Hallo und herzlich willkommen auf dem Finanzplaneten! Mein Name ist Kai und heute kümmern wir uns um ein Unternehmen, dass eigentlich fast jedem schon mal über den Weg gelaufen sein müsste. Logitech kennen wir alle aus dem Büro oder auch vom heimischen PC. Diese Marke steht für Computermäusen, Lautsprechern, Headsets und Webcams, um nur ein paar Dinge zu nennen. Ich bin gespannt was sich noch hinter dem Unternehmen verbirgt und vor allem, ob sich hier ein Investment lohnt. Wenn euch das auch interessiert, dann wünsche ich viel Spaß bei der Logitech Aktienanalyse!

Grundlagen

Zuallererst wollen wir uns auch bei Logitech mal wieder das grundlegende Geschäftsmodell anschauen und wie das Unternehmen zu dem geworden ist, das es heute ist. Auch, wenn man denkt, man kennt ein Unternehmen, verbergen sich bei genauerer Betrachtung noch ganz andere Facetten hinter gewissen Marken.

Geschäftsmodell

Bei Logitech ist das allerdings nicht wirklich der Fall. Das Unternehmen macht genau das, wofür wir es alle kennen. In einer Holdingstruktur vertreibt es unter verschiedenen Marken Hardware als Zubehör zu PCs, Laptops und Tablets.

Historische Eckdaten

Logitech wurde 1981 in der Schweiz gegründet. Die Gründer hatten sich mitunter an der Stanford University kennengelernt. 1982 gab es dann direkt die erste kommerzielle Computermaus. Mit damals schon 299$ war die Maus entsprechend teuer. 1985 kam dann auch direkt das Nachfolgemodell auf den Markt und 1988 ging man an die Schweizer Börsen. 1991 entwickelte man zusätzlich eine erste Digitalkamera und schaffte es 1997 auch an die NASDAQ. Mit einer Million verkauften Mäusen hatte das Unternehmen Ende der 90er bereits eine Größe, dass man auch andere Unternehmen kaufen konnte, was dann auch geschah. Zudem stellte man die Strategie nun um. Nachdem man anfangs nur Herstellern zugeliefert hatte, ging man nun unter der Marke Logitech auch selbst an den Markt für Endverbraucher.

Durch Smartphones und Tablets sank der Marktanteil an PCs. Somit steckte auch Logitech schnell in einer Absatzkrise. Um das Ruder rumzureißen, investierte man anschließend in Computerspiele und Smart Home, was im Gegensatz zu PCs ja wachsende Branchen sind. Durch Übernahmen in diesen Bereichen und trotz auf und ab in den 2000ern und 2010er Jahren schreibt man mittlerweile doch wieder schwarze Zahlen und war 2018 auch Weltmarktführer für Computerzubehör.

Produktanalyse

Nach diesen Hintergrundinfos wollen wir uns nun anschauen womit Logitech sein Geld verdient. Durch die Historie scheint das Unternehmen ja relativ breit gefächert zu sein. Mal gucken, ob das wirklich der Fall ist.

Geschäftsgebiete

Und tatsächlich. Die Produkte von Logitech sind in zahlreichen Sparten beheimatet. Die genaue Aufstellung könnt ihr der typischen Grafik entnehmen aber die größten Bereiche sind Gaming, Hilfsmittel für Videocalls, Tastaturen und Mäuse sowie Pointer als Hilfsmittel für Präsentationen.

Logitech Aktienanalyse
Quelle: Marketscreener.com

Absatzmärkte

Die Produkte von Logitech werden auf der ganzen Welt vertrieben. Neben 42% aus Amerikas kommen weitere 25% aus dem Asien-Pazifik-Raum und 33% aus der EMEA-Region.

Logitech Aktie Analyse
Quelle: Marketscreener.com

Auswertung

Logitech lässt bei der Produktdiversifikation keine Wünsche offen. Sowohl nach Produktgruppen als auch nach Vertriebsgebieten ist das Unternehmen top aufgestellt. So gibt es hier 2 von 2 möglichen Punkten.

Branchenanalyse

Jetzt wollen wir uns mal anschauen wie attraktiv die Branche für Produkte von Logitech, denn überhaupt ist. Gerade innerhalb des letzten Jahrzehnts sind viele Menschen von PCs hin zu Smartphones und Tablets übergewandert. Sehen wir mal was das für Auswirkungen auf die Branche hat.

