Jobwechsel während der Krise – Meine Kündigung und mein neuer Job

In diesem Beitrag erzähle ich dir was mein alter Job war, welche Gedanken mich dazu bewegten in der Coronakrise zu kündigen, was ich im neuen Job mache und was das für den Blog und YouTube-Kanal bedeutet. Viel Spaß beim Lesen! Ich hoffe du kannst hier etwas für dich mitnehmen, falls du in einer ähnlichen Situation steckst, wie ich vor ein paar Monaten.

Vorab

Vorab möchte ich sagen, dass dies ein relativ privater Post ist. Ich hoffe der interessierte Leser würdigt diesen privaten Einblick als solchen. Ich stehe natürlich hinter meiner Entscheidung, bin mir allerdings bewusst, dass nicht jeder so gehandelt hätte und habe beim Arbeitgeber auch mitbekommen, dass es dort seit Jahren Mitarbeiter nicht so gehandhabt haben, obwohl sie unglücklich im Job waren. Da ich außerdem nicht auf alten Arbeitgebern rumhacken oder mit diesen abrechnen möchte, werde ich im Beitrag natürlich auch nicht bzgl. des Arbeitgebers ins Details gehen.

Mein alter Job

Da wahrscheinlich nicht jeder auf der „Über mich“-Seite war, möchte ich zuerst kurz meinen Werdegang erläutern. Nach meiner Ausbildung zum Bankkaufmann, habe ich bei meinem Ausbilder weiter gearbeitet. Ich habe auf Teilzeit reduziert und so die Möglichkeit gehabt ein Vollzeit Studium zu absolvieren. Während des Studiums habe ich dort in der Kreditsachbearbeitung gearbeitet, da sich diese Tätigkeit Flexibilität in der Arbeitszeit brachte. So konnte ich auch wechselnden Vorlesungszeiten einfach arbeiten. Nach dem Studium wechselte ich meinen Beruf und habe in einer kleinen, mittelständischen Wirtschaftsprüfung als Prüfungsassistent gearbeitet. Dort habe ich ziemlich generalistisch Unternehmen im sozialen Bereich geprüft.

Gründe für die Kündigung

Wie der Titel und die Einleitung schon verrät, arbeite ich nun nicht mehr in der oben genannten Wirtschaftsprüfung. Dies hat mehrere Gründe. In Summe waren diese nicht mehr tragbar und führten dazu, dass ich Wochenenden nicht genießen konnte, da es mir vor dem Montag graute. Im Büro war ich dann auch schlecht gelaunt und brachte diese Laune auch mit nach Hause, wo ich dann sehr abwesend war, wie mir berichtet wurde.

Fahrzeit

Der erste Grund war die Fahrzeit. Ich habe knapp 50 Kilometer entfernt gearbeitet. Zusätzlich lag das Büro in der Innenstadt. Dies führte dazu, dass ich zwischen 50 und 65 Minuten zur Arbeit gebraucht habe. Ich war zwar relativ häufig in der Prüfungssaison beim Mandanten, allerdings muss ansonsten beim Arbeitgeber schon alles passen, damit man diese Strecke regelmäßig auf sich nimmt. Und das war hier nicht der Fall.

Umgang mit Corona

Corona ist eine schrecklicke Sache. Eine der wenigen positiven Eigenschaften der Pandemie ist, dass die Digitalisierung nun auch in Deutschland Einzug gehalten hat. Die Abstandsregelungen führten bei allen Arbeitgebern, bei denen es die Tätigkeit erlaubte Home Office ein. Sagte ich bei allen? Nein. Obwohl ich in einer Wirtschaftsprüfung gearbeitet hatte und prädestiniert dafür war außerhalb des Büros zu arbeiten, musste ich jeden Tag ins Büro fahren und dort in einem Vierer-Büro sitzen. Es gab keine Maskenpflicht, keine Äußerung der Geschäftsführung zur aktuellen Situation und anfänglich war teilweise die Seife leer. Das allein fand ich schon bedenklich, allerdings gerade im Vergleich zu Freunden in anderen Unternehmen, teilweise auch Wirtschaftsprüfungen, habe ich gesehen was möglich gewesen wäre. Auch beinahe jegliche Maßnahmen wurde hier verzichtet. Der Grund für das fehlende Home Office ist aber ein separates Problem und mein nächster Punkt auf der Liste der Kündigungsgründe.

Neuer Job
Manchmal wird es Zeit für einen Jobwechsel!

