Mercury General Aktienanalyse – Versicherer mit gesunder Dividende

Auch diese Aktienanalyse dreht sich wieder um einen Dividenden Aristokraten. Die Mercury General Corporation ist mit einer Dividendensteigerung seit 33 Jahren und einer Dividendenrendite von 5,8% ein heißer Kandidat für alle Einkommensinvestoren. Allerdings erhält sie kaum Beachtung. Fliegt Mercury General zurecht unterm Radar oder versteckt sich hier eine unterbewertete Perle? Das und mehr erfährst du in der Mercury General Aktienanalyse!

Grundlagen

Wenn man ein Unternehmen im Details kennenlernen möchte, dann muss man sich zuerst die grundlegenden Strukturen anschauen. Dies machen wir in dieser Mercury General Aktienanalyse auch wie immer zuerst.

Geschäftsmodell

Die Mercury General Corporation ist ein Versicherungsunternehmen. Hauptsächlich vertreibt es Kfz-Versicherungen, allerdings gehören zum Portfolio auch andere Versicherungen wie die Gebäude- oder Mieterversicherungen.

Historie

Das Unternehmen wurde 1961 von Mathematiker George Joseph als günstige Alternative zu den anderen Versicherern gegründet. Das Unternehmen expandierte über die Jahrzehnte innerhalb der USA von Bundesstaat zu Bundesstaat. 1977 schrieb die neu gegründete Mercury Insurance Company ihre erste Autoversicherung. Regelmäßig wird das Unternehmen von unabhängigen Agenturen wie dem Forbes-Magazin mit Preisen ausgezeichnet.

Dienstleistungsanalyse

Bei einem Versicherer ist die Produktanalyse natürlich eher eine Dienstleistungsanalyse. Insofern schauen wir uns hier mal an, welche Versicherungen Mercury General im Portfolio hat.

Dienstleistungen

Im Geschäftsbericht des Unternehmens kann man sehen, dass die Geschäftsbereiche prozentual nach Umsatz relativ gleichbleibend sind, was bei Versicherungen nicht weiter verwundert. So machen zuletzt private Kfz-Versicherungen 74,6% des Umsatzes aus, Versicherungen für Hausbesitzer 15,9% und gewerbliche Kfz-Versicherungen 5,8%.

Absatzmärkte

Beim Absatzmarkt dreht sich eigentlich alles um Kalifornien. Hier werden rund 86% der Umsätze generiert. Die übrigen 14% werden in anderen US-Staaten erzeugt, ohne, dass hier der Anteil eines einzigen Staates 4% am Gesamtumsatz übersteigt. Insgesamt ist die Mercury General Corp. in 11 Bundesstaaten tätig, wobei allerdings keine Auslandsgeschäft gemacht wird.

Bewertung

Sowohl die Diversifikation der Produkte, als auch die Diversifikation in Hinsicht auf die Absatzmärkte lässt durchaus zu wünschen übrig. Auch wenn die USA rd. ein Drittel der Weltwirtschaftsleistung ausmachen, ist ein ausschließlicher US-Markt ein Risiko, besonders, wenn sich hier fast ausschließlich auf Kalifornien beschränkt wird. Wegen fehlender Diversifikation gibt in der Mercury General Aktienanalyse leider 0/2 Punkte in der Produktanalyse.

Automobilversicherer und Dividendenaristokrat aus Kalifornien

Branchenanalyse

Als nächstes kümmern wir uns um die Frage, wie es um die Versicherungsbranche insbesondere der Autoversicherer steht.

Attraktivität der Branche

Wichtig für einen Kfz-Versicherer sind natürlich die Anzahl der Versicherungsnehmer. Das Potenzial ist hier natürlich die Anzahl der Autoinhaber in den USA insgesamt. Die Anzahl der Pkws in den USA sank zuletzt allerdings wieder. Fraglich, ob sich dieser Trend fortsetzt. Allerdings hat Corona und die damit beschleunigte Digitalisierung auch den Nebeneffekt, dass weniger Kilometer mit dem Pkw gefahren werden und die Versicherungsprämie damit sinkt. Es bleibt abzuwarten, ob die damit einhergehenden sinken Unfallzahlen in gleichem Maße sinken. Da es allerdings langfristig Autos geben wird und auch künftig selbstfahrende Autos in irgendeiner Weise versichert werden müssen, so ist dieses Geschäftsmodell auf jeden Fall zukunftsfähig.