Attraktivität der Branche

Logitech kommt ursprünglich ja aus der Richtung Computermäuse und Tastaturen. Diesem grundlegenden Zubehör für PCs und Notebooks wird ein Wachstum von 5,9% p.a. vorhergesagt. Zum Glück hat sich Logitech aber auch noch neu auf den Gaming-Markt ausgerichtet. Spezielles Zubehör für Gaming soll mit 12,2% p.a. noch stärker steigen als das allgemeine Computerzubehör ohnehin.

Wettbewerber

Solch ein Wachstum und die mittlerweile nicht mehr so ganz neue Computerbranche, haben für viele Wettbewerber gesorgt. Neben Logitech sind weitere nennenswerte Hersteller bspw. Razer, Sony, Apple und Samsung.

Kunden

Logitech geht entweder den Weg über den Großhandel in die Elektrogeschäfte oder Onlineshops oder liefert den Herstellern von Computersystemen direkt zu. Natürlich hat man mittlerweile im Jahre 2021 auch einen eigenen Onlineshop. Der Löwenanteil wird aber über andere Gewerbe umgesetzt.

Zulieferer

Wer verschiedenste Hardware herstellt, der benötigt auch verschiedenste Zulieferer. Aktuell ist besonders der Bedarf an Chips kritisch, da hier global ein Mangel vorherrscht. Insgesamt sollte man hier aber nicht abhängig von einem einzelnen Zulieferer sein.

Ersatzprodukte

Wer einen PC besitzt und hierüber zocken möchte oder in seinem Job einen PC oder ein Notebook benötigt, der weiß, dass es hier eigentlich keine Alternative gibt. Klar, Mobile Games sind schon längst die umsatzstärkste Subbranche, einen richtigen Gamer wird das aber nicht befriedigen. Auch komplizierte Berechnungen in Excel oder lange Text in Word können mitunter nicht auf Tablets oder Smartphone transportiert werden. So bleiben PCs inklusive Zubehör immer ein Teil im Büroalltag.

Markteintrittsbarrieren

Die Markteintrittsbarrieren sind bei produzierenden Unternehmen immer etwas höher. Vor der Produktion braucht man lange Vorlaufzeit, um ein Produkt zu entwickeln, und dann selbst bei vorhandenen Connections viel Geld, um die Produktion vorzufinanzieren. Zum einen kosten etwaige eigene Produktionsanlagen viel Geld oder man benötigt viel Working Capital, das man in erste Aufträge bei Zulieferern steckt.

Auswertung

Die vielen Wettbewerber und die gewerblichen Kunden kosten jeweils einen Punkt in der Branchenanalyse. Daneben sehen die anderen Aspekte aber sehr positiv aus. So gibt es insgesamt 4 von 6 möglichen Punkten.

Marktstellung

Jetzt haben wir uns ja darum gekümmert, wie attraktiv es ist in die Branche von Logitech einzutreten oder bereits unterwegs zu sein. Nun kümmern wir uns speziell darum, wie gut sich Logitech selbst in der Branche positioniert hat. In der Historie habe ich bereits erwähnt, dass Logitech im Bereich des Computerzubehörs Weltmarktführer ist. Schauen wir mal was das umgemünzt auf die übliche Punkteverteilung bedeutet.

Produktentwicklung

Lange Zeit reichte es für den Unternehmenserfolg aus, dass man bei den bewährten Produkten bleibt. Mit der disruptiven Technologie der Smartphones und Tablets schrumpfte allerdings der Absatzmarkt. Somit war man gezwungenen sich neu zu erfinden und hat das auch getan. Heutzutage stellt Logitech weit mehr Produkte als nur Mäuse und Tastaturen her. Von daher werte ich diesen Punkt stark positiv.

Möglichkeit einzukaufen

Wenn nicht gerade ein weltweiter Halbleitermangel vorherrscht, dann hat Logitech analog zu den vielen Produkten auch viele verschiedene Zulieferer. Außerdem ist man als Weltmarktführer eine Macht am Markt und hat eine starke Position in Preisverhandlungen mit Lieferanten.

Einflüsse auf das Geschäft

Im ursprünglichen Geschäftsbereich gab es also mit Einführung der Smartphones und Touchscreens einen Umbruch. Diese Entwicklung war nicht gut für Logitech, führte aber zu einer Neuausrichtung. Hier zielte man auf Märkte ab, die eher im Wachstum sind. Darunter ist die bereits erwähnte Gaming-Branche zu nennen. Aber auch die Digitalisierung als solche und die verstärkt genutzten Videocalls und Präsentationstechniken beflügeln das Unternehmen.

