Hallo und herzlich willkommen auf dem Finanzplaneten! Mein Name ist Kai und endlich gibt es wieder eine neue Analyse auf diesem Kanal. Am Schluss verliere ich noch ein paar Worte darüber, warum es diese kleine Pause auf dem Finanzplaneten gab. Heute habt ihr aber erstmal das Versicherungsunternehmen Old Republic in die Analyse gevotet. Das kann ich durchaus nachvollziehen. Zum einen ist das Unternehmen ein Dividendenaristokrat und zum anderen ein US-Unternehmen. Beides suggeriert in den aktuell unsicheren Zeiten einen sicheren Hafen und scheint allein deswegen schon attraktiv. Fühlen wir der Branche und dem Unternehmen mal auf den Zahn und bewerten, wie günstig es aktuell ist. Nach längerer Pause jetzt also endlich mal wieder ein Video! Viel Spaß mit der Old Republic Aktienanalyse.

Grundlagen

Zuerst schauen wir uns auch hier wieder das Geschäftsmodell und die Geschichte des Unternehmens an. So probieren wir das Unternehmen besser zu verstehen. Manchmal erkennt man auch bereits einen roten Faden und kann Prognosen für die Zukunft treffen.

Geschäftsmodell

Die Old Republic International Corporation ist ein Versicherungskonzern. Das Unternehmen ist relativ breit aufgestellt und nicht einer einzigen Sparte zuzuordnen, auch wenn man so seine Schwerpunkte hat. Wie genau die Aufteilung des Umsatzes ist, schauen wir uns gleich noch in der Produktanalyse an. Heute ist das Unternehmen eine der 50 größten Versicherungen in den USA und unter den 500 größten Unternehmen im Land insgesamt.

Historische Eckdaten

Old Republic wurde 1923 unter dem Namen Garfield Casualty Company gegründet. 1927 wurde nach Aufnahme von Lebensversicherungen ins Portfolio der Name kurzfristig erneut geändert, bis man 1930 zur Old Republic Insurance Group wurde. Das Unternehmen fungiert ab 1969 als Holdinggesellschaft. Als Holdinggesellschaft wurde dann die Old Republic International Corporation gegründet. 1985 machte man mit der Bitco Corporation eine der bis heute größten Akquisitionen. Dieses Unternehmen versichert bis heute hauptsächlich Unternehmen in grundlegenden Branchen wie Rohstoffe oder Logistik. Die Aktie ist seit 1990 an der New Yorker Börse handelbar. Ebenfalls im Bereich der Unternehmensversicherungen ist die Employers General Insurance Group angesiedelt. Diese ist ein Joint Venture von Old Republic aus 1992. 2001 wurde das Unternehmen in San Francisco verurteilt, weil es Gelder veruntreut hat. Insgesamt waren es ca. $ 47 Mio. USD.

Mehr findet man leider nicht zum Werdegang des Unternehmens. Wenn man hieraus etwas für die Zukunft ableiten möchte, dann, dass die Old Republic Gruppe verschiedene Strategien genutzt hat, um zu wachsen. Zusätzlich scheint der Status als Dividendenaristokrat recht sicher, wenn die Dividende auch während eines großen Rechtsstreit Anfang der 2000er nicht gekürzt wurde.

Produktanalyse

Jetzt kommen wir zu den einzelnen Sparten des Unternehmens. Hier achten wir insbesondere auf die Diversifikation und betrachten dafür die Aufteilung nach Sparten und Region.

Geschäftsgebiete

Zuerst sieht das Versicherungsgeschäft von Old Republic relativ simpel aus. Es gibt nur zwei nennenswerte Sparten im Unternehmen. Zum einen sind das die Rechtstitelversicherungen mit 48% und daneben die allgemeinen Versicherungen mit 43%. Eine Rechtstitelversicherung braucht man in den USA, um einen Immobilienkredit zu bekommen. Das Grundbuch ist in den USA nicht bindend wie in Deutschland. Man sichert sich hiermit also als Eigentümer ab, falls Jahre nach dem Kauf mal jemand kommt und behauptet die Immobilie gehört aus irgendeinem Grund ihm. Während die Rechtstitelversicherung tatsächlich eine immer sehr ähnliche Art von Versicherung beschreibt, ist es im Bereich der Allgemeinen Versicherungen anders. Hierunter fallen diverse Sach- und Haftpflichtversicherungen, die im Wesentlichen gewerblichen Kunden zur Verfügung gestellt werden. Die avisierten Branchen sind hier analog zur Bitco-Akquisition insbesondere Rohstoffe, Bau und Logistik.

