Der große Öl-Aktien Vergleich Teil 2 – Royal Dutch Shell und Chevron Aktienanalyse

Hallo und herzlich willkommen auf dem Finanzplaneten! Mein Name ist Kai und heute gibt es den zweiten Teil des großen Öl-Aktien Vergleich für euch. In diesem Vergleich gibt es erstmalig Analysen zu Shell und Chevron. Am Ende werde ich zu beide Teilen des Öl-Aktien Vergleichs noch eine Zusammenfassung zu allen vier analysierten Aktien aus den beiden Teilen ziehen. Zusätzlich kommt als fünfte Aktie noch ExxonMobil hinzu, zu der ich tatsächlich erste Analyse auf dem Finanzplaneten gemacht habe. Falls ihr dort nochmal nachschaut, seht mir nach, dass diese Analyse qualitativ vielleicht noch nicht so ganz den heutigen Analysen entspricht. Wenn du also wissen willst, welche die günstigste und gesündeste Öl-Aktie ist, dann bleib dran. Viel Spaß mit Teil 2 des großen Öl-Aktien Vergleichs!

Grundlagen

Schon aus dem ersten Teil kennen wir das Geschäftsmodell. Wir gehen hier trotzdem nochmal kurz darauf ein. Zudem bleibt es ja auch bei Shell und Chevron spannend, wie sich die Unternehmen entwickelt haben.

Geschäftsmodell

Also das Geschäftsmodell ist ganz grundlegend natürlich auch bei den heutigen Kandidaten wieder die Gewinnung, Raffinierung und der Vertrieb von Erdöl und -gas. Bei Shell bleibt es ganz unspektakulär dabei und auch Chevron macht hier keine großen Experimente. Beide haben Öl- und Gasfelder in ihrem Besitz, raffinieren das Öl- und Erdgas und verkaufen es über ihre Tankstellennetze. Shell betreibt aktuell ca. 46.000 Tankstellen und Chevron liegt Ende 2020 bei 13.600 Tankstellen unter den Marken Chevron, Texaco und Caltex. Beide Unternehmen sind zudem in relativ kleinen Maßstab auch im petrochemischen Bereich tätig und produzieren Kunststoffe und ähnliches.

Historische Eckdaten

Shell gründete sich 1907 aus den bereits bestehenden Unternehmen Royal Dutch Petroleum Company, die bereits ein Ölfeld in Sumatra erschlossen hatte, sowie der Shell Transport and Trading Company, einem englischen Handelsunternehmen, welches große Lagerhallen besaß. Die neue Gesellschaft wurde dann als Doppelgesellschaft geführt und beide ursprünglichen Unternehmen blieben erhalten und hielten als Holding die neuen Aktien. Schon Anfang des 20. Jahrhunderts expandierte man anschließend mit weiteren Ölfeldern. Während man weltweit expandierte und mit Anteilen an Unternehmen handelte gehörte zwischenzeitlich auch Billiton zum Unternehmen, das wir schon aus der BHP Aktienanalyse kennen. 2005 entstand dann auch der heutige Mutterkonzern die Royal Dutch Shell plc mit Sitz in Großbritannien. In 2015 überholte Shell durch eine milliardenschwere Akquisition innerhalb der Branche Chevron und wurde zum zweitgrößten privaten Ölkonzern der Welt. In 2017 verkaufte man dafür wieder einige Assets in der Nordsee, allerdings wesentlich kleinere.

Auch Chevron gründete sich aus mehreren Unternehmen, die zunächst fusionierten und von Standard Oil aufgekauft wurden. Mehr zu Standard Oil erfahrt ihr in der ExxonMobil Aktienanalyse. Standard Oil wurde dann aber vom Kartellamt in den USA zerschlagen und aufgesplittert. Hieraus bildete sich dann zunächst die Standard Oil Co. (California) und dann die Chevron Corp. Aus der Erschließung des größten Ölfeldes der Welt in Saudi-Arabien ging aus einer Tochter die heutige Saudi Aramco hervor, die mittlerweile staatlich ist. Besonders wichtige M&A-Prozesse waren die Fusion mit Gulf Oil in 1984 und Texaco in 2001. Mit diesen wurde bzw. blieb man einer der größten Öl-Konzerne der Welt. In 2020 wurde ein Unternehmen aufgekauft, das daran forscht, CO2 aus der Luft aufzufangen. Das ist aber auch so ziemlich das einzige grüne Investment des Unternehmens.

