Private Finanzen organisieren – Kostenloser Kurs Teil 2 – Tracking, Sparen und Schuldenabbau

Hallo und herzlich willkommen auf dem Finanzplanet! Mein Name ist Kai und heute gibt es den zweiten Teil des kostenlosen Kurses, mit dem ihr eure Finanzen in den Griff bekommt. So oder so ähnlich habe ich die meisten Themen in meinen ersten Videos bereits behandelt, möchte hiermit aber nochmal ein Rundum-Paket liefern. Starten solltet ihr natürlich mit dem ersten Teil des Kurses. Falls ihr diesen noch nicht angesehen habt, dann macht das erstmal. Danach kümmern wir uns im zweiten Teil weiter um eure finanzielle Bildung und damit auch potenziell um eure finanzielle Freiheit. Heute kümmern wir uns um darum, wie man ein Haushaltsbuch führt, wie man sein Sparen automatisiert und wie man seine Schulden abbaut. Wenn es bei dir in diesen Themenbereichen noch hapert, dann wünsche ich viel Spaß mit Teil 2 des kostenlosen Finanzkurses auf dem Finanzplanet!

4. Tracking des Vermögens – Haushaltsbuch

Während dir die Vermögensbilanz zeigt, wo du auf deinem Weg zu deinen finanziellen Zielen stehst, zeigt dir ein Haushaltsbuch deinen Kurs auf. Ein Haushaltsbuch ist ein Journal, in dem du deine monatlichen Ausgaben festhältst. Es ist meiner Meinung nach das beste Tool, um deinen Kurs auszumachen und ihn bei Bedarf zu korrigieren. Die Vermögensbilanz zeigt dir dein Nettovermögen. An dieser Stelle geht es genau gesagt darum, dass du dir eine Übersicht über deine monatlichen Ausgaben schaffst. Dies verhindert, dass dir jeden Monat Geld unbewusst zwischen den Fingern zerrinnt. So kannst du deine Sparrate und somit das Wachstum deines Nettovermögens maximieren.

4.1 Notwendige Genauigkeit

Die Hauptsache ist wie bei allem, dass man anfängt. Deswegen zerbreche dir nicht den Kopf darüber, dass du nicht alle Kosten auf den Cent genau festhältst. Machen wir uns nichts vor. Während dies bei den Fixkosten noch ohne weiteres möglich ist, so wird es bei den variablen Kosten beim Bäcker oder im Kino und allem was man bar zahlt schon schwieriger. Vor allem rückblickend auf den Monat bekommt man auf diese Weise nicht mehr alle Ausgaben zusammen und Rechnungen sammeln ist auch umständlich und nervig.

4.2 Erst Dokumentation, dann Budgetierung

Als ich für mich ein Haushaltsbuch angefangen habe, fiel mir ebenfalls schnell das Problem der variablen Kosten auf. Ich empfand es als störend, dass ich ständig meine Kosten überall nachhalten musste. Deswegen habe ich es auch ziemlich schnell aufgegeben. Mein Tipp ist folgender: Große variable Kosten wie Sprit, Lebensmittel oder durchschnittliche Kosten für Geschenke kann man sehr gut schätzen. Und den Rest der variablen Kosten kann man dann schon sehr gut summiert schätzen. In den folgenden Monaten kann man dann schauen, ob man mit seiner Schätzung richtig lag und diese im Zweifel anpassen. Daraus kann man dann Budgets für einen selbst entwickeln und die variablen Kosten auf diese Weise fixieren. Und alles ohne Rechnungen sammeln. Keep it simple!

