Procter & Gamble Aktienanalyse – Ist der Konsumriese günstig genug bewertet, um zu investieren?

Hallo und herzlich willkommen auf dem Finanzplaneten! Heute bist du hier genau richtig, wenn du wissen willst, ob sich ein Investment in Procter & Gamble lohnt. Nicht ohne Grund ist der Titel bei Dividendeninvestoren beliebt. So gehört das Unternehmen mit 64 Jahren der Dividendensteigerung doch eher zu den Spitzenreitern in diesem Bereich. Neben der ansehnlichen Dividendenrendite von über 2% muss sich aber auch der Kursgewinn nicht verstecken. Dieser lag in den letzten 10 Jahren bei rund 8% und in den letzten 5 Jahren sogar bei über 13% pro Jahr. Kann die Aktie denn trotzdem noch unterbewertet sein? Bleib dran, wenn du meine Procter & Gamble Aktienanalyse und Meinung dazu wissen willst!

Grundlagen

Zuerst müssen wir erstmal wieder schauen wie das Unternehmen denn insgesamt so aufgestellt ist. Ich sage ja immer wieder, beschäftigt euch ein wenig mit den Werten, die hinter der Aktie stehen. Wenn ihr das Geschäftsmodell eines Unternehmen versteht, dann habt ihr in Krisenzeiten auch genug Glauben an euer Investment, um nicht aus Panik zu verkaufen.

Geschäftsmodell

Das Geschäftsmodell bei Procter & Gamble sieht nämlich ziemlich krisensicher aus, was sich auch während der Coronakrise bestätigt hat. Man könnte sagen, dass das Unternehmen systemrelevant ist. Der Kernbereich des Unternehmens ist nämlich der Hygienebereich. Dabei ist es egal, ob es um Körperpflege oder den Haushalt geht. Bei Procter & Gamble findet ihr das passende Produkt. In Drogeriemärkten bin ich immer wieder erstaunt wie viele Produkte auf der Rückseite der Verpackung das P&G-Logo tragen und zum selben Konzern gehören.

Historische Eckdaten

Mit William Procter & James Gamble begann von unglaublichen 183 Jahren die Geschichte des Unternehmens. Sie gründeten zusammen, um sich mit ihren gelernten Berufen des Kerzenziehers und des Seifenmachers selbstständig zu machen. Man sieht also schon die anfängliche Spezialisierung auf das heutige Geschäftsmodell. Sie gründeten in Cincinnati, wo sie ebenfalls heute noch ihren Sitz haben. Während des amerikanischen Bürgerkrieges bekamen sie den Auftrag die Armee mit Kerzen und Seife zu versorgen und konnten so sogar noch wachsen. Dies war natürlich nicht mehr in Handarbeit möglich. Bereits kurz nach Gründung wurde das Unternehmen industrialisiert. Procter & Gamble war seit jeher ein Vorreiter was Weiterentwicklung und Marktforschung anging. Nachdem sich aufgrund dessen der Erfolg einstellte, wurde ab den 1930er Jahren auch weltweit investiert und produziert. Heute sind beliebte Produkte des Unternehmens Head & Shoulders, Always, Pampers, Braun, Gilette, Blend-a-med, Oral-B, Ariel, Lenor, Febreze und Swiffer, um nur einige zu nennen.

Produktanalyse

Die bekannten Marken wollen wir nun noch einmal im Details nach Geschäftsbereichen und Absatzgebieten aufteilen, um zu sehen wir diversifiziert Procter & Gamble wirklich ist.

Geschäftsgebiete

Procter & Gamble hat bezüglich der Geschäftsgebiete praktischer Weise ein paar Gruppierungen gemacht. Der Umsatz teilte sich auf diese Gruppierungen wie folgt auf. Mit den Haushaltsmitteln wurde 33% des Umsatzes gemacht, im Bereich Hygieneartikel 39% und im Beautybereich 19% und 9% mit Rasierern.