Produktanalyse

Auch, wenn Shell und Chevron scheinbar weniger vom üblichen Geschäftsmodell abweichen, möchte ich hier jetzt wieder mal genau auf die Produkte eingehen. Insbesondere interessiert uns hier wie diversifiziert die Umsätze sind. Wir untersuchen sie in Hinsicht auf Diversifikation bei den Produkten an sich und wie weit gestreut sie abgesetzt werden.

Geschäftsgebiete

Der Löwenanteil des Geschäfts bei Shell basiert auf Öl. Dabei kommen 4% aus dem Upstream-Geschäft, also der Exploration an den Ölquellen, und 71% aus dem Downstream, was der Raffinerie und dem Vertrieb des geförderten Öls entspricht. Man nutzt das meiste gewonnene Öl also selbst. Weiter werden aus Öl petrochemische Rohstoffe gewonnen, womit allerdings nur 7 weitere Prozent umgesetzt werden. Aus dem Gasunternehmungen des Konzerns kommen ebenfalls nur 18% der Umsatzerlöse.

Shell Aktienanalyse
Quelle: Marketscreener.com

Chevron unterscheidet wesentlich weniger bei den Umsätzen. Das Upstream-Geschäft man hier 28% und das Downstream-Geschäft 72% aus. In beiden Kategorien sind die Tätigkeiten mit Erdgas mit angesiedelt, dürften deswegen aber nicht allzu groß ausfallen. Gleiches gilt für die Herstellung von petrochemischen Rohstoffen.

Chevron Aktienanalyse
Quelle: Marketscreener.com

Absatzmärkte

Da Shell die Umsätze sehr schön nach Regionen unterteilt, kann man hier auch eine schöne Diversifikation erkennen. Während der Großteil des Umsatzes mit 36% aus Asien, Ozeanien und Afrika kommt, kommen weitere 28% aus den USA und 21% aus Europa. Auf den restlichen amerikanischen Kontinenten werden noch 8% eingespielt und im Heimatmarkt Großbritannien nur noch 7%. Hier wieder nicht wegen den Prozenten in der Übersicht von Marketscreener wundern. Bei Shell musste ich doppelte Umsätze wieder aus der Übersicht herausrechnen, da wir ansonsten in Summe bei über 100% gelandet wären.

Shell Aktie Analyse
Quelle: Marketscreener.com

Chevron ist auch hier wieder sparsam mit Infos. Lediglich zwischen den USA als Heimatmarkt und sonstigen internationalen Märkten wird unterschieden. Während man in den USA 39% der Umsätze generiert, kommen die restlichen 61% aus internationalen Märkten.

Chevron Aktie Analyse
Quelle: Marketscreener.com

Auswertung

Bezüglich der Märkte gehe ich bei beiden Unternehmen von einer ausreichenden Diversifikation aus. Da so viele Branchen von Öl in irgendeiner Form partizipieren und die großen Konzerne hier auch alle Nachfragen bedienen sehe ich auch hier ausreichende Diversifikation. Auch, wenn die Aufgliederung bei Shell hier detaillierter ist, dürfte Chevron, dem in nichts nachstehen. Lediglich TotalEnergies sehe ich im Öl-Aktien Vergleich insgesamt weiter etwas vorn. Aber auch hier zwei von zwei Punkten.

Branchenanalyse

Da wir in der letzten Analyse bzw. im ersten Teil des großen Öl-Aktien Vergleich eine sehr ausführliche Branchenanalyse gemacht haben, möchte ich mich an der Stelle darauf berufen. Ich fasse die Punkte hier nochmal zusammen und sage auch wie ich die Branche abschließend bewertet habe. Daneben verweise ich aber jeden auf den ersten Teil des Öl-Aktien Vergleichs, wenn ihr die ausführliche Version der Branchenanalyse inklusive Statistiken und ähnlichen haben wollt.