Wettbewerber

Mercury General ist mit seinen 4.500 Mitarbeitern ein mittelständisches Unternehmen. In der Rangliste der größten Versicherer der USA taucht es nicht auf. Demnach ist es weder Marktführer, noch größtenteils allein in der Branche. Das erwartet man bei einem Kfz-Versicherer allerdings auch nicht. Hier gibt es einige andere Versicherungsunternehmen mit denen Mercury General in direkter Konkurrenz steht.

Kunden

Die Kunden sind größtenteils privat, zumindest bei den Kfz- und Gebäudeversicherungen.

Zulieferer

Zulieferer braucht ein Versicherungsunternehmen keine, um den laufenden Geschäftsbetrieb aufrechtzuerhalten.

Ersatzprodukte

Ähnlich wie Versorgungsverträge sind Versicherungsverträge meiner Meinung nach komplett austauschbar. Zumindest sehe ich es subjektiv als Konsument so. Über Vergleichsportale kann ich gerade bei Kfz-Versicherungen auch komplett transparent die Leistungen einsehen, abgleichen und nach den für mich notwendigen filtern. Daher wird der Preiskampf hier deutlich stärker werden. Ein wirklich alternatives Produkt zu einer Versicherung an sich gibt es eigentlich nicht.

Markteintrittbarrieren

Als Versicherung ist es wichtig genügend Liquidität vorzuhalten, um im Versicherungsfall auch die Entschädigungen zahlen zu können. Hier liegt wahrscheinlich die größte Markteintrittbarriere, da dieses vorzuhaltene Cash teilweise auch staatlich vorgegeben ist. Auf der anderen Seite kann, um es zynisch auszudrücken, also jede Organisation mit genügend Kapital eine Versicherung aufziehen.

Auswertung

Aufgrund der genannten Punkte erhält Mercury General in der Branchenanalyse 4/6 Punkten.

Marktstellung

Gehen wir als nächstes genauer auf die Positionierung von Mercury General ein.

Produktentwicklung

Versicherungen haben sicher einige Investitionsfelder. Forschung und Entwicklung gehören hier allerdings weniger dazu. Neue Produkte werden durch Bedarfsanalysen und Versicherungsmathematik entworfen und auf den Markt gebracht. Hier gibt es allerdings eher laufende Anpassung und Optimierung statt neuer Produkte.

Einkaufsmöglichkeiten

Da wenig bis keine Einkäufe notwendig sind, kann man diesen Punkt positiv werten. Hier ist maximal die Frage der Rückversicherung über Rückversicherer offen.

Einflüsse auf das Geschäft

Auch in der Mercury General Aktienanalyse taucht Corona auf. Das laufende Geschäft ist aktuell natürlich durch Corona beeinflusst. Langfristig könnte Corona allerdings ein Geschmack auf die steigende Digitalisierung sein und den Rückgang des privaten Kfz. Zudem können regulatorische Verpflichtungen Richtung vorzuhaltendes Eigenkapital eine weitere Bremse im Wachstum bedeuten, da dieses Kapital dann nicht für Investitionen zur Verfügung steht. Da Daten die Grundlage der Berechnung der Versicherungsprämien sind, könnte besonders erweiterter Datenschutz oder eine Cyberattacke das laufende Geschäft stören.

Marketing

Ein Preis-Leistungs-verhältnismäßig gute Versicherung ist hier wohl das beste Marketing. Zusätzlich gilt es hohe Provisionen anzubieten, da der Vertrieb zum Großteil über freie Handelsvertreter abläuft. Ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis für den Kunden und eine hohe Provision für den Vertreter dürften am ehesten dafür sorgen, dass die Versicherungen sowohl häufig angeboten als auch geschrieben werden. Das Gute an Provisionen ist, dass der „Werbeaufwand“ hier erst fällig wird, sobald er Erfolg erzielt. Neben Auszeichnungen für die vertrauensvollste Versicherung durch das Forbes Magazin und Auszeichnungen für den besten Arbeitgeber im Mittelstand, kann durch Werbung weiter das gute Image gefördert werden. So könnten Kunden auch aktiv beim Vertreter nach den eigenen Versicherungen fragen.

