Visa Inc. oder Mastercard? Visa Aktienanalyse Teil 1 – Branchenanalyse und fairer Wert von Visa

Bisher wurden auf diesem Kanal hauptsächlich Dividendenaristokraten vorgestellt. Der heutige Kandidat ist das nicht. Mit 11 aufeinander folgenden Jahren der Dividendenerhöhung ist er noch weitere 14 Jahre davon entfernt so genannt zu werden. Mit jährlich gut 20% Dividendenwachstum in den letzten 5 Jahren ist das Unternehmen aber ein Kandidat für eine Dividendenwachstumsstrategie. Die Rede ist von Visa. Die Visa Inc. ist ein schnell wachsendes aber auch gut positioniertes Fintech-Unternehmen. Die genannten Vorteile lassen sich aber nur genießen, wenn man die Aktie nicht überteuert einkauft. Zudem ist diese Visa Aktienanalyse die erste aus einer zweiteiligen Reihe. In der nächsten Analyse werde ich den Konkurrenten Mastercard unter die Lupe nehmen, um diesen ebenfalls allein für sich und im Vergleich zur Visa Aktienanalyse zu bewerten. Schaut also auch am Sonntag wieder vorbei, wenn der nächste Beitrag online geht!

Grundlagen

Dass Visa Kreditkarten ausgibt, weiß wohl jeder. Dass das aber nicht das einzige ist, womit das Unternehmen Geld verdient, das weiß kaum einer im Details. Um das zu ändern, schauen wir uns jetzt erstmal das Geschäftsmodell im Details an.

Geschäftsmodell

Natürlich ist es richtig, dass Visa Kreditkarten ausgibt. Das ist aber nicht alles. Um diese Tätigkeit herum strikt sich noch ein weites Geschäftsfeld. Im Zuge der Kreditkarten rechnen sie für andere Unternehmen ab, prüfen Autorisierungen, gestatten Netzwerkzugriffe und wickeln internationale Transaktion ab, indem sie dabei Währungsumrechnungen durchführen und das Geld über die eigene Infrastruktur über Grenzen transferieren. All das macht das Unternehmen in Zusammenarbeit mit anderen Partnern und erhält für seine Dienstleistungen natürlich Gebühren.

Historische Eckdaten

Visas Geschichte ist nicht ganz linear. Bei diesem Unternehmen gibt es keinen Ablauf aus dem Bilderbuch nach Motto „Gründung-Wachstum-Börsengang“. Visa war zuerst einmal gar nicht Visa. Die Geschichte von Visa beginnt bei der Bank of America. Diese brachte 1958 für ihren Heimatmarkt Kalifornien eine Kreditkarte und damit ein neues Bezahlsystem heraus. Damals hieß die Karte allerdings noch BankAmericard. Nach und nach interessierten sich allerdings immer mehr Banken für das neue Bezahlsystem und wurden von der Bank of America für die Nutzung der BankAmericard lizensiert.

Nachdem später auch internationale Banken die Lizenz zur Nutzung des Bezahlsystems erworben haben, wurde zur Verwaltung der USA die NBI gegründet und für den internationalen Rest die IBANCO. Dies waren zunächst Joint Ventures der Mitgliedsbanken. Als das Bezahlnetzwerk zu einem einzigen globalen Netz ausgebaut werden sollte, wurde hierfür die NBI und die IBANCO in Visa USA und Visa International umbenannt. So konnte der Siegeszug des Unternehmens beginnen. Seit dem Börsengang 2008 stieg der Kurs der Aktie von 59,50$ auf aktuell ca. 190$.

Produktanalyse

Womit genau verdient Visa denn nun Geld? Verkaufen sie Kreditkarten? Geben sie Kredit aus? Schauen wir uns das mal genauer und vor allem auch womit wie viel Geld verdient wird.