Erstmal die negativen Punkte. Der Wettbewerb hier ist wirklich stark und nicht selten sind die großen Öl-Konzerne vom Staat gestützt und können auf einen zumindest beinahe monopolisierten Heimatmarkt zurückgreifen. Daneben gibt es zu Öl durch Gas und erneuerbare Energien mehr als genug Alternativen zur Energiegewinnung. Außerdem sind die Kunden zumindest zum Teil gewerblich, was die Preisgestaltung schwieriger macht.

Es gibt aber auch positive Punkte. Trotz der Ersatzprodukte zu Öl und den daraus gewonnenen Treibstoffen, dürfte dieser Bereich aufgrund des unstillbaren Energiedurstes der Welt trotzdem weiterwachsen, auch wenn der prozentuale Anteil am Energiemix schrumpft. Ein kleineres Stück vom größeren Kuchen also. Durch eigene Ölfelder ist man zudem relativ frei von Zulieferern, wenn die Anlagen erstmal stehen und die Markteintrittsbarrieren sind enorm hoch. Öl-Konzerne sind eigentlich immer entweder über sehr langen Zeitraum gewachsen oder von einer anderen ökonomischen Macht, wie einem Staat oder einem Firmenkonglomerat, aus dem Boden gestampft. Insgesamt habe ich für die Branche im ersten Teil des Öl-Aktien Vergleichs 3,5 von 6 möglichen Punkten gegeben.

Marktstellung

Nachdem wir die Branche jetzt nochmals zusammengefasst haben, kümmere ich mich nun um die Marktstellung von Shell und Chevron. Mal schauen, wie sie im Vergleich zu ihren Konkurrenten abschneiden. Auch hier habe ich Punkte, die auf alle Unternehmen gleichermaßen anzuwenden sind, wieder aus dem ersten Teil aufgegriffen. In der Marktstellungsanalyse gibt es naturgemäß aber auch einige Unterschiede, deswegen aufgepasst.

Produktentwicklung

Produktentwicklung heißt für mich bei Öl- und Gaskonzernen, dass entweder viel aus dem Rohstoff Öl gemacht wird oder, dass unabhängig davon dauerhaft versucht weitere Standbeine aufzubauen. Gas sehe ich hier nicht als erwähnenswerten Vorteil, da zumindest in diesem Bereich alle großen Öl-Konzerne tätig sind. Mir geht es hier eher um andere petrochemische Rohstoffe und erneuerbare Energien, um weitere Klimaziele aufzufangen. Da sieht es bei beiden Unternehmen eher mau aus. Im direkten Vergleich sehe ich Shell noch etwas vorn, da man hier wenigstens öffentlich macht wie viel mit dem petrochemischen Bereich eingespielt wird. Aber zufriedenstellend sind auch die 7% bei Shell nicht. Auch konnte man in der letzten Zeit keine größeren Akquisitionen in diesem Bereich ausmachen.

Möglichkeit einzukaufen

Entsprechend der untergeordneten Rolle der Zulieferer in dieser Branche ist auch dieser Punkt positiv zu werten. Zusätzlich dazu, dass Zulieferern keine besondere Bedeutung zukommt, kann man aber selbst beim Bau neuer Tankstellen oder Raffinieren den Preis aufgrund der eigenen Größe drücken. Beide Unternehmen gehören schließlich zu den größten Ölkonzernen der Welt.

Einflüsse auf das Geschäft

Meiner Meinung nach gibt es zwei große Einflüsse auf das Geschäftsmodell eines Öl- und Gaslieferanten. Zum einen haben wir hier den Klimawandel. Es ist kein Geheimnis, dass international immer mehr auf die Reduktion des CO2-Ausstoßes geachtet wird. Natürlich ist man als Deutscher hier besonders stark in der Denke, dass es überall so ist. Auch, wenn dem nicht so ist, so ist der Trend doch erkennbar. Für ein Geschäftsmodell dessen Kern es ist fossile Brennstoffe zu fördern und zu verkaufen oder wohlmöglich noch selbst Strom daraus zu erzeugen, ist dieser Punkt natürlich extrem hemmend.

