Linde Aktienanalyse – Diese Aktie gibt Vollgas

Hallo und herzlich willkommen auf dem Finanzplaneten! Mein Name ist Kai und heute betrachten wir ein deutsches Traditionsunternehmen und gehen trotzdem auf den aktuellen Wasserstofftrend ein. Linde ist mittlerweile das wertvollste Unternehmen im DAX. Hier konnte man zuletzt SAP als wertvollstes deutsches Unternehmen ablösen. Ob die Wertsteigerung bei Linde aber nachhaltig ist oder die Linde Aktie auf der Welle von Wasserstoff unberechtigter Weise mitschwimmt, klären wir jetzt. Viel Spaß mit der Linde Aktienanalyse!

Grundlagen

Zuerst schauen wir uns mal das Geschäftsmodell an und werfen einen Blick zurück auf die Geschichte von Linde. Beide Bereiche sind wichtig, um zu verstehen wie Linde zu dem wurde, das es heute ist, und wo der Weg vielleicht noch hingeht.

Geschäftsmodell

Linde ist ein Hersteller von Industriegasen für verschiedenste Einsatzbereiche. Anwendungen für die verschiedenen Gase finden sich zum Beispiel in der Medizin bspw. bei Beatmungen oder in der Lebensmittelindustrie, wenn Lebensmittel gekühlt oder unverderblich verpackt werden müssen.

Historische Eckdaten

Linde ist mal wieder ein richtig uraltes deutsches Unternehmen. Bereits 1871 entwickelte der Gründer Carl von Linde eine Idee für eine Kältemaschine, die 1873 patentiert wurde. Erstmals eingesetzt wurde sie in einer Brauerei, typisch deutsch eben. Mit mehreren Geldgebern wurde 1879 dann die Linde’s Eismaschinen AG gegründet. Carl von Linde wechselte von seiner Professorenstelle anschließend in den Vorstand des Unternehmens. Weiteren Erfolg feierte er nach seiner Kältemaschine mit der Sauerstoffmaschine, die fast reinen Sauerstoff produzierte. 1907 expandierte man auch schon in die USA und bis 1920 wurden die Gase der wichtigste Umsatztreiber des Unternehmens. Während der NS-Zeit profitierte das Unternehmen stark von der Rüstungsindustrie und auch danach in der Zeit des Wirtschaftswunders ging die Expansion weiter. Bis Ende des 20. Jahrhunderts gründete man weitere Länderniederlassungen und neue Sparten, insbesondere im Motorenbereich.

Auch im 21. Jahrhundert wurde Linde immer größer. Anfang der 2000er Jahre wurde ein Patent zur medizinischen Behandlung mit Stickstoffmonoxid erworben. 2003 übernahm Wolfgang Reitzle, der auch immer noch im Aufsichtsrat sitzt, den CEO-Posten. Kurz darauf wurde Linde Kältetechnik verkauft. 2006 kaufte Linde das britische Gasunternehmen BOC für 12 Mrd. Euro. 2016 bis 2018 wurde von Linde das weltweit erste Carsharing für Wasserstoffautos betrieben. 2018 fusionierte die Linde AG mit der ähnlich großen Praxair aus den Vereinigten Staaten. Die neue Holding Linde plc hat ihren Sitz seitdem in Irland.

Produktanalyse

Nachdem wir jetzt gesehen haben wie Linde über die Jahre immer größer geworden ist, ist nun noch interessant mit welchen Geschäftsbereichen Linde heute wie viel Umsatz generiert. Nach der Fusion aus 2018 ist außerdem auch die regionale Verteilung der Umsätze spannend.

Geschäftsgebiete

Leider unterscheidet Linde hier in der Aufstellung der Umsatzerlöse nur zwischen den Industriegasen und Engineering. Innerhalb der Gase, die 83% der Umsatzerlöse ausmachen, erfolgt keine offizielle Aufstellung. Allerdings werden unterschiedlichste Gase hergestellt. Neben den eingangs genannten Anwendungsbeispielen in der Medizin und Lebensmittelindustrie, sind weitere Bereiche die Stahlherstellung, die Halbleiterindustrie oder sogar der Umweltschutz, wo es um die Anreicherung von Gewässern mit Sauerstoff geht. Das Segment Engineering zielt auf Dienstleistungen rund um den Anlagenbau ab.

Linde Aktienanalyse
Quelle: Marketscreener.com

Absatzmärkte

Linde ist global tätig. Der größte Anteil der Umsatzerlöse kommt aber wie bei so vielen westlichen Unternehmen mit 31% aus den USA. 14% werden noch im Heimatmarkt Deutschland eingespielt und 9% im gesamten Asien-Pazifik-Raum. China macht schon nur noch 8% aus und danach wird es immer kleinteiliger. Bei insgesamt 17% wird sogar gar keine Aufteilung mehr gemacht. Diese werden dann unter Global zusammengefasst.