Also nochmal zusammengefasst: Als erstes dokumentiert man seine Kosten wie sie sind. Fixe Kosten wie Miete, Strom und Abos kann man einfach von den Kontoauszügen ablesen. Die variablen Kosten sind schwieriger. Hier muss man über diese so weit buchführen, dass man sie gut schätzen kann. In Höhe der Schätzung setzt man sich dann Budgets für die Folgemonate. So macht man aus den variablen Kosten Fixkosten. Der Vorteil ist, dass man so bereits für die folgende Monate weiß, wie viel Geld man sparen kann. Das wiederum hat den Vorteil, dass man am Anfang des Monats direkt eine knapp bemessene Sparrate abgehen lassen kann, sodass dieses Geld nicht mehr Gefahr läuft ausgegeben zu werden. Und hier wirst du etwas Lustiges feststellen. Auch wenn du dir weniger Geld zur freien Verfügung lässt als sonst, du wirst damit auskommen. Man ist ganz natürlich darauf gepolt, dass man das Geld ausgibt, welches zur Verfügung steht. Andersrum schafft man es auch sehr gut damit auszukommen, wenn einmal etwas weniger Geld zur Verfügung steht. Mache dir mit Hilfe der Sparrate diesen Trick zu nutze.

Sparen Schuldenabbau
Sparen leicht gemacht!

5. Sparen automatisieren

Nachdem wir Vermögen, Einnahmen und Ausgaben festgestellt haben, wissen wir was wir theoretisch sparen können. In der Praxis gestaltet es sich allerdings oft schwierig jedes Mal die Überwindung aufzubringen zu sparen, statt etwas Schönes zu kaufen.

5.1 Gewohnheiten schaffen und Routinen aufbauen

Den größten Erfolg bei allem was Überwindung kostet, hat man, wenn man sich Routinen aufbaut. So muss man möglichst wenig über diese Überwindung nachdenken. Deswegen ist die Lösung genau wie bei Diäten, Sport oder rechtzeitigen Zubettgehen, dass man sich Routinen aufbaut. Beim Sparen wird es dir dabei leicht gemacht. Du kannst die Sparrate wie schon erwähnt am Anfang des Monats direkt abziehen. Das tust du wiederum am besten über einen Dauerauftrag. Dann musst du keinen Gedanken mehr darüber verschwenden. Wenn du dann am 1. des Monats auf dein Konto guckst, dann ist die Sparrate zusammen mit Miete und ähnlichen schon abgegangen und du hast dich bereits selbst bezahlt! Am besten geht die Sparrate auch auf ein Konto, welches in deinem Onlinebanking nicht zu sehen ist, ansonsten ist die Versuchung jedes Mal groß das Geld wieder auf dein Konto umzubuchen. Das ist wieder sehr gut vergleichbar mit demjenigen, der eine Diät macht. Auch hier ist es besser keine Süßigkeiten zu Hause zu haben. So muss man beim Einkaufen der Versuchung widerstehen und nicht jedes Mal, wenn man zu Hause den Schrank aufmacht.

5.2 Konten-Modelle

Um seine Finanzen zu strukturieren, gibt es verschiedene Herangehensweisen, was die eigenen Konten betrifft. Die Komplexität und der Aufwand werden bei mehr Konten natürlich größer. Dafür erhält man auch mehr Separierungsmöglichkeiten.

5.2.1 Probleme mit nur einem Konto

Das größte Problem mit nur einem Konto ist, dass man seine Sparleistung nicht separieren kann. Das ersparte Geld liegt neben den Geld, welches für den monatlichen Konsum gedacht ist. Man kommt also ständig in Versuchung dieses wieder auszugeben. Zudem kann man nicht genau auf einen Blick sein Erspartes ausmachen, weil später im Monat noch Abbuchungen kommen oder ähnliches.

5.2.2 Zwei-Konten-Modell

Abhilfe schafft hier das Zwei-Konten-Modell. Dieses Modell ist recht simpel und viele Menschen nutzen es von Haus aus, auch wenn sie sich nicht gut, um ihre Finanzen kümmern. Die zwei angesprochenen Konten sind zum einen das eigene Girokonto und zum anderen ein Sparkonto, auf das die monatliche Sparrate fließt. Am besten ist es hier noch, wenn das Sparkonto nicht bei der Hausbank ist. So hat man das Sparkonto im Onlinebanking nicht täglich vor Augen und kommt auch hier wieder nicht in Versuchung es zu plündern. Als Sparkonto eignen sich am besten Tagesgeldkonten oder Sparbücher.