Quelle: Marketscreener.com

Absatzmärkte

Die bedienten Regionen sind allerdings tatsächlich sehr simpel zu klassifizieren. Der Umsatz des Unternehmens wird nämlich mit 98% fast vollständig in den USA generiert.

Quelle: Marketscreener.com

Auswertung

Aufgrund der verschiedenen Kundenbranchen sehe ich hier schon die notwendige Diversifikation in den Segmenten. Regional kann man das mit ausschließlich nationalen Tätigkeiten natürlich nicht sagen. Insgesamt gibt es hier also einen von zwei Punkten.

Branchenanalyse

Als nächstes schauen wir uns erstmal insgesamt die Branche an in der Old Republic International angesiedelt ist. So sehen wir bereits die grundlegenden Chancen und Risiken der Marktteilnehmer.

Attraktivität der Branche

Zuerst betrachten wir bei der Branche immer das prognostizierte Wachstum. Rechtstitelversicherungen sind in den USA Ende der 2010er Jahre bis heute mit gut 6% jährlich gewachsen. Mit den künftig steigenden Zinsen in den USA kann man allerdings davon ausgehen, dass dieses Wachstum etwas abnimmt. Für die gewerblichen Versicherungen werden global sogar jährlich 10% vorhergesagt. Hier ist aber klar, dass das Wachstum durch die Industrialisierung der Schwellen- und Entwicklungsländer hervorgerufen wird. Unternehmen in Industrieländern wie den USA sind tendenziell gut abgesichert.

Quelle: Pixabay.com

Wettbewerber

Der Versicherungsmarkt ist stark fragmentiert mit teilweise uralten Unternehmen. Der Marktführer hat in dieser Branche nicht mal einen zweistelligen Marktanteil. Die Konkurrenz ist also sehr groß.

Kunden

In diesem Punkt muss man doch etwas mehr Augenmerk auf Old Republic International legen, da die einzelnen Versicherungsunternehmen so unterschiedlich sind. Speziell unserem heutigen Kandidaten sind die Kunden ziemlich hälftig nach gewerblich und privat aufgeteilt.

Zulieferer

Im weitesten Sinne Zulieferer sind die verschiedenen Rückversicherer. Mit diesen Rückversicherungen sichern sich die Versicherungen gegen den Versicherungsfall der Versicherungsnehmer ab. Ansonsten ist man relativ unabhängig von Lieferanten. Aber auch bei den Rückversicherern gibt es genug Auswahl.

Ersatzprodukte

Alternativ dazu ein vorhandenes Risiko mit einer Versicherung abzusichern, kann man das Risiko natürlich auch in Kauf nehmen. Bei den gewerblichen Versicherungen klappt das noch. Um im Schadensfall nicht pleite zu gehen, kann man als Absicherung auch Liquiditätsreserven halten. Ich denke aber gerade bei Unternehmen ist es viel attraktiver die Liquidität nutzen zu können, statt sie aufzubewahren. Bei den Rechtstitelversicherungen schaut das anders aus. Hier haben die Immobilienkreditnehmer keine Wahl, da sie ohne Versicherung keinen Kredit bekommen.

Markteintrittsbarrieren

Neben teuren und seltenen Finanzmathematikern und dem Kundenstamm hat man als neue Versicherung am Markt noch ein weiteres Problem. Man braucht einiges an Finanzanlagen, da durch die Anlage der Kundengelder der Dollar in einer Versicherung erst so richtig anfängt zu rollen. In diesem Bereich machen Versicherungen nicht selten mehr Gewinn als im Versicherungsbetrieb an sich.

Auswertung

Neben den vielen Wettbewerbern und den zur Hälfte gewerblichen Kunden gibt es keine großen negativen Punkte. Es ist Wachstum prognostiziert, der Burggraben ist allerdings recht hoch und man ist relativ unabhängig von Zulieferern. Für diese spezielle Versicherungsbranche gibt es also 4,5 von 6 Punkten.

Marktstellung

Nachdem wir also zunächst die Branche beleuchtet haben, um die grundsätzlichen Voraussetzungen zu beurteilen, kommen wir jetzt zum Unternehmen an sich. Mal schauen, wie sich Old Republic International im Vergleich zu anderen Versicherungen schlägt.

Produktentwicklung

Egal, ob man bei Old Republic International nach den Geschäftsbereichen geht oder nach kompletten M&A-Prozessen, viel Neues gibt es beim Produktportfolio des Unternehmens nicht. Die letzte große Akquisition, die einen neuen Geschäftszweig mit sich brachte, war in den 80er-Jahren. Zuletzt wurde das Produktangebot sogar verschlankt.