Der andere Punkt ist die Wirtschaft. Neben der OPEC (Organisation der erdölproduzierenden Staaten) ist die Wirtschaftsleistung und damit die Energienachfrage ein enormer Faktor für den Ölpreis. Dieser schwankt außerdem stark, da Kontrakte auf Öl leicht an der Börse gehandelt werden können. Schwächelt die Konjunktur also, so sinkt zum einen der Absatz und zum anderen auch stark der Preis. Der Umsatz bricht damit gleich doppelt ein. Zusammen mit Spielchen der OPEC konnte man diesen Effekt auch während der Coronapandemie deutlich beobachten.

Marketing

Greenwashing ist hier immer wie eine Bekämpfung der Symptome statt der Ursachen. Natürlich wird man als Nutznießer von fossilen Brennstoffen immer von einem CO2-Ausstoß profitieren. Der passiert nun mal, wenn Menschen die eigenen Produkte kaufen und nutzen. Hier Greenwashing zu betreiben ist einfach unglaubwürdig und verschenktes Marketingbudget. Bei Shell und Chevron geht gerade nur Shell zusammen mit TotalEnergies einen anderen weg. Sie betreiben ein Projekt zusammen mit der EU, um CO2 unter dem Meeresboden zu speichern. Hier schafft man wirklich Glaubwürdigkeit durch solche Investitionen und hier ist meiner Meinung nach das Marketingbudget auch besser aufgehoben und künftig weniger nötig.

Wachstumsmöglichkeiten

Aufgrund des weltweit steigenden Energiebedarfs sehe ich die Chancen auf Wachstum sehr positiv. Zudem kann man zumindest bei Shell und Chevron sagen, dass sie als Weltkonzerne auch regelmäßige neue strategische Investments tätigen. Das befeuert das Wachstum dann noch mehr.

Unternehmensführung

Shell hat bereits seit 2014 den gleichen CEO. Damals bestieg der Niederländer Ben van Beurden den Thron des Konzerns. Er hat einen Master in Chemieingenieurwesen und begann direkt nach dem Abschluss seine Tätigkeit bei Shell. Er war überall auf der Welt für den Konzern tätig und das sowohl im Upstream- als auch dem Downstream-Geschäftsbereich. Seine Berufserfahrung aus dem Konzern konnte er durch Mitgliedschaften in mehreren Industrieräten der Branche vertiefen. Er selbst hält Aktien im Wert von 16,6 Mio. USD von Shell. Da er aber regelmäßig über 10 Mio. € im Jahr verdient ist diese Summe relativ zu sehen.

Öl-Aktien Vergleich Shell

Seit 2018 bekleidet Michael K. Wirth das Amt des CEOs bei Chevron. Wie seine Kollegen von Shell und BP aus der letzten Analyse ist auch er studierter Chemieingenieur. Seinen Abschluss machte er an der University of Colorado. Bereits 1982 ist er ins Unternehmen eingestiegen und durchlief die typische Karriere. Irgendwann stieg er in die Führungsriege auf und besetzte dort mehrere Posten auf der ganzen Welt. Zwar hat er so nicht viel Berufserfahrung außerhalb des Unternehmens gesammelt, allerdings ist er bis heute bei zahlreichen Stiftungen, Instituten und ähnlichen Organisation im Vorstand. Trotz seiner langen Zugehörigkeit zu Chevron hält Wirth selbst nur 3,5 Mio. USD eigene Aktien am Unternehmen. Man merkt an dieser Stelle wie sich die Lebensläufe der CEOs der großen Öl-Konzerne ähneln.