Procter & Gamble Aktien Analyse

Absatzmärkte

Der Umsatz wird außerdem weltweit gemacht. So ist der Hauptmarkt mit 47% zwar die USA allerdings ist man mit 22% der Umsätze in Europa, 10% im Asien-Pazifik-Raum 9% in China und sowohl 6% in Lateinamerika als auch in Indien, dem mittleren Osten und Afrika, was als IMEA zusammengefasst wird, auch räumlich sehr gut aufgestellt. Auch die Emerging Markets sind abgedeckt, sodass man das Branchenwachstum in diesen Märkten gut mitnehmen kann.

P&G Aktienanalyse

Auswertung

Wie kann es bei solch einer Verteilung anders sein als, dass es in der Produktanalyse der Procter & Gamble Aktienanalyse 2 von 2 möglichen Punkten gibt. Sowohl im Produktbereich, der ohnehin schon grundlegende Produkte beinhaltet, als auch über die Welt hinweg ist man im Umsatz deutlich diversifiziert.

Branchenanalyse

Bezüglich der Branche kann ich relativ gut auf die Branchenanalyse aus meiner Unilever Aktienanalyse zurückgreifen. Unilever ist ein direkter Konkurrenten von Procter & Gamble. Zusammen mit Henkel gab es sogar mal Preisabsprachen. Procter & Gamble hat bis auf den Lebensmittelbereich so ziemlich das gleiche Produktportfolio wie Unilever.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Branche recht attraktiv ist. In der anderen Aktienanalyse habe ich ihr 4 von 6 Punkten gegeben. Das Wachstum ist mindestens so hoch wie das der Bevölkerung, da jeder Mensch die Hygieneprodukte benötigt, und die Bevölkerung wächst besonders in den Emerging Markets stetig. Natürlich ist im Supermarkt zwar jeder Platz im Regal hart umkämpft. Als Big Player der Branche muss man dieses Problem allerdings nicht fürchten. Zudem ist der Burggraben der Marken von Procter & Gamble und ähnlichen großen und alten Konzernen sehr groß. Die Menschen vertrauen den Produkten einfach. Lediglich die gewerblichen Kunden, sprich der Groß- und Einzelhandel, sind störend, da es hier zu Preisverhandlungen kommen kann.

Wenn du selber lernen willst detaillierte Fundamentalanalysen durchzuführen, dann verlinke ich hier noch ein Buch von zwei Schweizer Professoren, welches mir sehr geholfen hat, mich in dieser Richtung weiterzuentwickeln. Ansonsten kannst du natürlich auch einfach hier immer wieder vorbeischauen!

Marktstellung

Bei der Branchenanalyse konnten wir uns also bei Unilever behelfen. Wie schaut es allerdings mit Procter & Gamble innerhalb der Branche aus? Sind sie hier ebenfalls gut vertreten wie Unilever?

Produktentwicklung

Die Ausgaben für Forschung und Entwicklung sind in den letzten 5 Jahren ca. auf gleichen Niveau geblieben. Das ist allerdings gewollt, da seit 2012 ein anhaltender Sparkurs gefahren wird, um das Unternehmen effizienter zu gestalten. Da sich die Kosten allerdings auf gleichen Niveau bewegen, bekommen sie anteilig aber einen größeren Anteil an den Gesamtkosten des Unternehmens. Das ist begrüßenswert. Zudem muss man aber auch sagen, dass Procter & Gamble natürlich nicht so forschen muss wie Apple oder Tesla, da deren Produkte über Jahrzehnte gereift sind. Nichtsdestotrotz betreibt das Unternehmen traditionell viel Marktforschung und griff während Corona sogar auf digitale Möglichkeiten der Meinungserhebung zurück.

Möglichkeit einzukaufen

Einkaufsmöglichkeiten sind als Weltkonzern mit einer Vielzahl an Lieferanten natürlich top.

Einflüsse auf das Geschäft

Spezifische Einflüsse auf das Geschäfts gibt es weniger. Da die Produkte von Procter & Gamble grundlegend sind und Grundbedürfnisse stillen, sind sie zum Großteil auch immun gegen wirtschaftliche Rezessionen.