Wachstumsmöglichkeiten

Die Mercury General Corporation hat noch endlos viele Marktanteile zu gewinnen, da sie bisher weder stark aus Kalifornien hinausgewachsen sind, geschweige denn aus den USA. Der Markt ist zwar durchaus gefüllt, die Möglichkeit zu wachsen, kann durch gerade genannte Marketingstrategien aber durchaus gewinnen. Gerade einen Schwenk auf Onlineportale sehe ich hier als Wachstumschance bei den kommenden Generationen.

Unternehmensführung

Mercury Corporation Aktienanalyse
CEO Gabriel Tirador

Wohl das außergewöhnlichste am Vorstand ist, dass der 98-jährige Gründer des Unternehmens immer noch Vorsitzender ist. Natürlich ist er nicht mehr CEO und wahrscheinlich ist dies auch eher symbolisch zu sehen, dennoch sehr interessant. Er bringt natürlich viel Branchenkenntnis und Kontakte mit, wenn man auch darauf achten muss, dass er den Weg für Neues nicht versperrt. Der aktuelle CEO Gabriel Tirador ist seit 2007 im Amt. Auf der anderen Seite kann man sehen, dass der Vorstand regelmäßig private Aktienkäufe des Unternehmens tätigt. Dies ist positiv zu sehen, da der Vorstand wohl tiefergehende Einblicke als die Investoren hat und Anteile an der Mercury General Corp. als gutes Investment ansieht. Zudem hat das Management vor in Zukunft in andere Bundesstaaten zu expandieren.

Gesetzliche Rahmenbedingungen

Die Versicherungsbranche und auch die Mercury General Corp. unterliegt starker gesetzlicher Regulation. Ähnlich wie Banken sollen Pleiten hier vermieden werden. Dies wird insbesondere über ausreichend Eigenkapital versucht. Mehr Rücklagen einzustellen heißt natürlich auch weniger freies Kapital für Investitionen oder Gewinnausschüttungen zur Verfügung zu haben.

Fazit Marktstellung

Aus den vorab genannten Punkten erhält die Mercury General bezüglich ihrer Markstellung 4/7 Punkten.

Finanzkennzahlen

Machen wir weiter mit dem Herzstück der Mercury General Aktienanalyse. Was für eine Geschichte erzählen uns die Finanzdaten der Mercury General Corporation?

Übersicht der 5-Jahresdurchschnitte

  • Umsatz Ø-5J.: +6,77%
  • EBIT Ø-5J.: +11,60% aber unregelmäßig
  • Operative Marge Ø-5J.: 4,7%
  • Kapitalumschlagshäufigkeit Ø-5J.: 2,33
  • Free Cash Flow Ø-5J.: +45,6%
  • Operativer Free Cashflow Ø-5J.: +34,6%
  • Eigenkapitalquote Ø-5J.: 34,6% abnehmend
  • Dividendenrendite Ø-5J.: 4,7% aktuell 5,78%
  • Proz. Ausschüttung Ø-5J.: 39,1% abnehmend
Mercury General Aktienanalyse
Die wichtigsten Zahlen im Überblick!

Bewertung

In der Finanzkrise 2008 war der Cash Flow komplett eingebrochen. Doch auch in dieser Zeit hat das Unternehmen an der Dividendenstrategie festgehalten. So war die Ausschüttung seit 2011 jedes Jahr aus dem Free Cash Flow bezahlbar und ist in den letzten Jahren aufgrund des steigenden Cash Flows prozentual immer weiter zurückgegangen. In den letzten 5 Jahre lag die Ausschüttungsquote so nur bei 39,1%. Langfristig sollte die Dividende also gesichert sein, da sich aktuell auch bereits ein Cashbestand aufgebaut hat. Da im Zusammenhang damit die Dividende seit Jahren nur noch um 1% steigt ist meiner Meinung nach nicht schlimm, vor allem weil die Dividendenrendite aktuel ohnehin bei über 5% ist.

Der Umsatz und das operative Ergebnis (EBIT) sind steigend, wobei das EBIT stark schwankt. Im Geschäftsbericht ist zu sehen, dass die Schwankung in 2018 aus Investitionen des Unternehmens rührt. Genauere Infos habe ich leider nicht gefunden, da das Unternehmen kein Global Player ist, allerdings scheint es hier laut Geschäftsbericht Wertberichtigungen auf Investitionen gegeben zu haben.Zudem kann je nach Schadensfällen das Ergebnis stark schwanken.

Unternehmenswert

Nachdem ich mir die Finanzkennzahlen angeschaut habe, komme ich nun zu einer Unternehmensbewertung.