Möglichkeit einzukaufen

Die Gruppe ist als Versicherung relativ unabhängig von Lieferanten. Wichtiger sind hier die eigenen Angestellten.

Einflüsse auf das Geschäft

Für die gewerblichen Sach- und Haftpflichtversicherung ist insbesondere die wirtschaftliche Lage in den USA entscheidend. Hier sehe ich nach Corona deutliche Aufholungspotenzial. Daneben korrelieren die Rechtstitelversicherungen mit den Immobilienfinanzierungen in den USA. Hier ist es für eine Steigerung der Anzahl der Versicherungen wichtig, dass mehr neue Finanzierungen abgeschlossen werden als auslaufen, da die Versicherungen nur bei laufender Finanzierung wirklich zwingend sind. Künftig sehe ich diesen Punkt aufgrund der steigenden Zinsen kritisch, da sich weniger Menschen einen Hauskredit leisten können.

Marketing

Bei allen angebotenen Versicherungen handelt es sich um etablierte und teilweise zwingende Versicherungsmodelle. Neben dem Wettbewerb hat man hier also nicht zusätzliche Werbekosten aufgrund neuer oder erklärungsbedürftiger Produkte.

Wachstumsmöglichkeiten

Die Branche weist ein gesundes Wachstum auf. Unabhängig vom tatsächlichen Wachstum des Unternehmens sehe ich die Gegebenheiten aber als schwierig an. Man befindet sich ausschließlich in den USA. Auch, wenn man hier aktuell vielleicht noch großes Wachstum vorweisen kann, wird es langfristig ohne Ausweitung des Marktes schwieriger. Und wir wollen ja immer langfristig investieren.

Unternehmensführung

Seit 2019 ist Craig Smiddy CEO von Old Republic International. Er stieg 2013 ins Unternehmen ein und übernahm dann den Chefposten. Vorher sammelte er noch Berufserfahrung bei der Münchner Re. Smiddy hat 1995 seinen MBA an der University of Iowa gemacht. Leider gibt es genau wie zu Old Republic insgesamt auch zum CEO nur relativ wenig Informationen. Allerdings habe ich auch nichts Negatives gefunden.

Quelle: Old Republic International Corp.

Gesetzliche Rahmenbedingungen

Ähnlich wie in Europa sind auch in den USA Finanzunternehmen stark reglementiert. Man muss hier viele Rücklagen aufbauen, um den Versicherten im Schadensfall auch auf jeden Fall ihren Schaden erstatten zu können. Rechtlich ist man also recht stark eingebunden, was den laufenden Betrieb vergleichsweise schwierig und teuer gestaltet.

Auswertung

Das Unternehmen tut sich schwer mit weiterer Produktentwicklung. Daneben ist die Aussicht für den US-Immobilienmarkt, an den man sich gebunden hat, aktuell nicht so prächtig. Zu guter Letzt sind die rechtlichen Vorgaben für Versicherungen sehr streng. Insgesamt ziehe ich für die Marktstellung also 3 Punkte ab und lande noch bei 4 möglichen Punkten.

Unternehmensbewertung

Jetzt kommen wir zu den harten Zahlen. Zuerst betrachte ich die Zahlen qualitativ und beurteile wie gesund das Unternehmen und wie stark das Wachstum ist. Wenn wir die Zahlen auf diese Weise untersucht haben, werden wir anschließend einen fairen Wert ermitteln.

Finanzkennzahlen 5-Jahres-Durchschnitt

  • Operative Nettobetriebsvermögen +6,0%
  • Umsatz +8,0%
  • Operativer Gewinn +17,9%
  • Operative Marge 13,9%
  • Eigenkapitalquote 32,0%
  • Fremdkapitalkosten +1,9%
  • Dividendenwachstum +3,1% (+2,7% je Aktie)
  • Dividendenrendite 3,8% (aktuell 3,9%)
  • Ausschüttung des FCF 27,3%
Quelle: Aktienfinder.net

Erläuterung der Zahlen

Zunächst einmal ist den regelmäßigen Zuschauern meiner Analysen aufgefallen, dass in dieser Analyse einige Zahlen weniger in diese Bewertung miteinfließen. Das liegt daran, dass Cashflows bei Versicherungen nicht aussagekräftig sind, da hier auch immer die Kundengelder mit drinstecken. Deswegen habe ich auf den Vergleich des operativen und Free Cashflows sowie auf den Übergewinn, der auf dem operativen Cashflow aufsetzt, verzichtet.