Geschäftsgebiete

Also erstmal nein, Visa verkauft seine Kreditkarten nicht. Da würde bei dem bisschen Plastik wohl nicht viel bei rumkommen. Kredite werden auch nicht vergeben. Visa ist also keine Bank. Das Unternehmen verkauft dafür Dienstleistung. Visa verdient Geld über die Bereitstellung von finanzieller Infrastruktur und unterteilt seine Geschäftsgebiete grob in drei Teile. Hier haben wir zum einen Data Processing also Datenverarbeitung. Hier verdient Visa Geld über die Dienstleistung der Datenverarbeitung im Zuge von bargeldlosen Bezahlen. Dieser Bereich war 2019 der größte Bereich mit 35%. Der zweitgrößte Bereich mit 33% war Service. Zu den Serviceeinnahmen zählen ungefähr die gleichen Dinge wie bei der Datenverarbeitung, allerdings nur für die Visa-eigenen Bezahlsysteme. Es ist schwer Geld über Ländergrenzen hinweg zuverlässig zu versenden. Dieses Problem begründet den Geschäftsbereich International Transaction. Hier wickelt Visa gegen Gebühr internationale Transaktionen ab, was 27% des Umsatzes ausmacht. Die restlichen 5% kommen zum Beispiel aus Lizenzgebühren. Das sind allerdings die 2019er Werte. In den aktuell Zahlen wird der Anteil der von internationalen Transaktionen durch Corona abgenommen haben.

Visa Aktien Analysew
Verschiedene Dienstleistungen stecken hinter der Kreditkarte!

Absatzmärkte

Die Absatzmärkte kann man nicht gut auf Länder umschlüsseln, da das Unternehmen weltweit agiert. Aufgrund der Historie mit den Vorgängern NBI und IBANCO wird der Umsatz allerdings nach den USA und dem restlichen internationalen Bereich unterschieden. Im Heimatmarkt macht Visa 45% der Umsätze und auf der restlichen Welt die übrigen 55%. Also Fifty-Fifty ca.

Visa Aktienanalyse
Über Visa International breit gestreut

Auswertung

In der Produktanalyse dieser Visa Aktienanalyse gibt es aufgrund der guten Diversifikation in verschiedenen Dienstleistungen rund um die Zahlungsabwicklung und der sehr guten räumlichen Diversifikation weltweit volle Punktzahl.

Branchenanalyse

Visa ist in der Kreditkarten-Branche tätig, soweit konnten wir die Situation schon bewerten. Wie zukunftsträchtig ist diese Branche denn aber? Wächst sie oder stagniert sie eher?

Attraktivität der Branche

Der Trend geht immer mehr zu bargeldlosem Bezahlen. Durch die Vermeidung von Infektionen durch den Verzicht auf Bargeld, ist dieser Trend durch die Corona-Pandemie nochmal verstärkt worden. Auch online wird immer mehr gekauft. Diese Käufe werden ebenfalls oft mit Kreditkarten abgewickelt. Für die Branche bedeutet das natürlich, dass es äußerst lukrativ ist hier Marktanteile zu halten. Wenn man seine Marktanteile in einer ohnehin schon wachsenden Branche noch ausweiten kann, kann man sogar noch schneller wachsen. Quasi wie ein Motorboot, das auf einer Welle surft.

Wettbewerber

In der Branche gibt es an sich drei große Player. Diese sind Visa mit 45% Marktanteil, Mastercard mit 25% Marktanteil und UnionPay mit 27%. UnionPay muss man hier etwas außen vor lassen. Bei diesem Unternehmen handelt es sich um das chinesische Pendant zu den westlichen Kreditkartenriesen Visa und Mastercard. Natürlich genießt UnionPay bei den 2 Milliarden Chinesen eine Vormachtstellung, weswegen diese Marktanteile etwas gesondert gesehen werden müssen. In der westlichen Welt geht kein Weg an den beiden Duopolisten vorbei.

Visa Inc. Aktienanalyse
Visa als Marktführer

Kunden

Die Kunden der Branche sind gewerblich, da die Kreditkartenherausgeber ihre Zahlungssysteme bei Banken platzieren. Auch, wenn man als Endverbraucher natürlich stark von den Kreditkarten partizipiert, so zahlen die Gebühren letztlich die Banken. Diese bezahlen sozusagen für den Service der Zahlungsabwicklung.