5.2.3 Drei-Konten-Modell

Im Drei-Konten-Modell kommt noch ein Girokonto hinzu. Man hat also zwei Girokonten, ein Gehaltskonto und ein Alltagskonto. Auf dem Gehaltskonto geht das Gehalt ein und alle monatlichen Fixkosten gehen hier ab, egal ob Daueraufträge oder Lastschriften. Gleichzeitig geht hier noch die Sparrate auf das Sparkonto ab. Auf das Alltagskonto überweist man dann den Betrag, den man monatlich verleben möchte. Die beiden Girokonten, also Gehalts- und Alltagskonto, sind dann am Ende des Monats bei Ankunft des nächsten Gehalts planmäßig wieder auf 0€. Das einzige, was stetig wächst, ist das Sparkonto.

5.2.4 Mehr-Konten-Modell

Darüber hinaus gibt es immer weiter verzweigte Kontensysteme. Sowohl Gehaltskonten, Alltagskonten und Sparkonten gibt es dann in mehrfacher Ausführung. Als Beispiel möchte ich das Mehr-Konten-Modell meiner Partnerin und von mir erklären.

Erstmal muss Geld verdient werden. Das passiert bei mir und meiner Partnerin über Angestelltenverhältnisse und meine nebenberufliche Selbstständigkeit. Durch die Arbeitgeber wird das Gehalt direkt auf unser gemeinsames Gehaltskonto gebucht und der Überschuss aus der Selbstständigkeit landet erstmal auf einem Geschäftskonto, welches dann zugunsten des Gehaltskontos geleert werden kann. Vom Gehaltskonto gehen dann wie oben beschrieben einzelne Budgets zum Verleben an zwei getrennte Alltagskonten meiner Partnerin und von mir bei einer zweiten Bank. Zusätzlich geht ein Budget auf ein Tagesgeld bei der Bank des Gehaltskontos, wovon wir dann den Monat über einkaufen. Die Sparrate verteilt sich auf viele einzelne Bereiche. So geht jeweils ein Teil zu zwei verschiedenen Depots und ein Tagesgeld.

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5.3 Fixkosten und variable Kosten

An der Vorhersehbarkeit der Kosten kann man eigentlich nur zwei Arten von Kosten unterscheiden. Auf der einen Seite hat man Fixkosten und auf der anderen Seite hat man variable Kosten. Der Unterschied in der Möglichkeit der Vorhersage ist, dass man Fixkosten schon im Vorhinein bestimmen kann, da diese fix sind und in regelmäßigen Abständen abgebucht werden. Variable Kosten hingegen sind Kosten für die allgemeine Lebensführung. Diese sind schwieriger zu bestimmen, da der Preis und der Konsum stark schwanken kann.

5.4 Budgetierung

Gerade habe ich dir erklärt wofür ein Haushaltsbuch gut ist. Als guter Schüler hast du dir natürlich schon ein Haushaltsbuch angelegt. So konntest du dir eine Übersicht über deine durchschnittlichen monatlichen Kosten erstellen.

5.4.1 Erfahrungen sammeln

Beim Führen des Haushaltsbuches ist es mit das Wichtigste erstmal Erfahrung zu sammeln. Man sollte ein Gefühl für die monatlichen Kosten bekommen und wo das Geld hinwandert. So kann man tagtäglich besser verhältnismäßig teure, günstige, notwendige und unnötige Dinge besser unterscheiden.

5.4.2 Fixierung der variablen Kosten

Letztlich geht es aber, wie in vorangegangenen Lektion bereits erwähnt darum, dass man sich Budget erstellt. Budget fixieren die variablen Kosten in diesem Sinne, dass man auch die variablen Kosten im Vorhinein bestimmen kann. So kann man bereits am Anfang des Monats regelmäßig und automatisiert eine Sparrate abgehen lassen. Das Budget kann man dann bis auf den letzten Euro ausgeben. Das hat auch psychologisch den Vorteil, dass man nicht das Gefühl bekommt entbehrlich zu leben.

6. Schuldenabbau

Kommen wir nun also dazu, was man am besten mit seinem neu gewonnenen monatlichen Überschuss anstellt. Der erste Schritt sollte immer sein, dass man Schulden abbaut.

