Sherwin-Williams Aktienanalyse – Unterbewerteter Dividendenaristokrat mit starken Wachstum

Hallo und herzlich willkommen auf dem Finanzplaneten! Mein Name ist Kai und heute kümmere ich mich um einen weiteren Tipp aus der Community. Ich persönlich hatte von dem Unternehmen vorher noch nichts gehört, allerdings heißt das ja nichts. Bei Titeln, die eher unter dem Radar fliegen, lassen sich noch am ehesten Schnäppchen finden. Darüber hinaus ist der heutige Kandidat mit 43 Jahren an Dividendensteigerungen in Folge ein Dividendenaristokrat. Die Rede ist von Sherwin-Williams. Schauen wir mal, ob der Titel günstig bewertet ist. Viel Spaß mit der Sherwin-Williams Aktienanalyse.

Grundlagen

Vor allem, wenn man noch nicht viel über Unternehmen weiß und sich erstmal an die Aktie herantastet, sollte man sich meiner Meinung nach vorab einmal das Geschäftsmodell und den Werdegang des Unternehmens ansehen. Schließlich sollte man nicht in Unternehmen investieren, deren Geschäftsmodell man nicht versteht.

Geschäftsmodell

Sherwin-Williams stellt Farben, Lacke, Beschichtungen, Bodenbeläge und alle möglichen verwandten Produkte her. Die Produkte vertreibt das Unternehmen insbesondere über ein eigenes Filialnetz. 2019 waren es 4.758 Filialen weltweit.

Historische Eckdaten

Das Unternehmen geht auf den Kauf eines Farbvertriebs durch Henry Sherwin in 1866 zurück. 1870 wurde dann mit neuen Partnern die Sherwin, Williams & Co. gegründet. 1873 wurde zusätzlich die erste eigene Fabrik erworben. Sherwin-Williams in seiner heutigen Form wurde 1884 in Ohio gegründet, nach dem einer der Gründer ausstieg. Das Unternehmen wuchs nach und nach durch immer weitere Zukäufe bis es 1920 der größte Farb- und Lackhersteller in den USA war. Das Unternehmen wuchs organisch und insbesondere auch durch weitere Akquisitionen auf die heutige Größe. Allein Seit 2000 gab es 30 Unternehmenskäufe. Der letzte und größte Kauf war Valspar für 9 Milliarden Dollar in 2017. Für damalige Verhältnisse entsprach der Kauf einem Drittel der Marktkapitalisierung von Sherwin-Williams selbst.

Produktanalyse

Auch, wenn wir jetzt schon wissen, dass das Unternehmen mit Farben zu tun hat, ist es natürlich interessant, womit man hier genau sein Geld verdient.

Geschäftsgebiete

Sherwin-Williams teilt seine Geschäfte in drei Bereiche. Zum einen gibt es dort The Americas. Dieser Bereich ist quasi das anfängliche Geschäftsmodell seit Gründung. Hier dreht es sich um den Vertrieb von Eigenmarken und zugehörigen Equipment über die eigenen Läden sowie ganz modern über den Onlinestore. The Americas erwirtschaftet 57% der Umsätze. Der nächstkleinere Bereich ist Performance Coating. Performance Coating verkauft Lacke und Beschichtungen an gewerbliche Großkunden. Hierüber macht man 27% seiner Umsatzerlöse. Die restlichen 16% kommen aus dem Bereich Consumer Brands. Hier fließen quasi die Marken der zahlreichen Akquisitionen ein. Sherwin-Williams beherbergt mittlerweile ein riesiges Markenportfolio. Es dreht sich hierbei ebenfalls um Farben, Beschichtungen und ähnlichen. Vertrieben werden diese Produkte über die eigenen Stores und auch Drittkunden.

Sherwin Williams Aktie

Absatzmärkte

Da man schon lange Marktführer in den USA ist, verwundert es nicht, dass hier auch 81% der Einnahmen herkommen. Weiter differenziert wird beim Unternehmen gar nicht. 19% kommen also aus der übrigen Welt.

Sherwin-Williams Aktienanalyse

Auswertung

Bei der Produktanalyse gibt es einen von zwei möglichen Punkten. Die Diversifikation über Produkte ist zwar ausreichend, insbesondere weil hier an diverse Branchen und Privatkunden verkauft wird, allerdings ist das Geschäfts viel zu US-lastig. Dortige Probleme, Klagen oder sonstiges wirken sich sofort auf über vier Fünftel des Umsatzes aus.

Branchenanalyse

Insbesondere, weil ich gar keine Ahnung von Farben und Beschichtungen habe, sollte ich hier etwas genauer einsteigen. Ich kann mir zwar schon Industrien vorstellen, die auf die Produkte von Sherwin-Williams zurückgreifen, aber man will es ja genau wissen.