Fehlendes Vertrauen und Wertschätzung

Dass das Home Office bei meinem alten Arbeitgeber ausblieb, ist nicht ganz richtig. Ich war im Home Office, nachdem es angeboten wurde. Eine Woche. Und zu meiner Verwunderung stellte ich bereits am ersten Tag fest, dass ich wohl der einzige aus meinem Team im Home Office war. Der Grund stellte sich bald heraus. Bereits am ersten Tag im Home Office riefen die Chefs an und fragten „was ich eigentlich den ganzen Tag mache“. Dieses Spiel ging die Woche dann so weiter, bis einer der Geschäftsführer Freitag verkündete, ich solle Montag darauf wieder ins Büro kommen, da ja niemand wüsste was ich zu Hause treibe. Unnötig an dieser Stelle zu erwähnen, dass man in der Wirtschaftsprüfung Stundenzettel führt, um die Tätigkeiten Mandanten zuordnen zu können. Naja. Sei es drum. Montag im Büro erzählten mir die Dienstälteren, dass genau diese Kontrolle und das grundlose Misstrauen der Grund war, warum ich als einziger das Home Office-Angebot angenommen habe.

Im Grunde war hier das Verhältnis zu dem Hauptgeschäftsführer von meiner Seite aus schon enorm gestört. Hinzu kamen Hasstiraden als Lehrgespräche, Sätze wie „Wenn der Mitarbeiter nicht will, dann muss man ihn halt mal treten“ und der noch schlimmere Umgang mit anderen Kollegen nach Gutherrenart, führten dazu, dass ich mich sehr unwohl dort gefühlt habe und alles andere als gern ins Büro fuhr (während Home Office jeden Tag möglich gewesen wäre).

Wüster Umgang mit den Mitarbeitern

Rückblickend denke ich, dass gerade die Geringschätzung der Mitarbeiter aus der Führungsebene und der teils sehr wüste Umgang mit ihnen entfremdete mich am meisten. Ich selbst lerne gerne Menschen an und mir wird nachgesagt, dass ich hier eine Engelsgeduld habe. Deswegen bin ich von Natur aus schon anders gepolt. Da ich zu der Zeit allerdings auch noch Bücher über den Umgang mit Menschen („Wie man Freunde gewinnt“ von Dale Carnegie) und insbesondere über den Umgang mit Mitarbeitern („The Big Five for Life“ von John Strelecky) gelesen habe, habe ich sehr deutlich gemerkt, dass hier etwas schief läuft. Gerade auch bei langjährigeren Mitarbeitern konnte man sehen, dass sich über die Zeit auch nichts an der Situation ändert, weswegen auch „durchhalten“ nichts brachte.

Mein Entschluss stand fest

Das Ende vom Lied war meine oben erwähnte Schweigsamkeit im Privatleben und, dass mich der Job sehr belastete. Mittlerweile war ich soweit, dass ich mir dachte alles andere sei besser als dort jeden Tag im Büro zu sitzen. Ich wusste einfach keinen Grund mehr, warum ich weiter dort arbeiten sollte. Ich mochte den Chef nicht, die Räumlichkeiten waren sehr alt, der Arbeitsweg war unendlich lang und fachlich fand ich den sozialen Bereich eher uninteressant. Deswegen entschloss ich mich für den Lebenslauf noch bis Ende 2020 dort zu arbeiten und mich dann wegzubewerben. Ich wollte noch ein wenig durchhalten, da einerseits Corona wütete und andererseits eine neue Stelle leichter in Aussicht stünde, wenn ich 2 Jahre Berufserfahrung in der Branche mitnehmen könnte.

Der Sprung ins Ungewisse

Doch dann kam es anders. Nach einem weiteren Vormittag im Büro des Chefs und sehr „angeregten“ Gesprächen dort, war ich komplett entnervt. Ich fühlte mich von der Arbeit her nicht überfordert, diese machte sogar bis zum Schluss großen Spaß, allerdings war ich menschlich komplett überfordert. Ich passte meiner Meinung nach menschlich einfach nicht ins Unternehmen bzw. zur Menschenführung in diesem Unternehmen. So schrieb ich meiner Partnerin eine Nachricht, mit welcher ich natürlich schon öfter über die Thematik gesprochen hatte und sagte, dass ich statt am Ende des Jahres am liebsten jetzt schon kündigen würde. Das war eigentlich nur so dahingesagt aber ihre Antwort war „Willst du meine ehrliche Meinung hören? Mach das!“. Dafür könnte ich sie seitdem jeden Tag knutschen. Gesagt, getan. Ich machte sofort die Kündigung fertig und kündigte. Ab da ging es mir trotz 3 Monaten Frist schon deutlich besser, da ein Ende in Sicht war.