6.1 Bedeutung von Schulden

Schulden sind das genaue Gegenteil von Vermögen. Anstatt etwas für die eigene Zukunft aufzubauen, beraubt man sich selbst künftigen Chancen. Das Problem ist, dass der Zinseszinseffekt nicht nur für dich, sondern auch gegen dich arbeiten kann. Deswegen ist der Tilgungsanteil bei Krediten auch lange Zeit sehr niedrig und wird erst später größer, wenn der Kredit schon etwas getilgt wurde.

Durch Kredite verringerst du außerdem deinen monatlichen Überschuss enorm. Zwar ist der Tilgungsanteil deines Kredites quasi auch Vermögensaufbau, da in der deiner Vermögensbilanz der Schuldenanteil geringer wird, allerdings kannst du über die Kreditrate genauso wenig frei entscheiden, wie über deine Mietzahlung.

Der letzte große Grund, warum du zuerst deine Schulden tilgen solltest, ist, dass Schuldenabbau das beste Rendite-Risiko-Verhältnis hat. Lass mich das kurz erklären. Bei Geldanlage gibt es Rendite immer nur als Gegenleistung für Risiko (und Anlagedauer). Das ist der Grund, warum ein Sparbuch 0% Zinsen gibt. Es ist einfach komplett sicher und auch direkt verfügbar. Der Vorteil beim Schuldenabbau ist, dass du dir mit 100%iger Sicherheit den Zinsaufwand sparst. Wenn du deinen Dispokredit ausgleichst, der 9% Zinsen p.a. kostet, dann sparst du dir diesen nicht unwesentlich Zinsaufwand ganz sicher, während du bei Investitionen meist nicht so genau, so hohen Gewinn erwirtschaften kannst. Hinzu kommt, dass du Rendite eigentlich auf irgendeine Weise versteuern musst. Die gesparten Zinsen, durch Rückzahlung eines Kredits, sind aber natürlich steuerfrei.

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6.2 Schlechte Schulden vs. Gute Schulden

Auch, wenn es tendenziell Schulden immer zu vermeiden gilt, so muss man hier auch differenzieren. Es gibt nämlich sozusagen schlechte und gute Schulden. Schlechte Schulden sind zum Beispiel die gerade erwähnten Dispokredite. Grundlegend kann man schlechte und gute Schulden allerdings nicht darin unterscheiden, welche Art von Kredit dahintersteht, sondern wofür das Darlehen genutzt wird.

So sind schlechte Schulden diejenigen, die aufgenommen werden und verkonsumiert werden. Das krasseste Beispiel ist wohl, dass man sich einen Kredit aufnimmt, um davon in den Urlaub zu fahren. Man kommt aus dem Urlaub wieder, das Geld ist weg und der Kredit fordert fortan jeden Monat seinen Tribut.

Gute Schulden hingegen werden so eingesetzt, dass sie Gewinn erwirtschaften. Sprich das aufgenommene Geld wird investiert und die Erträge aus den Investitionen bezahlen zumindest den Zinsaufwand des Kredites. So machen es Unternehmen mit Maschinen, die finanziert werden, und so machen es auch Privatleute mit Immobilien zur Kapitalanlage.

Daraus folgt allerdings auch, dass ein und der gleiche Kredit entweder gut oder schlecht sein kann. Kaufst du dir zum Beispiel ein Auto auf Pump, dann sind dies schlechte Schulden, wenn du das Auto nur nutzt, um spazieren zu fahren. Nutzt du das Auto dann allerdings, um es zu vermieten und damit Geld zu verdienen, dann sind Autokredite gute Schulden.

6.3 Maximale Tilgung vs. gleichzeitiger Vermögensaufbau

Den negativen Kontostand eines Kredites sieht man meisten nicht, da er über die Hausbank mit kooperierenden Kreditbanken abgeschlossenen wurde. Aber selbst, wenn man den Kredit in seinem Banking Account sieht, so stehen dort mahnende, negative, rote Zahlen. Es ist schlichtweg nicht motivierend und nicht wirklich weniger bedrohlich, wenn diese rote Zahl etwas kleiner wird, wenn man diese denn wie gesagt überhaupt im Online-Banking sieht. Ansonsten ist es noch viel demotivierender, dass man jeden Monat Geld wegüberweist und nicht sieht was sich dadurch verändert und verbessert. Das ist ein Problem, weil die Schulden zurückzuzahlen nichtsdestotrotz so ein wichtiger erster Schritt ist.