Attraktivität der Branche

Zuerst hatte ich also vor beim Wachstum auf Branchen abzustellen, die die Produkte von Sherwin-Williams nutzen. Bei der Farben & Beschichtungsbranche hätte ich irgendwie nicht damit gerechnet eine schöne Statistik oder Prognose für die Zukunft zu finden. Genau das war allerdings der Fall, und zwar passender Weise auch noch für den US-Markt. Von 2020 bis 2027 wird in der Untersuchung von einem jährlichen Wachstum von 4,3% ausgegangen.

Farben Beschichtungen Wachstum

Wettbewerber

Nicht nur in den USA, sondern auch weltweit gesehen ist Sherwin-Williams der größte Farb- und Beschichtungsproduzent. Die nächstkleineren Unternehmen kenne ich ebenso wenig, wie Sherwin-Williams vorher. Es ist allerdings ein umkämpfter Markt. Erst auf den hinteren Plätzen folgen mit BASF und Axalta zwei Unternehmen, die ich kenne.

Sherwin-Williams Konkurrenz

Kunden

Dieser Punkt ist jetzt schwierig. Es gibt wahrscheinlich andere Farbhersteller, deren Kunden hauptsächlich gewerblich sind. In dieser Analyse geht es aber ja um Sherwin-Williams und an den Umsätzen sehen wir ja, dass nur 27% aus dem rein gewerblichen Bereich kommen. Der Großteil der Kunden ist bei unserem Unternehmen privat, da man das eigene Vertriebsnetz bis zum Endverbraucher betreibt.

Zulieferer

Durch diverse Chemikalien und Pigmente, die man für die Herstellung schon für nur ein Produkt benötigt, gibt es hier diverse Zulieferer. Vor allem gibt es ja mehr als ein Produkt für die größeren Unternehmen dieser Branche. Das führt zu einer noch breiteren Auswahl an Lieferanten.

Ersatzprodukte

Egal, ob Autos, Schiffe, Fassaden, Fußböden oder Innenwände, man muss diese einfach auf irgendeine Art und Weise versiegeln. Bis auf Farben, Lacke und Beschichtungen gibt es aktuell keine Alternativen und Sherwin-Williams vertreibt alle drei Dinge.

Markteintrittsbarrieren

Um unseren Kandidaten Konkurrenz zu machen braucht man viele Dinge. Man braucht zum einen das Knowhow bzw. Rezepte für ähnlich gute Produkte. Man braucht außerdem noch ausreichend große Produktionsanlagen. Aufgrund der Präsenz zumindest in den USA müsste man hier außerdem noch große Marketingkampagnen starten. Alles sehr kostspielig und langwierig.

Auswertung

In der Branchenanalyse gibt es lediglich aufgrund der großen Konkurrenz einen Punkt Abzug. Hier kommen wir also auf 5 von 6 möglichen Punkten.

Marktstellung

Teilweise mussten wir ja schon auf Sherwin-Williams im speziellen eingehen. Das wollen wir jetzt aber noch einmal ganz bewusst tun. So erfahren wir besser als sich das Unternehmen in seiner Branche positioniert hat.

Produktentwicklung

Der gesamte Unternehmenserfolg ist auf Innovationen aufgebaut. Sherwin-Williams war 1875 nämlich das erste Unternehmen, das fertig gemischte Farbe verkaufte. Wollte man vorher seine Wohnung oder sein Haus streichen, musste man die Pigmente und Grundstoffe selbst einzeln erwerben und zusammenmischen. Speziell für Innenräume entwickelte das Unternehmen außerdem bereits in den 40ern eine schnelltrocknende Wandfarbe auf Wasserbasis. Aber auch in jüngerer Zeit gab es weitere Neuerungen. 2016 wurde durch Sherwin-Williams eine Farbe herausgebracht, die Mikroben abtötet. Nicht nur während Corona besonders interessant für Krankenhäuser und Arztpraxen.

Ein weiterer Punkt, der hier zu nennen ist, sind die diversen Unternehmenskäufen. Auch hierüber gibt es regelmäßig neue Produkte. Wie bereits erwähnt waren es laut Angaben des Unternehmens seit 2000 bereits 30 Akquisitionen.

Möglichkeit einzukaufen

Speziell Sherwin-Williams hat als Marktführer und somit größter Abnehmer für farb- und beschichtungsspezifische Lieferanten eine gute Verhandlungsposition. Hinzu kommt ja dann noch die Diversifikation bei den Lieferanten aufgrund der verschiedensten benötigten Inhaltsstoffe.

