Quantitätsgleichung – Wie funktioniert Geld?

Im heutigen Post soll es mal darum gehen, welche Gedanken hinter der Politik der Notenbanken stehen. Speziell geht es um die Quantitästheorie der Geldmenge, die im Umlauf ist. Außerdem möchte ich hier aufzeigen wie Inflation entsteht und was sie für dich bedeutet. Wenn du auch wissen willst was hinter dem Handeln der Notenbanken steht und welche Szenarien bzgl. des Geldes eintreten können, dann ist der Artikel genau richtig für dich.

https://youtu.be/99npKQf61Gk

Quantitätsgleichung  (M x V = P x Y)

In der Volkswirtschaftslehre gibt es grob gesagt eine Gleichung für den gegenseitige Bedingung von Geldmenge und Preis. Daraus ableitend lassen sich die Überlegungen der Notenbanken bzw. die Folgen derer Handlungen besser nachvollziehen. Ich probiere es in diesem Post mal ganz einfach zu halten, damit auch es auch alle grundlegend verstehen.

Variablen

In der Quantitätsgleichung kommen verschiedene Variablen vor. Diese möchte ich nun einmal kurz etwas genauer erläutern, damit hier alle auf dem gleichen Stand sind.

M = Geldmenge

Die Variable M ist die Geldmenge. Sie entspricht also dem Geld, welches sind momentan im Umlauf befindet. Hier gibt es verschiedene Abstufungen:

  • M0: Bargeld (ohne Zentralbank)
  • M1: Bargeld (ohne Banken insgesamt)
  • M2: Zusätzlich Festgelder bei Banken (RLZ <2 Jahre)
  • M3: Zusätzlich Geldmarktfonds (RLZ <2Jahre)

Diese Einstufung ist für die weiteren Überlegungen hier zwar irrelevant, allerdings können sich fachfremde so vielleicht besser vorstellen, was es mit der Geldmenge auf sich hat.

V = Umlaufgeschwindigkeit

Die Umlaufgeschwindigkeit des Geldes gibt an wie oft das Geld im Betrachtungszeitraum „ausgegeben“ wird. Also wie oft wechselt das Geld den Besitzer. Dieser Wert ist wichtig, denn in dieser Gleichung haben 2 Mio. €, die einmal ausgegeben werden, den gleichen Effekt wie 1 Mio. €, die zweimal ausgegeben werden.

P = Preisniveau

Der Preis in dieser Gleichung steht für das Preisniveau. Also wie bei der Inflationsberechnung existiert gedanklich ein Warenkorb aller gängigen Konsumgüter. Das Preisniveau ist dann der Preis für diesen Warenkorb,

Y = reales Bruttoinlandsprodukt

Das Bruttoinlandsprodukt existiert nominal und real. Y enspricht hier dem realen BIP. Dies ist sozusagen gleich der Menge der produzierten und gehandelten Wirtschaftsgüter.

Bedeutung

Man hat also in der Quantitätsgleichung auf der einen Seite MxV und auf der anderen Seite PxY. Beide Seiten entsprechen einander deswegen ist heißt es ja Gleichung. MxV entspricht hierbei dann dem insgesamt verwendeten Geld. PxY entspricht den gesamten Gütern im Land. Übersetzt heißt das einfach nur „Das Geld, welches ausgegeben wird, entspricht dem nominalen Bruttoinlandsprodukt, also dem Wert aller produzierten Güter und Dienstleistungen“.

Quantitätsgleichung
Die EZB in Frankfurt a.M. steuert die europäische Geldpolitik

Verschiedene Szenarien

Jetzt können volkswirtschaftlich natürlich verschiedene Dinge eintreten. Diese möchte ich im folgenden einmal durchgehen, um die Wechselwirkungen der Gleichung in der Realität besser abbilden zu können. Meistens erfolgt aus der Wirtschaft immer eine Aktion, die eine Reaktion der Notenbank mit sich zieht, um die geldpolitischen Ziele weiter zu erreichen. Das große Machtinstrument der Notenbanken ist die Geldmenge M. Diese lässt sich direkt (durch neues Geld) oder indirekt über Banken (Giralgeldschöpfung).

Inflation – Herleitung aus der Quantitätsgleichung

In der Formel MxV=PxY sieht man, dass das in Umlauf gebrachte Geld dem nominalen BIP entspricht. Steigt die Geldmenge, so steigt auch das Geld was die Haushalte zur Verfügung haben, und bleiben die Güter gleich, dann steigen die Preise. Das bedeutet auch, dass jemand, der 10% seines Einkommens für Essen ausgibt, danach bereit ist nominal mehr Geld auszugeben. Gibt er nominal das weiter gleiche Geld aus, so bekommt er natürlich weniger für sein Geld. Deswegen bedeutet eine Preissteigerung auch, dass das Geld entwertet wird.

