Hallo und herzlich willkommen auf dem Finanzplaneten! Mein Name ist Kai und heute freue ich mich euch aus meiner Vorabanalyse mal wieder ein Tech-Unternehmen zeigen zu können. Oracle ist aufgrund aktueller Stagnation scheinbar recht günstig bewertet. In dieser Analyse möchte ich das Unternehmen genauer unter die Lupe nehmen und schauen, ob die Bewertung nach Einbezug aller Risiken auch weiterhin so günstig ist. Wenn du das Chancen-Risiko-Profil des Unternehmens und den Fair Value erfahren möchtest, dann bleib dran. Viel Spaß mit der Oracle Aktienanalyse!

Grundlagen

Oracle kennt jetzt der ein oder andere vielleicht von seinem Job, privat ist das Unternehmen durch seinen gewerblichen Fokus dann doch eher unbekannt. Deswegen umreiße ich jetzt erstmal das Unternehmen und beschreibe, wie es sich historisch entwickelt hat.

Geschäftsmodell

Im Wesentlichen ist Oracle ein Softwarehersteller und Cloudanbieter. Hier vermarktet man insbesondere Lizenzen und Cloudspeicher als Infrastruktur. Zusätzlich erbringt Oracle zugehörigen Service und verkauft zugehörige Hardware.

Historische Eckdaten

Das Vorgängerunternehmen von Oracle wurde 1977 in den USA gegründet. Man entwickelte zunächst bis 1979 eine Datenbank für die CIA. Diese Datenbank hieß Oracle und war späterer Namensgeber für das gesamte Unternehmen. Der Clou war, dass die Oracle-Version aus 1986 die erste Datenbank war, die parallele Zugriffe von verschiedenen Programmen zuließ. Im selben Jahr ging man dann auch an die Börse. In den 90er Jahren fing man so langsam an die Gewinne in Unternehmenszukäufe zu reinvestieren. So richtig auf Shopping Tour ist das Unternehmen dann aber zwischen 2009 und 2014 gegangen. Hier gab es mehrere teils milliardenschwere Übernahmen durch Oracle. Das letzte richtig große Investment ist mit Micros Systems für 5 Mrd. USD aus 2014 schon etwas her.

Produktanalyse

Jetzt wollen wir erstmal genau darauf eingehen, womit Oracle sein Geld verdient und welche Länder für das Unternehmen dabei besonders wichtig sind.

Geschäftsgebiete

Da die Produkte von Oracle an sich immer Datenbanken umfassen, ist es hier schwierig richtig nach Produkten zu teilen. An sich kommt ja alles aus diesem Bereich. Rund 83% werden bei Oracle direkt mit der Lizenzvergabe und der Nutzung der Cloud erzielt. Zugehörige Hardware macht 9% und zugehöriger Service 8% aus. An dieser Stelle muss man aber erwähnen, dass insgesamt sehr viele Dienstleistungen über die Clouds bei Oracle angeboten werden. Neben der reinen Datenbank gibt es hier auch Analyse und Datenspeicherung.

Oracle Aktienanalyse

Absatzmärkte

Wichtigster Markt sind für Oracle vor allem die USA. Im Heimatmarkt werden 47% der Umsätze eingespielt. Nimmt man den gesamten EMEA-Bereich als nächstgrößten Markt, so ist dieser insgesamt bei nur noch gut 28%. Asien schlägt dann noch mit 17% zu Buche.

Oracle Aktie Analyse

Auswertung

Durch die vielen Dienstleistungen ist Oracle auch über Produkte hinweg gut diversifiziert, auch, wenn sie selbst bei den Umsätzen nicht unterscheiden. Insgesamt hat zwar alles mit der Datenbank oder Clouds zu tun, man deckt aber verschiedene Bereiche damit ab. Regional steht man dieser Diversifikation in Nichts nach. Volle Punkte an dieser Stelle für Oracle.

Branchenanalyse

Nun wollen wir uns auch die Cloudbranche nochmal genauer anschauen. In meiner Reihe zu Tech-Unternehmen bin ich hierauf häufiger eingegangen. Aufgrund der seit Januar aber über 500 neuen Abonnenten, erläutere ich sie hier nochmal.