An dieser Stelle muss ich auch mal sagen, dass auch Bargeld für Händler nicht kostenlos ist und zudem noch gefährlicher. Allein schon der tägliche Gang zur Bank zwecks Einzahlung ist bei einem Stundenlohn von beispielsweise 20€ schon enorm. Zudem kommt noch, dass das Bargeld geklaut werden kann. Das muss man entweder versichern oder sich zum Beispiel einen Tresor kaufen. Diese Vorteile sind mit ein Grund warum bargeldlose Zahlung nicht nur bei Kunden immer attraktiver wird. Aber zurück zum Thema.

Zulieferer

Da Visa eine Dienstleistung verkauft und kein produzierendes Gewerbe hat, ist es natürlich weniger abhängig von Zulieferern. Hier könnte man höchstens angemietete Serverleistungen oder Büroausstattung aufzählen. Das fällt aber in einem zu vernachlässigbaren Rahmen an.

Ersatzprodukte

Die alternative zur bargeldlosen Bezahlung ist Bargeld. Dieses wird zugegebener Maßen immer unattraktiver. Zudem gibt es neben Kreditkarten natürlich noch EC-Karten, welche in vielen Ländern (wie z.B. Deutschland) genau so gefragt sind wie Kreditkarten. Vor allem war früher der ausschlaggebende Unterschied, dass Kreditkarten im wahrsten Sinne Kreditkarten waren. Diese sammeln die Zahlungen über den Monat und buchen den fälligen Betrag in einer Summe ab. Dazu gibt es auch noch die Variante eines hinterlegten Ratenkredits. EC-Karten sind aber Debit-Karten. Diese buchen das Geld immer sofort ab. Besonders in den letzten Jahren wurden bei Banken immer mehr Kreditkarten in der Debit-Variante ausgegeben. Das könnte den EC-Karten aufgrund der Internationalität der Kreditkarten den Rang ablaufen.

Markteintrittsbarrieren

Um attraktiv für Banken und Händler zu sein, muss eine Kreditkarten-Unternehmen eine kritische Masse überschritten haben. Das Netzwerk des Unternehmens und die Akzeptanz seiner Karte muss so groß sein, dass die Karten für die Endverbraucher attraktiv werden. Können die Endverbraucher überall mit der jeweiligen Kreditkarte bezahlen, so werden mehr Menschen die Karte bestellen und damit zahlen. Auf der anderen Seite wird die Karte dann auch für Banken und Händler interessanter. Solch ein großes Netzwerk entwickelt sich nicht über Nacht und braucht Unmengen an Kapital zum Aufbau. Die große Markteintrittsbarriere erkennt man auch an dem Duopol der beiden Branchenriesen Mastercard und Visa.

Auswertung

Die Branche wächst und hat wenig Wettbewerber. Man ist nicht abhängig von großen Lieferanten und das Ersatzprodukt wird immer unbeliebter. Zudem gibt es einen enormen Burggraben für etablierte Unternehmen. Einziges Manko sind die gewerblichen Kunden, allerdings gibt es somit 5 von 6 möglichen Punkten in der Branchenanalyse.

Marktstellung

Jetzt kommen wir mal zu Marktstellung von Visa innerhalb der anderen Kreditkarten Unternehmen. Die Branche sieht ja schonmal sehr verlockend aus. Zumindest ist die Branche sehr attraktiv, wenn der großen Burggraben für einen arbeitet und nicht gegen einen. Wie ist es denn bei Visa?

Produktentwicklung

Nach kurzer Recherche kam ich immer wieder auf Beiträge, die davon handeln, dass Visa an Blockchain Technologie tüftelt. Diese möchte das Unternehmen einsetzen, um sensible Daten zwischen mehreren Unternehmen verschlüsselt zu versenden. Man sieht also, dass sich auf dem aktuellen Geschäftsmodell nicht ausgeruht wird.