Marketing

Logitech ist mittlerweile auch eine starke Eigenmarke. Am Markt löst der Name Logitech Vertrauen bei den Kunden aus und suggeriert Zuverlässigkeit. Als Weltmarktführer ist man einfach für seine Produkte bekannt. Das merkt man auch im Marketing. Man sieht sich zwar starker Konkurrenz gegenübergestellt, allerdings hat man im Vergleich zu kleineren Konkurrenten so einen Vorteil beim Marketingaufwand.

Wachstumsmöglichkeiten

Wie man schon in der Branchenanalyse sieht, wächst der Markt ungemein. Schon insgesamt wächst der Bedarf an Computerzubehör durch die Digitalisierung der Arbeitswelt. Die Gaming-Sparte wächst aber nochmal besonders schnell. Hier ist es also richtig und sinnvoll gewesen sich in der eigenen Krise neu auszurichten.

Unternehmensführung

Bereits seit 2013 ist der CEO von Logitech Bracken Darrell. Er ist damit mit für den enormen aktuellen Erfolg des Unternehmens verantwortlich. Darrell besitzt einen MBA von der Harvard Business School und begann seine Karriere dann in einer Wirtschaftsprüfung. Nach Stationen bei PepsiCo, General Electric, Procter & Gamble sowie Whirlpool, landete er bei Logitech. Schon vorher hat er es geschafft Marken zu positionieren und erfolgreich zu machen. Mit diesem Ziel kam er zu Logitech und erreichte es offensichtlich auch. Durch seine lange Betriebszugehörigkeit im Vorstand konnte er bereits 0,5% der Anteile von Logitech erwerben, die einen Wert von 74,3 Mio. USD haben.

Gesetzliche Rahmenbedingungen

Logitech ist ein produzierendes Unternehmen von ungefährlichen Gütern. Aus diesem Grund gibt es hier auch wenige zu beachtende Regularien. Trotz Marktführerschaft gibt es auch zudem noch ausreichend viele große Konkurrenten, die kartellrechtliche auch für Sorglosigkeit sorgen.

Auswertung

Logitech hat eine tolle Marktstellung. Vor 10 Jahren hätte das noch anders ausgesehen aber durch den neuen CEO und die neue Strategieausrichtung des Unternehmens, kann man mittlerweile wieder starke Zahlen vorweisen. Mittlerweile kann man deswegen auch wieder volle Punktzahl für die Marktstellung geben.

Unternehmensbewertung

Jetzt gehen wir dann dazu über die Zahlen sprechen zu lassen. Im Rahmen der Bewertung mit meinem Discounted Cashflow- und Übergewinnmodell brauche ich einiges an Zahlengrundlage. Diese Zahlen betrachte ich zudem immer im letzten 5-Jahres-Zeitraum, um die aktuellen Trends zu erkennen. Auf diesen Zeitraum gehe ich im Folgenden einmal ein und zeige euch danach die Ergebnisse meiner Bewertungsmodelle.

Finanzkennzahlen 5-Jahres-Durchschnitt

  • Operative Nettobetriebsvermögen +14,3%
  • Umsatz +16,3%
  • Operativer Gewinn +39,8%
  • Operative Marge 11,2%
  • Free Cashflow +47,8%
  • Operativer CF +40,2%
  • Eigenkapitalquote 58,5%
  • Fremdkapitalkosten n/a
  • Dividendenwachstum +8,3% (+7,6% je Aktie)
  • Dividendenrendite 2,1% (aktuell 1,2%)
  • Ausschüttung des FCF 27,6%
  • Übergewinn +62,4%
  • Kurs-Buchwert-Verhältnis 5,4x
Logitech Umsatz
Quelle: Aktienfinder.net

Erläuterung der Zahlen

Auch bei Logitech muss ich mal wieder nicht viel rumschwadronieren. Also die Zahlen sind top. Natürlich sind die 5-Jahres-Entwicklungen stark durch das letzte Coronajahr beeinflusst. Hier stieg die Nachfrage nach Utensilien für das Home-Office stark an. Aber auch davor war bereits langfristig ein positiver Trend zu erkennen. Besonders stark sind die geringen Kapitalkosten von Logitech. Sowohl Zinsen als auch Dividenden machen nur einen geringen Teil vom Free Cashflow aus. So ist auch künftig noch Spielraum für weitere Dividendensteigerung, obwohl Logitech schon ein recht starker Dividendentitel ist, insbesondere für ein Tech-Unternehmen. Nur das KBV deutet leider bereits auf eine teure Bewertung hin. Insgesamt muss man hier aber natürlich zwei von zwei Punkten geben.