Einflüsse auf das Geschäft

Neben dem allgemein wirtschaftlichen Auf- und Abschwung gibt es bei Sherwin-Williams keine besonderen Einflüsse. Aktuell ist man zwar durch den Lockdown betroffen, langfristig dürfte Corona aber keine Auswirkungen haben. Der digitale Wandel ist durch einen bereits vorhandenen Onlinestore bereits vollzogen.

Marketing

Als Marktführer hat man verglichen mit anderen Unternehmen weniger Marketingkosten. Das breite Vertriebsnetz allein bringt schon gute Präsenz, auch bei Privatkunden. Bei gewerblichen Großkunden wird man als traditionsreicher Branchenprimus in jedem Fall angefragt werden.

Wachstumsmöglichkeiten

Die Branche allein bietet bereits gutes Wachstum. Durch das Umsatzwachstum der letzten Jahre sieht man, dass Sherwin-Williams hier nicht zuletzt durch die Akquisitionen sogar noch Marktanteile gewinnen konnte. Ich denke diese Strategie wird künftig auch fortgeführt werden. Never change a winning team. Dass ausländische Märkte Großteils noch unerschlossen sind, ist ein weiterer Pluspunkt.

Unternehmensführung

CEO des Unternehmens ist seit 2019 John Morikis. Er begann seine Karriere bei Sherwin-Williams bereits 1984 durch eine Management Trainee Stelle. Vorher machte er seinen MBA an der National Louis University. Durch seine langjährige Karriere beim Unternehmen konnte er für eine Privatperson einen beträchtlichen Anteil an Aktien ansammeln. Morikis ist Inhaber von 0,1% der Unternehmensanteile, die aktuell einen Wert von ca. 67,1 Mio. USD haben. Er hat also durchaus ein großes Eigeninteresse am Erfolg des Unternehmens. Seine fehlende Erfahrung aus anderen Unternehmen konnte er durchaus durch Tätigkeiten in Vorständen und Aufsichtsräten diverser anderer Unternehmen ausgleichen. Auch, wenn diese oft zum eigenen Konzern gehörten, hat man ja andere Strukturen und Herangehensweisen kennengelernt, bevor man diese dem Konzern angeglichen hat.

CEO

Gesetzliche Rahmenbedingungen

Besondere einschränkende Gesetze gibt es nicht. Allerdings gibt es diverse Umweltklagen gegen das Unternehmen, sowie Klagen aufgrund von früheren Vertriebs von bleihaltiger Farbe. Die Klagen sind aber immer relativ kleineren Ausmaßes und werden auch häufig abgeschmettert.

Auswertung

Es geschehen noch Zeichen und Wunder. Sherwin-Williams ist eines der wenigen Unternehmen, dass aufgrund seiner Marktstellung volle Punktzahl erreicht. Wirkliche Risiken oder Herausforderungen sehe ich hier nicht.

Newsletter

An dieser Stelle möchte ich mal wieder auf meinen Newsletter hinweisen. Wenn du regelmäßig über neue Aktienanalysen informiert werden möchtest, ist dieser perfekt für dich. Wenn du dich angemeldet hast, bekommst du monatlich die neusten Analysen nochmal auf einen Blick. Zusätzlich setze ich dir alle meine bisherigen Kauflimits ins Verhältnis zum aktuellen Kurs und zeige dir somit auf meinem Einkaufszettel, welche Aktien ganz aktuell meiner Meinung nach am günstigsten bewertet sind. On Top erhältst du als Abonnent meines Newsletter auch noch exklusiven Einblick in mein eigenes Depot. Bei Interesse trage dich doch einfach auf dem Blog dafür ein. Der Link ist in der Videobeschreibung. Ansonsten jetzt wieder zurück zur Sherwin-Williams Aktienanalyse!

Unternehmensbewertung

Nachdem das Unternehmen durch den geringen Punktabzug bisher eine wirklich gute Figur macht, möchten wir nun über die Ertragskraft auf einen Fair Value schließen. Wir betrachten hier insbesondere den letzten 5-Jahres-Zeitraum. Wir müssen dabei aber die große Akquisition von Valspar aus 2017 im Hinterkopf haben.

Finanzkennzahlen 5-Jahres-Durchschnitt

  • Operative Nettobetriebsvermögen +72,4%
  • Umsatz +12,4%
  • Operativer Gewinn +15,2%
  • Operative Marge 13,7%
  • Free Cash Flow +37,3%
  • Operativer FCF +32,2%
  • Eigenkapitalquote 19,8%
  • Fremdkapitalkosten +93,2%
  • Dividendenwachstum +19,1% (+20,0% je Aktie)
  • Dividendenrendite 0,9% (aktuell 0,8%)
  • Ausschüttung des FCF 18,6%
  • Übergewinn +13,4%
Umsatz EBIT FCF

Erläuterung der Zahlen

Wir sehen hier enorm starke Wachstumszahlen. Erstaunlicherweise müssen wir lediglich das operative Nettobetriebsvermögen und die Fremdkapitalkosten vor dem Hintergrund der Valspar Akquisition separat betrachten. Das operative Nettobetriebsvermögen stieg durch die Akquisition nämlich stark an, stagniert seitdem aber. Gleiches bei den Fremdkapitalkosten. Aufgrund der Kredite im Zusammenhang mit der Akquisition sind die Zinsen natürlich stark angestiegen. Seitdem nehmen sie aber wieder kontinuierlich ab. Zusätzlich sieht man aber auch, dass der Übergewinn trotz höherer Kapitalkosten gestiegen ist.