Marketing

Die Markenbildung ist stark in diesem Unternehmen. Es setzt auf vertraute Marken und hat das Branding mit erfunden. Procter & Gamble bleibt meist im Hintergrund des Geschehens. Viele der Produkte sind aus Fernseh- und Zeitschriftenwerbung allerdings nicht mehr wegzudenken. Procter & Gamble probiert dabei immer auf die Kundenbedürfnisse einzugehen. Ich denke zudem, dass Endverbraucher sich hier gut von Werbung leiten lassen können, da man den praktischen Nutzen der Produkte meist gut illustrieren kann, anders als Bei Nahrungsmitteln.

Wachstumsmöglichkeiten

Die Wachstumschancen sind hinreichend gegeben. Das Unternehmen ist unter anderem in den aufkommenden Emerging Market stark vertreten. Sowohl China als auch Indien wird bereits einzeln ausgewertet. Das zeigt die Fahrtrichtung des Unternehmens.

Unternehmensführung

Seit 2016 ist der CEO von Procter & Gamble David Scott Taylor. Er besitzt selbst Aktien des Unternehmens im Wert von 42,1 Mio USD. Das ist immer gut, da die CEOs dann selbst Aktionär sind und bemüht das Unternehmen gut für die Zukunft aufzustellen. Zudem erhält er ja ebenfalls Dividende, weswegen die Dividendenpolitik bestimmt beibehalten wird, was nach 64 Jahren aber so oder so wahrscheinlich ist. Kann er denn fachlich auch solch ein riesiges Unternehmen leiten? Interessant ist, dass Taylor Elektroingenieur ist, also gar nichts mit Unternehmensführung studiert hat. Das ist für mich eher ein Vorteil. Ich bin immer ein Freund davon, wenn Manager auch mal über den Tellerrand hinausgeguckt haben. Ich hätte aus diesem Grund noch gerngehabt, dass er auch noch andere Unternehmen von innen kennengelernt hätte, allerdings ist er seit 39 Jahren ausschließlich bei Procter & Gamble. Versiert wird er trotzdem sein, da er viele Produktionsketten betreut hat.

Procter & Gamble Aktienanalyse
Der CEO von Procter & Gamble, David S. Taylor

Gesetzliche Rahmenbedingungen

Hier besteht natürlich im Hygienebereich immer das relativ hohe Risiko der Klagen, wenn Menschen auf die Produkte allergisch reagieren. Ansonsten müssen Produkte halt zugelassen werden und können dann erst auf den Markt kommen. Das ist aber beides nicht Procter & Gamble spezifisch.

Auswertung

Die Marktstellung des Unternehmens ist richtig, richtig gut und ich sehe hier keinen negativen Punkt. Ein halben Punkt könnte ich vielleicht für den CEO abziehen, dem Erfahrung in anderen Unternehmen fehlt. Machen wir das sind wir trotzdem noch bei sehr starken 6,5 von 7 Punkten.

Unternehmensbewertung

Wie ich in der Einleitung bereits erwähnte ist Procter & Gamble in den letzten Jahren schon extrem stark im Kurs gestiegen. Lohnt sich hier denn trotzdem noch der Einstieg? Interessant ist das insbesondere aufgrund der guten Softskills wie Branche und Marktstellung. Lassen wir hier also mal die Zahlen sprechen und danach schlussfolgere ich dann anschließend welchen Wert je Aktie ich bereit wäre zu zahlen.

Finanzkennzahlen 5-Jahres-Durchschnitt

  • Umsatz negativ
  • EBIT +1,1%
  • Operative Marge 22,0% (steigend)
  • Free Cash Flow +8,0%
  • Operativer FCF +6,1%
  • Eigenkapitalquote 42,1%
  • Fremdkapitalkosten +2,9%
  • Dividendenrendite 3,1% (zuletzt 2,2%)
  • Dividendenwachstum +3,1%
  • Prozentuale Ausschüttung FCF 59,1%
  • Übergewinn negativ
Procter und Gamble Aktienanalyse
Die Ertragszahlen der letzten Jahre

