Was sind P2P-Kredite? Investition, Rendite, Risiko aber auch Chancen bei P2P-Krediten erklärt!

Da hierzu noch immer grundlegende Fragen aus der Community kommen, möchte ich heute mal näher auf P2P-Kredite als Assetklasse eingehen. Vielleicht können auch alte Hasen in diesem Artikel noch etwas lernen, jedoch werde ich alle Einzelheiten ziemlich grundlegend erklären. Viel Spaß beim Lesen!

Wofür steht P2P?

P2P steht für Peer-to-Peer. Das heißt so viel wie privat an privat und ist das Gegenteil von B2B. In diesem Zusammenhang bedeutet es also Endverbraucher an Endverbraucher.

Was sind P2P-Kredite?

P2P- oder Peer-to-Peer-Kredite sind also Kredite, welche von Privatinvestoren an Privatkreditnehmer vergeben werden. Auf beiden Seiten stehen somit Endverbraucher, ohne, dass eine Bank dazwischen geschalten werden muss. Eigentlich übernimmt ja die Bank den Part, dass Einlagen von Anlegern gesammelt und als Kredite ausgegeben werden.

Wie investiere ich in P2P-Kredite?

Wenn P2P nun also heißt, dass du direkt mit einem anderen Menschen einen Kreditvertrag abschließt, wie kommt dieser Vertrag zustande? Dies geschieht über P2P-Plattformen oder Kreditanbahner oder beides. Die Plattformen fungieren hier entweder als Vermittler zwischen Investor und Kreditanbahner oder sind selbst Kreditanbahner. Kreditanbahner sind Unternehmen, die an Privatleute Kredite vergeben. Diese möchten gern ihr Risiko diversifizieren und suchen deswegen Investoren, die einen Teil des Kredites als Investment abnehmen möchten. Als Investor kann man dann in einen kleinen Teil des Kredites investieren – meist schon ab 10€ oder weniger – und so ebenfalls sein Risiko verhältnismäßig klein halten.

Plattform aussuchen

Als erstes muss man sich eine Plattform aussuchen über die man in die Kredite investieren möchte. Hier gibt es Wahlmöglichkeiten in Hülle und Fülle. Gerade als Neueinsteiger gibt es hier viel zu lernen und vor allem gibt es nicht die eine richtige Plattform. Je nachdem worauf man Wert legt, ist auch für jeden Investor eine andere Plattform die richtige Wahl. Eine super Orientierungsmöglichkeit ist der P2P-Plattform-Vergleich von Lars, welcher regelmäßig aktualisiert wird. Lars bietet neben dem Vergleich auch weitere wissenswerte Beiträge zur P2P-Thematik.

Geld einzahlen

Hat man seine Plattform gefunden muss man Geld auf sein Investorkonto einzahlen. Das läuft ganz einfach über eine Überweisung und jede Plattform bietet hier genaue Anweisungen. Man überweist sein Geld quasi an das Bankkonto der Plattform unter Angabe der eigenen Investorenkennziffer, sodass es einem richtig zugeordnet werden kann. Bei mir hat es bisher immer gut geklappt, meist schon in 1-2 Bankwerktagen.

P2P-Kredite
Sollte man in P2P-Kredite investieren?

Kredite aussuchen

Nun muss man sich im nächsten Schritt darum kümmern, in welche Kredite man investieren möchte. Hier bieten sich eigentlich zwei verschiedene Möglichkeiten, wovon nur eine wirklich praktikabel ist.

Einzeln aussuchen

Auf der einen Seite könnte man sich natürlich jeden Kredit einzeln anschauen. Man könnte den Kreditnehmer bestmöglich unter die Lupe nehmen, sein bisheriges Zahlungsverhalten, für welchen Zweck der Kredit ist, ob es Sicherheiten gibt und wie im Verhältnis dazu die Rendite kalkuliert ist. Das ist sehr aufwendig und wenn man sich überlegt, dass man bei einem Investment von schon 1.000€ bereits leicht über 100 Kredite im Portfolio hat, so dieses Auswahlverfahren leicht vom Zeitumfang zu einem Nebenjob heranwachsen.

Auto-Invest

Viel bequemer und wesentlich effizienter ist hier der Auto-Invest, der eigentlich auch jeder Plattform verfügbar ist. Hier kann man die Eckdaten und Filter eingeben, die man für seine Kredite möchte, und in welche Kredite man nicht investieren möchte. Ist nun der Auto-Invest eingestellt, Kapital zum Investieren verfügbar und gibt es entsprechende Kredite, so wird ganz automatisch investiert, bis der Investor den Auto-Invest stoppt. Auch zurückgezahlte Kreditraten, werden so schnellstmöglich wieder investiert und arbeiten wieder schneller für den Investor.