Den schlimmsten Fall ausgemalt

Auch, wenn es mir ab jetzt deutlich leichter fiel noch zur Arbeit zu fahren, hatte ich nun natürlich die drohende Arbeitslosigkeit vor der Brust. Teilweise belastete mich der Gedanke sehr. Deswegen habe ich probiert mit meiner Partnerin sachlich zu überlegen, was denn der schlimmste Fall ist, der eintreten könnte.

Ich hatte nun 3 Monate Zeit mir einen neuen Job zu suchen. Klar, es ist Corona und Menschen haben Angst um ihre Arbeitsstelle und ich kündige und suche eine neue. Allerdings sind 3 Monate auch eine lange Zeit. Im besten Fall würde ich hier schon fündig werden. Falls nicht wäre ich dann arbeitslos. Und hier machte sich die private Finanzplanung bezahlt. Wenn man selber kündigt, so ist man 3 Monate für das Arbeitslosengeld 1 gesperrt. Sprich 3 Monate kommt kein Geld von meiner Seite in die Haushaltskasse. In Onlinerechnern sah ich, dass danach das ALG I reichen würde, um alle Kosten zu decken. In den 3 Monaten mit nur einem Einkommen würden wir 1.000€ Defizit je Monat haben. Im aller, aller schlimmsten Fall (außer ich würde nach 12 Monaten in Hartz IV rutschen, was wir aber sehr unrealistisch fanden) würden wir also 3.000€ minus machen. Das nahm mir die Angst. Es ist einfach toll, was ein gutes, privates Kostenmanagement und ein Notgroschen bewirken können. Diese brachten mir soviel Freiheit diesen großen Schritt ohne Existenzängste gehen zu können. Spätestens ab dort könnte ich einfach jeden Tag ein Loblied auf das F*ck You-Money singen.

Wo sich eine Tür schließt, öffnet sich eine andere

Wie so oft im Leben stellt sich erst im Nachhinein heraus, ob es eine gute Entscheidung war oder nicht. In diesem Fall muss ich sagen, dass ich alles goldrichtig gemacht habe. Rückblickend war das schlimmste Szenario nicht gewesen 3 Monate arbeitslos zu sein, sondern in einem Job der mir nicht nur keinen Spaß macht, sondern mich so sehr runterzieht, dass mein Privatleben leidet, zu versauern. In einem Angestelltenverhältnis verbringt man jeden Tag ca. 8 Stunden und das teilweise für Jahrzehnte. Diese Zeit mit einem unattraktiven Job zu vergeuden, das wäre die wirkliche Tragödie gewesen.

Man kann es bereits herauslesen, ich bin fündig geworden. Trotz eines Lebenslauf der etwas anderen Art bzw. genau deswegen konnte ich einen neuen Job finden. Und der Witz ist, dass ich das Stelleninserat wohl nicht gefunden hätte, wenn ich nicht so abrupt gekündigt hätte.

Aber nicht automatisch…

Fairerweise muss ich dazu sagen, dass das alles sehr romantisch klingt. Natürlich habe ich anschließend einen neuen Job gefunden, allerdings habe ich seit der Kündigung, auch jede Woche ca. 5-10 Bewerbungen geschrieben. Ohne Fleiß kommt man auch an dieser Front nicht weiter. Deswegen muss ich sagen, wenn du als Leser in der gleichen Situation bist, dann ist es wahrscheinlich auch das beste zu kündigen. Allerdings muss ich auch sagen, dass man sich darüber bewusst sein muss, dass einiges an Arbeit auf einen wartet.

Mein neuer Job

Zum Schluss möchte ich jetzt auch noch vorfreudig erzählen, was meine künftige Tätigkeit sein wird. Und zwar wechsle ich in eine Wirtschaftsprüfung der Big Four. Das sind die großen vier Wirtschaftsprüfungen in Deutschland. Hier werde ich für eine dieser Kanzleien in einem Kompetenzzentrum tätig sein. In diesem werden zentralisiert für alle Prüfungsteams der Bank-Mandate, komplizierte und fachspezifische Sachverhalte geprüft. Genau gesagt, werde ich künftig die Kreditanalysen von Banken prüfen. Das gefällt mir deutlich besser als der soziale Bereich beim alten Arbeitgeber. Privat mache ich hier auf dem Blog oder bei YouTube auch Aktienanalysen und prüfe dort dann die Richtigkeit der Bilanzanalysen von Kreditnehmern durch die Kreditanalysten. Zusätzlich lerne ich auch Sicherheiten wie Immobilien zu bewerten, was mir auch sehr entgegenkommt, da meine Partnerin und ich ebenfalls bald Immobilien als Kapitalanlage erwerben wollen. Es passt also einfach alles wie die Faust aufs Auge. Und zur Krönung wirkten alle aus dem künftigen Team sehr nett. Was mich dann noch schockiert hat war, dass ich im Telefonat, in dem ich die Zusage erhalten habe, mehr Lob für mein Fachwissen bekommen habe, als in 1,5 Jahren von meinem ehemaligen Arbeitgeber.