Wenn du Probleme damit haben solltest dich aus gerade genannten Gründen zu motivieren, dann gibt es einen Trick. Auch, wenn es objektiv am sinnvollsten ist deine teuren, schlechten Konsumschulden möglichst schnell abzubauen, so ist es noch wichtiger, dass du motiviert und am Ball bleibst. Deswegen nimm vielleicht schon einen kleinen Teil deiner Sparrate und fang bereits an sie zu investieren statt sie als Sondertilgung für Kredite zu nutzen. So hast du zum einen den Vorteil, dass du zum einen motiviert bleibst, weil du siehst, wie das Geld bereits für dich arbeitet und du das Verlangen entwickelst mehr zu investieren, sodass du die Kredite schnell abzahlen willst, um den monatlichen Cashflow lieber zu investieren. Zum anderen kannst du dich bereits etwas mit der Materie rund um das Investieren befassen, denn man lernt am meisten durch aktives Handeln. Sprich du kannst bereits ein Depot eröffnen und dort Aktien- oder ETF-Sparpläne einrichten, um vielleicht auch zu lernen, dich mit investierten Geld wohl zu fühlen. Ansonsten kannst du je nach deinem Belieben auch schon einen Notgroschen aufbauen. Hierzu kommen wir aber in der nächsten Lektion.

6.4 Schuldenfreiheit

Im besten Fall bist du bald schuldenfrei. Schuldenfreiheit hat einige psychologische Vorteile und einige tatsächliche, objektive Vorteile.

6.4.1 Psychologische Vorteile

Ein großes Problem bei Schulden ist, dass man sich selbst betrügt. Der normale Weg ist, dass man Geld anspart und sich davon etwas kauft. Beim Kaufen entsteht dann ein Glücksgefühl. Soweit, so gut. Hat man für den Kauf nun allerdings Schulden aufgenommen, kam man zwar schneller ans Ziel, allerdings verfliegt das schöne Gefühl der Belohnung bald dadurch, dass man den Kauf bereut. Spätestens bei den nächsten Kreditraten, die abgebucht werden, überlegt man sich zumindest einmal, ob man diesen Kauf wirklich tätigen musste. Du nimmst dir das gute Gefühl vorweg und das ist schade. Erst die Arbeit, dann das Vergnügen. Deswegen probiere erst zu sparen und dich dann mit deinem Kauf der Begierde zu belohnen. So kannst du deine Belohnung komplett reuelos genießen und konditionierst dich auch noch dazu zu sparen.

Ein weiterer Vorteil ist, dass die mentale Last von Schulden nicht mehr auf dir lastet. Es muss nun schon einiges mehr passieren, damit du finanziell Probleme bekommst. Liquidität ist das Stichwort. Diese ist essenziell dafür, dass man sich finanziell wohlfühlt. Und durch die Schuldenfreiheit gewinnst du sie im doppelten Sinne. Zum einen hast du jeden Monat mehr Liquidität, da du keine Kreditraten mehr zahlen musst und du bekommst im allergrößten Notfall ja wahrscheinlicher einen neuen Kredit oder hast einen unausgeschöpften Dispokredit. Das beruhigt ungemein, auch, wenn man natürlich keine neuen Kredite aufnehmen sollte.

Letzten Endes muss man einfach sagen, dass es wesentlich leichter ist von 0 auf 100 zu kommen als von -100 auf 100. Deswegen sollte man nie schlechte Schulden aufnehmen. Hast du diese bereits, so solltest du deswegen möglichst schnell probieren diese abzubauen. Sonst kommt irgendwann das Gefühl auf, dass du aus diesem Loch nicht mehr rauskommst.