Steuerliche Behandlung

Die Einkünfte aus P2P-Krediten sind natürlich steuerpflichtig. Die Renditen stellen als Zinsen Kapitalerträge dar und sind somit der Kapitalertragssteuer zu versteuern. Anders als Banken führen die P2P-Plattformen allerdings keine Steuern für euch an den Fiskus ab. Daran muss man dann selbst bei der nächsten Steuererklärung denken. Der einzige Streitpunkt, der auch noch nicht so ganz klar ist, ist wann die Steuer fällig wird.

Zum einen könnte man hier anbringen, dass die Steuer sofort in dem Jahr fällig wird, in dem die Steuern dem Investorenkonto auf der jeweiligen Plattform gutgeschrieben werden. Zum anderen könnte man argumentieren, dass man ja erst die Verfügungsgewalt über die Zinsen hat, wenn diese auf das tatsächliche Bankkonto ausgezahlt werden, sodass sie auch erst dann zu versteuern sind. Ich kenne kein letztlich bindendes Rechtsurteil und bin kein Steuerberater. Ich denke jedoch, dass man mit erster Variante sicherer fährt und mit der zweiten Variante mehr Rendite fährt, da das Investment sozusagen ohne Steuerbelastung thesauriert wird.

Unterschiede der Plattformen

Es gibt einige grundlegende Unterschiede bei den P2P-Plattformen. Über den P2P-Vergleich kann man auch diese einsehen, allerdings denke ich grundlegend kann man folgendes Unterscheiden: 1. Plattformen, welche nur zu Kreditanbahnern vermitteln und selbst keine Kredite ausgeben (wie Mintos*), 2. Plattformen, die selbst Kreditanbahner sind und Kredite an Kreditnehmer vergeben und diese auch eintreiben (wie z.B. Bondora*) und 3. die ersten beiden Plattformarten spezialisiert auf verschiedene Kreditarten wie Konsum-, Immobilien- oder Geschäftskredit.

Risiken & Chancen von P2P-Krediten

Wie immer gilt, dass es Rendite nur als Lohn für höheres Risiko gibt. Das gilt auch bei P2P-Krediten. Wenn Aktien zwischen 7-8% Rendite fahren und P2P-Kredite ohne einen Hebeleffekt 10-14% einbringen, kann man leicht schlussfolgern, dass Letztere auch risikoreicher sind. Doch worin genau liegen die Risiken und wie kann man diese umschiffen?

Ausfallrisiko Kredit

Das offensichtlichste Risiko ist wohl, dass der Kredit ausfällt. Das passiert, wenn der Kreditnehmer den Kredit aus irgendeinem Grund nicht zurückzahlt. Möchte man dieses Risiko minimieren, so kann man über den Auto-Invest nur in Kredite bis zu einer gewissen Rendite investieren. So minimiert man zwar das Risiko nach dem Rendite-Risiko-Prinzip, allerdings geht das meiner Meinung am Sinn und Zweck von P2P-Krediten vorbei. Sie sollen ja ein risiko- und ertragreiche Beimischung im Portfolio darstellen. Da hilft am ehesten noch die Diversifikation, damit beim Ausfall möglichst wenig des Gesamtportfolios betroffen ist.

Hier ist es am praktischsten im Auto-Invest eine maximale Investition je Kredit anzugeben. Wenn der Kredit letztlich ausgefallen ist, ist das Kind aber noch nicht ganz in den Brunnen gefallen. Die Kreditanbahner versuche nun natürlich die fällige Forderungen einzutreiben. Gelingt dies nicht, bieten viele Kreditanbahner eine Rückkaufgarantie des Kredites an, sofern der Kredit 60 Tage überfällig ist. Meist nehmen sie dann nicht nur den überfälligen Kredit zurück und zahlen dir das investierte Kapital zurück, sondern zahlen sogar die durch den Ausfall entgangenen Zinsen. Hat man also gar kein Risiko, dass Kredite ausfallen bzw. hat man dieses Risiko outgesourct?