Ziel der Notenbanken

Eine moderate Inflation sorgt in der Theorie dafür, dass das Geld entwertet wird und die Menschen so zum Konsum angeregt werden, da ihre Kaufkraft mit der Zeit nachlässt. Konsum kurbelt natürlich wiederum die Wirtschaft an. Deswegen ist diese moderate Inflation auch das Ziel der Zentralbanken heutzutage (zumindest der Fed und der EZB). Das Problem ist allerdings, dass aufgrund von Wirtschaftswachstum Y in der Quantitätsgleichung steigt. Bleibt die linke Seite erstmal konstant so sinken die Preise sogar (Deflation!). Um dem entgegenzuwirken erhöht die Zentralbank nun die Geldmenge um soviel, dass die linke Seite der Gleichung soweit erhöht wird, dass zusätzlich zu Y auch der Preis P steigen muss, um die Gleichung in der Waage zu halten. Das klappt in der Theorie natürlich mitunter auch so schön, weil die Umschlagshäufigkeit oft als konstante angenommen wird. Dass in der Praxis nicht immer alles so glatt läuft, zeigt uns die Geschichte.

Hyperinflation 1920er

Nach dem ersten Weltkrieg wurde Deutschland zu enormen Reparationszahlungen verpflichtet. Diesen konnte das vom Krieg gebeutelte Deutschland nicht nachkommen. Da die Reparationszahlungen allerdings in heimischer Währungen erfolgten, lies die Reichsbank als Zentralbank die Druckereien einfach heiß laufen, sodass die Zahlungen getätigt werden konnten. M stieg hier also enorm. Für unsere Geldformel heißt das natürlich, dass auch die rechte Seite der Quantitätsgleichung mitsteigen musste. Da natürlich durch die höhere Geldmenge als solches die Wirtschaft Y nicht zunimmt, ging dies nur über den Preis. Schon gab es eine gallopierende Inflation. Wie im vorherigen Absatz erwähnt ist die Umschlagshäufigkeit aber in der Realität nicht konstant. Nach dem schnellen Anstieg der Preise verloren die Menschen das Vertrauen in die Währung und gaben ihr Geld so schnell wie möglich aus, noch bevor die Preise wieder anstiegen. Das hatte zur Folge, dass die linke Seite der Quantitätsgleichung immer weiter stieg, da nun neben höheren M auch der Geldumlauf V anstieg. Durch diese Steigerung der linken Seite und stagnierender/weniger stark wachsender Wirtschaft Y musste das Preisniveau immer weiter ansteigen. Man befand sich in einer schneller Aufwärtsspirale hin zur Hyperinflation.

Finanzkrise, Eurokrise und Coronakrise

Seit der Finanz und der Eurokrise erlebt auch unsere Währung heutzutage wieder einen zumindest zeitweisen Vertrauensverlust. Bisher ist alles gut gegangen, obwohl während der Finanzkrise unmengen Geld in die Banken gepumpt wurden, um die Wirtschaft am laufen zu halten, da die Banken sich untereinander kein Geld mehr geliehen haben und V so drastisch abgesunken ist. Ebenso erhöhte sich die Geldmenge enorm während der Eurokrise und nun in der Coronakrise wird durch Staatshilfen für Unternehmen und Privatleute wieder enorm viel Geld in die Wirtschaft gepumpt. Das Platzen der „Blase“, das in den Medien jetzt oft genannt wird hat hiermit zu tun. In der Krise geht durch Unsicherheit des Arbeitsplatzes etc. natürlich die Umschlagshäufig zurück, weswegen man das Wachstum der Geldmenge M noch nicht zu spüren bekommt. Sobald diese Unsicherheit aber schwindet und die Menschen wieder ihr Geld mit beiden Händen ausgeben, wird befürchtet, dass P wieder das Ungleichgewicht durch eine enorme Inflation ausgleichen muss.

Was kannst du gegen Inflation machen?

Erstmal nichts. Wenn Inflation auftritt, ob gewollt oder ungewollt, dann kannst du nichts erstmal nichts dagegen machen. Außer den Konsum gibt es auf Inflation allerdings noch eine andere Antwort, die man geben kann. Du kannst dein Vermögen gegen Inflation absichern, in dem du es in Sachwerte investiert. Das ist auch genau der Grund warum Gold und Aktien momentan solche Hochs erleben. Corona geht weiter und weiter und bis auf den ersten ist der Aktienmarkt relativ unbeeindruckt und der Goldpreis und Kryptowährung wachsen immer weiter. Dies zeigt einfach die Flucht aus den aktuellen Währung. Meiner persönlichen Meinung nach ist ein breit gefächertes Aktienportfolio die beste Absicherung gegen Inflation. So ist man natürlich anfälliger für Deflation, diese ist jedoch nie langfristig, da von den Notenbanken auch nicht gewollt.

Fazit

Inflation geschieht allein schon durch Lohnsteigerung. Zusätzlich ist sie durch die Zentralbanken gewollt. Du kannst keine Ursachenbekämpfung machen, allerdings die Symptome beheben. Ich investiere hauptsächliche in Sachwerte wie Aktien und Immobilien, da hier die Maschinen, Gebäude und produzierten Güter hinter den Aktien oder die eigenen Immobilien durch die Preissteigerung und den Kaufkraftverlust an Wert gewinnen. Finanzwerte wie Anleihen, P2P-Kredite und Sparguthaben verliert dagegen in gleichen Maße an Wert.

Ich hoffe ich konnte etwas Licht ins dunkle Treiben der Zentralbanken bringen und falls noch mehr Erklärungsbedarf besteht, dann schau auch gern mein YouTube-Video zu dem Thema!

Liebe Grüße, Kai

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