Linde Aktie Analyse
Quelle: Marketscreener.com

Auswertung

Auch, wenn der Bereich Industriegase für fast die gesamten Umsatzerlöse verantwortlich ist, so findet man innerhalb dieses Bereichs dennoch eine große Diversifikation vor. Es handelt sich hierbei nämlich um verschiedenste Gase, die zudem in unterschiedlichsten Branchen verwendet werden. Daneben verkauft Linde seine Produkte auf der ganzen Welt. Insgesamt gibt es also zwei von zwei Punkten in der Produktanalyse.

Branchenanalyse

Nun betrachten wir als nächstes wie immer die Branche, in der sich Linde befindet. Hier gehen wir insbesondere darauf ein welches Wachstum der Branche bescheinigt wird und wie frei Unternehmen hier bei der Preissetzung sind.

Attraktivität der Branche

Nach meinen Recherchen soll der Markt für Industriegase von 2021 bis 2028 um 6% jährlich wachsen. Teilweise gehen die Studien auch von über 7% aus. Das Wachstum wird dabei insbesondere durch die immer stärker werdende Industrialisierung in den Entwicklungsländern vorangetrieben. Auf der nachfolgenden Grafik seht ihr auch optisch schön die Verteilung des Marktes auf die verschiedenen Gase. Besonders begehrt sind demnach Sauerstoff, Stickstoff und Wasserstoff. Man sieht aber auch, dass anders als in der öffentlichen Wahrnehmung, Wasserstoff nicht die größte Rolle spielt.

Branchenwachstum Industriegase
Quelle: gradviewresearch.com

Wettbewerber

Insbesondere nach der Fusion in 2018 ist Linde zum Weltmarktführer aufgestiegen. Große Konkurrenten sind insbesondere Air Products, Air Liquide und Taiyo Nippon Sanso. Der Markt ist weniger fragmentiert als andere Märkte. Die meisten Marktteilnehmer sind ausgereifte große Unternehmen. Insbesondere bei Herstellern von mehreren Gasen lichtet sich das Feld.

Kunden

Die Kunden der Unternehmen sind auf jeden Fall gewerblich. Meist sind es andere große Industrieunternehmen, die die Gase für die Herstellung ihrer Produkte benötigen. Beispiele hierfür habe ich in der Produktanalyse ja bereits genannt.

Zulieferer

Unternehmen dieser Branche benötigen vor allem zwei Dinge. Anlagenbauer, die ihre großen Anlagen zur Herstellung und Spaltung von Gasen aufbauen, und Zulieferer von ihren tagtäglich benötigten Rohstoffen. Den ersten Punkt können die größten Unternehmen gut selbst bewältigen, da sie entsprechende Ingenieursabteilungen unterhalten.

Ersatzprodukte

Die hochspezialisierten Anwendungsbereiche lassen bei den Kunden wenig Alternativen zu. Es ist eher andersrum, dass Gase oft die effizientere oder qualitativ hochwertige Alternative zu älteren Verfahrensweisen sind.

Markteintrittsbarrieren

Aufgrund der großen Anlagen, die zur massentauglichen Herstellung und auch Lagerung von Industriegasen notwendig ist, ist der Markteintritt neuer Konkurrenten durch große Kapitalausgaben gehemmt. Das Resultat sieht man auch in den hauptsächlich sehr großen Konkurrenten.

Auswertung

Negativ fallen auch in dieser Branche wie so oft die vielen Wettbewerber und die gewerblichen Kunden auf. Diese beiden Punkte reduzieren die Freiheit bei der Preissetzung deutlich. Daneben sehen alle anderen Punkte aber gut aus. Von daher gibt es 4 von 6 möglichen Punkten.

Marktstellung

Nachdem wir die Branche als Ganzes betrachtet haben, gehen wir jetzt auf Linde selbst etwas näher ein. Dabei schauen wir unter anderen auf die Entwicklungen bei Linde und das Management.

Produktentwicklung

Die wichtigsten Entwicklungen sind dabei natürlich die Produktentwicklungen. An dieser Stelle beurteile ich aber auch immer das Wachstum durch Akquisitionen. Statt selbst Geld für Forschung und Entwicklung auszugeben, kann man stattdessen auch Konkurrenten kaufen, die diese Arbeit bereits getan haben. Linde sehe ich hier durch die letzte Fusion weit vorn. Damit profitieren beide vorherigen Unternehmen vom Knowhow des anderen. Daneben hat Linde in seiner Geschichte aber auch dauerhaft weitere Akquisitionen durchgeführt.