Logitech Cashflow
Quelle: Aktienfinder.net

Fair Value

Das aktuelle Umsatzwachstum ist deutlich durch den Home-Office-Effekt gepusht. Aufgrund des gewichteten Branchenwachstums für die relevanten Sparten sehe ich aber ein mögliches langfristiges Umsatzwachstum von 9%. Daneben habe ich wieder 10% Eigenkapitalkosten aufgrund meiner eigenen Renditevorstellungen und 1,5% Fremdkapitalkosten aufgrund der sehr geringen Schuldenlast veranschlagt. Wenn ich alles in meine Bewertungsmodelle eingebe und mit dem durchschnittlichen Kursziel der Analysten glätte, komme ich auf einen fairen Wert von 75,11€ je Aktie.

Chancen und Risiken

Logitech ist Marktführer für Computer-Zubehör. Als solcher profitiert man stark vom allgemeinen Trend hin zum Home-Office und der Digitalisierung insgesamt. Durch die relativ neu aufgebaute Gaming-Sparte kann man dieses Wachstum sogar noch erhöhen. Zudem ist Logitech auf der ganzen Welt vertreten und Zulieferer für diverse Branchen und Privatleute. Somit ergibt sich eine große Diversifikation des Risikos. Auch finanziell ist das Unternehmen gut aufgestellt. Besonders gut finde ich auch, dass noch der gleiche CEO im Amt ist, der den Turnaround im Unternehmen mitzuverantworten hat.

Große Risiken hat Logitech eigentlich nicht. Aktuell macht dem Unternehmen wie allen Tech-Kollegen der Halbleitermangel das Leben schwer, langfristig dürfte das allerdings kein Problem sein. Vor allem ist Logitech mit seinen diversen Geräten ja so ein großer Abnehmer, dass dem Unternehmen von Zulieferern sicher eine hohe Priorität eingeräumt wird.

Investmententscheidung

Aufgrund der nur zwei Punkte Abzug in der gesamten Analyse, setze ich auch nur einen Sicherheitsabschlag von 10% an. Diesen ziehe ich jetzt erstmal vom Fair Value ab, um auf mein Kauflimit zu kommen. Es liegt somit bei 67,60€. Für die Verkaufsschwelle ziehe ich die Sicherheitsmarge von einer persönlichen maximalen Verkaufsschwelle von 150% des fairen Wertes ab. Verkaufen würde ich also bei 105,15€.

Aktuell liegt der Kurs für eine Logitech-Aktie bei 71,06€. Rein rechnerisch ist die Aktie somit etwas überbewertet, was man aber natürlich auch im Verhältnis zur Tech-Branche insgesamt sehen muss.

Logitech Logo
Aktuelles Logitech Logo

Fazit

Logitech ist meiner Meinung nach ein Unternehmen, das einer ertragreichen Zukunft entgegensieht. Mir gefällt besonders gut die Geschichte des Unternehmens. Ich finde es immer spannend, wenn Unternehmen in die Enge gedrängt werden und es dann schaffen sich mit einer Neuausrichtung so zu positionieren, dass man wieder nachhaltig Gewinne erwirtschaftet. Genau das hat Logitech nach dem Impact des Smartphones und dem sich ändernden Nutzerverhalten geschafft. Neben den ohnehin schon geringen Risiken, macht das Mut für den Fall, dass doch noch mal eine gravierende Marktänderung eintreten sollte. Dabei denke ich zum Beispiel an Augmented Reality wie der Meta-Konzern es anstrebt.

Soweit jetzt aber meine Gedankenspiele zum Unternehmen. Sagt mir doch an dieser Stelle doch bitte noch eure Meinung zum Unternehmen. Ehrlicherweise kann ich gar nicht verstehe, warum der Titel so weit unterm Radar fliegt. Hattet ihr Logitech bereits auf dem Schirm? Seid ihr vielleicht sogar Aktionär? Lasst es mich und die Community gern in den Kommentaren wissen! Ansonsten bedanke ich mich fürs Reinschauen und sage bis bald!

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