Alle anderen Werte lassen einen ebenfalls wunschlos glücklich zurück. Es ist nicht ersichtlich, dass das starke Wachstum in den anderen Positionen im Wesentlichen aus dem Unternehmenskauf kommt. Man kann also auch organisch gut wachsen. Aus diesem Grund erhält Sherwin-Williams auch an dieser Stelle wieder volle Punktzahl und somit zwei von zwei möglichen Punkten.

Fair Value

Zunächst ermitteln wir jetzt aufgrund der Erfahrungen aus den letzten Jahren mit Hilfe meines Discounted Cash Flow- und meines Übergewinnverfahrens einen fairen Wert. Hierfür gehe ich von einem Umsatzwachstum von weiteren 7% jährlich aus. Dieses Wachstum ist immer noch über Branchendurchschnitt, beinhaltet aber einen Puffer, weil das Umsatzwachstum natürlich auch von der Akquisition getragen war, wenn auch nicht komplett dadurch bedingt. Mein Eigenkapital soll wieder mit 10% jährlich verzinst werden und aufgrund langfristiger Anleihen konnte ich Fremdkapitalkosten von 4% ermitteln. Bei der zuletzt durchschnittlichen Eigenkapitalquote ergibt dies durchschnittliche Kapitalkosten von 5,19%. Glätte ich die Ergebnisse aus den Modellen mit dem aktuellen Kursziel der Analysten komme ich auf einen fairen Wert von 845,45$ oder 693,27€.

Chancen und Risiken

Das Chancen-Risiko-Profil von Sherwin-Williams sieht sehr gut aus. Man befindet sich als Marktführer in einer starken Branche und hat sich hier sehr gut positioniert. Lediglich die Konzentration auf die USA und die vielen großen Wettbewerber stellen ein Risiko dar. Durch die letzten Jahre zeigte das Unternehmen allerdings, dass man hier gut Schritt halten kann und sogar seinen Marktanteil ausbauen kann. Besonders im Ausland sehe ich hier noch großes Wachstumspotenzial.

Investmententscheidung

Da in der fundamentalen Analyse nur zwei Punkte abgezogen wurden, ziehe ich hier ebenfalls nur 10% von fairen Wert ab, um auf mein Kauflimit zu kommen. Dieses liegt somit bei 624€. Ziehe ich die 10% von der standardmäßigen Verkaufsschwelle von 150% ab, landen wir bei der Verkaufsschwelle für Sherwin-Williams bei 971€.

Beim aktuellen Kurs ca. 556€ sehe ich das Unternehmen als deutlich unterbewertet an und setze es somit aus meiner Sicht auf „Kauf“. Der Abstand zum Kauflimit ist sogar im zweistelligen Prozentbereich.

Sherwin-Williams Logo

Fazit

Mit Sherwin-Williams habe ich mal wieder einen Einblick in eine ganz neue Branche erhalten. Es gibt wahrscheinlich noch viel mehr, viel spezialisiertere Unternehmen. So könnten sich Unternehmen insbesondere auf Autolacke oder Holzimprägnierungen konzentrieren. Ich finde die Unabhängigkeit von einer speziellen Branche hier allerdings sehr attraktiv. Durch die privaten Kunden kann man außerdem Preise viel besser diktieren.

Was haltet ihr aber von Sherwin-Williams? Hattet ihr das Unternehmen überhaupt auf dem Schirm? Ich habe mich doch sehr gewundert, dass ich noch nie wirklich davon gehört habe, obwohl das Unternehmen Dividendenaristokrat und Marktführer seiner Branche ist. Sieht das bei euch ähnlich aus? Wenn ihr weitere Wünsche für Analysen habt, dann lasst mich das doch ebenfalls gern in den Kommentaren wissen. Wenn ihr weitere interessante Analysen zu unterbewerteten Titeln sucht, dann schaut doch mal bei meiner Fresenius Aktienanalyse rein. Ansonsten bedanke ich mich wie immer fürs Zusehen und sage bis bald!

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2 Antworten auf „Sherwin-Williams Aktienanalyse – Unterbewerteter Dividendenaristokrat mit starken Wachstum“

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