Öl-Aktienvergleich Chevron

Gesetzliche Rahmenbedingungen

Die gesetzlichen Rahmenbedingungen sind für beide Unternehmen in etwa gleich. Die größten Gefahren sind wohl Einschränkungen bei der Förderung von Öl von nationalen Regierungen oder aber auch die gesetzliche Pflicht zur Einschränkung des CO2-Ausstoßes. Letzteres wird weltweit gesehen ja insbesondere durch die EU vorangetrieben. Shell trifft das besonders stark, auch, wenn Shell jetzt nicht mehr in der EU ansässig ist. Insgesamt gibt es hier aber doch in der Tat stärkere gesetzliche Regulierungen und wahrscheinlich werden sich diese in Zukunft auch noch verstärken.

Auswertung

Für beide Unternehmen ziehe ich in der Markstellungsanalyse jeweils für die stagnierende Produktentwicklung, die starken Einflüsse auf das Geschäft und den immer stärker regulierten Markt einen Punkt ab. Bei Marketing trennen sich die Unternehmen aber. Shell bekommt hier von mir den Punkt, da man an ökologisch sinnvollen Projekten mit der EU beteiligt ist. Chevron geht auch hier leer aus. Insgesamt kommen wir so für Shell also auf 4 und bei Chevron auf 3 von 7 möglichen Punkten.

Unternehmensbewertung

Nach dem ersten Teil des Öl-Aktien Vergleichs erwarte ich in der Tat keine allzu positiven Situation bei den Unternehmen, wenn ich mir die Finanzen anschaue. Nichtsdestotrotz kann es ja auch doch mal Ausreißer nach oben oder auch nach unten geben und außerdem muss ich mir die Finanzen und die Wachstumswerte ohnehin für die Bewertungsmodelle anschauen. Auch bei Shell und Chevron also jetzt erstmal die 5-Jahres-Durchschnitte im Vergleich.

Finanzkennzahlen 5-Jahres-Durchschnitt

 ShellChevron
Oper. Nettobetriebsvermögen+3,4%-0,6%
Umsatz-5,7%-5,2%
Operativer Gewinnn/an/a
Operative Marge2,4%1,3%
Free Cash Flow+37,7%n/a
Operativer Cash Flow+2,8%-9,7%
Eigenkapitalquote46,3%58,0%
Fremdkapitalkosten+17,4%+6,8%
Dividendenwachstum-7,6% (-10,6% je Aktie)+3,1% (+3,2% je Aktie)
Dividendenrendite6,4% (aktuell 3,5%)4,4% (aktuell 4,9%)
Ausschüttung des FCF>100,0%>100,0%
Übergewinnn/an/a
Kurs-Buchwert-Verhältnis0,911,21
Cash Flow Shell Öl-Aktien Vergleich
Cash Flow Shell, Quelle: Aktienfinder.net
Cash Flow Chevron Öl-Aktien Vergleich
Cash Flow Chevron, Quelle: Aktienfinder.net

Erläuterung der Zahlen

Auch bei Shell und Chevron hat das Corona-Jahr 2020 voll reingehauen. Der Umsatz nahm drastisch ab und auch das EBIT war in 2020 negativ, sodass hier kein Wachstumswert zu ermitteln ist. Die Marge ist im Durchschnitt bei beiden sehr gering, da es einfach sehr gute und dann auch sehr schwache Jahre gibt. Auch der Anfang des Betrachtungszeitraum war mit 2015 ein schwaches Jahr. Chevron hatte hier negativen Cash Flow, Shell war gerade so positiv, weswegen auch nur bei Shell ein Wert ermittelt werden konnte. Die Eigenkapitalausstattung ist bei beiden Unternehmen stark. Chevron hat hier etwas mehr Eigenkapital, deswegen stiegen wohl auch die Zinsen nicht so stark wie bei Shell.