Getroffene Annahmen

Hierfür habe ich einige Annahmen getroffen. An sich projiziere ich die vergangenen Wachstumsraten eins zu eins in die Zukunft. Da diese in den letzten Jahre aber deutlich anstiegen, habe ich sie abgeflacht und langfristig realitische Wachstumsraten von ca. 5% beim Wachstums und FCF angesetzt. Hier gilt, besser Vorsicht als Nachsicht. Mein eingesetztes Kapital soll mir das Unternehmen zudem mit 12% verzinsen.

Fairer Wert

Diese Daten habe ich schlussendlich in mein Discounted-Cash-Flow- und Übergewinn-Verfahren eingepflegt und dann den Mittelwert aus meinen Berechnungen und denen des Aktienfinders gezogen. Hier hinterlege ich seit neustem meine Analysen. Schaut gern mal rein, wenn ihr Inspiration für eure Investments braucht. Heraus kam ein Fair Value von 87,53$ bzw. 73,53€. Nun wollen wir noch die notwendige Sicherheitsmarge bestimmen.

Ermittlung Sicherheitsmarge

Die Sicherheitsmarge ist ein Abschlag vom Fair Value, um zum Kaufpreis zu gelangen. Je nachdem wie riskant man die Lage und das Geschäftsmodell des Unternehmens einschätzt, fällt dieser Abschlag entweder höher oder niedriger aus. Schauen wir uns also mal die Chancen und Risiken an.

Chancen

Die Chancen des Unternehmens liegen eindeutig in der Langfristigkeit seiner Branche. Auch künftig werden Auto versichert werden müssen und falls es hier einmal zu Einbrüchen kommen sollte, ist es bei Versicherungsprodukten relativ leicht die zu versichernden Schadensfälle zu ändern. Zudem ist das Unternehmen noch nicht breit am Markt beteiligt. Die Mercury General Corp. kann durchaus noch wachsen. So ist sie mit ihrem Geschäft in Kalifornien auf die gesamten USA und die Welt gesehen eher ein kleines Unternehmen.

Risiken

Der letzte Punkt der Chancen ist allerdings auch ein Risiko. Aufgrund der Größe des Unternehmens ist es auch möglich, dass die Konkurrenz attraktivere Preise anbieten kann. Zudem findet man noch einige Risiken im Geschäftsbericht. Wie anfänglich schon erwähnt ist der Umsatz zu stark von Kalifornien abhängig und unterliegt regulatorischen Anforderungen. Ansonsten spielen Daten eine große Rolle, da auf Grundlage derer die Prämien für die Versicherungen festgelegt werden. So können Zinsänderungen und Cyberattacken großen Schaden anrichten.

Investmententscheidung

Als größtes Risiko sehe ich die Größe des Unternehmens. Expansionen in weitere Staaten in den USA sind aber angedacht. Ansonsten stimmen mich Zahlen und Perspektive eher positiv. So nehme ich hier eine Abschlag von 40% auf den Fair Value und komme sodann zu einem Kurs von 44,12€ bei dem ich kaufen würde. Bis 88,23€ (120% des Fair Value) würde ich, wenn ich schon Aktionär wäre, die Aktien halten oder im Sparplan besparen und ab da dann verkaufen. Wenn wir den Konjuktiv jetzt mal beiseite lassen, heißt das, dass ich beim aktuellen Kurs von gut 36€ tatsächlich investiert haben werde, wenn diese Mercury General Aktienanalyse online geht.

Fazit – Dislaimer

Natürlich ist diese ganze Analyse nur meine persönliche Meinung und jeder von euch ist für seine Investments allein verantwortlich. Ich habe nach besten Wissen und Gewissen recherchiert, allerdings sind alle Angaben ohne Gewähr und können theoretisch komplett falsch sein. Auch nach solch einer detaillierten Analyse ist mir bewusst, dass das Investment zu einem Totalverlust führen kann. Dadurch, dass ich nun selbst Aktionär bin, kann außerdem ein Interessenkonflikt bestehen.

Wenn ihr selber lernen wollt Aktien zu analysieren schaut in meine Blogreihe zur Aktienanalyse und wie ich dabei vorgehe. Ansonsten hoffe ich ihr hattet Spaß und schaut auch beim nächsten Mal wieder rein!

Danke und lieben Gruß, Kai

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