Was ich für den Blog und den YT-Kanal dabei lerne

Ich denke man kann mit absoluter Sicherheit sagen, dass ich durch die neue Tätigkeit zumidnest nicht dümmer werde. Im Gegenteil. Ich denke, dass ich betriebswirtschaftliche Zusammenhänge noch besser verstehen werde. Ungesunde Unternehmen als ungewisse Kreditforderungen zu identifizieren wird künftig ja mein Arbeitsalltag sein. Insofern bin ich sicher, dass auch meine Aktienanalysen hier an Qualität gewinnen werden. Also freut euch auch künftig auf qualitativ hochwertige Aktienanalysen.

Nicht angestellt aber nicht arbeitslos

Die Kehrseite der Medaille ist, dass ich es ganz knapp nicht geschafft habe direkt zum Auslauf des alten Vertrags den neuen Arbeitsvertrag abzuschließen, sodass ich im September ohne Festanstellung bin. Wie immer geht es aber in solchen Fällen darum aus der Not eine Tugend zu machen. Ich bin zwar nicht angestellt, allerdings habe ich ja bereits im Sommer 2019 nebenberuflich gegründet und bin seitdem im T-Shirt-Business was eher schleppend lief. Hier kann ich nun Vollzeit meine Energie reinstecken und auch der Blog und YouTube hat bereits von meiner zusätzlichen Zeit finanziert. Ich probiere diesen Monat noch möglichst weit Sonderprojekte abzuschließen, zu denen ich während einer Festanstellung nie gekommen wäre. So kann ich dann, wenn ich im neuen Job bin die wöchentlich Schlagzahl an Beiträgen und Videos so hoch halten wie aktuell.

Mein Fazit im Nachhinein

Mein Fazit habe ich teilweise schon vorweggenommen. Die Kündigung war rückblickend einfach die beste Entscheidung in meiner Situation. Ich habe einen Job, der mich menschlich ausgelaugt hat, gegen einen getauscht, auf den ich mich jetzt schon freue und der mich fachlich und persönlich weiterbringen wird getauscht. Viele Menschen wären wohl in meiner Situation verharrt, gerade in einer Krisenzeit. Ich denke allerdings, dass man manchmal etwas Gutes aufgeben muss, um etwas Wundervolles zu erreichen. Außerdem denke ich, dass es nicht nur in der Geldanlage sondern auch im täglichen Leben eine Risikoprämie gibt. Manchmal muss man nur etwas mehr Mut zum Glück haben, wie es im gleichnamigen Podcast vom Finanzrocker heißt. Finanziell kann ich diesen Monat sehr gut überbrücken und man kann das Geld später durch Mehrverdienst wieder reinholen. Weitere Monate in einem Job, der mich unglücklich macht, wären allerdings unwiederbringlich verloren. Um selbst solche Schritte, wie meinen in diesem Beitrag, relativ leichtfüßig zu gehen, kann ich dir nur empfehlen dich auf diesem Blog, meinem YouTube-Kanal oder sonst wo in der Finanzcommunity umzuschauen, deine Finanzen zu regeln und anzufangen zu investieren. Es bringt doch jeder Euro etwas mehr Freiheit, auch ohne bereits finanziell frei zu sein. Ohne meine persönliche Finanzplanung, hätte ich mich diesen Schritt nicht zu gewagt.

In diesem Sinne bis bald, euer Kai

2 Antworten auf „Jobwechsel während der Krise – Meine Kündigung und mein neuer Job“

    1. Hallo Nico,
      vielen Dank für das nette Feedback 🙂
      Ich kann echt nur dazu raten seine Finanzen zu strukturieren, damit solche Schritte etwas leichter fallen.
      Sonst hätte ich vielleicht auch wie viele andere in einem ungeliebten Job festgesteckt.

      LG Kai

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