Umsatz Shell Öl-Aktien Vergleich
Umsatz Shell, Quelle: Aktienfinder.net
Umsatz Chevron Öl-Aktien Vergleich
Umsatz Chevron, Quelle: Aktienfinder.net

Bei der Dividende, die für viele ausschlaggebend ist, muss man sagen, dass sich sowohl Shell als auch Chevron auf die letzten 5 Jahre gesehen die Dividende nicht leisten konnte. Deswegen ist es eigentlich egal wie hoch die Dividendenrendite jetzt ist, sicher ist sie ohnehin bei beiden nicht. Da finde ich es eigentlich noch eher gut, dass Shell die Dividende in der Krise nun gesenkt hat. Das KBV ist bei Shell noch etwas niedriger und fiel sogar unter 1, allerdings sind beide Unternehmen laut diesem Wert recht günstig bewertet. Für das finanzielle Gesamtbild hat sich aber nichtsdestotrotz keines der Unternehmen einen Punkt verdient.

Fair Value

Fairer Weise setze ich auch bei Shell und Chevron wieder ein langfristiges Wachstum von 1% an. Die Unternehmen nehmen sich gegenseitig einfach nicht so viel, dass man hier große Unterschiede machen kann. Als Eigenkapitalkosten setze ich aufgrund meiner eigenen Renditewünsche wieder mal 10% an und die Fremdkapitalkosten habe ich wieder aufgrund langfristiger Anleihen bestimmt. Für Shell kamen dabei Fremdkapitalkosten von 3,5% raus und für Chevron liegen wir bei 2,5%. Wenn ich alle Wachstumswerte und die zugrunde liegenden Zahlen in mein Discounted Cash Flow- und mein Übergewinnmodell einpflege und das Ergebnis mit dem durchschnittlichen Kursziel der Analysten glätte, komme ich auf einen Fair Value von 32,55€ für Shell und 74,02€ für Chevron.

Chancen und Risiken

Auch hier sehe ich eigentlich ein ziemlich analoges Chancen-Risiko-Profil zum ersten Teil. Während die Chancen eigentlich nur sind, dass Erdöl und vor allem auch Gas durch den steigenden Energiebedarf ebenfalls steigende Nachfrage erwarten dürfen, sehe ich ansonsten eher nur Chancen, wenn die Unternehmen anfangen ihr Geschäftsmodell deutlich zu diversifizieren. Von allen vier Unternehmen im großen Öl-Aktien Vergleich hat das aber eigentlich nur TotalEnergies gemacht. Auf Platz 2 sehe ich noch Shell, da man wenigstens ökologische Projekte angeht.

Ansonsten ist das Geschäftsmodell langfristig bzw. sehr langfristig natürlich auf dem absteigenden Ast. Ein größeres Problem für die Unternehmen als versiegen Quellen an fossilen Rohstoffen ist wohl eher der aktuelle Zeitgeist, der mehrere Probleme mit sich bringt. Zum einen stellen die, die es sich leisten können, bereits heute absichtlich auf einen grünen Energiemix um und zum anderen reagieren die Staaten mit strengeren Vorschriften und Gesetzen auf den Klimawandel. On Top kommt als Energielieferant wie bereits erwähnt die Abhängigkeit von der Konjunktur und dem Ölpreis. Man sieht deutlich an den Umsätzen wie stark diese auf wirtschaftliche Entwicklungen reagieren.

Investmententscheidung

Auch im zweiten Teil des großen Öl-Aktien Vergleichs sind wieder einige Punkte nicht vergeben worden. Um jetzt auf ein Kauflimit zu kommen habe ich jeden nicht vergebenen Punkt in 5% Sicherheitsmarge umgerechnet. Diese Margin of Safety ziehe ich nun zum einen vom Fair Value ab, um auf ein Kauflimit zu kommen. Bei Shell beträgt die Sicherheitsmarge 37,5% und das Kauflimit somit 20,34€. Für Chevron liegen wir nach gleichem Vorgehen bei 42,5% und 42,56€. Um auf eine Verkaufsschwelle zu kommen gehe ich statt vom fairen Wert von einer für mich ausgemachten maximalen Verkaufsschwelle von 150% aus, sodass wir so bei Shell auf 36,61€ und bei Chevron auf 79,57€ kommen. Eingangs hatte ich aber ja versprochen, dass ich auch ExxonMobil nochmal mit in die Bewertung aufnehme. ExxonMobil war die erste Analyse auf dem Finanzplaneten, weshalb ich die Analyse nochmal anpassen musste, aber heraus kam nach aktualisierter Vorgehensweise ein Kauflimit von 25,29€ und eine Verkaufsschwelle von 47,28€. Wer hier die genauere Infos möchte, kann sich gern die ursprüngliche ExxonMobil Aktienanalyse anschauen.