Quelle: Aktienfinder.net

In den restlichen Punkten sieht man aber analog zur Branchenvorhersage ein starkes Wachstum. Bei steigendem Umsatz konnte die operative Marge zusätzlich gesteigert werden, was die Ertragslage deutlich verbesserte. Die Kapitalkosten, also Zinsen und Dividende, sind im Betrachtungszeitraum zudem deutlich geringer gestiegen. Außerdem ist die Eigenkapitalquote ausreichend und die Ausschüttung am Free Cashflow ist auf einem niedrigen Level. Hierbei muss man allerdings erwähnen, dass es die letzten Jahre immer wieder Sonderdividenden gab. Insgesamt gefallen mir die Finanzen aber und ich vergebe deswegen zwei von zwei Punkten.

Fair Value

Auch die Fair Value-Ermittlung fällt heute etwas schlanker aus. Meine beiden Berechnungsmodelle basieren direkt oder indirekt auf den Cashflows des Unternehmens. Die sind wie gerade bereits erwähnt hier eher weniger aussagekräftig. Deswegen habe ich auf diese Ermittlung verzichtet und bin rein nach den historischen Kursverhältnissen von Old Republic sowie den Multiples vergleichbarer Unternehmen gegangen. Die Unternehmen dieser Peergroup sind die größten US-amerikanischen Versicherungen. Das Ergebnis habe ich dann noch mit dem aktuellen durchschnittlichen Kursziel der Analysten verglichen und bin so auf 34,96€ je Old Republic Aktie gekommen.

Investmententscheidung

Aber wir wollen ja natürlich nicht zum Fair Value kaufen, sondern noch einen Sicherheitsabschlag nehmen. Diesen ermittle ich über die bisherigen Minuspunkte in der Analyse. Jeder Minuspunkt gibt dabei 5%-Sicherheitsmarge. Bei insgesamt 5,5 Punkten Abzug bedeutet das, dass ich einen Sicherheitsabschlag von 27,5% nehmen möchte. Diesen ziehe ich jetzt erstmal vom Fair Value ab, um auf mein Kauflimit zu kommen. Kaufen würde ich eine Old Republic Aktie also für noch 25,35€. Für die Verkaufsschwelle verfahre ich gleich, starte allerdings bei 150% des fairen Wertes. Diesen Prozentsatz sehe ich immer als meine maximale Verkaufsschwelle. Bei 122,5% des Fair Values würde ich also verkaufen, was umgerechnet 42,83€ wären.

Aktuell liegt der Kurs bei um die 22€, weshalb der Dividendenaristokrat Old Republic für mich ein super Kandidat zu sein scheint, um sich eine sichere und traditionsreiche Dividende ins Depot zu holen. Viele Dividendenaristokraten werden teuer gehandelt. Das ist bei der Old Republic Aktie meiner Meinung nach nicht der Fall. Zumindest noch nicht.

Quelle: Old Republic International Corp.

Fazit

Das war also meine erste Analyse zur Versicherungsbranche. Ich hoffe Sie hat euch gefallen. Grundsätzlich teile ich die Begeisterung von Warren Buffett für Versicherungen. Ihm gefällt hier insbesondere, dass die Gesellschaften im Durchschnitt lange vor einem Schadensfall bereits das Geld vom Versicherten erhalten und damit wirtschaften können.

Und jetzt noch ein paar Worte zu den unregelmäßigen Analysen seit Jahresbeginn. Im Community-Tab hatte ich bereits erwähnt, dass sich meine Freundin bzw. mittlerweile Verlobte selbstständig gemacht hat. Hier habe ich ihr natürlich tatkräftig unter die Arme gegriffen, mittlerweile läuft aber alles rund und auch alle bürokratischen Hindernisse haben wir hinter uns gelassen. Die Verlobung an sich hat natürlich auch Zeit in Anspruch genommen und war noch in unseren Urlaub eingebettet, der ja schließlich auch mal sein muss. Thematisch passend war ich dann auch noch Trauzeuge bei meinem besten Freund. Jetzt muss ich aber eigentlich nur noch die Steuererklärung machen, aber dann habe ich quasi keine To-Dos mehr neben dem Finanzplaneten. Nächste Woche Sonntag wird es nochmal eine Pause geben aber nur damit ich die Vorbereitungen treffen kann, um anschließend wieder regelmäßig sonntags eine Analyse zum Besten zu geben.

An dieser Stelle aber auch vielen Dank an alle treuen Leser und Zuschauer, die nicht sofort deabonniert haben. Vor allem Fragen nach weiteren Analysen von euch haben mich sehr motiviert jetzt wieder mit den Aktienanalyse anzufangen. Deswegen bedanke ich mich nochmal wie immer fürs Reinschauen und sage hoffentlich bis bald!

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