6.4.2 Objektive Vorteile

Die objektiven Vorteile der Schuldenfreiheit liegen auf der Hand. Zum einen hat man wie bereits erwähnt wesentlich mehr Liquidität. Zum anderen hat man auch weniger tatsächliche Kosten, da keine Zinsen mehr gezahlt werden. Diese neu gewonnene Liquidität kann dann monatlich investiert werden, statt nur Schulden abzubauen, damit das Geld ab dann für einen arbeitet.

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Der Notgroschen sichert den Notfall ab

7. Notgroschen

Hat man seine Schulden abgebaut, dann ist es natürlich das wichtigste, dass man nicht erneut schlechte Schulden aufnimmt. Dafür ist der Notgroschen gedacht. Bevor man Geld investiert und Vermögen aufbaut, sollte man zuallererst seine Liquidität sicherstellen.

7.1 Unterschied Vermögen und Liquidität

Bevor ich auf den Notgroschen eingehe, möchte ich einmal kurz auf den Unterschied zwischen Vermögen und Liquidität eingehen. Vermögen beschreibt die Vermögensgegenstände, die man in Summe besitzt. Dabei kann es aber sein, dass man diese Vermögensgegenstände nicht oder nur schwer zu Geld machen kann. Wenn man zum Beispiel eine Millionen Euro in Immobilien besitzt, so ist man zwar Millionär, allerdings wird es schwer sich von heute auf morgen einen neuen Mittelklassewagen zu kaufen. Hier kommen zur Liquidität. Diese beschreibt wie schnell das Vermögen in Geldmittel zur Verfügung steht. Immobilien sind sehr illiquide, sprich man braucht lange sie zu verkaufen und zu Geld zu machen. Aktien zum Beispiel sind liquider, da man börsentäglich verkaufen kann. Bargeld ist der liquideste Vermögensgegenstand. Hier kann man einfach zur Bank und Geld abheben oder per Überweisung das neue Auto kaufen. Da ein Notgroschen für Notfälle absichert, sollte er natürlich liquide angelegt sein.

7.2 Definition Notgroschen

Der Notgroschen ist ein von den sonstigen Vermögensgegenständen separierter Geldbetrag. Der Notgroschen ist nur für absolute Notfälle, sodass man bei kaputter Waschmaschine, Kühlschrank oder Autoreparatur keinen Kredit aufnehmen muss. Auch gegen kurzzeitige Arbeitslosigkeit sichert der Notgroschen ab. Da ein Notgroschen für Notfälle absichert, sollte er wie bereits erwähnt liquide angelegt sein. Hierfür eignet sich am besten ein Tagesgeld oder ein Sparbuch. Der Notgroschen soll mental entlasten und einen ruhigeren Schlaf bringen. Man weiß mit ihm immerhin seine nahe Zukunft in 100%iger finanzieller Sicherheit.

7.3 Höhe des Notgroschens

Die Höhe des Notgroschens obliegt ganz des Besitzers. Es kommt ganz auf die eigene Risikotragfähigkeit an. Die genannten spontanen Ausgaben wie Kühlschrank, Waschmaschine und Autoreparatur, sollte man schon auf der hohen Kante haben, und zwar auch, wenn diese nicht einzeln, sondern innerhalb eines Monats auftreten. Wie sagt man so schön: „Der Teufel macht immer auf den dicksten Haufen“. Das sollte das absolute Minimum sein. Für viele Menschen kann es aber auch beruhigend sein ca. 3-6 Nettogehälter in Bar angespart zu haben. So kann man sich sicher sein, dass auch Arbeitslosigkeit keine größeres Problem darstellt. Selbst, wenn man selbst kündigt und anschließend 3 Monate für Arbeitslosengeld gesperrt ist, hat man so die Freiheit nicht in einem Beruf festzuhängen, der einen mental auslaugt.

7.4 Alternativen für Liquidität

Im Grunde geht es also darum Liquidität bereitzuhalten. Für den absoluten Notfall oder um seine Risikotragfähigkeit bei seinen beruflichen Entscheidungen zu erhöhen. Für Liquidität gibt es allerdings auch Alternativen, denn der Notgroschen hat nicht nur Vorteile.

