Looney bei TotalEnergies ist Patrick Pouyanné. Er hat einen sehr beeindruckenden Lebenslauf. Nach seinem Studium an zwei französischen Eliteunis begann er seine Karriere zunächst in der Politik. Er war Mitarbeiter im Industrieministerium, im Kabinett und anderen Behörden. 1997 begann er seine Tätigkeit bei TotalEnergies. Er leitete zunächst diverse Tochterunternehmen auf der ganzen Welt. Während er zwischen 2006 und 2011 Manager im Strategiebereich war, leitete er gleichzeitig ein spanisches Unternehmen der Branche. Das finde ich schon sehr beeindruckend. Ab 2012 wurde er Vorstand des Bereichs Refining & Chemicals und wurde nach Tod seines Vorgängers in 2014 schließlich CEO. Er sitzt also schon etwas länger auf dem Chefsessel. Zudem sitzt er auch in vielen Aufsichtsräten, was seine Berufserfahrung abrundet. Nur eigene Aktien kann ich auch hier nicht ermitteln.

Gesetzliche Rahmenbedingungen

Die gesetzlichen Rahmenbedingungen sind für beide Unternehmen in etwa gleich. Die größten Gefahren sind wohl Einschränkungen bei der Förderung von Öl von nationalen Regierungen oder aber auch die gesetzliche Pflicht zur Einschränkung des CO2-Ausstoßes. Letzteres wird weltweit gesehen ja insbesondere durch die EU vorangetrieben. BP und TotalEnergies trifft das stark, auch, wenn BP jetzt nicht mehr in der EU ansässig ist. Insgesamt gibt es hier aber doch in der Tat stärkere gesetzliche Regulierungen und wahrscheinlich werden sich diese in Zukunft auch noch verstärken.

Auswertung

Während ich für TotalEnergies lediglich für die Einflüsse auf das Geschäft und den rechtlichen Rahmen insgesamt zwei Punkte abziehe, sind es bei BP zusätzlich jeweils ein Punkt für die Produktentwicklung und das Marketing. Im direkten Vergleich muss man einfach sagen, dass TotalEnergies hier die Nase in beiden Punkten etwas vorn hat. Somit gibt es insgesamt 5 Punkte für TotalEnergies und 3 Punkte für BP.

Unternehmensbewertung

Nachdem wir uns BP und TotalEnergies jetzt erstmal allgemein angesehen haben, konzentrieren wir uns nun auf die Finanzen der Unternehmen. Diese sind es, wovon wir danach einen fairen Wert ableiten und nach den jeweiligen Sicherheitsabschlägen dann auch genau sagen können auf welchen Titel es einen größeren Abschlag gibt. Deswegen fangen wir jetzt erstmal mit den Finanzkennzahlen im 5-Jahres-Durchschnitt an.

 Öl-Aktien Vergleich Cash Flow
Cash Flow BP, Quelle: Aktienfinder.net
BP und TotalEnergies
Cash Flow TotalEnergies, Quelle: Aktienfinder.net

Finanzkennzahlen 5-Jahres-Durchschnitt

 BPTotalEnergies
Oper. Nettobetriebsvermögen+4,9%+1,1%
Umsatz-0,6%-3,4%
Operativer Gewinnn/a-2,6%
Operative Marge1,7%5,7%
Free Cash Flown/an/a
Operativer Cash Flow-4,4%-5,3%
Eigenkapitalquote34,0%42,8%
Fremdkapitalkosten+18,7%+11,3%
Dividendenwachstum+0,3% (-1,3% je Aktie)+3,4% (+1,3% je Aktie)
Dividendenrendite6,7% (aktuell 4,8%)5,5% (aktuell 6,9%)
Ausschüttung des FCF>100,0%>100,0%
Übergewinnn/an/a
Kurs-Buchwert-Verhältnis1,011,11
 Öl-Aktien Vergleich
Umsatz BP, Quelle: Aktienfinder.net
BP und TotalEnergies
Umsatz TotalEnergies, Quelle: Aktienfinder.net

Erläuterung der Zahlen

An den Zahlen sieht man, was wir in der Analyse bisher schon ausgemacht haben. 2020 war kein einfaches Jahr. Die Nachfrage nach Energie sank aufgrund des Lockdowns enorm und infolgedessen litt auch der Ölpreis. Das machte dem Umsatz doppelt zu schaffen. Am Betriebsvermögen sieht man allerdings auch, dass die Unternehmen durch ihre Investitionen wachsen. Der Knackpunkt bei beiden Unternehmen ist die Refinanzierung. Trotz schlechter Jahre stoppt man weder Investitionen noch streicht man komplett die Dividende. Bezogen auf den Kurs sind diese auch nach Senkung immer noch üppig. Aktuell wird dies auf Pump gemacht. In den letzten Jahren sieht man deswegen sowohl bei BP als auch bei TotalEnergies steigende Zinszahlungen. Diverse Wachstumswerte sind nicht zu berechnen, da die zugrundeliegenden Werte in 2015 und/oder 2020 negativ waren. Auch, wenn ich im direkt Vergleich TotalEnergies etwas vorne sehe, verdient sich hier doch keines der Unternehmen einen Punkt.