Möglichkeit einzukaufen

Als Marktführer ist die Verhandlungsposition von Linde äußert komfortabel. Lieferanten werden hier die große Abnahmemenge schätzen und so auch niedrigere Preise in Kauf nehmen. Geplatzte Verhandlungen mit einzelnen Lieferanten sollte man so außerdem gut kompensieren können.

Einflüsse auf das Geschäft

Deutliches Wachstum wird aktuell durch die starke Industrialisierung sowie Verstädterung der Entwicklungsländer erwartet. Hier werden künftig deutlich mehr der Industriegase genutzt werden. Auch wenn es medial vielleicht etwas zu sehr gepusht wird, sollte man aber auch den künftigen Wasserstoffbedarf beachten. Beide Faktoren sind auf jeden Fall positiv zu werten.

Marketing

Linde ist als Marktführer jedem Kunden bekannt und braucht keine großen Marketingmaßnahmen, um seine Produkte zu verkaufen. Daneben sind die Produkte auch keine Luxusgüter, sondern für die Wirtschaft notwendige Rohstoffe.

Wachstumsmöglichkeiten

Allein das Branchenwachstum ist hier mit 6-7% im Jahr schon stark. Bezüglich weiterer Akquisitionen wird es allerdings schwierig werden denke ich. Bereits bei der Fusion musste Praxair sein Europageschäft und Linde sein US-Geschäft veräußern, damit der Wettbewerb ausreichend erhalten bleibt. Das waren Auflagen der jeweiligen Kartellbehörden. Vielleicht kann man in den Schwellen- und Entwicklungsländern aber besser expandieren.

Unternehmensführung

CEO von Linde ist aktuell kein Deutscher mehr, sondern Steve Angel. Er ist US-Amerikaner und studierte dort Ingenieurswesen und erhielt ebenfalls einen MBA. Nach seinem Studium war er zunächst lange für General Electric tätig. Dort stieg er zunächst die Karriereleiter hoch und wechselte dann durch verschiedene Geschäftsbereiche. Seit 2001 war er bei Praxair tätig und wurde schon in 2006 zum CEO gewählt. Mit der Fusion in 2018 wurde er dann auch CEO der neuen Linde plc. Daneben ist aber auch noch im Aufsichtsrat von PPG Industries, die ein ähnliches Geschäftsmodell zu Covestro aus einer der letzten Analysen haben. Er selbst ist an Linde mit Aktien im Wert von ca. 150 Millionen USD beteiligt.

Linde CEO Steve Angel
Quelle: Linde

Gesetzliche Rahmenbedingungen

Linde sieht sich mit dem Standort in Irland weder besonderen operativen Beschränkungen entgegengesetzt, noch ist Irland dafür bekannt besonders hohe Steuern einzufordern. Hier ist eher das Gegenteil der Fall.

Auswertung

Die strengen Kartellämter hindern Linde potenziell an weiteren Zukäufen. Das erschwert das Wachstum durch M&A-Prozesse in der Zukunft. Hierfür ziehe ich einen Punkt ab, sodass wir insgesamt noch bei 6 von 7 Punkten landen.

Unternehmensbewertung

Als vierten Bestandteil der Linde Aktienanalyse schauen wir uns nun die Finanzen des Unternehmens an. Erst betrachten wir die Veränderung über die letzten 5 Jahre und bewerten diese. Danach spielen wir die Finanzzahlen in meine Bewertungsmodelle ein, um einen fairen Wert zu ermitteln.

Finanzkennzahlen 5-Jahres-Durchschnitt

  • Operative Nettobetriebsvermögen +24,2%
  • Umsatz +19,6%
  • Operativer Gewinn +14,7%
  • Operative Marge 17,0%
  • Free Cashflow +29,6%
  • Operativer CF +21,8%
  • Eigenkapitalquote 45,8%
  • Fremdkapitalkosten -18,3%
  • Dividendenwachstum +17,0% (+5,9% je Aktie)
  • Dividendenrendite 1,7% (aktuell 1,4%)
  • Ausschüttung des FCF 57,8%
  • Übergewinn +16,2%
Linde Umsatz
Quelle: Aktienfinder.net

Erläuterung der Zahlen

Super Zahlen bei Linde, oder? Naja, etwas zu früh gefreut. Diese enormen Steigerungen resultieren natürlich aus der Fusion in 2018. Eine solche Vergrößerung des Unternehmens äußert sich hier ganz klar in nominal gestiegenen Ertragswerten. Allerdings ist bei der Fusion auch die Anzahl der Aktien drastisch gestiegen, sodass die Erträge je Aktie weniger stark gestiegen sind. Die einzigen Werte, die trotzdem vergleichbar sind, sind die Marge, die Eigenkapitalquote sowie das Dividendenwachstum und die Ausschüttung des Free Cashflows. Hier kann man aber ganz klar grünes Licht geben. Diese Werte sehen wirklich gut aus.