Möglichkeit einzukaufen

Wie gesagt, gibt es für ein Dienstleistungsunternehmen keine großen Einkäufe zu tätigen. Für den Bürobedarf gibt es genug Lieferanten, egal ob Telefonanlagen oder Laptops. Serverleistung sind langfristigere Anschaffungen, egal ob zur Miete oder im eigenen Betrieb. Von daher auch hier alles gut. Zudem ist Visa ein so großes Unternehmen, das so viel abnimmt, dass es gute Konditionen aushandeln kann.

Einflüsse auf das Geschäft

Aus aktuellen Anlass lässt sich erkennen, dass eine weltweite Pandemie einen großen Einfluss auf das Geschäft hat. Allerdings ist dieser Einfluss durchaus als Katalysator für das bargeldlose Bezahlen und nicht negativ zu sehen. Andere Einflüsse können Stromausfälle sein oder Hackerangriffe sein, die die Infrastruktur des Unternehmens kurz- oder auch langfristig lahmlegen können.

Marketing

Visa hat den größten Marktanteil in der westlichen Hemisphäre und somit auch die größte Akzeptanz. Diese Akzeptanz ist wohl das beste Marketing für ein Kreditkartenunternehmen. Wenn Visa weiter einen guten Job macht, dann dürfte sich auch hieran nichts ändern. Hinzukommt, dass Visa als relativ altes Unternehmen und durch seine Geschichte großes Vertrauen genießt.

Wachstumsmöglichkeiten

Auch, wenn Visa den Markt ziemlich durchdrungen hat, so hat es natürlich Wachstumsmöglichkeiten. Man kann entweder neue Verkaufsargument wie Blockchain entwickeln, um den großen Konkurrenten Marktanteile abzuluchsen oder man zielt darauf ab in angrenzenden Branchen heimisch zu werden, um mehr der Wertschöpfungskette abzugreifen. Hierfür wurde letztlich das Startup Plaid erworben. Dieses verbindet mit seiner Software Bezahldienste mit klassischen Bankkonten und Kreditkartenfirmen. So hört die Wertschöpfung von Visa bei diesem Schritt nicht auf, sondern reicht bis zum Bezahldienst selbst. Dieser Deal muss aber noch kartellrechtlich abgesegnet werden. Darüber hinaus kann man auch an dieser Stelle nochmal auf das generelle große Wachstum der Branche hinweisen.

Unternehmensführung

Der aktuelle CEO ist Alfred F. Kelly Jr. Er hat diesen Posten seit 2019 inne, war vorher aber bereits seit 2014 Mitglied des Vorstands. In seinem Leben hat der 61-Jährige schon viel gesehen. Bevor er bei Visa anfing war Managementberater. Wiederum davor war er lange Zeit beim Konkurrenten American Express tätig, um genau zu seien waren 23 Jahre. Nach seinem Studium war er aber erstmal als Business Analyst bei Pepsi und arbeitete danach sogar als IT-Manager im Weißen Haus. Dieser komplette Werdegang hat ihn sicher viele verschiedene Fähigkeiten und Kontakte gebracht.

Gesetzliche Rahmenbedingungen

Für Kreditkartenunternehmen ist Datenschutz natürlich genau wie für Banken immer ein großes Thema. Hier müssen die Gegebenheiten im Markt regelmäßig angepasst werden, da auch Prüfungen stattfinden. Zum Glück wirkt das Unternehmen mit der Forschung an der Blockchaintechnologie hier bereits entgegen. Ein anderer Punkt ist das Kartellrecht. Hier hat Visa mittlerweile eine kritische Marktmacht erreicht. An sich ist das gut, auf der anderen Seite können geplante Übernahmen so natürlich platzen. Besondere gesetzliche Einschränkungen im Vergleich zur Peer Group gibt es allerdings nicht.

Auswertung

In der Marktstellung erhält der Marktführer Visa 7 von 7 Punkten. Das ist das erste Mal in einer Aktienanalyse von mir, wenn ich mich recht erinnere. Auch, wenn ich den großen Konkurrenten Mastercard noch nicht analysiert habe, kann ich an dieser Stelle schon sagen, dass sich Visa auf keinen Fall hinter den Konkurrenten verstecken muss. Ganz im Gegenteil.