Fair Value

Das langfristige Umsatzwachstum entspricht nicht dem historischen Wachstum der letzten Jahre, da 2020 eine Ausnahmesituation war. Ich setze bei beiden Titeln deswegen 1,0% Umsatzwachstum an, was ich langfristig für realistisch halte. Weiter ziehe ich die anderen Werte aus der Finanzanalyse für meine Bewertungsmodelle heran und möchte mein Investment wie immer mit mindestens 10% verzinst haben. Daraus ergeben sich Eigenkapitalkosten von 10% und aufgrund von langfristigen Anleihen konnte ich für BP 3,0% und für TotalEnergies 2,5% Fremdkapitalkosten ausmachen. Die Ergebnisse geglättet mit dem jeweils aktuellen durchschnittlichen Kursziel der Analysten ergeben für BP einen fairen Wert von 4,95€ und für TotalEnergies 49,54€.

Chancen und Risiken

Bevor wir zum Sicherheitsabschlag und damit zum Kauflimit kommen, schauen wir uns jetzt noch mal die Chancen und Risiken der Unternehmen an. Auch, wenn BP hier ein paar Punkte weniger erhalten hat als Total, so sticht auch Total nicht durch herausragende Chancen heraus. Beide Unternehmen generieren ihren Hauptumsatz aus Rohöl und der Produktion sowie dem Vertrieb von Treibstoffen. Öl wird zwar weiterhin gebraucht werden, was man als Vorteil sehen kann, allerdings gibt es dazu vergleichsweise bessere Alternativen, um hierauf sein Geschäft aufzubauen. Zum Glück sind quasi alle großen Konzerne schon auf Gas mit umgestiegen, was in Zukunft starkes Wachstum bei weniger CO2-Ausstoß verspricht. Die größten Chancen hat noch TotalEnergies, da das Unternehmen bereits etwas weiter mit der Umstellung auf erneuerbare Energien ist.

Die großen Risiken für beide Unternehmen sehe ich nämlich in dem Klimawandel und der Abhängigkeit zum wirtschaftlichen Aufschwung. Durch den Klimawandel kann man schon voraussehen, dass die Branche immer stärker reguliert werden wird. Als Zykliker muss man außerdem zusätzlich Cash für schlechte Zeiten horten, um dann nicht gezwungen zu sein unliebsame Geschäftsentscheidungen treffen zu müssen. Hierbei denke ich an den Verkauf von gewinnbringenden Tochterunternehmen und ausbleibenden Investitionen.

Investmententscheidung

So jetzt kommen wir zur Entscheidung. Im Laufe dieses Vergleichs haben wir mehrere Punkte abgezogen. BP ging dabei etwas schlechter aus der Analyse hervor als TotalEnergies. Pro abgezogenen Punkt gibt es wie immer eine Sicherheitsmarge von 5%. Für BP bedeutet das einen Abschlag von 42,5% und für Total 32,5%. So kommen wir auf ein Kauflimit von 2,84€ bei BP und 33,44€ bei TotalEnergies. Bei der Verkaufsschwelle gehen wir analog vor, allerdings starten wir statt beim Fair Value der Aktien bei 150% davon, was ich für mich als maximale Verkaufsschwelle ausgemacht habe. So landen wir bei BP bei 5,32€ und bei TotalEnergies bei 58,21€.

BP Logo Öl-Aktien Vergleich

Die Kurse sind, während ich diese Analyse verfasse, für BP bei 3,88€ und für Total bei 41,01€. Man sieht also schon, dass beide Titel meiner Meinung nach aktuell eher fair bewertet sind und trotz des Kursabschlags während Corona nicht wirklich günstig zu haben sind. Da dies aber ein Duell ist und manche von euch unbedingt in die Branche investieren möchten, wollen wir jetzt noch die Aufschläge zum Kauflimit anschauen. Der Aufschlag liegt für BP mit 36,6% deutlich höher als bei TotalEnergies mit 22,6%.

TotalEnergies Logo Öl-Aktien Vergleich

Fazit

An diesen Beispielen sieht man mal wieder wunderbar, dass auch ein enormer Kursverfall nicht zwingend eine günstige Bewertung mit sich bringt. Eine Reduzierung des Kurses ist manchmal halt auch einfach berechtigt oder der Titel war vorher einfach zu teuer bewertet. Wenn ihr in die Branche Öl und Gas investieren wollt, dann würde ich zumindest von diesen beiden Titeln TotalEnergies auswählen, da dieser Titel meiner Meinung nach bei etwas weniger Risiko sogar einen geringen Aufschlag zum Fair Value aufweist.

Diese Analyse ist jetzt wegen der zwei Unternehmen etwas länger geworden. Lasst mir aber auch gern mal eure Meinung zur Branche und zu den beiden Unternehmen unten in den Kommentaren. Besonders bin ich gespannt, was euch an der Branche reizt, wenn ihr hier investiert seid. Ansonsten lasst doch auch mal Tipps da, welche die anderen 3 Unternehmen im großen Öl-Aktien Vergleich sein werden. Ich bin gespannt, ob ihr sie erratet. Lasst mir gern ein Abo da, um den zweiten Teil dann nicht zu verpassen. Ansonsten bedanke ich mich wie immer fürs Reinschauen und sage bis bald!

Inhalte werden geladen

3 Antworten auf „Der große Öl-Aktien Vergleich Teil 1 – BP und TotalEnergies Aktienanalyse“

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.