Linde Cashflow
Quelle: Aktienfinder.net

Auch, wenn durch die Fusion die Änderung der Finanzwerte über die letzten Jahre nicht aussagekräftig ist, so muss man trotzdem sagen, dass die Kennzahlen nicht schlecht sind. Wie groß die Steigerung jetzt genau war, können wir nicht sagen. Man kann aber sagen, dass Linde regelmäßig Überschüsse erzielt und die Fusion nicht geschadet hat. Von daher gibt es hier 2 von 2 Punkten in der Finanzanalyse.

Fair Value

Das Wachstum der letzten Jahre können wir für die weitere Prognose also nicht ansetzen. Stattdessen setze ich hier analog zum Branchenwachstum 6,5% künftiges Wachstum an. Für mein Eigenkapital möchte ich wie immer 10% Rendite erhalten und setze deswegen kalkulatorische Eigenkapitalkosten von genau diesen 10% an. Zusätzlich konnte ich durch langfristige Anleihen von Linde 2% Fremdkapitalkosten ermitteln. Die Finanzwerte spiele ich jetzt in mein DCF- und Übergewinnmodell ein und erhalte so meinen fairen Wert.

Um noch mehr Daten mit einfließen zu lassen, glätte ich diesen fairen Wert noch mit dem aktuellen Kursziel der Analysten, der Bewertung nach Peergroup und mit dem fairen Wert nach den historischen Kursverhältnissen der Linde Aktie. Insgesamt erhalte ich so einen Fair Value von 239,15€ je Linde Aktie.

Investmententscheidung

Für jeden Minuspunkt in der Linde Aktienanalyse ziehe ich an dieser Stelle wieder 5% Sicherheitsabschlag vom Fair Value ab, um auf mein Kauflimit zu kommen. Insgesamt sind es hier lediglich 15%. Ich würde ein Linde Aktie also maximal bis 203,28€ kaufen. Verkaufen würde ich eine Aktie generell immer für maximal 150% des fairen Wertes abzüglich der Sicherheitsmarge. Das entspricht bei Linde einem Gegenwert von 322,85€.

Mit aktuell 264,50€ ist die Linde Aktie aus meiner Sicht also ziemlich fair bewertet. Wenn ich Linde Aktien besäße, dann würde ich diese momentan einfach weiter halten.

Linde Logo
Quelle: Linde

Fazit

Also was haben wir heute gesehen. Wir haben eine mittlerweile nicht mehr ganz so deutsche Traditionsaktie kennengelernt, die sich mit Industriegasen in einem nachhaltig wachsenden Markt befindet. Durch die Fusion mit Praxair in 2018 konnte man zum Branchenführer aufsteigen. Außerdem haben wir ebenso vortreffliche wie trügerische Finanzkennzahlen gesehen. Diese waren nämlich stark von der Fusion beeinflusst. Hiervon haben sich einige Investoren vielleicht täuschen lassen, sodass der Kurs aktuell zwar nicht viel zu hoch ist, allerdings weit über meinem Kauflimit. Über den Vergleich mit der Peergroup habe ich gesehen, dass Linde auch im Verhältnis zur Konkurrenz recht teuer ist.

Aber soweit erstmal meine Meinung zur Linde Aktie. Wie sieht es denn mit euch aus? Was haltet ihr von der Branche und Linde also Marktführer? Habt ihr vielleicht einen anderen Tipp aus der Branche? Mir ist beim Peergroup-Vergleich erneut BASF als besonders günstig aufgefallen. Die BASF Aktie hatte ich ja auch schon mal in der Analyse. Lasst mir eure Gedanken hierzu doch gern in den Kommentaren. Ansonsten bedanke ich mich wie immer fürs Reinschauen und sage bis bald!

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3 Antworten auf „Linde Aktienanalyse – Diese Aktie gibt Vollgas“

  1. Gute Zusammenfassung. Meiner Meinung nach gibt es bei Linde dennoch einige rote Flaggen:

    Das Working Capital sinkt seit 2018; direkt dazu ist auch das ROCE niedriger als im Sektormedian.
    Der Liquiditätsgrad III liegt bei gerade mal 0,74.
    Mit einem KGV von 23,9 ist die Aktie teuer.

    Schau dir mal die Arkema SA Aktie an. Gruß

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