Attraktivität der Branche

Bei der Cloudbranche gibt es verschiedene Varianten. Ihr könnt die verschiedenen Varianten der u.a. Tabelle entnehmen. In jedem Bereich sind hier in den letzten Jahren enorme Wachstumsraten zu verzeichnen. Corona hat diesen Effekt noch verstärkt. Für Oracle sind aufgrund der Datenbank und Datenspeicherung insgesamt sowie der Analysesoftware insbesondere Software as a Service und Infrastructure as a Service relevant. Das ursprüngliche Lizenzgeschäft stagniert allerdings.

Wettbewerber

In 2018 war das Unternehmen nach Microsoft mit 17% Marktanteil, Salesforce mit 12% Marktanteil und Adobe mit 10% Marktanteil mit 6% bezogen auf Cloud Computing der jeweiligen Sparte auf Platz 4 gleichauf mit SAP.

Kunden

Die Kunden für SaaS und IaaS Clouddienste sind gewerblich. Es geht hier darum große Datenmengen erfassen und sofort analysieren zu können.

Zulieferer

Zulieferung ist nur beim Aufbau neuer Rechenzentren notwendig. Hier braucht man Hersteller von Servern. Da allerdings nicht produziert wird, ist dieser Punkt im laufenden Geschäft zu vernachlässigen.

Ersatzprodukte

An passender Software zur Verwaltung größerer Unternehmen geht kein Weg vorbei. Zur Cloud gibt es allerdings die Alternative selbst einen Server im Keller stehen zu haben. Die Erfahrung zeigt jedoch, dass dieser weniger leistungsfähig, schwieriger zu erweitern und teurer ist. Deswegen würde ich an der Stelle sagen, dass es über die Bank hinweg keine wirkliche Alternative zu Clouds gibt.

Markteintrittsbarrieren

Um Oracle und der Cloud-Branche Konkurrenz zu machen, braucht man vorab zwei Dinge. Zum einen braucht man vermietbare Rechenleistung in Form von Rechenzentren und zum anderen braucht man gute Software. Beides geht mit einiger Vorlaufzeit und großen Kapitaleinsatz einher. Aus diesem Grund ist der Burggraben für die Unternehmen der Branche relativ groß.

Auswertung

Bis auf die vielen Wettbewerber und die gewerblichen Kunden, die jeweils für sich den Preis drücken, sieht die Branche sehr gut aus. Wir haben hier starkes Wachstum. Für die Cloud-Branche gibt es von mir 4 von 6 möglichen Punkten.

Marktstellung

Nachdem wir uns die Branche im Allgemeinen angesehen haben, sollten wir uns jetzt anschauen wie sich Oracle innerhalb der Branche aufgestellt hat. Dafür gehen wir jetzt die sieben Punkte der Marktstellungsanalyse durch. Können sie bei der starken Konkurrenz mithalten und vom Wachstum partizipieren?

Produktentwicklung

Bei Oracle scheint man seit relativ langer Zeit die Strategie zu fahren, dass man sich durch Akquisitionen von konkurrierenden Unternehmen neue Produkte einkauft. Bisher klappte das immer relativ gut. In den letzten Jahren blieben große Akquisitionen allerdings aus und man kauft lieber eigene statt fremder Aktien. Aktuell versucht Oracle aber auch seine Dienstleistungen organisch auszuweiten und auf weitere Cloud-Geschäftsfelder vorzudringen.

Möglichkeit einzukaufen

Aufgrund des Tätigkeitsfelds ist dieser Punkt zu vernachlässigen. Es muss relativ wenig zugekauft werden. Wenn doch mal ein Rechenzentrum oder Büro eingerichtet werden muss, dann hat Oracle mit seiner Größe ein gutes Standing in Verhandlung.

Einflüsse auf das Geschäft

Die Digitalisierung spielt auch Oracle momentan absolut in die Karten. Man muss diese Chance jetzt aber auch ergreifen. Viele andere Unternehmen drängen in den Markt und der Marktführer der eigenen Sparte ist sogar Microsoft. Da weiß man, was auf einen zukommt. Nichtsdestotrotz dürfte die Digitalisierung unterm Strich eher Chancen bieten.

Marketing

Bei Unternehmen wie Oracle, die gesamtheitliche IT-Lösungen für die Infrastruktur von Unternehmen anbieten gehen Vertrieb und Projektarbeiter Hand in Hand. Der Außendienstler sollte die Produkte bereits kennen und einen groben Plan umreißen können. Anschließend planen die ITler alles detailliert durch. Auch, wenn die Trennschärfe hier nicht so deutlich ist, so muss man doch mit hohen Marketingausgaben rechnen, da die Konkurrenz hier wirklich groß und zahlungskräftig ist.