7.4.1 Nachteile durch den Notgroschen

Der große Nachteil am Notgroschen sind seine Opportunitätskosten. Opportunitätskosten sind der Geldbetrag, der einem entgeht, weil man den Notgroschen nicht investiert. Nimmt man das historische Mittel der nominalen Rendite der Aktienmärkte, so bewegt man sich ca. bei 7-8% pro Jahr. Diese Rendite entgeht einem in Bezug auf den Notgroschen. Man muss sich also vor Augen führen, dass es keineswegs kostenlos ist den Notgroschen in bar zu halten, auch wenn er nicht so teuer wie ein Dispokredit ist. Gerade deswegen sollte man allerdings seine Risikobereitschaft und seine eigene Situation mal überdenken, denn es kann auch Alternativen zum Notgroschen geben. Nachfolgend speziell zwei Beispiele aus dem Nähkästchen meinerseits.

7.4.2 Hohe Sparrate aussetzen

Jetzt kann es natürlich sein, dass man ein enorm hohes Einkommen oder ein normales Einkommen mit sehr hoher Sparrate hat. Beides führt dazu, dass die gängigsten Sachen, welche überraschend anfallen können bereits aus dem Auslassen einer Sparrate bezahlt werden können. So ist es bei mir und meiner Partnerin auch. Wir haben gemeinsam eine 4-stellige Sparrate und können daher durch einmalige Aussetzung der Sparrate neue Haushaltsgeräte ersetzen oder auch Reparaturen am Pkw zahlen. So ist es uns möglich den Notgroschen kleiner zu halten und unser Geld länger für uns arbeiten zu lassen.

7.4.3 Günstiger Rahmenkredit

Falls dann doch einmal wirklich sehr große Ausgaben anfallen, ist es trotzdem wichtig, dass man liquide ist. Hierfür haben wir für allergrößte Notfälle einen Rahmenkredit. Dieser ist ähnlich wie ein Dispositionskredit zu handhaben, jedoch nicht annähernd so teuer. Aktuell entspricht er mit 6% ungefähr den Opportunitätskosten, die ein Notgroschen verursachen würde. Von daher haben wir uns für die kombinierte Lösung aus kleineren Notgroschen und Rahmenkredit für absolute Notfälle entschieden. Jeder muss hier jedoch wieder selbst seine Risikobereitschaft kennen. Für manche Menschen kann es besser sein einen größeren Notgroschen zu haben, auch, wenn sie ihn nicht brauchen. Ein ruhiger Schlaf ist immer wichtiger als die paar Euro Renditemaximierung.

Ende Teil 2 – Vorschau Teil 3

Wenn du die Kapitel des zweiten Teils des kostenlosen Finanzkurses verinnerlicht und auch umgesetzt hast, dann hast du mit Hilfe eines Haushaltsbuches deine Finanzen getrackt und konntest somit vorab durch Budgets deine Sparrate bestimmen. Du hast ein für dich passendes Kontenmodell entworfen und konntest dadurch dein Sparen automatisieren. Letzten Endes hast du es damit geschafft zumindest mit dem Schuldenabbau anzufangen und/oder dir einen Notgroschen aufzubauen. Im nächsten Teil gehen wir dann dazu über uns um die verschiedenen Möglichkeiten von Vorsorge und Investitionen zu kümmern. Zum Schluss zeige ich euch dann noch ein paar Tricks aus meiner Erfahrung, wie ihr eure Sparrate erhöhen könnt, ohne euren aktuellen Lebensstandard zu verringern. Bis dahin bedanke ich mich aber erstmal fürs Reinschauen und sage bis bald!

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3 Antworten auf „Private Finanzen organisieren – Kostenloser Kurs Teil 2 – Tracking, Sparen und Schuldenabbau“

    1. Hallo Andre, danke für dein Feedback 🙂 Ja ich hoffe ich kann dem ein oder anderen damit helfen damit die eigenen Finanzen zu organisieren. Gerade mit diesem Ziel möchte man ja ungern direkt am Anfang erstmal Geld für ein Coaching ausgeben 🙂 LG Kai

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