Erläuterung der Zahlen

Der Umsatz ist zwar negativ aber nicht wirklich repräsentativ. Eine leichte Steigerung ist hier schon zu verzeichnen, allerdings ist das Jahr 2015 noch stärker im Umsatz, da hier noch nicht umstrukturiert wurde. Das EBIT ist allerdings auf den gleichen Zeitraum bereits positiv, was an der verbesserten operativen Marge durch die Umstrukturierung liegt. Der Cash Flow steigt seit jeher ordentlich und auch die Eigenkapitalquote und Fremdkapitalkosten sind zufriedenstellend. Procter & Gamble macht vor allem seinen Namen als Dividenden Aristokrat alle Ehre. Bei einer durchschnittlichen Dividendenrendite von 3,1% und einem Dividendenwachstum von ebenfalls 3,1% wird nur 59,1% des Free Cash Flows ausgeschüttet. Problematisch ist hier nur die negative Entwicklung des Übergewinns. Dieser ist das EBIT abzüglich der Kapitalkosten. Wenn das EBIT um 1,1% steigt und die Kapitalkosten durch Zinsen und Dividende um ca. 3% steigen, dann kann das langfristig nicht gut gehen. Hier ist es notwendig, dass die operative Marge oder die Umsätze anziehen, am besten natürlich beides, damit das EBIT stärker steigt.

Fair Value

Als langfristige Umsatzsteigerung habe ich 3,0% angenommen, auch wenn das Unternehmen in den nächsten Jahren von 4,5% pro Jahr ausgeht. Ich bin einfach nicht überzeugt, dass das bei der letztlichen Entwicklung klappt. Ansonsten betragen die angesetzten Eigenkapitalkosten wiedermal 10% und die Fremdkapitalkosten betragen laut langfristigen Anleihen des Unternehmens ca. 3,5%. Nehme ich das aktuelle Kursziel der Analysten von gut 150$ und ziehe hiervon und meinen Berechnungsmodellen den Mittelwert, so komme auf einen fairen Wert von 130$ bzw. 110€ je Aktie.

Chancen und Risiken

Um zu schätzen wie viel Sicherheitsabschlag wir jetzt noch brauchen schauen wir uns mal das Chance- und Risikoprofil an. Hier sehe ich beinahe keine Risiken. Die Wachstumschancen sind langfristig insbesondere in den Emerging Markets vorhanden und der Burggraben aufgrund der etablierten Marken ist enorm tief. Lediglich Klagewellen aufgrund von Unverträglichkeiten bei Kunden könnte kritisch werden, wie man bei Monsanto sieht.

Investmententscheidung

Auf Grundlage der im Vergleich zum Risiko überragenden Chancen sehe ich hier einen Sicherheitsabschlag von 15% gerechtfertigt. Damit komme ich dann auf ein Kauflimit von knapp 94€. Verkaufen würde ich dieses Investment dann ab 149€, was 135% des fairen Werts entspricht. Da zwischen könnte man mit Sparplänen arbeiten. Ich kaufe allerdings nur einzeln und nur unter Kauflimit, deswegen kommt Procter & Gamble bei einem aktuellen Kurs von ca. 121€ nicht in mein Depot. Selbst ohne Sicherheitsabschlag wäre die Aktie meiner Meinung nach überbewertet. Dieses Ergebnis hatte ich auch noch nicht oft.

Fazit

Procter & Gamble ist für mich also zurzeit deutlich überwertet. Wenn wundert es bei den Kursgewinnen der letzten Jahren. Sehr schade, da ich das Unternehmen an sich echt gut finde und an den Burggraben durch die Marken glaube. Zudem hätte ich damit mein Konsumgüter-Konglomerat deutlich ausbauen können. Ich mag es in Unternehmen zu investieren, dessen Produkte zum einen essentiell sind und zum anderen oft durch einen selbst gekauft werden. So muss ich dann aber vorerst weiter mit Unilever zufrieden sein. Vielleicht verirrt sich ja bald noch ein weiteres Konkurrenzunternehmen in meine Aktienanalyse.

Soweit so gut. Ich hoffe ich konnte euch bei euren Investmententscheidungen helfen und ihr konntet wieder etwas für mitnehmen. Wenn euch das Video gefallen hat, dann lasst mir doch gern einen Daumen nach oben da und, wenn ihr Wünsche für weitere Analysen habt, dann schreibt sie einfach unten in die Kommentare. Ansonsten bedanke ich mich fürs Zusehen und sage bis bald!

Eine Antwort auf „Procter & Gamble Aktienanalyse – Ist der Konsumriese günstig genug bewertet, um zu investieren?“

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.