Wachstumsmöglichkeiten

Im ursprünglichen lizenz- und softwarebasierten Datenbankbereich ist techuntypisch relativ wenig Wachstum angesagt. Man sollte und probiert sich auch viel stärker auf cloudbasierte Dienste fokussieren. Hier sind zweistellige Wachstumsraten möglich und es ist ein Markt mit Zukunft. Die Lizenzen für die eigene Software ist doch eher ein auslaufendes Modell. Lieber ein Abomodell in der Cloud. Oracles Cloud Business scheint aktuell Fahrt aufzunehmen. So soll der Bereich mit über 30% wachsen. Sicher sagen kann man das bei Oracle aufgrund der nicht veröffentlichen Daten allerdings nicht.

Unternehmensführung

CEO von Oracle ist nach Tod von eines der Gründer Safra Catz. Sie kommt ursprünglich aus dem Finanz- und Investmentbereich und ist dann 1999 über Finanzpositionen zu Oracle gestoßen. Zuletzt war sie dann CFO des Unternehmens. Nach Ihrem Bachelor in Pennsylvania hat Catz in Harvard Jura studiert, was wieder eine komplett andere Fachrichtung ist. Mittlerweile ist sie mit knapp 80 Mio. USD selbst an Oracle beteiligt und partizipiert somit genau so vom Unternehmenserfolg wie die Investoren. Die CEO des Unternehmens scheint sich ziemlich gut auf neue Themengebiete einlassen zu können, wenn man sich den Lebenslauf so anschaut.

Gesetzliche Rahmenbedingungen

Wenn man als cloudbasierter Dienstleister sensible Daten speichert, dann ist Datenschutz immer ein großes Thema. Dieser wird mit der Zeit immer strenger und hat höhere Anforderungen. Aber auch aus Kundensicht können sichere Daten den Unterschied machen.

Auswertung

Bis auf den Datenschutz, der ein großes Thema ist und immer mehr werden wird, sind hier alle Punkte positiv zu sehen. Aus diesem Grund erhält Oracle 6 von 7 möglichen Punkten für die Marktstellung.

Support

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Unternehmensbewertung

Ich würde sagen, dass wir jetzt schon ein ziemlich gutes Bild von Oracle bekommen haben. Ein schnell wachsendes Unternehmen in einer schnell wachsenden Branche, das seinen Start-Up Charakter schon vor geraumer Zeit verloren hat. Im Vergleich zu anderen Tech-Werten hat Oracle deutlich weniger stark zugelegt. Ist das mit den Wachstumswerten im Unternehmen ebenfalls so? Schauen wir uns dafür mal die 5-Jahres-Durchschnitte verschiedener Kennzahlen an, um daraus danach einen fairen Wert zu bestimmen.

Finanzkennzahlen 5-Jahres-Durchschnitt

  • Operative Nettobetriebsvermögen +2,8%
  • Umsatz +0,4%
  • Operativer Gewinn -0,1%
  • Operative Marge 36,0%
  • Free Cash Flow -1,8%
  • Operativer CF -1,4%
  • Eigenkapitalquote 31,6%
  • Fremdkapitalkosten +9,7%
  • Dividendenwachstum +5,5% (+11,1% je Aktie)
  • Dividendenrendite 1,6% (aktuell 1,4%)
  • Ausschüttung des FCF 22,5%
  • Übergewinn -3,0%
Oracle Umsatz

Erläuterung der Zahlen

Die Finanzen von Oracle gefallen mir ganz und gar nicht. Neben Stagnation im Umsatz sinkt sogar leicht der operative Gewinn. Der freie und operative Cash Flow sinkt ebenfalls. Das Einzige was wirklich steigt sind die Kapitalkosten in Form von Zinsen und Dividende. Wie eingangs erwähnt finden seit Jahren Aktienrückkäufe statt. So entwickelt sich der Gewinn je Aktie immer noch positiv, allerdings nicht operativ insgesamt. Schrumpfende Unternehmen möchte ich eigentlich nicht haben. Das einzig Positive ist eventuell die relativ starke Dividendenpolitik als Tech-Unternehmen in Kombination mit den Aktienrückkäufen, wenn man darauf aus ist. Ich möchte aber in der Finanzanalyse auf die finanzielle Gesundheit eingehen und hier gibt es aktuell keine Punkte für Oracle.