Ausfallrisiko Kreditanbahner

Ja man hat das Risiko des Kreditausfalls outgesourct, allerdings ist eine Kreditausfallsgarantie nur so gut, wie der Garantiegeber. Sprich, wenn nun der Kreditanbahner als Garantiegeber insolvent geht, dann wird man auch die Kreditausfallgarantie nicht mehr greifen und die Kredite fallen wirklich aus. Darüber hinaus werden auch Ratenzahlungen, die wiederum fristgerecht gezahlt werden, eventuell nicht mehr über den Kreditanbahner an den Investor weitergeleitet, wenn dieser insolvent geht.

Hieraus ergibt sich also auch nochmal ein ganz neues Risiko, das Kreditanbahnerausfallrisiko. Da die Kreditanbahner in aller Herren Länder ihren Sitz haben, kann es auch zudem sein, dass sie, ohne insolvent zu gehen nicht mehr zahlen und sich mit den Investorengeldern aus dem Staub machen. Solche Betrugsfälle gab es schon öfter und es wird sie sicherlich noch öfter geben. Die Plattformen nehmen Ratings und Due Dilligences vor bevor Kreditanbahner aufgenommen werden aber unser bester Freund heißt hier wiedermal Diversifikation. Es ist unmöglich vorher zu wissen, welche Kreditanbahner ausfallen werden. Deswegen sollte man das Risiko auch am besten wegdiversifizieren. Mintos bietet hier zum Beispiel im Auto-Invest an, dass man maximale Prozentwerte angeben kann, die der Kreditanbahner vom Gesamtportfolio ausmachen soll.

Inflation

P2P-Kredite sind Schuldverschreibungen, genau wie Anleihen. Somit sind sie auch Finanzwerte. Sprich es geht hier um nominelle und nicht reale Vermögenswerte. An sich ist das kein Nachteil. Da man die Kredit allerdings teilweise über Jahre zurückgezahlt bekommt, spielt die Inflation gegen einen selbst. Der vergebene Kredit wird über die Jahre real nämlich immer weniger Wert. Entgegenwirken kann man diesem Effekt, indem man nur in Kredite investiert, welche ein kurze Laufzeit besitzen, investiert. Auf den meisten Plattformen kann man im Auto-Invest einstellen, in welche Laufzeiten investiert werden darf, oder es gibt teilweise Plattformen, welche nur in kurzlaufende Darlehen investieren.

Währungsrisiko

Das Währungsrisiko ist kein spezifisches P2P-Risiko. Es kann auch sein, dass P2P-Kredite in anderer Währung geführt werden. Hier kann man natürlich ganz simpel einfach nur in Euro-Kredite investiert werden oder man hat ein solch großes Portfolio, dass man dieses Währungsrisiko wegdiversifizieren kann.

Während Corona

Während der aktuellen Krise konnte man sehen, dass die Anzahl an Kreditausfällen durch weltweit steigende private und gewerbliche Insolvenzen natürlich anstieg. Durch ebenfalls steigende Zinsen konnten die Plattformen diesen Trend allerdings entgegenwirken, sodass die Nettorenditen letztlich ähnlich ausfielen. Leider gerieten allerdings auch viele Kreditanbahner in wirtschaftliche Bedrängnis und mutmaßliche Betrugsfälle deckte Corona auch auf.

Fazit

P2P-Kredite waren immer und sind weiterhin ein Hochrisikoinvestment, gerade weil ihre Existenz noch recht jung ist und man wenig Erfahrungen damit hat. Nichtsdestotrotz haben sie ihre Daseinsberechtigung. Neben den Risiken, welche oben genannt sind, gibt es durch Geschick natürlich auch Möglichkeiten diese Risiken zu begrenzen. Zudem bieten sie im Gegensatz zu Aktien keine Kursschwankungen und einen hohen prozentualen Cashflow. Gerade für Cashflow-orientierte Anleger also ein Schmankerl. Wie gesagt erkauft man sich aber Rendite immer mit Risiko, deswegen sollten P2P-Kredite immer nur eine Beimischung im Gesamtportfolio darstellen. Die aktuelle Krise dünnt die Herde an Plattformen vielleicht etwas aus und lässt die übrigen Plattformen und Platzhirsche noch heller strahlen. Wenn Corona vorbei ist und P2P sich weiterhin gut schlägt, so kann man P2P-Kredite vielleicht letztlich als etablierte Assetklasse aufnehmen.

Für regelmäßig gut aufbereitete Infos zu P2P-Krediten habe ich Nothern Finance auf YouTube abonniert und kann diesen Kanal nur empfehlen. Ansonsten interessieren dich vielleicht auch alternative Geldanlagen! Ich bedanke mich fürs Lesen und freue mich, wenn ihr bald wieder reinschaut! Liebe Grüße, Kai

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