Unternehmensbewertung

Visa ist also ein super Unternehmen in einer schnell wachsenden Branche, in der es auch noch die meisten Marktanteile hat. Der Wert des Unternehmens ist also sicherlich hoch. Aber ist es der Preis ebenfalls? Schauen wir uns jetzt mal den Fair Value der Aktie an. Dafür ziehen wir wie immer zuerst die Finanzkennzahlen der letzten fünf Jahre im Durchschnitt an. Die Zahlen sind übrigens druckfrisch. Zum Zeitpunkt der Visa Aktienanalyse ist der Jahresabschluss und die vorläufigen Zahlen 1 Tag alt. Außerdem habe ich statt mit 2015 erst mit 2016 angefangen, da hier die Rückkauf des Europageschäfts die Kennzahlen durcheinandergeworfen hat.

Finanzkennzahlen 5-Jahres-Durchschnitt

  • Umsatz +11,2%
  • EBIT +19,7%
  • Operative Marge 62,2%
  • Free Cash Flow +35,9%
  • Operativer FCF +17,5%
  • Eigenkapitalquote 41,8%
  • Fremdkapitalkosten +2,2%
  • Dividendenrendite 0,7% (aktuell 0,9%)
  • Dividendenwachstum +18,5%
  • Ausschüttung des FCF 19,5%
  • Übergewinnwachstum +20,0%
Trotz Knick durch Corona sehr guter Verlauf!

Erläuterung der Zahlen

Was soll man sagen? Das sind einfach super Zahlen. Auch, wenn hier im letzten Jahresabschluss durch Corona die internationalen Transaktionen gelitten haben, sieht man den langfristigen Trend nach oben. Als langfristiger Investor ist mir die langfristige Entwicklung des Zahlungsverhalten allerdings viel wichtiger als kurzfristige Gewinneinbrüche, weil die Leute aktuell keinen Urlaub mit Kreditkarte buchen. Weiter am Anfang der Visa Aktienanalyse konnte man schon erahnen, dass Visa bei der aktuellen Marktmacht wahrscheinlich keine Verluste macht. Dieses Wachstum des Umsatzes, des operativen Gewinns, Free Cash Flows und des Übergewinns sind aber enorm. Wie bereits in der Einleitung erwähnt ist die Dividendenrendite nicht wirklich enorm aber dafür das Dividendenwachstum. Visa ist deswegen für mich trotzdem ein top Dividendentitel, da die persönliche Dividendenrendite in ein paar Jahren schon ein paar Prozent sein könnte. Es steht also außer Frage, dass Visa ein sehr gutes Unternehmen ist, das viel Geld verdient. Es steht auch außer Frage, dass nachhaltig Geld verdienen werden, da Kreditkarten und bargeldloses bezahlen die Zukunft sind. Aber ist Visa zum aktuell Kurs günstig oder teuer bewertet?

Fair Value

Um das zu klären habe ich die Zahlen der letzten 5 Geschäftsjahre in meine Bewertungsmodelle gepackt und sie mit dem durchschnittlichen Kursziel der Aktie nach aktuellen Analystenmeinungen summiert und den Mittelwert gezogen. Als Kapitalkosten haben ich wie immer 10% für das Eigenkapital und abgeleitet von langfristigen Anleihen 2% für Fremdkapital angesetzt. Mein berechneter Wert je Aktie beträgt vor diesem Hintergrund knapp 208$ je Aktie. In Euro wären dies zum heutigen Kurs 179€. Das ist für mich allerdings nur der Fair Value und den Gewinn macht man ja bekanntlich beim Aktienkauf und nicht beim Verkauf. Deswegen möchte ich hierauf noch einen Abschlag entsprechend des Chancen- und Risikoprofils nehmen.