Fair Value

Nicht nur aufgrund von Corona, sondern auch insgesamt, rechne ich in meinen Bewertungsmodellen immer mit konservativen Durchschnitten der letzten Jahre. Trotz der aktuellen Förderung des Cloudbereichs ist das Umsatzwachstum aktuell schlecht. Aufgrund der starken Branche steigere ich meine Prognose aber vom historischen Wert dennoch auf 3% p.a. Das finde ich relativ konservativ, wenn hier die Branche noch weit größeres Wachstum vorhersagt. Mein Eigenkapital möchte ich wieder mit 10% verzinst haben und konnte aufgrund von aktuellen langfristigen Anleihen des Unternehmens Fremdkapitalkosten von 4% ausmachen. Zusammen damit und den Werten der Finanzanalyse habe ich meine Bewertungsmodelle befüllt. Die Ergebnisse habe ich mit dem aktuellen durchschnittlichen Kursziel der Analysten geglättet und kam somit auf einen Fair Value von 98,69$ oder aber 84,19€.

Chancen und Risiken

An dieser Stelle möchte ich vor dem Sicherheitsabschlag nochmal alle Chancen und Risiken ins Verhältnis setzen. Oracle ist in einer stark wachsenden Branche beheimatet. Man steht hier noch am Anfang der Möglichkeiten und kann noch viel im Unternehmen von Lizensierung auf Cloud-Abo umstellen. Wird hier der Turbo geschaltet können auch die Finanzwerte in Zukunft wieder besser aussehen.

Aktuell tun sie das aber nicht. Ob sich das ändert, ist auch fraglich, denn viele Konkurrenten scharren mit den Hufen und wollen Oracle Marktanteile abluchsen. Mit der Strategie weitere Unternehmen im angestrebten Bereich zuzukaufen ist man eigentlich immer gut gefahren und ich denke hierauf sollte man sich zurückbesinnen.

Investmententscheidung

Auf Grundlage der bisher abgezogen Punkten in der Branchen- und Marktstellungsanalyse nehme ich einen Sicherheitsabschlag von 25%. Ziehe ich diesen vom fairen Wert ab lande ich bei einem Kauflimit 63€ je Oracle Aktie. Um auf die Verkaufsschwelle zu kommen, ziehe ich die Sicherheitsmarge von der maximalen Verkaufsschwelle von 150% des Fair Values ab und lande somit bei 105€.

Bei einem aktuellen Kurs von rd. 62€ ist das Kauflimit nur knapp erreicht und ist bei weitem auch nicht eine der günstigsten Aktien aus meinen Analysen, sodass ich hier voraussichtlich demnächst erstmal nicht einsteigen werde.

Oracle Logo

Fazit

Um vom aktuellen Kurs profitieren zu können sehe ich bei Oracle zu viele Risiken, sodass mein Kauflimit so weit von Fair Value entfernt war, dass auch der aktuelle Kurs auch nur knapp darunter lag. So werde ich hier kein Investor. Für mich müsste das Unternehmen nach 5 Jahren Stagnation im Umsatz trotz attraktiver Branche erstmal wieder zeigen, dass man die Weichen richtigstellt und wenigstens mal ein Jahr wieder ein gutes Wachstum vorweisen.

Seht ihr das ähnlich? Oracle ist ja gerade erst auf dem Weg Richtung Cloud aber welche Cloudunternehmen findet ihr denn am spannendsten? Vielleicht Microsoft oder Amazon, die jeweils noch viele andere Geschäftsbereiche haben? Man sollte sich immer seine eigene Meinung machen und mehrere Köpfe sind immer besser als einer. Deswegen tobt euch gern in den Kommentaren aus. Daneben würde ich mich sehr freuen, wenn ihr einen Daumen nach oben dalasst, falls euch das Video gefallen hat. Künftig werden weiterhin solche Analysen und noch mehr auf diesem Kanal erscheinen. Wenn ihr also Gefallen daran gefunden habt, dann lasst mir doch auch gern ein Abo da. Ansonsten bedanke ich mich fürs Reinschauen und sage bis bald!

Aktuelle Zwischenzahlen
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