Der aktuelle Kurs von Shell liegt bei 16,68€ und der Kurs von Chevron liegt während der Erstellung des Öl-Aktien Vergleichs bei 88,65€. Das bedeutet das wir nach meiner Bewertung im zweiten Teil des Öl-Aktien Vergleichs wieder ein deutliches Ergebnis haben. Während man meiner Meinung nach bei Chevron aktuell mit einem Aufschlag von 39,5% sehr teurer einsteigt, so ist eine Shell Aktie mit einem Abschlag von 18,0% aktuell recht günstig. Der Kurs für eine ExxonMobil Aktie ist mit 51,70€ allerdings aktuell sogar doppelt so hoch wie es das Kauflimit meiner Meinung nach sein sollte.

 BPTotalEnergiesShellChevronExxonMobil
Fair Value4,95€49,54€32,55€74,02€43,99€
Sicherheits-marge42,5%32,5%37,5%42,5%42,5%
Kauflimit2,84€33,44€20,34€42,56€36,61€
Verkaufs-schwelle5,32€58,21€36,61€79,57€47,28€
Rabatt oder (Aufpreis)(36,6%)(22,6%)18,0%(110,64%)(104,4%)
Platz32154
Zusammenfassung Öl-Aktien Vergleich

Fazit

Das war also nach dem großen Tabak-Aktien Vergleich der nächste Vergleich dieser Art. Im Vergleich zu den Tabak-Aktien befinden sich die Öl-Aktien gerade erst am Anfang des langfristigen Wandels. In der aktuellen Krise zeigt sich meiner Meinung nach, dass insbesondere Shell günstig zu haben ist. Da das einzige worin sich die Unternehmen in der Pandemie richtig stark unterscheiden die Dividende ist, denke ich, dass die Kürzung der Dividenden bei Shell genau auch der Grund für den starken Kursverlust und die meiner Meinung nach starken Überbewertung bei den Konkurrenten ist. Durch die Dividendenkürzung, die unter finanziellen Gesichtspunkten absolut überfällig war, ist Shell bei natürlich bei vielen Dividendeninvestoren aus dem Depot geflogen, die sie genau wegen ihrer hohen Dividendenrendite gekauft hatten. Das gleiche Spiel hatten wir ja auch bei Imperial Brands. Zusätzlich ist Shell wahrscheinlich auch bei vielen Dividenden-ETFs rausgeflogen, die gewisse Kontinuität bei der Dividende fordern. Das hat den Kurs dann nochmal stärker gedrückt.

Shell Logo

Mir hat es auf jeden Fall Spaß gemacht die Öl-Aktien zu vergleichen. Ich finde es gut jetzt auch eine fundierte Meinung zu der Branche zu haben, da sie ja doch recht populär ist. Wenn ich meine Meinung zu den Unternehmen zusammenfassen müsste, dann wäre es wohl, dass ich mich geschäftspolitisch mit TotalEnergies wohl am wohlsten fühlen würde, wobei Shell meiner Meinung nach die einzige wirklich günstige Aktie aufgrund der diskontierten Ertragskraft ist. Aber ich bin mir sicher bei diesen populären Aktien haben einige von euch auch ihre Lieblinge. Lasst mir in den Kommentaren doch gern mal eure Meinung zur besten Öl-Aktie und was ihr an ihr besonders schätzt. Ansonsten schreibt mir auch gern Ideen für weitere Vergleiche, die hier ins Bild passen. Welche Branchen sind aufgrund Produkte relativ homogen und könnten deswegen interessant sein für einen solchen Aktienvergleich. Daneben freue ich mich natürlich über jedes neue Abo und jeden Daumen nach oben. Ansonsten bedanke ich mich wie immer fürs Reinschauen und sage bis bald!

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