Chancen und Risiken

All zu viele Risiken gibt es bei Visa eigentlich nicht. Aufgrund der wenigen Konkurrenten gibt es vor allem wenig unternehmensspezifische Risiken. Mir fallen hier insbesondere ein, dass Mastercard Marktanteile gewinnen könnte oder UnionPay schafft mehr es aus China in den internationalen Markt vorzudringen. Stromausfälle oder Cyberattacken können einem zwar das Geschäft verhageln, sie sind allerdings weder spezifisch für Visa noch nachhaltige Probleme.

Chancen sehe ich dagegen einige. Das Zahlungsverhalten der Menschen wird deutlich digitaler, da es einfacher, sicherer und, neuerdings wichtig, auch hygienischer ist. Da auch der Markt internationaler wird, werden hier ebenfalls mehr Umsätze generiert. Sollte Visa etwas Bahnbrechendes in der Blockchaintechnologie für Banken schaffen, so ist das ein weiterer Pluspunkt. Wenn Bankenkonsortien eine Kryptowährung schaffen wollen würden, ist Visa zudem auch wahrscheinlich einer der ersten Anlaufpunkte. Zum anderen sieht man durch die Übernahme von Plaid, dass Visa bei der aktuellen Größe mehr der Wertschöpfungskette einnehmen will. Das finde ich gut, da ab einer gewissen Größe neue Märkte leichter zu gewinnen sind als die aktuellen Marktanteile auszubauen.

Investmententscheidung

Aufgrund der geringen Risiken und super Wachstumschancen sehe ich großes Potenzial bei Visa. Natürlich können unvorhersehbare Dinge wie Corona passieren oder ich kann mich mit meiner Einschätzung täuschen. Dafür möchte ich dann allerdings nur noch einen geringen Abschlag von 10% auf den fairen Wert nehmen, um auf mein Kauflimit zu kommen. Dieses liegt damit bei rund 160€. Verkaufen würde ich bei 140% des Fair Value, was 250€ entspricht. Bei dem aktuellen Kursrutsch auf 156€ ist Visa für mich daher auf jeden Fall ein Kauf. Jetzt gibt es allerdings ein sehr ähnlichen Unternehmen, und zwar den Konkurrenten Mastercard. Wie eingangs gesagt, soll dies die erste von zwei Aktienanalysen sein. In der nächsten Aktienanalyse schaue ich mit Mastercard genauer an und treffe erst danach meine Entscheidung. Der Transparenz halber möchte ich kurz sagen, dass diese Entscheidung, wenn die Visa Aktienanalyse online geht, natürlich schon getroffen ist. Ihr müsst also noch bis Sonntag auf meine Investmententscheidung warten!

Fazit

Wieder mal eine neue und ganz andere Branche unter die Lupe genommen. Ich finde es spannend, dass es hier eigentlich ein Duopol gibt. Burggräben sind bei langfristigen Investments enorm wichtig. Und Visa und Mastercard haben hier durch ihre Akzeptanz und das technische Netzwerk einfach richtige Burgschlucht. Das alles in Verbindung mit einer Branche, die aktuell wirklich mit zu den zukunftsträchtigsten gehört und trotzdem nicht neu und unberechenbar ist, macht die beiden Unternehmen meiner Meinung nach unabhängig vom Kurs zu Topinvestments. Welche der beiden Duopolisten ich jetzt aber vom Preis-Leistungsverhältnis her vorn sehe, das erfahrt ihr erst am Sonntag.

Jetzt sind wir natürlich wieder an der Stelle wo ich euch sagen muss, dass das natürlich alles nur meine Meinung ist und ich euch dringend empfehle selbst Informationen zu recherchieren und auszuwerten. Natürlich ist das hier keine Anlageempfehlung, weil das auch gar nicht funktioniert, da ich eure spezielle Lebenssituation nicht im Details kenne. Ich lasse euch nur an meinen Gedanken zu dem Thema teilhaben!

Ansonsten hoffe ich, dass ihr Spaß beim Beitrag hattet und was lernen konntet. Lasst mir doch gerne schon mal ein Kommentar da mit eurer Meinung, ob nun Visa oder Mastercard das lohnendere Investment ist. Ich bin gespannt auf eure Meinung und freue mich, wenn ihr am Sonntag wieder reinschaut, bis dahin!

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